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Andrea Doria (*1468 †1560)
- Oberbefehlshaber der kaiserlichen Flotte -
Der Genuese Andrea Doria war zunächst Söldner verschiedener Herren. Für Genua kämpfte er 1503 und 1506 gegen Rebellen auf Korsika und 1513 gegen die Türken. 1527 gewann er Genua für die Franzosen, in deren Dienst er seit 1522 gestanden hatte. Nach einem Zerwürfnis mit den Franzosen wechselte er auf die Seite Karls V., der ihm die Freiheit Genuas zusicherte. 1528 hielt Doria einen triumphalen Einzug in das von den Franzosen befreite Genua. Er wirkte zum Wohle der Stadt, erneuerte die Verfassung, übte aber selbst in diktatorischer Weise die Macht bis ins hohe Alter aus. Dorias Flotte setzte 1529 den Kaiser und sein Hof von Barcelona nach Genua über, auf den Weg zur Krönung in Bologna. Doria war äußerst erfolgreich als Oberbefehlshaber der kaiserlichen Flotte. 1535 leitete er Karls Angriff auf Tunis, 1541 rettete er die kaiserlichen Truppen, die zur ungünstigen Jahreszeit gegen seinen Rat eine Expedition gegen Algier unternommenen hatten.
Andreas Neffe Giovanni Andrea Doria befehligte die 54 Galeeren auf dem rechten Flügel der von Don Juan de Austria geleiteten "Heiligen Liga" in der Seeschlacht von Lepanto.


Medaille 1533 von Christoph Weiditz.   Ø 84,9 mm   Exemplar der Kunsthalle Hamburg.
Vs.   ·ANDREAE·DORIA·   -   schlichte Büste nach links, etwas zu klein geraten, im Abschnitt: 1533.
Rs.   ·PATRIAE·LIBERATORI·   "Befreier des Vaterlandes"
Nackter Neptun mit flatterndem Gewand und dem Trident. Zu den Seiten zwei kniende weibliche Gestalten. Der Personifikationen LIBERTAS (links) überreicht Neptun eine Phrygische Mütze und der PAX (rechts) einen Ölzweig.   Siehe Details zu LIBERTAS und PAX, wie gezeigt in Grotemayers Artikel.
Die Medaille erscheint als späte Würdigung Dorias als Befreier seiner Heimatstadt Genua im Jahr 1528.
Paul Grotemeyer erkannte 1958 diese Medaille als das Werk von Christoph Weiditz, der 1529 Ks. Karl V. begleitete bei der Überfahrt von Barcelona nach Genua als Passagier Dorias. Als Bildnisvorlage diente ein Holzschnitt aus Nürnberg aus dem Jahr 1532, ein Blatt von 25x35 cm und der Beischrift: ANDRE DORIA VON GENVA ROMISCHER/KAISERLICHER MAIESTAT OBERSTER KRIEGS/HAVBTMAN AVF DEM MER MDXXXII N:M.
Grotemeyer verweist auf eine mögliche Augsburger Herkunft der Neptun-Darstellungen, hatte sich Jakob Fugger bereits 1518 auf der Rückseite einer Medaille als Neptun allegorisieren lassen.
Unbekannt ist, ob die Medaille Doria erreicht hat. Italienischen Sammlungen ist sie unbekannt.
Grotemeyer waren zwei Exemplare diese Medaille bekannt: ein Bleiguß im Münchener Kabinett (Ø 83 mm) und das Silberexemplar (Ø 84,9 mm) aus der Versteigerung H. Cahn, M&M Basel (12.1957) Nr.104, dass aus der Slg. Schermar in Ulm stammen dürfte und jetzt wohl in der Kunsthalle, Hamburg liegt.
Siehe:
• Paul Grotemeyer, Eine Medaille des Andrea Doria von Christoph Weiditz. in: Centennial publication of the ANS, New York 1958, S.317-327 (im Netz verfügbar)
• Dorit Malz: Zwischen Konkurrenz und Bewunderung. Parallelen in der politischen Ikonographie Andrea I. Dorias in Genua und Cosimo I. de'Medici in Florenz. (im Netz verfügbar)
Christian Weiditz hatte bereits 1529 in Spanien eine Medaille auf Hernán Cortés geschaffen.
Es folgten Medaillen auf Mercurino Gattinara, Wolfgang von Montfort und Ks. Karl V.



Bronzemedaille (1541) von Leone Leoni.   Ø 41 mm   Habich Tf.91,1.
Vs.:   ANDREAS - DORIA·Pater·Patriae   "Andreas Doria, Vater des Vaterlandes"
Brustbild mit Orden vom Goldenen Vlies und antikisierendem Küraß, dahinter Dreizack, unten Delphin.

Rs.:   Galeere mit Ruderern, davor Boot mit zwei Männern, die an Land rudern,
links unten ein Fischer an Land.
Das kleine Ruderboot wird als dasjenige gedeutet, das den vom Galeerenfron befreiten Leoni zurück an Land brachte.
Auf einigen Exemplaren der Medaille fehlt der Orden vom Goldenen Vlies, der Andrea Doria 1531 verliehen worden war. Es scheint, dass Doria das Fehlen des berühmten Ordens beanstandet hat.
Vergleiche mit Andrea Doria als Neptun, Ölbild von Agnolo Bronzino
[ca.1540/50, 115x53 cm, Pinacoteca di Brera, Mailand, hier Ausschnitt].
Siehe auch eine Plakette auf Andrea Doria von Leone Leoni,
(ca. 1541, Bronze 9x8 cm, British Museum London).

Leone Leoni (1509-1590)
Leoni war in Italien der einflussreichste Bildhauer der Generation nach Michelangelo und ein bedeutender Medailleur, Stempelschneider und Goldschmied. Die ersten Stationen seines Wirkens waren Ferrara, Venedig, Padua, Urbino und Rom.
Seine Streitsucht und Zügellosigkeit brachten Leoni öfters in Schwierigkeiten. 1540 wurde er wegen schwerer Körperverletzung des päpstlichen Goldschmiedes Pellegrino di Leuti zur Galeerenstrafe verurteilt, kam aber 1541 auf Fürsprache des Admirals Andrea Doria wieder frei. Zum Dank schuf Leoni drei Plaketten für seinen Retter sowie ein Medaillenporträt von Andrea Doria, das er mit drei verschiedenen Rückseiten verband.
Leoni wirkte auch an der Münzstätte in Mailand, wo er vom Statthalter Ferrante I. Gonzaga gefördert wurde. Auf dessen Empfehlung hin erhielt Leoni Aufträge der Habsburger für diverse Medaillen und Skulpturen.


Medaille (1541)     von Leone Leoni     Ø 41 mm
Selbstbildnis Leone Leonis, umgeben von Ketten und Fußeisen.
Im Rücken eine geöffnete Fußangel und ein Hammer; im Hintergrund eine Galeere.
Alternative Rückseite obiger Medaille auf Andrea Doria.
Später trat Leone Leoni als Bildhauer und Medailleur in die Dienste Kaiser Karls V.:
siehe Medaille mit dem Sturz der Titanen (1549) und Medaille auf Karls Ehefrau Isabella (um 1550).
Als Stempelschneider schuf er in Mailand Münzen mit dem Bildnis Kaiser Karls V. im besten Renaissancestil. Auch für Münzen von Papst Paul III. hat er die Stempel gefertigt.

Michelangelo Buonarroti (1475-1564)
Gebürtig in der Toskana nahe Florenz begann er 13jährig mit der Kunstausbildung und wechselt ein Jahr später zur Kunstschule von Lorenzo de Medici, wo er von Lorenzo wie sein eigener Sohn gefördert wurde. 1498-99 entstand sein erstes Meisterwert, die "Pietà" im Petersdom. Aufträge zur Malerei, Skulptur und Baukunst hauptsächlich in Rom und Florenz machten ihn schon zu Lebenszeit zum berühmtesten Kunstler aller Zeiten.


Bronzemedaille (1561), von Leone Leoni.     Ø 60 mm.
Attwood 61; Pollard 500 = Kress 429; Börner 738,2; Scher (Currency of Fame) 52.

Vs.:   MICHAELANGELVS·BONARROTVS·FLO·Rentinus·AEtatisSuae·ANNnis - 88·
"... in seinem 88. Lebensjahr"   (Michelangelo stand aber noch kurz vor diesem magischen Alter.)
Drapiertes Brustbild nach rechts, im Armabschnitt die Signatur LEO.

Rs.:   DOCEBO·INIQVOS·Vias·Tuas·ET·IMPII·AD·TE CONVERtentur.   [ET ligiert]
"Ich werde die Ungerechten lehren, daß sie und die Gottlosen sich zu Dir bekehren" (Ps.51:13)
Ein blinder Mann barfuß als Pilger mit Hüftmantel und Stock, am Arm einen Wasserbeutel tragend,
geht nach rechts, geführt von einem Hund.
In einer früheren Version der Medaille ist die Hundeleine straff gespannt.
Leoni hatte einen prestigeträchtigen Auftrag für ein Grabmal dank Michelangelos Vermittlung erhalten und fertigte dafür diese Portrait-Medaille auf Michelangelo. Als Vorlage für das Medaillenbildnis entstand 1560 in Rom nach dem Leben eine Zeichnung oder das Wachsreliefbildnis, das sich heute im British Museum befindet. Leone Leoni fertigte die Medaille in Mailand und schickte Michelangelo im März 1561 vier Exemplare, zwei in Silber und zwei in Bronze. Er schrieb dazu "Die Medaille in der Schachtel ist fertig, behalte sie und betrachte sie in Liebe zu mir. Mit den anderen mache was du willst. Ich habe einige nach Spanien, Flandern und anderswo geschickt".
Laut Varesi hat Michelangelo das Motiv der Rückseite vorgeschlagen. Die Rückseite könnte eine Anspielung auf die Schwierigkeiten beim Bau der Kuppel des Petersdoms sein. Die Allegorie des Pilgers mit ihrer Verbindung von Blindheit, Erkenntnis und Glaubenskraft kann auch auf die vielschichtige Kunstauffassung Michelangelos weisen. [A. Schumacher]
Siehe das Ölbild ca.1544 von Daniele da Volterra (Ausschnitt aus 88x64 cm, Metropolitan Museum of Art, NY.)

Lit.:
• Philip Attwood in: Stephen Scher (Hrsg.), The Currency of Fame, Nr.52, S.155f. 1994.
• Hermann Maué: Michelangelo auf einer Bronzemedaille des Leone Leoni Nov.1986, MonatsAnzeiger /
  Germanisches Nationalmuseum Nürnberg.
• A. Schumacher: Leone Leonis Michelangelo-Medaille. Porträt und Glaubensbekenntnis des alten Buonarroti
  in: G.Satzinger (Hrsg.), Die Renaissance-Medaille in Italien und Deutschland. S.169-194, 2004.
• Interaktiver Katalog des Münzkabinetts zu Berlin: Objekt 18210913, ausgestellt in Bode-Museum.

Paolo Giovio (1483-1552)
Paolo Giovio stammt aus Como, studierte Philosophie und Medizin und wurde 1528 zum Bf. von Nocera ernannt. Er wirkte als Arzt, Humanist und Historiker in Rom und Florenz. In seiner Villa am Comer See, die er 'Museo' nannte, baute er eine beachtliche Sammlung von Portraits bedeutender Personen auf. Er bestellte möglichst naturgetreu Portraits und schrieb dazu Kurzbiographien. Seine Sammlung, die öffentlich werden sollte, erreichte 484 Porträts. Nach Giovios Tod liess Cosimo I de Medici den Maler Cristofano dell'Altissimo Giovios Bilder kopieren. Bis 1591 entstanden ca. 280 Bildkopien, die in den Uffizien erhalten blieben.


Bronzemedaille 1532 von Ludwig Neufahrer.    Ø 66,5 mm.
Habich II/2 1309a; Wettstreit in Erz 92.

PAVLVS IOVIVA EPiscopuS· NVCERIAE 1532
Die Medaille ist die älteste bildliche Darstellung von Paolo Giovio. Sie entstand 1532 anlässlich des Reichstages in Regensburg, den Giovio im Gefolge des Kardinals Ippolito de' Medici im Auftrag von Papst Clemens VII. besuchte. Sie förderten Ks. Karls Absicht eines Militärzuges gegen die Türken, der noch 1532 stattfand, aber ohne Entscheidungsschlacht blieb, weil sich Suleyman zurückzog.


Bronzemedaille 1552 von Francesco da Sangallo.     Ø 96 mm.
Attwood 795; Armand I, 156, 1; Toderi/Vannel 1418; Bargello 309.

Vs.:   ·PAVLVS IOVIVS COMENSIS EPISCOPVS NVCERINVS·Anno·Domini·Nostri·Salvatoris·M·D·LII
Bärtige Büste links, mit Mütze, Mantel, Pelzkragen und Hemd.
Rs.:   NVNC DENIQVE VIVES   "Nun wirst du endlich leben" [Köhler, Münzbelustigung, 12.Teil (1740), Stück 1]
Eine hohe Gestallt (Giovio) zieht mit dem rechten Arm einen wieder ins Leben gerufenen Mann aus dem Grab. Unter dem linken Arm ein grosses Buch (Giovios "Elogia" mit den verfassten Biographien).
Das Exemplar des Britischen Museums zeigt am unteren Rand des erhabenen Brustbildes die Signatur: FRANC SANGALLVS FACIEB, "Franz Sangallus machte es".
Francesco da Sangallo (1494-1576) war hauptsächlich Bildhauer und Architekt, der eine kleine Anzahl großformatiger Medaillen einschließlich eines Selbstporträts schuf. Er errichtete auch 1560 das Marmor-Grabmonument für Giovio im Kreuzgang von San Lorenzo in Florenz.

Tiziano Vecellio (1488/90-1576)
Tiziano Vecellio, genannt Tizian, geboren im Veneto nördlich von Venedig, begann jung seine Kunstausbildung in Venedig. 1513 eröffnete er seine eigene Werkstatt und entwickelte sich zu einem europaweit gefeierten Künstler. 1533 wurde er von Kaiser Karl V. in den Adelsstand erhoben und zu dessen Hofmaler ernannt. 1545 reiste Tizian auf Einladung von Papst Paul III. nach Rom, 1548 und 1550 begleitete er Karl V. sowie dessen Sohn Philipp II. auf die Reichstage zu Augsburg. Als Tizian in hohem Alter 1576 an der Pest starb, war er der wohl erfolgreichste Maler der venezianischen Geschichte. Schon zu Lebszeiten waren seine Werke in den Sammlungen des Vatikans, der italienischen Hocharistokratie und der Habsburger vertreten.


Einseitige vergoldete Bronzemedaille o.J. (ca.1645) von Claude Warin (ca.1607-54).
Ø 107 mm, 195,1 g.   mit inkuser Rückseite, das Exemplar im Musée des Beaux-Arts de Lyon.
VERA·TITIANI - EFFIGIES·   "wahrhaftiges Bild Tizians"
Brustbild nach halblinks, im Abschnitt bei 4h: VARIN
Der Bildhauer und Medaillist Claude Warin (aktiv 1630-54) war als Stempelschneider in Lyon tätig. Er hat auch von der obigen Medaille Leone Leonis auf Michelangelo die Vorderseite in einer grösseren einseitigen Medaille treffend nachgebildet.
Paolo Giovio erstand 1549 ein Selbstporträt Tizians für sein Museo in Como. Auch Karl V. und Philipp II. erhielten Selbstportäts von Tizian. Aber nur zwei der anderen Selbstporträts haben sich erhalten:
Ölbild, ca.1550-52 , 96x75 cm, in der Gemäldegalerie Berlin,
Ölbild, ca.1562, 86x65 cm, im Prado, Madrid.


Silbermedaille o. J.     Ø 15 mm, 3,66 g.   ?
TITIANVS VECELLI  -  Brustbild nach links   //   COLORVM PARENS  -  Sonne mit Gesicht.

Ref.:
Musée des Beaux Arts de LyonCollections en ligne
• Thierry Rouhette et Francesco Tuzio :  Médailles françaises des XVe, XVIe et XVIIe siècles du Musée des
  Beaux-Arts de Lyon, Monaco, 2008; p.194-195, n°126

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