Startseite Karl V. TOUR :   Don Juan de Austria


Philipp II.,   König von Spanien 1556-1598
- Sohn Karls V.   und   Gründer der spanischen Linie der Habsburger -
*1527 Valladolid, †1598 Escorial bei Madrid.   Philipp II. erhielt die folgenden Länder von seinem Vater: 1540 das Herzogtum Mailand, 1554 die Königreiche Neapel-Sizilien und 1555/56 die Niederlande, die Franche-Comté und Spanien mit den Kolonien. 1580 beanspruchte und gewann Philipp auch Portugal. Philipp II. erstrebte die span. Weltvorherrschaft. Er verstand sich als erster Vorkämpfer der Gegenreformation in seinen Ländern und in der Welt. Er war verheiratet in 1. Ehe mit Maria von Portugal (*1526, †1545 nach der Geburt von Don Carlos), in 2. Ehe mit Königin Maria von England (1554, †1558), in 3. Ehe mit Elisabeth von Valois, Tochter von Kg. Heinrich II. von Frankreich, (1559, †1568) und 1570 in 4. Ehe mit Anna von Österreich, Tochter von Kaiser Maximilian II.
König Philipp II. kämpfte erfolgreich gegen Frankreich (1557-1559), gegen die Türken (Sieg Juan d'Austrias bei Lepanto 1571) und gegen die Seeräuber. Er scheiterte aber mit der Eroberung Englands (Untergang der Armada 1588 und Niederlage bei Cádiz 1596) und mit der Unterwerfung der aufständischen Niederlande (Abspaltung der nördl. Provinzen). Diese kriegerischen Auseinandersetzungen überforderten die Finanz- und Wirtschaftskräfte und leiteten den Niedergang der span. Weltmacht ein.
Philipp II. liess in Mailand, Neapel, Sizilien, Sardinien und in den spanischen Niederlanden sein Bildnis auf Münzen prägen, während man in Spanien, wie unter seinem Vater, nur heraldische Zeichen verwendete.



Philipsdaalder 1557, Antwerpen.     Ø 40 mm, 34,8 g.   Delmonte 12 ; Dav.8625.
Vs.:   PHilippuS·Dei·Gratia·HISPanae·ANGliae·Z(etc)·REX·DVX·BRABantiae 1557
"Philipp von Gottes Gnaden König von Spanien, England usw., Herzog von Brabant"
Als Ehemann von Maria Tudor war Philipp 1554-58 König von England.
Rs.:   ·DOMINVS·MIC - HI·ADIVTOR·(Mz. Hand)·   "Der Herr ist mein Helfer"
Gekröntes Wappen zwischen Feuereisen mit Flammen, dahinter das Andreaskreuz, darunter ein
Feuerstein mit Flammen und dem Goldenen Vlies     Mz. = Hand, das Münzzeichen von Antwerpen.
Antwerpen :   Seit dem 14. Jh. bescherte die burgundundische Herrschaft der Stadt eine lange Blütezeit. Drei Ereignisse führten anschließend zum 200 Jahre währenden Niedergang der Stadt: die Ketzergerichte Philipps II. (seit 1567), die Plünderungen durch die Spanier (1576) und die Belagerung und Einnahme durch Alexander Farnese (1585). Das Stadtwappen von "Hand werpen" zeigt die abgehackten und in die Schelde geworfenen Hände eines Riesen.


Doppelter Schautaler, o. J. (1586/98), Brüssel.    Ø 46 mm, 61,64 g.   Delmonte 88; Dav.-.
Vs.:   +·PHILIPPVS·D:G·HISP·3·REX·DVX·BRA
"Philipp von Gottes Gnade König von Spanien, Herzog von Brabant"   -   gekrönte und geharnischte Büste.
Rs.:   ·DOMINVS·MI - HI·ADIVTOR·   "Der Herr ist mein Helfer"
Wappen, oben: Kastilien & León | Aragón & Sizilien. Granada (Granatapfel)
Herzwappen oben:   Portugal
Wappen, unten: Österreich (Binde) & Alt-Burgund (Schrägstreifen) | Neu-Burgund (Lilien) & Brabant (Löwe)
Herzwappen unten:   Flandern | Tirol
(Löwe | Adler).


Doppia 1578, Mailand.   (doppelter Dukat)     Ø 26 mm, 6,56 g.   Crippa 4/A; Friedb.716.
Vs.:   PHILIppus·REX·HISPANIarum·ETC    "Philipp König von Spanien, usw."
Kopfbild mit Strahlenkrone, darunter Jahreszahl.

Rs.:   MEDIOL - ANI·DVX    "Herzog von Mailand"
Wappen von Mailand, darüber Krone mit Palmen- und Lorbeerzeig.


Mezzo Ducato o. J. (1554-6), Neapel.     Ø 34 mm, 14,89 g.   Pannuti Riccio 3.
Vs.:   PHILIP·R·ANG·FR·NEAP·PRI·HISPA·
"Philipp, König von England, Frankreich, Neapel, Prinz von Spanien"
gekrönte Büste, dahinter das Monogramm IBR für Juan Bautista Rabaschiero
Rs.:   POSVIMVS·DEVM·ADIVTOREM·NOSTrum   "Gott haben wir zu unserm Beistand gemacht"
gekröntes Wappen, halb spanisch, halb englisch (Löwen und Lilien auf vertauschten Feldern).
Vergleiche den englischen shilling 1554 mit der sehr ähnlichen Rückseite.
Philipp war hier bereits König von Neapel und mit Maria Tudor verheiratet, aber noch nicht Kg. von Spanien. Später trägt der 1/2-Ducato den Titel "König von Aragón, beider Sizilien und Jerusalem" sowie traditionell die Anspruchswappen von Jerusalem und Ungarn.


10 Reali o. J., Cagliari, Sardinien.     Ø 41 mm, 28,47 g.   Varesi 40; Dav.8366.
Vs.:   +PHILIPPVS·:REX·ARAGONVM·ET·SARDINIÆ  -  gekrönte Büste, Münzzeichen C / X – A.
Rs.:   ¤INIMICOS·EIVS·INDVAM·CONFVSIONE
"Seine Feinde will ich mit Schanden kleiden" (so über David im Psalm 132, 18 und hier über den König)
Diese 10 Reali sind die erste talergrosse Prägung Sardiniens. Ihr gingen ähnlich gestaltete 1 Reale sowie 2 und 3 Reali mit dem Bildnis von Karl V. voraus.


billon Carolus 1562, Dole.     Ø 18 mm, 1,05 g.   P.A. 5285.
Vs.:   PHS·D·G·R·HISP·COM·BVRG   -   gekrönte Büste.
Rs.:   MON·COMITAtus·BVRGUNDIE   -   Wappen der Grafschaft Burgund, darüber Jz. 156Z.


1/2 Real 1596, Barcelona.     Ø 18 mm, 1,50 g.   Cal.700.
·PHILIPPVS·D·G·R·HISPANIAR   //   BARC - INOC·I- VITAS - 1596
Der wohl einzige spanische Münztyp mit einem Bildnis von Philipp II.



Philipp und seine Ehefrauen
Philipps erste Ehefrau Maria von Portugal verstarb 1545 nach der Geburt von Don Carlos. Auf Betreiben von Ks. Karl V. heiratete Philipp 1554 Maria Tudor von England, die jedoch 1558 kinderlos verstarb. Anlässlich des Friedens mit Kg. Heinrichs II. von Frankreich kam die Ehe mit dessen Tochter Elisabeth von Valois zustande. Sie starb nach anstrengenden Geburten. Die vierte Ehefrau, seine Nichte Anna von Österreich, Tochter seiner Schwester Maria, brachte schliesslich seinen Nachfolger Philipp III. von Spanien zur Welt.

Philipp mit Königin Maria Tudor (1516-1558)


Shilling 1554.     Ø 30 mm, 5,84 g.   North 1967; Seaby 2500.
Vs.:   Brustbilder von Philipp II. und Maria einander gegenüber, darüber Krone zwischen Jahreszahl
PHILIPpus·ET·MARIA·Dei·Gratia·Rex·ANGliae·FRanciae·NEAPolis·PRinceps·HISPaniarum
Rs.:   Gekröntes Wappen (halb spanisch, halb englisch), darüber 'X' - 'II' (Wertangabe 12 pence)
POSVIMVS·DEVM·ADIVTOREM·NOSTRVM     "Gott haben wir zu unserem Beistand gemacht"


Silbergußmedaille, ca. 1555-58.   Modell von Jacques Jonghelinck nach Jacopo da Trezzo.
Ø 35 mm, 35,08 g.     Attwood S.89, fig.26; Smolderen S.421, F8.
Vs.:   ·PHILIP·D·G· - HISP·REX·Z·
Barhäuptige Büste von Philipp II. nach rechts, in Harnisch, mit hohem Kragen und Goldenem Vlies.
Rs.:  MARIA I REGina·ANGLiae·FRA - NCiae·ET·HIBerniae·Z·  -  Marias Büste nach links in prächtiger,
juwelenbesetzter Bekleidung aus Kappe, Diadem, Schleier und hochkragigem Gewand.

Philipp mit Elisabeth (Isabella) von Valois


Bronzemedaille o. J. (1559), Modell von Gianpaolo Poggini.    Ø 39 mm.   Armand I S.239 Nr.7.
Vs.:   ·PHILIPPVS·II·HISPAN·ET·NOVI·ORBIS OCCIDVI REX·   -   Brustbild Philips nach links.
Rs.:   ·ISABELLA REGINA PHILIPPI·II·HISPAN·REGIS·   -   Brustbild Elisabeths nach rechts.
Signatur auf beiden Seiten unter den Büsten: ·I·PAVL·POG·F·

Philipp mit Erzherzogin Anna von Österreich (1549-1580)


Silbermedaille 1570, Modell von Jacques Jonghelinck.     Ø 39 mm, 21,45 g.
Smolderen 74; van Loon II S.133 Nr.1; Armand I S.240 Nr.13.

Vs.:  ·PHILIPPVS HISPANIARum·ET NOVI ORBIS OCCIDVI REX   -   drapierte Büste Philipps.
Rs.:   ·ANNA AVSTRIACA·PHILYPPI CATHOLici·  -  Büste Annas mit hohem Kragen und Halskette.
Am Armabschnitt: ÆT·ZI.
Vergleiche die Medaille auf Anna alleine.



Philips Sohn Infant Don Carlos

Don Carlos (1545-68), Sohn von Philipp II. und Maria von Portugal, war wegen enger Verwandtschaft seiner spanischen und portugiesischen Vorfahren genetisch belastet. Geistig und körperlich zurückgeblieben wurde er nach einem Fluchtversuch gefangen gesetzt bevor er starb.


Silbergußmedaille 1557, Modell von Pompeo Leoni.    Ø 66 mm.
Attwood 118; Armand I S.249 Nr.3; Teylers Museum Obj. TMNK 198.

Vs.:   CAROLVS P·F·HISP·PRINCEPS ÆT AN·XII·   -   barhäuptiges Brustbild n.l. in Harnisch
mit Kommandostab in der Rechten. Signatur am Armabschnitt: F.POMP.1557

Rs.:   CONSOCIATIO RERVM DOMINA   "Verbindung, Herrin der Dinge"
Über Kriegstrophäen schreitet die weibliche Figur der CONSOCIATIO nach links,
mit drei Zweigen in der Rechten und eine Krone in der Linken.
Vergleiche hierzu die Medaille von Jacopo da Trezzo auf Karls V. Tochter Maria mit der fast gleichen Rückseite.


einseitige ovale Medaille (1559), Modell von Pompeo Leoni.    39,7 x 33,6 mm.
CAROLVS PHI F ET S ANN XIIII   -   Büste links, 14 Jahre alt, in Rüstung und Mantel.
Dies ist die Rückseite einer Medaille, die auf der Vorderseite Philipp II. zeigt (Toderi/Vannel 125).




auf Philipps Thronbesteigung 1557 in Spanien


Silbermedaille 1557, Modell von Gianpaolo Poggini.    42,93 mm; 32,55 g
Börner 684; Armand I S.238 Nr.1; v. Loon I S.8/9 Nr.2 (dort mit Jz. 1555).

Vs.:   ·PHILIPPVS·Dei·Gratia·ET·CARoli·V·AVGusti·PATris·BENIGNITate·HISPaniarum·REX·
Geharnischtes Brustbild links, unten Jz. 1557 und Signatur ·I·PAUL·POG·F·.
Rs.:   ·VT QVIESCAT· - ·ATLAS·   "Ruhe auf diesem Atlas"   -   Atlas (griechische Personifikation des afrikanischen Atlasgebirges am Westrand der antiken Welt) steht fast von vorn mit umgelegtem Mantel auf Bodenleiste und trägt auf seinen Schultern einen Globus mit Sternenhimmel und Tierkreiszeichen.
Vergleiche die Statue des Farnese Atlas im Museo archeologico nazionale di Napoli.
Giampaolo Poggini (*1518) war Medailleur, Stempelschneider und Goldschmied und ist der ältere Bruder von Domenico Poggini, mit dem er für den Hof von Cosimo I. Medici arbeitete. Von 1555-1559 war er in Brüssel für den Hof Philipps II. von Spanien und ab 1559 in Madrid tätig. Dort starb er 1582.   [Künker-302]

Spanien nimmt Besitz der Neuen Welt


Vergoldete Silbermedaille o. J., Modell von Gianpaolo Poggini.    Ø 39 mm.
Scher 58; Attwood 1083; Armand I,S.239,Nr.10; v. Loon I S.288 Abb.1; Teylers Museum Obj. TMNK 255.

Vs.:   ·PHILIPPVS·II·HISPANiarum·ET NOVI ORBIS OCCIDVI REX
"Philipp II., König von Spanien und der Neuen Welt im Westen"
Rs.:   RELIQVVM DATVRA / INDIA   "Sie wird das Übrige ihm übergeben / Indien"
Eine weibliche Figur, die Rüstung trägt, bewegt sich nach links und hält einen Globus. Die nördliche Hemisphäre hat Längen- und Breitengrade, die südliche Hemisphäre ist leer. Zur Linken drei spanische Schiffe. Rechts eine Personengruppe aus der Neuen Welt sowie ein mit Silberbarren beladenes Lama.
Der Medailleur schrieb 1562 vom Spanischen Hof an Cosimo I. in Florenz zur "Indien-Seite": Die Frau mit dem halben Globus als Opfergabe sollte Fortuna darstellen, wurde aber vom spanischen Auftraggeber Gonzalo Pérez als Personifikation Indiens aufgefasst. Poggini hatte ein lebendiges Lama gesehen, dessen Nützlichkeit er beschreibt, und auch peruanische Kleidungsstücke gesehen, wie auf der Medaille dargestellt. Die Texte auf der Medaille entstanden nach Konsultationen des Auftraggebers mit Gelehrten am spanischen Hof.   [Scher, S.166]
erweitert 6.2018.
Lit. zu Medaillen
• Gerard van Loon :  Beschryving der Nederlandsche Historipenningen.   1. Teil (Karl V - Philip II),
    Den Haag 1723   im Netz verfügbar.

• Alfred Armand :  Les Médailleurs Italiens des quinzième et seizième siècles.   3 Bd., Paris 1883-87
    im Netz verfügbar.

• Philip Attwood :  Italian Medals c.1530-1600 in British Public Collections.   840 S., London 2003.
• Lore Börner :  Die italienischen Medaillen der Renaissance und des Barock (1450-1750).   458 S., Berlin 1997.
• Stephen K. Scher [Ed.] :  The Currency of Fame: Portrait Medals of the Renaissance.   424 S., NY 1994.

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