Mantua1_D

Gonzaga in Mantua, Monferrato ab 1536 und Guastalla ab 1539
Teil 1
Gianfrancesco I. Gonzaga, 1407-1444, seit 1433 Markgraf
Ludovico II. Gonzaga, 1444-1478
Federico I. Gonzaga 1478-1484
Francesco II. Gonzaga, 1484-1519
Teil 2 (Fortsetzungsseite)
Federico II. Gonzaga, 1519-1540, seit 1530 Herzog
Francesco III. Gonzaga, 1540-1550
Guglielmo (Wilhelm) Gonzaga, 1550-1587
Ferrante I. Gonzaga, 1539-1557 Graf von Guastalla
Ippolita Gonzaga (1535-1563)

Mantua liegt in der Po-Ebene und war ein Pufferstaat zwischen den mächtigen Nachbarn Mailand, Venedig, Ferrara, Parma und dem Kirchenstaat. Das Herrschergeschlecht der Gonzaga stammt von der südlich von Mantua gelegenen Burg Gonzaga. Ludovico I. Gonzaga wurde 1328 'Capitano generale del popolo' in Mantua, 1329 auch Reichsvikar über Mantua. In der Folge wurde das Herrschaftsgebiet ausgebaut. Die Gonzaga wurden im Laufe der Zeit zu Grafen (1394), Markgrafen (1433) und schließlich zu Herzögen von Mantua (1530) erhoben. 1536 erbten sie die westlich von Mailand gelegene Markgrafschaft Monferrato.

Landkarte von Italien im Jahr 1499

Gianfrancesco I. Gonzaga, 1407-1444
- 5. 'Capitano' sowie Reichsvikar von Mantua -   - 1433 erster Markgraf von Mantua -
Gianfrancesco I. (*1394) diente verschiedenen Mächten als Condottiere - dem Kirchenstaat (1412), den Malatestas (1417) und Venedig (seit 1432), wo er zum 'capitano generale' aufstieg. Seine Allianz mit Venedig führte zu Gebietsgewinnen für Mantua im Westen. Im Osten verlor er jedoch Gebiete, als er später im Dienst der Visconti für Mailand gegen Venedig antrat. Gegen eine Zahlung von 12000 Goldgulden und ein Heiratsversprechen ernannte ihn Kaiser Sigismund 1433 zum erblichen Markgrafen von Mantua.
Gianfrancesco I. verstand es, das Ansehen seiner Familie durch sein Wirken als Mäzen zu fördern. Er holte den Humanisten Vittorino da Feltre als Erzieher seiner Kinder an den Hof, zog Künstler wie Pisanello nach Mantua, förderte die Ausbildung armer Kinder und gründete die erste Manufaktur für Wandteppiche in Italien. Gianfrancesco I. machte so Mantua zu einer führende Stadt der Renaissance.


Gussmedaille um 1447 von Pisanello.     Ø 96 mm   Kress 2.
Vs.:   IOHANES·FRANCISCVS ·DE·GONZAGA· | ·CAPITaneus·MAXImus ·ARMIGERORVM· | PRIMVS·MARCHIO·MANTVE·   -   Brustbild mit hohem Hut nach links.
Rs.:   OPVS· PISANI PICTO RI S·   "Werk des Malers Pisano"
Gianfrancesco zu Pferd n.l. mit hohem Hut, Schwert und Kommandostab.
Rechts ein Knappe zu Pferd von hinten. Links vom Kopf ein rätselhaftes Symbol (Türklopfer oder Haltegriff).
Siehe auch das Exemplar im Münzkabinett Berlin.
Diese Medaille ist wahrscheinlich erst von seinem Sohn und Nachfolger in Auftrag gegeben worden.
Ein viel späteres, von Erzherzog Ferdinand für seine Porträtsammlung auf Schloss Ambras in Auftrag gegebenes Miniaturbild orientiert sich an der Medaille.

Keine seiner Münzen tragen bereits sein Bildnis. Zu den ersten Münzen nach seiner Erhebung zum Markgraf 1433 gehört ein Grosso (Ø 25 mm, 2,4 g.), der erstmals das neugeschaffene Wappen der Markgrafschaft Mantua zeigt.
Das ursprüngliche Wappen der Gonzaga war sechsfach geteilt mit abwechselnd goldenen und schwarzen Balken. Die erste Vermehrung von 1394 durch Ks. Wenzel I. (1378-1419) bestand aus dem böhmischen Löwen (stehend, gekrönt und doppelschwanzig). Eine weitere Vermehrung erfolgte 1433 anlässlich der Erhebung zur Markgrafschaft durch Ks. Sigismund I. (1433-37): rotes Tatzenkreuz, in den Winkeln vier schwarze Adler, daraufgelegt das quadrierte Wappen mit den Feldern Gonzaga-Balken und Böhmischer Löwe.
Die Erweiterung um Monteferrato (1536) brachte weitere Wappen ein, siehe unten.

Ludovico II. Gonzaga, 1444-1478
- 2. Markgraf von Mantua   -   genannt "Luigi il Turco"   -   nach neuer Zählung: Ludovico III.
Ludovico (*1423) heiratete Barbara von Brandenburg, eine Nichte von Kaiser Sigismund, anlässlich der Erhöhung Mantuas zur Markgrafschaft (1433). Wie sein Vater war Ludovico Condottiere im Dienst verschiedener - oft verfeindeter - Mächte. Als Ludovico in Mailands Dienste trat, sein Vater aber in Venedigs Diensten stand, kam zu einem Streit. Nachdem der Vater selbst zu Mailand gewechselt war (1438), versöhnten sie sich wieder (1441).
Ludovico folgte 1444 seinem Vater Gianfrancesco als 2. Markgraf von Mantua. Durch Erbabfindungen seiner Brüder und wegen der hohen Kosten der Kriegsjahre befand sich die Grafschaft in wirtschaftlich schlechter Verfassung. Mantua gewann erneut Geltung, als Papst Pius II. ein Konzil nach Mantua berief (1459-1460), um einen Kreuzzug gegen die Türken zu lancieren als späte Reaktion auf den Fall von Konstantinopel. Zum Abschluss des Konzils erhob der Papst Ludovicos zweiten Sohn Francesco zum Kardinal.
Ludovico verpflichtete den humanistischen Autor und Architekten Leon Battista Alberti (1404-1472) nach Mantua. Andrea Mantegna ernannte er zum Hofkünstler und liess ihn im herzoglichen Castello die berühmte 'Camera degli Sposi' mit Fresken ausmalen (1465-1474). Dort ist Ludovico II. mit seiner Familie auf zwei Wandfresken verewigt.


Einseitige Bronzeplakette   von Pietro da Fano.     88,2 x 58,5 mm.   Hill 407; zu Armand I, 27.
Büste nach links mit flacher Kappe und gemustertem Mantel mit Juwel vorne an der Halskette.
Rückseite:   ausgehöhlter Grobform der Vorderseite.


Einseitige Galvano-Replik einer Medaille von Pietro da Fano.    94 mm.  Hill 407; zu Armand I 27.
Exemplar aus dem Museum Victoria, Australien.
* LVDOVICVS DE GONZAGA MARCHIO MANTVAE AC DVCALIS LOCVMTENENS GENERALIS FR SFORZIA
Die fehlende Rückseite: NOLI·ME·TANGIERE - OPVS·PEIRI·DOMO·FANI  -  Ein nacktes Kind, das sitzt, einen Bogen in der linken Hand und einen Pfeil in der rechten hält, schaut nach links auf ein Stachelschwein.

Vergleiche Detail 1 und Detail 2 aus den beiden Fresken (1465-74) in der Camera degli Sposi
im Castello des Palazzo Duccale in Mantua.


Bronzegußmedaille 1475, von Bartolommeo Melioli.     Ø 78,5 mm, 112,47 g.
Hill (1930) 194; Armand I 80/2.   Exemplar im The British Museum, London.

Vs.:   LVDOVICVS·II·MARCHIO·MANTVAE·QVAM·PRECIOSVS·XPI·SANGVIS·ILLVSTRAT
"Ludovico Gonzaga II Markgraf von Mantua. Illustration von kostbarem Blut (von Christus)"
Brustbild rechts mit Barett und Rüstung mit der Imprese einer Hydra. Davor Helm zwischen zwei Schilden.

Rs.:   ·FIDO·ET·SAPIENTI·PRINCIPI·FIDES·ET·PALLAS·ASSISTVNT·
Fides (mit Zeigefinger) und Pallas Athene (mit Speer sowie Schild mit Medusakopf) stehen vor dem Markgrafen in antiker Rüstung, der auf einem Stuhl mit der Gonzaga-Imprese eines Hundes sitzt.
Abschnitt: ·MELIOLVS·SACRAVIT· / ·ANNO· / MCCCCLXXV   "Gewidmet Melioli 1475"


Bleigußmedaille o.J. (1447-48), von Pisanello.     Ø 103 mm.
Hill (1930) p.11.36d; Armand I 4/11.   Exemplar im The British Museum, London.

Vs.:   ·CAPTANEVS·ARMIGERORVSM - ·MARCHIO·MANTVE·ET·CET   "Hauptmann der Armee der Marken und Mantuas"  -  Büste n. links zwischen LVDOVI - CVS·DE / GONZ - AGA
Rs.:   OPVS·PISANI / PICTO / RIS   "Werk Pisano, Maler"  -  ...


Testone o. J. (um 1460), Mantua.    Ø 25 mm, 6,52 g.  CNI IV 230/9 tav.20/4; RM 7/2.
Vs.:   ·LODOVICVS·MANTVE·MARCHIO·II·   "... 2. Markgraf von Mantua"
Brustbild mit belorbeertem Helm nach links.

Rs.:   ·:·XPI·SANGVINIS·TABERNACVLVM   "Christus Blut im Tabernakel"  -  Hostiengefäß.
Zum ersten mal erscheint das Bildnis des Münzherren auf einer Münze von Mantua.


Ducato o. J., Mantua.     Ø 22 mm, 3,44 g.   CNI IV 230/3; Friedb.515.
Vs.:   ·LODOVIᗭVS·ᙏARChIO·ᙏANTVᗺ Z· - ᗺ·  -  Ludovico mit Schwert und Schild.
Rs.:   ·SAnᗭT - US· - GE - ORGIUS·  -  St. Georg zu Pferd sticht auf einen Drachen.

Ludovico II. gab Leon Battista Alberti den Auftrag, in Mantua eine neue
Basilika Sant'Andrea als Aufbewahrungsort der Reliquie zu schaffen.

Federico I. Gonzaga 1478-1484
- 3. Markgraf von Mantua -
Auch Federico (*1441) diente den Sforza in Mailand als Condottiero gegen Venedig. 1478 trat er die Nachfolge seines Vaters in Mantua an, musste dabei aber Ländereien an seine Brüder abtreten. Er war verheiratet mit Margarete von Bayern. Er wurde bekannt für seine Zuneigung für seine Kinder und Freundlichkeit gegenüber dem Hofmaler Mantegna, der mehr als jeder Künstler ein Teil der Familie zu sein schien. Der älteste Sohn Francesco wurde sein Nachfolger, ein weiterer Sohn Sigismondo wurde Kardinal.


Ducato o. J., Mantua.     Ø 24 mm, 3,44 g.   CNI IV 235/1 tav 20/14; RM 9/1; Friedb.517.
Vs.:   FEDERICVS·MANTVE·MARCHIO·III·   "... 3. Markgraf von Mantua"  -  Büste nach links.
Rs.:   ·:·XPI·IHESV·SANGVINIS·TABERN   "Christus Jesus Blut im Tabernakel"  -  Hostiengefäß.

Vergleiche das Gemälde in den Uffizien Florenz, verbreitet von wikimedia.org.

Francesco II. Gonzaga, Markgraf von Mantua 1484-1519
- 4. Markgraf von Mantua -
Francesco (*1466) war ein bedeutender Condottiere, Politiker und Mäzen in einer Zeit großer politischer Unruhe in Italien. Als Condottiere wechselte er mehrfach zwischen italienischen und französischen Herren, konnte dabei aber immer die Unabhängigkeit Mantuas bewahren.
Francesco heiratete 1490 Isabella (1474-1539) aus dem Haus Este in Ferrara. Isabella war schön, intelligent und sehr gebildet. In seiner Abwesenheit vertrat sie ihren Ehemann mit diplomatischem Geschick zum Vorteil von Mantua. Als Francesco 1519 an Syphilis starb, wirkte Isabella als Regentin für ihren Sohn Federico II. Während Francescos und Isabellas Zeit gelangte Mantua zu einen glanzvollen Höhepunkt, insbesondere durch Isabellas Wirken als Mäzenin. Sie wurde von Künstlern wie Raffael, Andrea Mantegna, Tizian und Leonardo da Vinci gemalt. Isabella verstand es, die Kunst zur Propaganda für das Haus Gonzaga zu nutzen.


Bronzegußmedaille (vor 1484), Bartolommeo Melioli (1448-1514) zugeschrieben.    Ø 73 mm, 120 g.
Armand 80/4; Hill (1920) pl.VII,1; Hill (1930) 196/84.   Exemplar im Victoria and Albert Museum, London.

Vs.:   Divus·FRANCISCVS·GONzaga·Divus·FREDericus·III·Marchio·MANTVAE·Filius ·SPES·PVBlica·SALVSQue·REDIVIva   "Der göttliche Francesco Gonzaga, Sohn des göttlichen Federico Marchese von Mantua; öffentliche Hoffnung und Wohlfahrt erneuert"   -   Büste des jugentlichen Herzogs.
Rs.:   ADOLESCENTIA - E - AVGVSTAE   -   Eine stehende Frau dreht sich nach rechts, ihre rechte Hand stützte sich auf eine Stange, ihre linke Hand hält einen Korb und ihre Füße stehen zwischen Wasser und Feuer. Über dem Korb ein Band: CAVTIVS "Vorsicht". Im Abschnitt: MELIOLVS DICAVIT.


Bronzegußmedaille (1484 oder danach) von Gianfrancesco Ruberti.    Ø 51 mm, 53,1 g.
Armand I 81/1; Kress 71.     Exemplar der Kress Collection, National Gallery of Art, Washington DC.

Vs.:   FRANCISCVS·MARCHIO·MANTVAE·IIII   -   Büste links, Brustpanzer mit Taube.
Rs.:   FAVEAT·FORtuna·VOTIS   "Das Glück begünstigt die Stimmen"
Schlachtszene, unter der Grundlinie: IO[annis] FR[ancisci] RVBERTO OPVS,
darunter Waffen und Rüstungen, einschließlich eines Schildes mit eingraviertem EPO.


Ducato (vor 1495), Mantua.     Ø 23 mm, 3,56 g.   CNI IV 236/6; RM 11/3; Friedb.521.
·FRAN·MAR·MANT·IIII·   //   ✠·XPI·SANGVINIS·


1/2 Testone (vor 1495), Mantua.     Ø 25 mm, 3,87 g.   CNI IV 242/65; RM 17/17; MIR 419.
Vs.:   ·FRANCISCVS·MARchio·MANTuae·IIII   -   Büste mit Barett nach links.
Rs.:   ✠·XPI·IHESV + SANGVINIS·     wie vor; der Zentralpunkt gehört nicht zum Bild.


Testone (vor 1495), Mantua.     Ø 28 mm, 9,58 g.   CNI IV 239/35var; RM 14/11; MIR 416.
Vs.:   FRANCISCVS·MARchio·MANuae·IIII   -   MA ligiert.   "... 4. Markgraf von Mantua"
Rs.:   + XPI + IHESV + SANGVINIS·   "Christus Jesus Blut"   -   Hostiengefäß.

Nach der Schlacht bei Fornovo (1495) veränderte sich das Münzbild der Rückseite:


Ducato (nach 1497), Mantua.     Ø 23 mm, 3,50 g.   CNI IV 235/13; RM 11/4; Friedb.520.
FRANCISVS·MAR·MANTVE· - ·IIII·   //   (Hostiengefäß) Domine·PROBASTI·Me·eT·COGNOVISTI·ME
Legenden und Münzbilder wie nachfolgender Testone.


Testone (1497-1510), Mantua.     Ø 28 mm, 9,66 g.   CNI IV 239/42; RM 14/12.
Vs.:   ·FR MAR·MANTVE·IIII·   -   bärtige Büste nach links.
Rs.:  (Hostiengefäß) Domine·PROBASTI·ME·ET·COGNOVIsti·ME
"Herr, Du hast mich geprüft und erprobt"   -   Auf dem Feuer ein Schmelztiegel mit Stäben.
Die Rückseite zeigt eine sog. 'impresa', eine Figur mit zugehörigen Motto, hier in der Umschrift.
Die 'Impresa' bezieht sich auf die Schlacht bei Fornovo (1495):
Francesco will sein Verhalten als Oberbefehlshaber als so rein darstellen,
wie das Gold, das im Tiegel schmilzt.
Kg. Karl VIII. von Frankreich war ungehindert mit seinem Heer durch Italien gezogen, um Neapel einzunehmen. Kaum war er dort angekommen, bildete sich in Italien die Heilige Liga gegen ihn und er musste überstürzt den Rückzug antreten. Es kam zur Schlacht bei Fornovo (nahe Parma), wo die Truppen der Liga, angeführt von Francesco Gonzaga, den Franzosen den Weg abschneiden wollten. Beide Seiten erklärten sich zu Siegern, obwohl der Ausgang der Schlacht eigentlich unentschieden blieb, denn Karl konnte seinen Rückzug fortsetzen, hatte aber seine gesamte neapolitanische Beute an die plündernden Liga-Söldner verloren. Die Plünderung dieses Schatzes hielt das disziplinlose Liga-Heer davon ab nachzustossen und verhinderte so einen vollständigen Sieg. Gerüchte gaben Francesco die Schuld dafür. Gegen diesen Verdacht wendet sich die Devise auf der Münz-Rückseite.
Als Kg. Ludwig XII. 1499 die zweite Invasion Italiens unternahm, wechselte Federico auf seine Seite.


Bronzemedaille ca.1495 von Sperandio von Mantua auf die Schlacht bei Fornovo 1495.
Ø 95 mm, 284 g.   Armand I 69/23; Kress 131; Pollard 91.
Exemplar in der National Gallery of Art, Washington DC.

Vs.:   FRANCISCVS·GONZAGA·MANTVAE·MARCHIO·AC VENETI·EXECitus·IMPerator
Büste in Plattenrüstung von vorne, Kopf mit Mütze nach links.
Rs.:   OB RESTITVTAM ITALIÆ LIBERTATEM   "Für die Wiederherstellung Italiens Freiheit"
Der Markgraf zu Pferd, Kommandostab in der Rechten, Zügel in der Linken, zu einem davorstehenden Pagen gewendet, hinter ihm eine Gruppe von Reitern und Füßgängern. Unten: OPVS·SPERANDEI


Bleigussmedaille o. J. (ca. 1495) von Bartolo Talpa (Bartolino Topina).     Ø 75 mm, 83,84 g.
Armand I 83/2; Hill (1930) 205; Börner 71; Gesichter der Renaissance 91.

Vs.:   FRANCISCVS GON MAN MAR IIII.
Brustbild links, bärtig mit langem, gewelltem Haar, Klappmütze mit hochgeschlagenem Rand.
Rs.:   VNIVERSAE ITALIAE LIBERATORI.  
Nackter Reiter auf vor Flammen nach rechts steigendem Pferd, das Schwert in der Hand, auf dem Kopf ein Helm mit 3 großen Federn und 2 langen Bändern; unter der doppelten Bodenlinie BERTVLVS - TALPA
Der Reiter soll Francesco als Marcus Curtius darstellen, der sich im antiken Rom mit Pferd und Waffe in einen tiefen Erdspalt stürzte - aus der hier Flammen hervorsteigen -, um die Spalte wieder zu schließen.
Vergleiche das scharfe Exemplar im Münzkabinett zu Berlin, ausgestellt im Bode-Museum.

Nach der Ernennung zum Gonfaloniere (1510) änderte sich das Münzbild der Rs. nochmals:


Doppio ducato (nach 1510), Mantua.     Ø 28 mm, 6,80 g.   CNI IV 235/1; RM 10/1; Friedb.518.
Vs.:   FRancesco·II·MaRchio·MANTVAE·  -  Büste nach links.
Rs.:   S.R.E. - .CONF.  (Sanctae Romanae Ecclesiae Confalonierus)
"der Hl. Römischen Kirche Gonfaloniere" (Bannenträger, ein vom Papst an Fürsten verliehener Titel)
Francesco erhielt 1510 diesen Titel von Papst Julius II., auf den auch der aufgesetzte Mittelteil im Wappen hinweist: Schirm über den gekreuzten Schlüsseln Petris. Das Kreuz mit den vier Adlern stiftete
Ks. Sigismund 1433 anlässlich der Erhebung von Mantua zur Markgrafschaft.


Testone (nach 1510).    Ø 28 mm, 9,73 g.   CNI IV 238/27; RM 16/14.
Münzbild wie vor. Die Legende unterscheidet sich nur in einem Punkt.


Probe für doppio testone     Æ Ø 31 mm, 17,98 g.   CNI 238/24; RM 13/7; Armand II 99,3.
Vs.:  · FRANCISCVS·MAR·MANTVE·IIII·   -   bärtige Büste nach links.
Rs.:   ·DVINVM·DARE HVMANVM·ACCIP'   "göttlich geben, erhalten menschliche"
Der Markgraf auf dem Podest verteilt Almosen an Umstehende. Im Abschnitt:
·LIBERALI· / ·TAS·

Vergleiche mit drei Portraits:
1. Bild als Kind von Baldassare d'Este um 1474-80 (26×21 cm), in der National Gallery of Art, Washington
2. Terracotta-Skulptur, 70 cm hoch, von Gian Cristoforo Romano, Museo della Città di Palazzo S. Sebastiano, Mantova
3. späteres Bild, laut Wikipedia in den Uffizien und/oder [1580-82, 13x10 cm] in der Sammlung des Erzherzogs Ferdinand in Ambras, mit derTerracotta als Vorbild?.

Auch Kleingeld trug das Bildnis des Münzherren:


Quattrino, Mantua.    Kupfer, Ø 16 mm, 1,62 g.   CNI IV 255/189var; RM 21/27var.
·FRANCI - MAR·MA· - ·IIII·   //   ·SANGVINIS·:·XPI·IHESV.
erweitert 9.2016 & 7.2020

Teil 2 (Fortsetzungsseite)
Federico II. Gonzaga, 1519-1540, seit 1530 Herzog
Francesco III. Gonzaga, 1540-1550, 2. Herzog
Guglielmo (Wilhelm) Gonzaga, 1550-1587, 3. Herzog
Ferrante I. Gonzaga, 1539-1557 Graf von Guastalla
Ippolita Gonzaga (1535-1563), Tochter von Ferrante I. Gonzaga

Lit.:   [CNI und RM: Seite & Nr. z.B. 87/6 = S.87 Nr.6]
• Corpus Nummorum Italicorum [CNI], vol.IV, siehe unter Mantova   -   CNI-Index vol.IV
• Corpus Nummorum Italicorum [CNI], vol.II, siehe unter Casale (Monferrato)  -  CNI-Index vol.II
• Corpus Nummorum Italicorum [CNI], vol.IX, siehe unter Guastalla   -   CNI-Index vol.IX
• Ravegnani Morosini, Mario [RM]: Signorie e principati - monete italiane con ritratto, 1450-1796. 1984
    Haus Gonzaga in Mantua, Monferrato (ab 1536) u. Guastalla (ab 1539): Bd.II, S.1ff
• Armand, Alfred: Les Médailleurs Italiens des quinzième et Seizièmme siècles. Vol.1, Paris 1883
• Kress: Renaissance Medals from the Samuel H.Kress Collection at the National Gallery of Art. London 1967