Startseite Karl V. TOUR :   Philipp der Schöne

    Karls väterliche Großvater    

Maximilian I., römisch-deutscher König 1493-1519, Kaiser seit 1508
*1459. Er heiratete 1477 Maria, Erbtochter von Burgund, die bereits 5 Jahre später nach einem Reitunfall starb. Er folgte 1493 seinem Vater Friedrich III. als Kaiser, nachdem er bereits 1486 zum römischen König gewählt worden war. 1508 nahm er in Trient den Titel "Erwählter römischer Kaiser" an, weil er an der Weiterreise nach Rom gehindert wurde.
Mit zwei Doppelhochzeiten von Geschwistern betrieb er Heiratspolitik: 1496 verheiratete er seinen Sohn Philipp den Schönen mit Johanna der Wahnsinnigen und 1515 seinen Enkel Ferdinand mit Anna von Ungarn. Die Weltgeltung des Namen Habsburg ist der Tatsache zu verdanken, dass die Ehen seiner Tochter Margarete von Österreich mit Johannas Bruder und seiner Enkelin Maria von Ungarn mit Annas Bruder Ludwig von Ungarn ohne Erben blieben.
Zu den innenpolitischen Leistungen des volkstümlichen "letzten Ritters" gehören die Verkündung des Ewigen Landfriedens sowie die Einrichtung des Reichskammergerichtes und der Reichskreise. Der Kaiser, der sich immer in Geldnot befand, erhielt 1490 das silberreiche Tirol von seinem Vetter Sigismund. Dies brachte ihm ein Mehrfaches der erhofften Reichssteuern ein, die die Reichsstände zwar bewilligt hatten aber nicht auszahlten.
In seinen Erblanden konnte er Verwaltungsreformen nach burgundischem Vorbild durchführen, die ihm im Reich verwehrt wurden. Maximilian betätigte sich auch literarisch und veranlaßte die Abfassung des "Weißkunig", eine Verherrlichung seiner Taten.



Bronzemedaille o. J. (1508 oder kurz danach).     Ø 37,8 mm.   Habich I,2, S.XLVI, Abb.39.
Vs.:   IMPERATOR CAESAR MAXIMILIA·AVG·F·   -   Büste mit Barett und langem Haar nach links.
Rs.:  CaESARIS - IMPERIVM   -   Adler mit ausgebreiteten Flügeln auf Globus.
Als Medailleur kommt sowohl ein italienischer als auch ein deutscher Künstler in Betracht.
Die Rückseite nimmt Bezug auf das antike römische Münzbild der consecratio mit dem Kaiseradler.
Die Legende CAESARIS IMPERIVM weist hin auf die 1508 in Trient erfolgte Ausrufung zum Kaiser.



1/4 Guldiner o. J. (1506), Hall.     Ø 28 mm, 7,66 g.   Egg S.126, Nr.1; M./T. -, vgl.S.35.
Stempel von Gian Marco Cavalli.

Vs.:   MAXIMILIANVS·ROMANORum REX (ET)C     (ET) ligiert.
Büste mit Barett und langem Haar nach links.

Rs.:  ·MONETA·NOVA·COMITATis°·TIROLIS  -  Gekrö. Tiroler Adler n. l., Bindenschild auf der Brust.



1/4 Guldiner o. J.(nach 1511), Hall.     Ø 27 mm, 7,28 g.   Egg S.126, Nr.3; M./T. 73.
Stempel von Ulrich Ursentaler.

Vs.:   MAXIMILIANVS·ROMANORum·IMPerATOR
Renaissance-Büste Maximilians, ungekämmt, mit Krone und schlichtem Harnisch.
Rs.:   ARCHIDVX·AVSTRIE·COMES·TIROLIS
Der doppelköpfige Kaiseradler mit Doppelbügelkrone, im Brustschild die Wappen Österreich | Burgund.
Nachdem Maximilians Vorgänger in Tirol, der Erzherzog Sigismund, den Sechser (6 Kreuzer), den Pfundner (12 Kreuzer), den halben und den ganzen Guldiner (60 Kreuzer, im Werte eines Gulden) geschaffen hatte, ließ Maximilian die ersten Viertelguldiner (15 Kreuzer) in Wien, Kärnten und Hall prägen, wenn auch in geringer Stückzahl. Diese wunderschöne Renaissancemünze begründete ein neues Nominal, das als Vierteltaler bis in die Zeit Maria Theresias eine wichtige Münze blieb.

Weitere Profilbildnisse Maximilians zum Vergleich.



Dukat 1516, St. Veit.     Ø 21 mm, 3,52 g.   Egg S.192, Nr.4; Schulten 3961.
Vs.:   · MAXIMILIA · IM · CA · PIVVS ·
Gekröntes Brustbild des Kaisers n. r., auf der Brust die Ordenskette vom Goldenen Vlies.
Rs.:   ¤ DVCATVS + CARENTANVS + 1516
Geviertetes Wappen :   Kärnten, Österreich, Steiermark und Krain.


Der Kaiser hatte eine Vorliebe für grosse Schaumünzen mit seinem Bildnis, auf deren Gestaltung er selbst Einfluß nahm und die er gerne zur Verbreitung seines Ansehens verschenkte. Unter Fürsten und Noblen waren diese Stücke sehr beliebt. Die Stücke wurden im Gewicht eines Guldiners oder als Vielfaches davon ausgegeben und gelten daher als Münzen, obwohl sie nicht für den Umlauf bestimmt waren. Die geprägten Schaustücke waren für eine weite Verbreitung gedacht, im Gegensatz zu den gegossenen Medaillen kleiner Auflage. Die Schaumünzen Maximilians sind künstlerisch und technisch eine Grossleistung der Haller Münzstätte. Dort wurden sie auf direkten Befehl des Kaisers geprägt und in der Abrechnung unter "Auswendig ausgab" aufgeführt.


Doppelter Schauguldiner 1505, Hall. Stempelschneider: Benedikt Burkhart.    Ø 45 mm, 47,96 g.
Egg S.150, Nr.2; M./T. 78; Voglh.13var.

Vs.:   + MAXIMILIAИVSDEI;GRA - ROMANORREXSEMPERAVGVSTVS
Gekröntes Hüftbild in Harnisch nach links, in der Linken das Szepter, die Rechte am Schwertgriff.
Rs.:   + XPIA·>·REGNOR·REX·HERS QZ ARCHIDVX·AVSTRE·PLVRIMAR·QZ ·EVROP·PROVICIAR·PNS·DVX·ET·D9.
Christianitatis caeterorumque regnorum rex heresque archidux austriae plurimarumque
europae provinciarum princeps dux et dominus.
"Erblicher König der Christen sowie anderer Reiche, Erzherzog von Österreich und vieler Länder Fürst, Herzog und Herr".
Bekröntes Reichswappen mit Adler, umgeben von der Ordenskette des Goldenen Vlies, oben zu den Seiten der Krone unter einem gotischen Eselsrücken die geteilte Jahreszahl .1.5. - .0.5.; zu den Seiten die gekrönten Schilder von Alt-Ungarn und Österreich, darunter die Wappen von Alt-Burgund und Habsburg.
Obwohl die Rückseite noch stark vom gotischen Zeitgeist beeinflusst ist, stellt die Vorderseite bereits ein kleines Kunstwerk der anbrechenden Renaissance dar. Das meisterliche Porträt in hohem Relief und der Einfall, den angewinkelten linken Arm über das Münzfeld in die Legende hereinragen zu lassen, zeugen vom grossen Können Benedikt Burkharts, die neue Kunstströmung aufzugreifen.
Das Münzkabinett des KHM Wien zeigt ein Prachtstück. im Interaktiven Katalog.



Schauguldiner o.J. (1515-19), Hall, von Ulrich Ursenthaler.     Ø 39 mm, 28,51 g.
Egg S.154, Nr.9; M./T. -; Voglh.14.
Die Umschriften befinden sich auf einem nach innen geneigten schüsselförmigen Rand.

Vs.:   MAX·ROmanorum·IMPerator·SEMPER·AVᗡVSTus·ARCHIDVX·AVSTriae
Geharnischtes Brustbild mit Erzherzogshut nach rechts.
Rs.:   PLVRIVMque·QZ·EVROPaE·PROVIИCIARVM·REX·ET·PRIИCEPS·POTEИTISSIMVS·
"König über die meisten Länder Europas und mächtigster Fürst"
Ein mittelalterlich voll ausgefülltes Feld: Der Kaiser reitet n.r., in der Rechten Schwert, vor ihm Diener mit Lanze, unter dem Pferd ein gefallener Krieger mit Schwert und Hellebarde, darunter die Wappen von Ungarn, Burgund, Habsburg und Österreich, oben links Engel mit Reichsschild.
Die Prägung dieser hochreliefierten Schautaler mit schüsselförmigen Rändern auf vorgegossenen Schrötlingen war eine besondere Spezialität der Haller Münzstätte. Sie wurden teilweise auch originalvergoldet geliefert, wie bei diesem Exemplar. Da die Vergoldung auf der oft nicht vollständig durch den Prägevorgang eben geschlagenen Gussoberfläche nur schlecht haftete, wurden die Felder vor der Vergoldung mit einem Stichel geglättet.
Das Münzkabinett des KHM Wien zeigt ein Prachtstück. im Interaktiven Katalog.



Hochzeitsguldiner, "1479" (1517), Antwerpen.     Ø 42 mm, 30,69 g.
Egg S.158 Nr.18; Voglh.6
Auf die Heirat mit Maria von Burgund.   Stempel von Ulrich Ursenthaler, Hall.

Vs.:   ¤ MAXIMILIAN9us·MAGNANIM9us·ARCHIDVX·AVSTRIE·BVRGVNDia
Bekränzter Maximilian zwischen ETA - TIS 19 ("Alter 19")   Rosette
(Der Stempel wurde mit der Rosette gepunzt bevor er von Hall nach Antwerpen geschickt wurde.)
Rs.:   ¤ MARIA·KAROLI·FILIA·HERES·BVRGVND·BRAB·CONIVGES
Brustbild Marias von Burgund zwischen ETAT - IS Z0 ("Alter 20"), darunter 1479
Dieser Hammerprägung diente eine undatierte Gußmedaille (Ø 48 mm) als Modell. Die Medaille stammt von Giovanni Candida, einem Italiener, der Sekretär des gerade vermählten Ehepaares war und der gelegentlich als Medailleur arbeitete. In späteren Jahren benötigte Maximilian Geschenke und gab die Prägung in Auftrag.
Vergleiche Candidas Medaille mit dem gekrönten Allianzmonogramm MM [WAG Aukt.29(2.05), Nr.2147].

Über seine Frau Maria von Burgund schrieb Maximilian I. an seinen Freund Siegmund Prüschenk: "Lieber herr siegmund, ich füge euch zu wissen, daß mir von gottes gnaden wohl gehet - ich hab ein schöns fromms tugendhafts weib und gott dafür danke. Sie ist schneeweiß, braunes haar, ein kleins näsl, ein kleins häuptel und antlitz, augen braun und grau gemischt, schön und lauter, das untere häutel am aug etwas herunter gesenkt, so als ob sie geschlafen hätt, doch man merkt nicht viel davon, der mund rein und rot. Eine viel schönere jungfrau als ich gesehen hab, und fröhlich."


Hochzeitsguldiner "1479" (nach 1511), Hall.   Ø 44 mm, 30,88 g.   Egg S.158 Nr.17; M./T.84.
Auf die Heirat mit Maria von Burgund.   Stempel von Ulrich Ursenthaler.

Vs.:   + MAXIMILIAN9us MAGNANIM9us ARCHIDVX AVSTRIE BURGVNDia
Büste des 19-jährigen Erzherzogs mit langen Haaren und Lorbeerkranz nach rechts,
links und rechts im Feld:
ETA - TIS 19 / 14 - 79
Rs.:   + MARIA·KAROLI·FILIA·HERES·BVRGVND·BRAB:CONIVGES
Büste der 20-jährigen Prinzessin mit reich verzierter "Hochzeitshaube" nach rechts,
links und rechts von ihr:
ETA - TIS 20
Die Hochzeitsguldiner von 1479, zwei Jahre nach der Heirat datiert, zeigen Maximilian 19- und Maria 20-jährig. Maria (*13.2.1457) muss aber bereits 21 gewesen sein. Diese Schaumünzen wurden erst nach 1511 geprägt und damit nach dem Tod von Bianca Maria Sforza, Maximilians zweiter Ehefrau, für die er wenig Zuneigung empfunden hatte.



Kaiserguldiner, o.J. (1517), Antwerpen.    Ø 43 mm, 30,39 g.   Egg S.120 Nr.8; Voglh.12.
Vs.:   ¤ MAXIMILIAИVS : ROMAИORum : IMPERATOR : SEMPer : AVGV9stus
Gekröntes, geharnischtes Hüftbild mit Zepter und Schwert, neben dem Schwert eine Rosette.
Rs.:   ¤ PLVRIVMQue : EVROPaErum · ProVIИCIARum · REX · ET · PRIИCEPS · POTeИtissimus
"König über die meisten Länder Europas und mächtigster Fürst".
Gekröntes Wappen mit dem Doppeladler, umgeben von den Schilden Ungarn-Österreich (oben) und
Burgund-Habsburg (unten), dazwischen drei Feuereisen.
Maximilian liess diesen "Kaiserguldiner" 1508 prägen, nach der Annahme des Kaisertitels im Dom zu Trient. Die Stempel zu diesem Schauguldiner stammen von Ulrich Ursentaler in Hall und sind aus den Jahren nach 1511, also nach dem Tod der zweiten Frau Maximilians, Maria Bianca Sforza. Im Jahre 1517 verlangte der Kaiser von Flandern aus, man solle ihm aus Hall neue Eisen für dicke Pfennige schicken. In Hall weigerte man sich anfänglich, weil man Konkurrenzprägungen minderer Qualität in Antwerpen befürchtete. Der Kaiser antwortete, er wolle kein Geld prägen, sondern die Eisen nur zur Prägung von Gedächtnismünzen zu Geschenkzwecken verwenden. Daraufhin schickte man drei Stempel, in die zur Unterscheidung von den eigentlichen Haller Prägungen eine Rosette punziert wurde.
Aus der Zeit vor der Erhebung zum Kaiser stammen die sog. Königsguldiner. Sie unterscheiden sich von dem hier gezeigten "Kaiserguldiner" hauptsächlich in der Umschrift auf der Vorderseite, REX statt IMPERATOR, und im Adler der Rückseite, der dort ein- statt zweiköpfig ist.


Zum Abschluss eine wichtige Umlaufmünze an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit.


Sechser, o. J., Hall.     Ø 23 mm, ca. 3 g.   Egg S.132, B.3
Vs.:   +MONETA·ARCHIDVCIS:AVSTRIE   -   in gotischer Schrift (kurz später in Antiqua).
Hüftbild im Harnisch mit Erzherzogshut, Kugelzepter in der Rechten, die Linke am Schwertgriff.

Rs.:   +AC·CO - MITA - TVS·TI - ROLIS   -   Das aufgebogene Kreuz reicht in die Umschrift.
In den Winkeln des Kreuzes die Wappen von Tirol (Adler), Ungarn (gekrönt), Österreich (Binde) und Burgund.
Der Sechser im Wert von 6 Kreuzern wurde als Teil der "Großen Münzreform" von 1482 eingeführt. Mit dem Sechser und weiteren Silbernominalen schloss Erzherzog Sigismund von Tirol die Lücke zwischen dem Kreuzer und dem Goldgulden (zu 60 Kreuzern). Der Sechser war so beliebt und so verbreitet, dass er fast unverändert über mehr als 100 Jahre geprägt wurde.
Auch Ferdinand I. benutzt die Umschrift "Archiducis Austriae Comitatus Tirolis" auf seinen Sechsern.

Weitere Münzen mit Maximilians Bildnis:
  - der Schilling 1497 von der verpfändeten Reichsmünzstätte Nördlingen.
  - der "Enkeltaler" 1518, Sankt Veit, ein Schaustück mit seinen beiden Enkeln auf der Rückseite.
  - der Schauguldiner o. J. (1506), Hall, auf die Hochzeit mit Bianca Maria Sforza.
  - der Doppelschauguldiner 1509 aus Hall mit gleich mehreren Anspruchswappen
  - aus Verona, 1509-1516.
  - der Teston 1516 aus dem belagerten Verona

Lit.:
• Erich Egg: Die Münzen Kaiser Maximilians I., Innsbruck, o.J.(1969)
• H.Moser / H.Tursky: Die Münzstätte Hall in Tirol 1477-1665, Innsbruck 1977
• R. Voglhuber: Taler und Schautaler des Erzhauses Habsburg 1484-1896, 1971.

erweitert 10.2015.

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