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Reichsmünzstätte Nördlingen
Pfandinhaber :   Eberhard IV. von Eppstein-Königstein, 1503-1535.
Nördlingen liegt in Bayern nahe der Grenze zu Württemberg. Die Stadt brannte 1238 ab, kurz nachdem sie reichsfrei geworden war. Daraufhin wurde ihr für einige Jahre die Reichssteuer erlassen. Nördlingen blieb bis 1803 reichsfrei, wurde jedoch mehrmals an die Grafen von Öttingen verpfändet: 1250 wurde vorübergehend die ganze Stadt verpfändet, später wiederholt nur die Stadtsteuer oder die Judensteuer.

König Sigmund gründete 1418 Reichsmünzstätten in Frankfurt, Basel und Dortmund sowie in Nördlingen. Die Stadt hatte bis dahin nur einen vom Kaiser für die Messezeit beauftragten Münzmeister, war also zuvor nur temporäre Münzstätte gewesen. Im Laufe der Zeit war König Sigmund dem Schirmherrn dieser Münzstätten, Konrad Weinsberg, 5450 Gulden schuldig geworden. Daher musste der König 1431 die drei südlicheren Reichsmünzstätten an seinen Gläubiger bis zur Rückzahlung der Schulden verpfänden. Die Schulden wurden nicht zurückgezahlt und das Pfand wurde weitervererbt: von Konrad an Philipp von Weinsberg (1469-1503), dann an dessen Schwiegersohn Eberhard von Eppstein-Königstein (1503-1535) und schließlich an Ludwig II. von Stolberg (1535-1574), den letzten Pfandinhaber. Nach seinem Tod wurden die letzten Reichsmünzstätten Nördlingen, Frankfurt und Augsburg (wohin die Baseler Münzstätte 1515 verlegt worden war) aufgegeben. Damit war die im frühen Mittelalter dominierende Reichsmünzung im Laufe der Zeit in eine Unzahl territorialer Prägungen zersplittert.




1/2 Batzen 1527, Nördlingen.     Ø 21 mm.     Herzfelder 98g; Schulten 2424.
Vs.:   +MONETA·NOVA·NORDLIN
Wappen der Grafschaft Königstein und Jahreszahl.
Rs.:   ·KAROLVS·ROMANOrum·Imperator·
gekrönte jugendliche Büste mit Lilienzepter und Reichsapfel.
Das Wappen gilt dem Pfandinhaber, der aus dem Taunus stammt, während die Umschrift der Vorderseite auf den Prägeort Nördlingen weist. Es gab häufige Beschwerden über die Geringhaltigkeit der Münzer, die sich an Nördlingen richteten. Die Stadt konnte aber keinen Einfluss nehmen, denn die Münzer unterstanden der städtischen Gerichtsbarkeit nur als Personen. Die Stadt hatte nicht das Recht, die Münzer wegen mangelhafter Erledigung ihrer Funktionen zur Verantwortung zu ziehen.



Batzen 1532, Nördlingen.     Ø 26 mm, 3,20 g.     Herzfelder 107b; Schulten 2423.
Vs.:   +MONETA:NOVA:NORDLING
Wappen von Eppstein-Münzenberg und Königstein-Dietz, darüber ·1532·, darunter ·N·
Rs.:   ¤KAROLVS:ROMANO:IM¤
gekröntes und geharnischtes Brustbild des Kaisers mit Reichsapfel und Zepter.

Der Batzen wurde um 1500 in der Schweiz eingeführt und galt als 4 Kreuzerstück. Der Name geht möglicherweise auf den Berner Bär (altdeutsch Bätz) zurück. Nördlingen prägte Batzen und Halbbatzen von 1512 bis 1535 mit Unterbrechungen. Der anfangs 1,7 g Silber enthaltende Batzen wurde vielerorts immer geringhaltiger ausgeprägt. 1536 wurde der Batzen schliesslich von den süddeutschen Ständen aufgegeben.

Titel und Bildnis des Kaisers mit seinen Insignien sollte diesen Prägungen mehr Anerkennung verschaffen. Aber viel Mühe haben die Stempelschneider nicht aufgebracht: In einer Übergangszeit von 1520 bis 1522 wurde in der Umschrift sowohl der Titel von Maximilian wie der von Karl eingesetzt. Das Bildnis blieb jedoch unverändert.


Batzen 1521, Nördlingen.
Links mit Titel von Maximilian.                         Rechts mit Titel von Karl V.



Reichsmünzstätte Nördlingen
Pfandinhaber :   Philipp von Weinsberg, 1469-1503.
Unter Philipp von Weinsberg, dem Vorgänger von Eberhard IV. von Eppstein-Königstein als Pfandinhaber, war die Kunst der Stempelschneider zeitweise deutlich höher entwickelt.


Schilling 1497.     Ø 25 mm, 2,48 g.   Herzfelder - (vgl.19); Schulten 2407.
+MONETA:NOVA:NORDING:149Λ   //   +MAXIMILIANVS - ROMANOR:REX
Die gotische Umschrift (mit Λ=7) umgibt ein Renaissance-Bildnis Ks. Maximilians.
Rs.: ungekrönter Adler, unten Weinsberger Schild.



Lit.:
H. HerzfelderDie Reichsmünzstätten Nördlingen und Augsburg unter den Häusern Weinsberg und
  Königstein
, in Mitteilung der Bay. Numism. Gesellschaft 42 (1924), S.70-133
  als PDF (ohne Katalogteil, 8 Seiten)

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