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Ferdinand I., röm. König 1531, röm. dt. Kaiser 1556-1564
- Bruder von Karl V. und Gründer der österreichischen Linie der Habsburger - Ferdinand I. wurde 1503 in Spanien geboren und am Hof seines Großvaters Fernando von Aragón in spanischer Tradition erzogen. Als sein älterer Bruder Karl 1517 mit seinem niederländischen Hof nach Spanien kam um König zu werden, musste Ferdinand Spanien verlassen. 1521/22 überliess ihm Karl V. Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain, Tirol, Vorderösterreich und das unter habsburgischer Verwaltung stehende Württemberg, wobei Ferdinand teilweise nur Statthalter des Kaisers wurde.
Als Ferdinands Schwager Kg. Ludwig II. von Böhmen und Ungarn im Kampf gegen die Türken fiel (Schlacht bei Mohács 1526), wurde Ferdinand sein Nachfolger. Die unter ihm vereinigten Länder Österreich, Ungarn und Böhmen bildeten die Barriere Europas gegen die Türken. 1531 wurde Ferdinand zum römischen König gewählt und damit zum Stellvertreter und Nachfolger des Kaisers. Der Versuch Karls V., seinem Sohn Philipp die Nachfolge im Kaisertum zu übertragen, entfremdete die beiden Brüder zeitweilig.
Ferdinand erwarb sich auch unter seinen politischen und protestantischen Gegnern große Sympathien und suchte einen Ausgleich zwischen den Konfessionen. Eigenmächtig und gegen den Willen des Kaisers verhandelte er 1552 mit Moritz von Sachsen den Passauer Vertrag, der den Augsburger Religionsfrieden von 1555 vorbereitete. Karl V. resignierte und legte 1556 die Kaiserkrone nieder, mit der dann Ferdinand 1558 gekrönt wurde. Ferdinand unterstützte die Gegenreformation und förderte in Österreich die Zentralisierung der Verwaltung. Zu seiner Zeit entstanden die drei Reichsmünzordungen (1524-59). Ferdinand sicherte sich jedoch das "Privileg des Quentchen". Damit durfte er etwas geringhaltiger ausprägen und von der vorgeschrieben Gestaltung des Münzbildes abweichen. Ferdinand regierte Länder mit reichen Silbervorkommen. In Böhmen übernahm er von den Grafen Schlick die Bergwerke und die Münzprägung in Joachimstal, dem Ursprungsort der "Joachimstaler". Er versuchte, die unterschiedlichen Münzsysteme seiner Länder zu vereinheitlichen. Er liess Taler prägen in Österreich (Hall, Klagenfurt, Linz, Graz, Wien), in Böhmen (Joachimstal, Kuttenberg, Prag), Ungarn (Kremnitz), Schlesien (Breslau) und im Elsaß (Thann). Ferdinand förderte in Hall Versuche mit der Walzenprägetechnik, die kurz nach seinem Tod erfolgreich für Massenprägungen eingesetzt werden konnte.
6 Kreuzer o.J. (ab 1524), Hall. Ø 24mm, 2,8g. Enz.9, Markl 1642, M.T.89 Av.: +FERDINANdus·PRINCeps·ET·INFans·HISPaniarum Bekröntes Hüftbild mit Zepter in der Rechten und Schwertgriff in der Linken. Rev.: ARCHI - Dux·AVSTriae - COMITatus - TIROL - Kreuz und 4 Wappen (Österreich, Kastilien, Burgund, Tirol). "Ferdinand, Fürst und Prinz von Spanien - Erzherzog von Österreich und Herzog von Burgund. Grafschaft Tirol" Ferdinand trägt hier noch nicht den Titel des Grafen (comes) von Tirol. Ab 1529 steht COMES statt COMIT (Grafschaft) in der Umschrift.
Pfundner (12 Kreuzer), 1524, Wien. Ø 28mm, 5,82g. Schulten 4096, Markl 68 Av.: +FERDINANDus·PRINCeps·ET·INFANS·HISPANiarum - "Spanischer Fürst und Infant (Prinz)" Ferdinand mit Erzherzogshut Rev.: +ARCHIDVX·AVSTRIE·DVX·BVRGVNDIE - "Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund" quadriertes Herkunftswappen: (Österreich, 2x Burgund, Brabant mit Herzwappen Flandern bzw. Tirol) | (Kastilien, León, Aragón, beide Sizilien, Granada)
Pfundner, 1527, Wien. Ø 28mm, 5,57g. Schulten 4109, Markl 84 Av.: +FERDINANDus·Dei·Gratia·HVNGarie·BOEmie·REX·INFans - Ferdinand mit Erzherzogshut Rev.: +HISPAniarum·ARCHIDux·AVSTRIE·DVX·BVRGVndie - quadriertes Wappen (Ungarn|Böhmen), darübergelegt Wappen der Erbländer (Österreich [Binde], Burgund, Kastilien|León - Aragón, beide Sizilien, Alt-Burgund, Neu-Burgund [Lilien], Brabant und Granada [Granatapfel]), darüber Wappen (Tirol|Flandern). Oben die Jahreszahl 15Z7. Der Titel geht über beide Münzseiten : "Ferdinand, von Gottes Gnaden König von Ungarn und Böhmen, Prinz von Spanien, Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund"
Taler 1530, Joachimstal. Ø 40mm, 28,8g, 894 fein. Diet.109; Markl 662; Voglh.49/5; Dav.8044 (Ferdinand hatte 1528 die Silbermine und Münzstätte der Grafen Schlick in Joachimstal übernommen.) Av.: FERDINANdus·D·G·BOEM·HVNG·DALmatiae·CROAtiae·REX·INFAns (Mmz. für Ulrich Gebhardt) Mit einer Bügelkrone gekröntes jugendliches Hüftbild im Harnisch mit Stoßkragen, bartlos. Die Ordenskette mit dem Goldenen Vlies auf der Brust. Tulpenzepter in der Rechten und Schwertgriff in der Linken. Rev.: HISPaniarum.ARCHIDUx·AVSTrie·DVX·BVRundie·SiLEsiae·MARchio·Moraviae Gekr. vierfeldiges Schild (Böhmen|Ungarn) mit tulpenförmigem Herzwappen (Österreich|Kastilien) zwischen Jz. 15 - 30
Die Prägung des neuen Nominals Groschen (3 Kreuzer) begann 1534 in Wien und Linz.
Groschen (3 Kreuzer), 1549, Wien. Ø 22mm, 2,5g, 500 fein. Markl 117var ; Schulten 4128 ¤FERDINAN·D·G·RO·VNG·BO·RX // 49·INF - HI·AR - CHID - AVST·15 - In der Umschrift des Revers sind die Enden eines der beiden Kreuze zu sehen, die den ersten "Kreuzern" aus Tirol ihren volkstümlichen Namen gaben.
Auch eine kleine Fläche kann ein gutes Portrait aufnehmen. Vergleiche die Dreigröscher mit realistischen Kopfbildnissen von Kg. Sigismund von Polen aus der selben Zeit.
Groschen (3 Kreuzer), 1556, Linz. Ø 21mm, 2,47g. Hippmann 173F +FERDIN·D·G·RO·HVN·BO·REX // ·INFans·HISPaniarum A - RCHIdux:AVStriae·Dux:Burgundiae 1556 Rev.: Adler mit Wappen von Österreich ob der Enns (Oberösterreich), Reichsapfel mit Wertangabe 3, gemäss Reichsmünzordnung von 1551.
Reichsguldiner (72 Kreuzer) 1557, Klagenfurt. Ø 42mm, 30,61g, 882 fein. Voglh.51/1; Dav.8022 geprägt in Anlehnung an die 2. Reichsmünzordnung, Augsburg 1551 Av.: ¤FERDINAND:D:G:ROM:HVN:BOE:Dalmatiae:CRoatiae:REX Gekröntes Altershüftbild mit langem Haar, Schnurr- und Vollbart. Gerippter Harnisch mit Stoßkragen und Vliesordenskette. Kreuzblumenzepter in der Rechten und Schwertgriff in der Linken. Rev.: INF:HIS:ARCHID - CARINTIE:Dux:BVR:1557· Hier wird Ferdinand als "Erzherzog von Kärnten" geführt. Nimbierter Königsadler mit dem Wappen von Kärnten. Darunter ein großer Reichsapfel mit der Wertzahl 72, in Anlehnung an die Reichsmünzordnung. Zum Vergleich: Das den Reichsständen vorgeschiebene Münzbild mit Kaisertitel, Doppeladler und Reichsapfel auf der Brust findet sich z.B. auf dem Reichsguldiner 1551 aus Berlin .
1558 wird Ferdinand römischer Kaiser (ROMANORUM IMPERATOR).
Im selben Jahr ersetzt der kaiserliche Doppeladler den königlichen Einkopfadler auf dem Münzrevers.
Der Doppeladler wird zudem von der Kaiserkrone gekrönt.
Guldentaler (60 Kreuzer) 1560, Hall. Ø 38mm, 24,55g, 931 fein. M.T.138 var; Voglh.57; Dav:33 geprägt in Anlehnung an die 3. Reichsmünzordnung, Augsburg 1559 Av.: +FERDinandus:Dei:Gratia·ROmanorum·IMPerator·Semper·AVGustus·GER·HVNG·BOE·REX "Ferdinand, von Gottes Gnaden, röm. Kaiser, allzeit Mehrer des Reiches, deutscher, ungarischer & böhmischer König"
Rev.: +INFans·HISpaniarum·ARCHidux·AVSTrie·Dux·BVRundie·COMes·TIRolis·1560Hüftbild mit Kaiserkrone (Bügelkrone), Reichsapfel mit Wertzahl auf der Hand, Vliesorden am Band "Prinz von Spanien, Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund, Graf von Tirol"
Kaiserkrone über Doppeladler mit Brustschild (Ungarn|Böhmen) und Herzwappen (Tiroler Adler)
Posthume Walzenprägung
(Alle Münzen aus Ferdinands Lebzeit sind Hammerprägungen.)
Taler o.J. (posthum 1573-6), Hall. Ø 41mm, 894 fein, 28,8g. Voglh.39/2 , M.T.217v , Dav.8030A Av.: ¤ FERD·Dei·Gratia·ROmanorum·HVNGArieque·BOemie·DALmatie·CROAtie·REX "Ferdinand, von Gottes Gnaden Römischer König und König von Ungarn, Böhmen, Dalmatien und Kroatien"
Rev.: ¤ INFans:HISpaniarum:ARCHIDVX:AVSTRIE·DVX·BVRGundie
(1527 wählten die Kroaten Ferdinand zum König.) Gekröntes Altershüftbild mit langem glatten Haar, Schnurr- und Vollbart; Zierharnisch mit Stoßkragen und Ordenskette ohne Goldenes Vlies; in der Rechten das Lilienzepter, die Linke am Schwertgriff. "Infant von Spanien, Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund"
Königs-Adler, Brustschild: Kastilien-Österreich.
Siehe auch Ferdinands Prägungen anlässlich der Belagerung von Wien, 1529.
Lit.:
Roswitha Denk , Das Münz- und Geldwesen Ferdinands I. in: Kaiser Ferdinand I. 1503-1564. (Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien, 15.4. bis 31.8.2003), S.166-179 mit 6 Abbildungen - hier als PDF (9 Textseiten, ohne die Abb., 99 kB).
Moser - Tursky , Die Münzstätte Hall in Tirol 1477-1665, Innsbruck 1977. |