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      Münzen mit Zentralpunkt      

Erhabener Zentralpunkt auf Münzen der frühen Neuzeit
Einige Münzen der frühen Neuzeit zeigen einem markanten Punkt in der Bildmitte. Dieser Zentralpunkt ist besonders auffällig, wenn ein freies Feld die Bildmitte einnimmt.
Ein Zentralpunkt kann auf beiden Münzseiten zu finden sein. Er wird jedoch oft von der Gravur überdeckt.
Der Zentralpunkt ist auf der Münze erhaben, also vertieft im Stempel angebracht. Er dürfte aus technischen Gründen vor der Gravur auf dem Stempel entstanden sein. Möglicherweise hängt er mit der Herstellung des runden Stempelrandes zusammen. Als Bezugspunkt für den Stempelschneider, etwa für die Gravur von Linien- oder Perlkreisen, scheint er unnötig mächtig zu sein. Auf keinen Fall gehört der Punkt zum Münzbild.
Erhabene Zentralpunkte findet man auf Münzen der frühen Neuzeit, von überall in Europa.
Neben der erhabenen Zentralpunkte sind auch vertiefte Zentalpunkte bekannt:
1. "Der Zentralpunkt findet sich vor allem auf ... kleinasiatischen Großbronzemünzen in der Römerzeit. Die Zentralpunkte rühren von einer Körnung her, die vor der Prägung erfolgte und die der Zurichtung der grob vorgegossenen Schrötlinge diente. Mit Hilfe des Zentralpunktes konnten deren Ränder regelmäßig abgedreht werden. Durch die Prägung war der Zentralpunkt nicht mehr völlig zu tilgen."   [Tyll Kroha, Grosses Lexikon der Numismatik, 1997]
2. "Auf antiken Münzen findet sich oft ein sog. Zentralpunkt, bald ein erhabener Punkt im geometr. Mittelpunkt des Bildes aller aus dems. Stempel geprägten Münzen, bald eine konische Vertiefung etwa in der Mitte des Schrötlings. Entstehung beider ist strittig."   [Frhr. von Schrötter, Wörterbuch der Münzkunde, 1930/70]

berühre die Bilder :
sichtbar werden konzentrische Kreise mit
gleichen Ø auf beiden Münzseiten



Reyes Católicos (1469-1504), Doble excelente (post.1497), Sevilla.   Ø ~28 mm, 6,8 g.
La letra S y la estrella son marcas de ceca y del ensayador.   "Los puntos que en ocasiones observamos en los centros de las monedas no entendemos que sean marcas ocultas del ensayador o del entallador que marcara a modo de los canteros góticos los troqueles para cobrar a destajo. Son más bien un recurso para facilitar y fijar la rendición que veremos en monedas de todos los tiempos."   [Cayón, Madrid]

Der Buchstabe S und der Stern sind Zeichen für die Münzstätte und für den Wardein. Zum auffallenden Zentralpunkt der Vorderseite bemerkt Cayón auf spanisch :   "Der Punkt ist keine geheime Marke des Wardeins oder Stempelschneiders, um etwa im Akkord ihren Lohn zu bemessen. Er hat vielmehr als Hilfe für die Zurichtung gedient ..."
Dieser häufige Goldmünzentyp trägt meistens aber nicht immer einen Punkt zwischen den Büsten. Manchmal wird der Zentralpunkt auf der Rückseite leicht erkennbar, z.B. auf einem 4-fach-Excelente aus Segovia.




Carlo V d'Austria, Carlino, o.J. (1519-1554), Napoli.   Ø 23 mm, 3,1 g.
Wer danach sucht, findet leicht auf beiden Seiten einen Zentralpunkt.



Carlo V d'Austria, Tari, 1555, Messina.   Ø 26 mm
Der Zentralpunkt ist auf der Vorderseite ungewöhnlich breit, dafür auf der Rückseite nicht zu erkennen.



Filippo II di Spagna, Scudo d'argento, o. J. (1582-88), Mailand.   Ø 41 mm, 32,16 g.
Dieser häufige Taler kommt in mehreren Varianten vor. Die Gravur verdeckt die Zentralpunkte
mehr oder weniger gut im Bart bzw. in der Trennlinie im Wappen.



Carlos II de España, Ducaton 1673, Antwerpen.   Ø ~43 mm.
Zentralpunkt auffällig am Hals bzw. unauffällig im Herzwappen von Portugal.



Schauguldiner "Enkeltaler", 1518, Sankt Veit an der Glan.   Ø 42 mm, 33,15 g.
Der Zentralpunkt auf einer Münze aus Österreich ist ungewöhnlich.



Stadt Nürnberg.   4 Dukaten, 1631.   Abschlag von den Stempeln des Talers.   Ø 42 mm
Diese Münze aus dem Barock wurde mit frischen Stempeln geschlagen. Man erkennt auf beiden Seiten einen deutlichen für das Münzbild unerwünschten Zentralpunkt.


Es liessen sich viel mehr Münzen mit Zentralpunkt aufführen, z.B. der englische shilling 1555 mit Philipp II. und Maria Tudor oder der französische Teston von Franz I.. Wer bewusst sucht, findet leicht weitere Beispiele, z.B. alle in dieser Website gezeigten Münzen von Karl V. aus Spanien !
Schlußbemerkung :   Der Zentralpunkt, auch Zentrierpunkt genannt, diente vielleicht als Bezugspunkt bei der Fertigung der inneren und äusseren Kreise (Linien- Perlen- oder Strichelkreise) auf den Stempeln. Zwischen diesen Kreisen wurde danach die Umschrift auf die Stempel eingepunzt. Ob der Zentralpunkt auch bei der Fertigung der runden äusseren Kante des Stempels als Bezugspunkt diente, ist unklar. Jedenfalls hat man im Laufe der Zeit auch gelernt, den Zentralpunkt unauffällig anzulegen, nach der Stempelfertigstellung wieder zu tilgen bzw. ganz zu vermeiden.

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