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Reichsstadt Rottweil

Rottweil, römischen Ursprunges am Oberlauf des Neckars gelegen, wurde 771 als Königshof "Rotuvilla" (rote Villa) erwähnt. Konrad von Zähringen gründete um 1140 die gewerbliche Marktsiedlung Rottweiler, die erstmals 1268 als Civitas bezeugt wurde. 1299 zählte das Hofgericht Rottweil zu den bedeutendsten Gerichten des dt. Reiches. 1401 erhielt Rottweil die völlige Reichsunmittelbarkeit, die bis 1803 erhalten blieb.

Wappen: in Gold einen rot bewehrten und rot bezungten schwarzen Adler, die Brust seit dem 16. Jh. belegt mit einem goldenen Hochkreuz.

Liste   nach E. Nau
(Katalogliste mit Verweisen auf einzelne Münzen dieser Seite)

Rottweil, königliche Münzstätte

   
Vierzipfeliger Pfennig um 1160/80.   2 Exemplare.   ? mm, 0,44/0,40 g.
Klein/Ulmer (CC) 293; Klein (RW) 1-3.
Adler mit linksgerichteten Kopf in einem mit Dreiblättern besetzten Perlkreis.


Brakteat ca.1230-40.     Ø ca.19 mm, 0,67 g.   Klein (RW) 32.4 (dieses Ex.).
Adler nach rechts mit überstehender, leicht gebogener Schnabelspitze und geraden Schwungfedern,
eine dünne einseitige Prägung mit Schröttlingsrisse aus der königlichen Prägestätte Rottweil.


Brakteat 1250-70.     Ø ca.19 mm, 0,45 g.   Klein (RW) 48.1 (dieses Ex.).
Adler in stärker schematisierter Zeichnung mit relativ großem Kopf, zweilinigem Schnabel
und großen Füßen im Perlkreis.


Brakteat 1300-30.     Ø ? mm, 0,35 g.   Klein (RW) 122.
Relativ kleiner Adler innerhalb eines Wulstrings (mit 34 Perlen) und eines Perlkreises.

Rottweil, städdische Münzstätte

Das ursprünglich zähringer Münzrecht wurde nach Aussterben der Zähringer 1218 königlich. Die verpfändete Münzstätte kam 1355 käuflich an die Stadt.
Ks. Maximilian verlieh 1512 der Stadt das Münzrecht für alle Münzsorten, als die Stadt bereits 6 Jahre sogar Goldgulden prägte. Ein Jahr später hörte die Münzprägung für längere Zeit wieder auf.


Heller o. J. (ab 1356).     Ø ca.15 mm, ca 0,4 g.   Nau 1.
Hand mit Beizeichen 'R'   //   Gabelkreuz im Fadenreif.


Gegenstempel von Rottweil.     Ø 27 mm.   Krusy X49, 4 und U2, 3; Nau vgl. 3.
Rottweiler Adler über dem Ulmer Gegenstempel auf der Rs. eines Prager Groschen o. J. des böhmischen Königs Wenzel III. (IV.), 1378-1419.


Plappart 1506.   (25 Stück auf einen Gulden.)   Ø ca.21 mm, ca.1,8 g.   Nau 5; Schulten 2941.
Vs.:   +MOnTA✶nOVA✶ROTWILᗺnSI   -   nach links blickender Adler.
Rs.:   +SALVᗺ✼CRVX - ✼SAnCTA·15o6.
Lateinisches Kreuz mit Schild und Kreuzigungsnägeln im verzierten Dreipaß, im Feld flügelartige Ornamente.
Nur der Stempel der Adlerseite ist im Museum Rottweil erhalten.
E. Nau konnte daher nur diese eine Münzseite beschreiben.


Goldgulden o. J. (ab 1506).     Ø ca.23 mm, ca.3,2 g.   Sattler 3; Nau 6.
Vs.:   ✠MONE'·AVRE'·CIVITAT'·ROTWILE   -   Stadtadler.
Rs.:   +MAXIMILIAN'·ROMANO'·IMPER'   -   Reichsapfel im verziertem Vierpaß.
Feinheit 18 Karat 6 Grän [18,5/24=771‰], 107 Stück auf 1½ Mark kölnisch [233,856x1,5/107=3,278 g].
Das von Ks. Maximilian I. 1512 erteilte Münzprivileg nennt diesen Goldgulden mit dem Reichsapfel
und dem Kaisertitel ausdrücklich. Doch wenig später setzte die Münzprägung schon aus.


Vierer o. J. (ab 1506).     Ø 18 mm, ca.0,8 g.   Nau 8b.
✠ᙏOnᗺTA⦂nOVA⦂ROTWILᗺ'   //   ✠SALVᗺ⦂CRVX⦂SAnCTA⦂
Diese "Vierer" wurden in den Akten als "Fünfer" bezeichnet und galten 5 Pfennige.


Hohlringheller o. J. (ab 1506, 1/2 Pfennig).     Ø ca.13 mm, ca.0,23 g.   Nau 14.


Kreuzer 1560.     Ø ca.16 mm, 0,86 g.   Nau 15.
Vs.:   MON - NOV -ROT - WIL   -   Adlerschild auf Doppelkreuz (des Etschkreuzers).
Rs.:  FERDI·IM·AV·P·F·DE·60  -  nimbierter Doppeladler mit Wertangabe I im Reischsapfel unter Krone.

Rottweil hat im Lauf des 16 Jahrhunderts keine weiteren Münzen ausgegeben.
Ks. Ferdinand II. bestätigte 1620 der Stadt ihr Münzrecht worauf Rottweil 1621-24 nochmal prägte.


Kipper-24 Kreuzer 1622.     Ø 28 mm, ca.4,5 g.   Nau 17.
Vs.:   +MONETA·NOVA·ROTWILENSIS   -   Stadtadler.
Rs.:   ✿SALVE·CRV - X·SANCTA   -   Kreuzigungskreuz zwischen Jz.
Die beiden Wappenbestandteile - der Adler und das christliche Kreuz - erscheinen hier noch getrennt voneinander.


Kipper-24 Kreuzer 1622.     Ø 26 mm, ca.4,5 g.   Nau 18.
Wie vor, aber die Rs.-Umschrift beginnt links unten.


Kipper-12 Kreuzer 1622.     Ø 24 mm, ca. 2,3-2,6 g.   Nau 21.
Vs.:   ·MONE·NO·ROTWILENSIS·I622   -   Stadtadler.
Rs.:   ·FERDINAND·II·IMPER·S·AVG   -   gekrö. Doppeladler, belegt mit Wertzahl 12 in Kreis.
Die beiden Wappenbestandteile - der Adler und das christliche Kreuz - erscheinen hier vereinigt.


Kipper-3 Kreuzer 1622.     Ø 17 mm, 0,3-1,0 g.   Nau 26a/b.
Vs.:  ·MO·NO·ROTWILENSIS   -   Stadtadler belegt mit Wertzahl 3 im Kreis.
Rs.:   SALVE·CRVX·SANCTA·   -   Lateinisches Kreuz ohne Schriftband zwischen 16 - 22.
Eine Wertangaben auf dem Stadtadler aufgelegt ist ungewöhnlich.
Nachfolgende Ausgaben selbiger Münze ändern dies.


Kipper-3 Kreuzer 1622.     Ø 17 mm, 0,3-1,0 g.   Nau 28a.
·MONE·ROTWILENSIS·1622   -   FERDINAND·II·I·M·S·AV
Die Wertangabe ist hier, wie üblich, auf die Brust des Doppeladlers aufgesetzt.

In den Jahren 1621 und 1622 der Kipper- und Wipperzeit hat die Stadt sehr geringhaltig gemünzt. Das machte sie 1623 mit der Ausprägung guthaltiger Taler wieder gut: Nach dem Bestallungsbrief von 1623 für Münzmeister Johann Martin sollten diese Taler 8¼ Stück auf die rauhe Mark gehend und 14 Loth fein ausgemünzt werden [28,35 g rau, 875‰ fein].
Mit den Stempeln von 1623 scheint man bis 1625 gemünzt zu haben, womit Rottweil seine Münztätigkeit beendete.


Eine Walzenprägung, die normalerweise rund als Taler ausgestanzt wurde.
Einkerbungen an nicht gravierten Stellen der Walzen vergleichmäßigen die Materialverschiebungen
entlang der Druckzone während des Prägeprozesses.

1 1/4 Talerklippe 1623.     41x41 mm, 39,33 g.   Nau zu 30; Dav.5803A.
Vs.:   :+:MONETA:NOVA:ROTWILENSIS:1623:   -   Das Wappentier von Rottweil.
Die Buchstaben I M in den O von MONETA und NOVA sind die Initialen des Münzmeisters Johann Martin.

Rs.:   :+:FERDINANDVS:II:ROM:IMP:SEMPER·AVG   -   nimbierter Doppeladler unter Krone.


Taler 1623.     Ø 40 mm, ca.28 g.   Nau 30; Dav.5803.
Vs.:   :+:MONETA:NOVA:ROTWILENSIS:1623:   -   Das Wappentier von Rottweil.
Rs.:   ·FERDINANDVS·II:ROM:IMP:SEMPER·AVG+·   -   nimbierter Doppeladler unter Krone.
Finde die Initialen I M des Münzmeisters Johann Martin verteilt auf "O"s der Vs.-Legende!


Taler 1623.     Ø 40 mm, ca.28 g.   Nau 31; Dav.5804.
Vs.:   ✼MONETA✼NOVA✼ROTVVILENSIS✼1623   -   Stadtadler.
Rs.:   ·FERDINANDVS·II·ROM:IMP:SEMPER·AVGSTVS·   -   gekrö. nimbierter Doppeladler.
Unten auf der Vs. und oben auf der Rs. zeigt sich der Rand der nächsten auf den Walzen eingravierten Stempel. Auf jeder Walze sind je 5 Talerstempel der Vs. bzw. Rs. eingraviert.
Vier eiserne Walzen aus der Rottweiler Münze haben sich im dortigen Museum erhalten. [Nau]
Siehe weitere dezentrierte Walzenprägungen.

Nomos, Zürich: Aukt.13 Nr.7 (10.2016) Zuschlag: 1000 CHF
Berühre die Abbildung, um die Rückseite zu sehen.
Patenpfennig o. J., Zürich, von Jakob Stampfer (1547/48).     Guß, Ø 74 mm, 66,7 g.
Habich 868; Nau 36.   Original geprägt (Ø 78 mm).
Ein Geschenk der Eidgenossen zur Taufe von Claudia (1547-75), Tochter Kg. Heinrichs II. von Frankreich.

Vs.:   Die Hand Gottes im Strahlenkranz hält ein mit Rosetten verziertes und mit Lilien bestecktes Band, an dem die nummerierten Wappen der 13 alten Schweizer Orte aufgereiht sind: Zürich, Bern, Uri, Unterwalden, Glarus, Fribourg, Schaffhausen, Appenzell, Solothurn, Basel, Zug, Schwyz und Luzern.
Rs.:  Zwei Engel halten das Schweizer Kreuz mit der Aufschrift: SI DEVS NOBISCVM / QVIS CON - TRA NOS.  -  Außen zwischen verschlungenen Schnüren die Wappen der 7 zugewandten Orten: Abtei St. Gallen, Stadt St. Gallen, Wallis, Mühlhausen, Biel, Rottweil (Adler) und Dreibund.
Si Deus pro nobis, quis contra nos = Wenn Gott mit uns ist, wer kann gegen uns sein?


Bundestaler o. J. (um 1550) von Jakob Stampfer,     auf den Rütlischwur 1296.
hier späterer Guß, Ø 44,5 mm, 14,65 g.   Habich 870; Nau 37.

Vs.:   WILHELM TELL VON VRE STOVFFACHER VO SCHWYTZ ERNI VO UNTERWALD
innen weiter: ANFANG DESS - PVNTZ·IM IAR·CHRISTI - 1296.
Drei bewaffnete Männer reichen sich die Hände, im Abschnitt die Signatur I-S des Stempelschneiders.
Rs.:   Aussen: die nummerierten Wappen der 13 alten Schweizer Orte, innen die Wappen der 7 zugewandte Orte, darunter Rottweil, in der Mitte das Schweizer Kreuz.
Vergleiche ein geprägtes Original (Ø 46 mm, 28,54 g) aus dem Handel.
Rottweil hatte 1463 mit den Eidgenossen ein militärisches Bündnis geschlossen und sich daher 1476 in der Schlacht von Murten gegen Herzog Karl den Kühnen beteiligt. 1519 trat Rottweil dem "Ewigen Bund" der 13 schweizer alten Orte bei. Das katholisch und kaisertreu gebliebene Rottweil entfremdete sich jedoch von der Reformierten Schweizer. Als Rottweil im 30-jährigen Krieg eine kaiserliche Besatzung aufnahm wurde Rottweil von den Beratungen der Eidgenossen ausgeschlossen. Der 1519 geschlossene Bund wurde unwirksam, aber nie gekündigt.

Lit.:
• Nau, E. : Münzen und Medaillen der oberschwäbischen Städte. S.111-115. Freiburg i.Br. 1964. Auszug
• Sattler, A. :  Die Münzen der freien Reichsstadt Rottweil. SNR(1882)1, S.81-90 - PDF im Netz.

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