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Sechser (Sechs Kreuzer)
von 1482 bis ca.1850

Teil A :   1482 - 1564
Erzherzog Sigismund von Tirol, 1439/46-90
Maximilian I., 1490-1519
Ferdinand I., 1522-64
Süddeutschland und Salzburg bis 1564
Fortsetzungen:
Teil B :   1564 - 1657
Teil C :   1657 - 1711
Teil D :   1711 - 1792
Teil E :   1792 - 1850

Index


Meinhard II. von Görz-Tirol, 1271-95
Meinhard II. schuf 1274 in Meran eine neue Münze. Sie hatte den Wert von 20 Berner (ein Veroneser Pfennig).


Zwanziger (20 Berner) o. J. (1275-1306), Meran.     Ø 21 mm, 1,53 g.
Vs.:   ME -IN - hAR -·DV's   -   Lang- und Kurzkreuz als Doppelkreuz.
Rs.:   +COMES (Beizeichen: 3 verbundene Kugeln) TIROLis
Adler v. vorne, Kopf nach l., kleine Federchen an den Flügeln.
Diese erfolgreiche Münze, später vom Volk nach ihrem Aussehen "Kreuzer" genannt, behielt das charakteristische Münzbild, als es von den Habsburgern in Tirol weitergeprägt wurde. Andere Münzstände übernahmen dieses Nominal. Doch die anfangs guthaltige Münze (880/1000 fein) wurde mit der Zeit immer geringhaltiger ausgeprägt.

Erzherzog Sigismund von Tirol, 1439/46-90
Erzherzog Sigismund verlegte 1477 seine Münzstätte von Meran nach Hall am Inn, in die Nähe der ertragreichen Silberbergwerke von Schwaz. 1482 führte er das Sechs-Kreuzer-Stück ein, später kurz "Sechser" genannt. Dieses neue Nominal erlangte sofort eine grosse Bedeutung im Zahlungsverkehr. Gleichzeitig wurde auch der Pfundner zu 12 Kreuzer eingeführt, kurz darauf sogar der halbe und ganze Guldiner zu 60 Kreuzer im Wert eines Goldgulden. Alle diese neuen Münzen wurden 15 lötig (937/1000 fein) ausgeprägt, während der mit der Zeit abgewertete Kreuzer nur noch 500/1000 Silber hielt.


Sechser o. J., Hall.         Ø 24 mm, 3,09 g.   M/T.50; Moeser/Dworschak 46.
Vs.:   + SIGISMVnD'us·ARChIDVX·AVSTRIE
geharnischtes Hüftbild mit umgehängtem Mantel, Kugelzepter und Herzogshut.
Rs.:   + GRO - S'sus COM - ITIS· - TIROLis   -   Langkreuz, in den Winkeln
die Wappen von Österreich (Binde), Kärnten (gespalten), Steiermark (Panther) und Tirol (Adler).


Sechser o. J., Hall.     Stempel von Wenzel Kröndl.   M/T.51.
weitgehend wie vor, aber mit kurzem Hals.
Sigismund der Münzreiche war so verschwenderisch, dass der Beinamen "mit der leeren Tasche" seines Vaters auch für ihn zugetroffen hätte. 1490 musste er auf Drängen der Tiroler Stände die Regierung an seinen Vetter Erzherzog Maximilian abtreten, dem späteren Kaiser. Sigismund starb 1496 ohne erbberechtigte Nachkommen.

Maximilian I., 1490-1519
Maximilian I. (1493 König, 1508 Kaiser) setzte als Graf von Tirol (1490-1519) die Prägung der Sechser fort, doch sein Hauptinteresse galt den Schaumünzen, die seinem Ruhm dienen sollten. Ausserdem wurde das Schwazer Silber zunehmend für Maximilians Schuldendienst eingesetzt. Die Wahl von Ks. Karls V. erhöhte 1519 zusätzlich die Schulden.


Sechser o. J., Hall.     Stempelschneider: Benedikt Burkhart.   Ø 24 mm, 3,09 g.   M/T.74; Egg B1.
Vs.:   +MOnETA·ARChiDVC:AVSTRIE   (in gotischer Schrift)
Hüftbild mit langen, fast gerade herabfallenden Haaren.

Rs.:   +AC·CO - MITA - TVS·TI - ROLIS
Langkreuz, in den Winkeln die Wappen von Ungarn (gekrönt), Österreich, Burgund, Tirol.


Sechser o. J., Hall.     Stempelschneider: Ulrich Ursentaler d.Ä.   M/T.75; Egg D6.
weitgehend wie vor, aber Hutbügel mit Perlen besetzt und Schrift in Antiqua.

Ferdinand I., 1522-64
Erzherzog Ferdinand wurde 1522 von seinem Bruder Ks. Karl V. - der Nachfolger Ks. Maximilians - zum Gubernator von Tirol ernannt. Die seit dem Tod Maximilians eingestellte Münzprägung konnte erst wiederaufgenommen werden, als Ferdinand das nötige Silber kaufen liess und mit den daraus geprägten Münzen bezahlen konnte. 1524 begann in Hall seine Prägung von Sechsern, die er auch auf andere Prägestätten seines Herrschaftsgebietes ausdehnte.


Sechser o. J. (1524-29), Hall.     Ø 24 mm, 2,8 g.   M/T.89.
Vs.   +FERDINANdus·PRINCeps·ET·INFans·HISPaniarum #
Hüftbild mit Zepter in der Rechten und Schwertgriff in der Linken.
Rs.:   ARCHI - Dux·AVSTriae - COMITatus - TIROL
Langkreuz mit vier Wappen (Österreich, Kastilien, Burgund, Tirol).
"Ferdinand, Fürst u. Prinz von Spanien - Erzherzog von Österreich u. Herzog von Burgund. Grafschaft Tirol"
Ferdinand trägt hier noch nicht den Titel des Grafen (comes) von Tirol.
Ab 1529 steht COMES (Graf) statt COMIT (Grafschaft) in der Umschrift.


Sechser o. J., Linz.    
Vs.   +FERDINANdus·PRINCeps·ET·INFans·HISPAniarum
Hüftbild mit Kreuzzepter in der Rechten und Schwertgriff in der Linken.
Rs.:   ARCHI - Dux·AVSTriae - DV·X·BV - RGVNDiae
Langkreuz mit vier Wappen (Österreich, Oberösterreich (ob der Enns), Burgund, Kastilien).
(Linz an der Donau ist Landeshauptstadt von Oberösterreich.)


Sechser o. J. (bis 1527), Graz.     Ø 24 mm, 2,89 g.   Markl 1812.
Vs.:   +FERDINAND·PRINC·ET·INFA   -   Hüftbild rechts.
Rs:   ARCH - IDux·AVS - Triae·DVX - STIRIae
Langkreuz, in den Winkeln Wappen Österreich, Kastilien, Burgund, Steiermark (stehender Panther).
(Graz ist die Hauptstadt der Steiermark.)


Sechser 1536, Graz.
Vs.:   +FERDIA·D·G·ROM·VNG·BOEM·R   -   Hüftbild rechts.
Rs.:   MONE - NOVA - DVCA - STIRI   -   Pantherschild auf Langkreuz, Jahreszahl 15 - 35.


Sechser o. J., Wien.
Vs.:   +FERDINAND·PRINC·ET·INF·HIS   -   Hüftbild rechts.
Rs.:   ARCHI - D·AVST - DVX·B - VRGVN
Langkreuz, in den Winkeln Wappen: Österreich, Aragon, Burgund, Kastillien.


6 Kreuzerklippe 1529.   Geprägt während der Belagerung der Stadt Wien durch die Türken.
19x19 mm, 3,20 g.   Markl 298; Schulten 4214.

Vs.:   TVRCK / BeLEGERT / WIEN / 15Z9 zwischen 4 Dreiblättern.
Rs.:   Langkreuz, in den Winkeln Wappen: Österreich, Ungarn, Böhmen, Kastilien.

Süddeutschland und Salzburg bis 1564
Der gern angenommene Sechser verbreitete sich als Münztyp nicht nur in Österreich. Er wurde auch von Münzherren in angrenzenden Gebieten mit eigenen Prägungen übernommen. Das charakteristische Münzbild mit dem Langkreuz und vier Wappen sollte die Gleichwertigkeit dieser Münzen mit den habsburgischen Vorbildern anzeigen.
Bis 1551 setzte sich der Kreuzer in Süddeutschland bis zum Main als Referenzwährung durch.

Pfalz-Neuburg, Hzm. :  Ottheinrich und Philipp, 1504-44


6 Kreuzer o. J. (1505), Neuburg.     Ø 23 mm.   Schulten 2756.
Vs.:   +OTTO·hEIИ· - ·PHIILL·COmites·PAlatini·RhEИI·
Die beiden Pfalzgrafen mit einem Löwen spielend, darüber P.
Rs.:   INFErioris - Z(et)·SVPerioris·B - Avariae·DVCeS - ·ET FRATres·
Langkreuz mit vier Wappen: Bayern (Rauten) und Pfalz (Löwe).

Öttingen, Gft. :  Karl Wolfgang, Ludwig XV., Martin und Ludwig XIV. 1522-29


Sechser 1525, Tiroler Typ.     Ø 23 mm, 2,92 g.   Löffelholz 94, Schulten 2603.
Vs.:   KARL - LVDWI - MARTI - N+LVD
Kreuz, in den Winkeln vier Schilde, davon zwei mit der geteilten Jahreszahl.
Rs.:   +MONETA*CO - MITVM*OTING   -   Brackenkopf über helmverziertem Wappen.
(Öttingen umfasste Gebiete in der Umgebung der Reichsstadt Nördlingen.)

Regensburg, Bm. :  Johann III. von der Pfalz, 1507-38


Sechser 1527, Regensburg.    Ø 24 mm, 2,7 g.   Schulten 2839; Emmerig/Kozinowski 9 A/a.
Vs.:   ¤IOAN·ADMINISTRATor·RATISBonensis
Brustbild mit Barett und Mantel nach links zwischen Jahreszahl 15 - ZΛ
Rs.:   OMne·RE - Gnum·IN·S - E·DIV - Isum·DESOlabitur
"Jedes Herrschaftsgebiet wird untergehen, sobald es aufgeteilt wird"
Langkreuz, in den Winkeln die Wappen: Pfalz und Bayern sowie 2x Hochstift Regensburg.

Regensburg, Reichstadt


6 Kreuzer 1554, mit Titel Karls V.     Ø 23 mm, 2,48 g.   Beckenb.3202.
MONE·R - EIPVB·R - ATISBO - NENSIS   //   COROLI V·IMP·AVG·PF·DECRETO·
PF·DECRETO steht für "Permisit Fieri Decreto" (liess hestellen gemäss Erlass) oder "Publicari Fecit Decreto" (erlaubte die Herstellung gemäss Erlass) und bezieht sich auf die Reichsmünzordnung.
In der 2. (Augsburger) Reichsmünzordnung von 1551 wurde der Kreuzer als Referenzmünze benutzt: Der Goldgulden sollte 72 Kreuzer Wert sein und in Silber als Guldiner ausgeprägt werden. Die Wertangabe in Kreuzer hatte im Reichsapfel auf der Brust des Doppeladlers zu stehen.

Brandenburg-Franken, Mgft. :  Georg von Ansbach, 1527-36


6 Kreuzer 1530, Schwabach.     Ø 23 mm.   v. Schrötter 596; Schulten 210.
Vs.:   GEORG - MARCH - BRAN ET - VTTVTO   -   Brandenburgischer Schild auf Langkreuz,
in den Winkeln die Wappen von Schlesien, Zollern, der Burggrafschaft, Pommern.

Rs.   MO·CAROLI·V·CAE·ROM·IMPER·1530   -   Doppeladler.

Salzburg, Ebm. :  Matthäus Lang von Wellenburg, 1519-40


Sechser 1536, Salzburg.     Ø 22 mm, 2,59 g.   BR 691; Probszt 251; Zöttl 252
Vs.:   ARCHI - EPVS· - SALZB - ·1536·
Langkreuz teilt die Legende, in den Winkeln alternierend die Wappen des Stifts und der Familie.
Rs.:   ·Sanctus·RVDBER - TVS·EPVS·   -   Der Heilige Rupert stehend mit Salzfaß und Krummstab.


Herzog Wilhelm IV. von Bayern, 1516-50
Vermeintlicher Sechser
Mit dem Rauhgewicht liess sich der Groschen (3 Kreuzer, 2,53 g, 7 Lot = 480 fein) und der Sechser (6 Kreuzer, 2,88 g Sollgewicht, 145/16 Lot = 859 fein) nach der Müzordnung von 1535 nicht unterscheiden. Die Metallanalyse bestätigt aber, dass es sich bei beiden Varianten (Hahn 24 und 25) um 3-Kreuzer-Stücke handelt. Wegen der Unsicherheit über ihren Wert hatte sich diese Münze in Bayern nicht bewährt.     [W.Hahn, mt 3/2005, S.159f]

3 Kreuzer 1536, München.     Ø 23 mm, 2,37 g.   Hahn 24; Schulten 160 (als 6 Kreuzer).
Vs.:  + WILH·ET·LVD·DVC·BAVAR
Löwen- und Rautenschild durch Bänder verbunden, darunter die Jahrzahl.
Rs:  + SI·DE9·NOBISC·QS·CON·N   = Si Deus Pro Nobis Quis Contra Nos?
Löwenschild ( o h n e Schleife).

Lit.:
• H.Moser / H.Tursky [M/T.]:  Die Münzstätte Hall in Tirol 1477-1665, Innsbruck 1977
• Erich Egg:  Die Münzen Kaiser Maximilians I., Innsbruck, o. J. (1969)
• K.Moeser / F.Dworschak:  Erzherzog Sigismund von Tirol - Die große Münzreform, Wien 1936 - Auszug

Fortsetzung :  Teil B, 1564 - 1657

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