Zwei Zitate aus
Da sah ich viel köstlich Dinge: Albrecht Dürers Reise in die Niederlande
von Gerd Unverfehrt
2007 Vandenhoek & Ruprecht, Göttingen

"... Ziel und Zweck der Reise war aber Margarethe von Österreich und der Erhalt eines ersehnten Büchleins. Dürer fädelt eines der üblichen Tauschgeschäfte ein:
Ich war auch bei Frau Margareth und habe sie meinen Kaiser sehen lassen und ihr denselben schenken wollen. Aber da sie ein solches Missfallen daran hatte, so nahm ich ihn wieder fort.
Mein Kaiser ist ein Bildnis, das die Statthalterin offenbar enttäuschte. Es kann sich dabei kaum, wie früher angenommen wurde, um eines der beiden gemalten Porträts ihres Vaters Kaiser Maximilian handeln (Heute in Nürnberg und Wien). Dürer hat das verschmähte Geschenk wenig später mit Tommaso Bombellis Schwiegersohn gegen ein weiß englisch Tuch getauscht. Auch ist für das geplante Präsent einer der seltenen Porträt-Holzschnitte angenommen worden, auf deren Schaube und Ordenskette Maximilians in Gold gedruckt sind. Wahrscheinlich aber ist mein Kaiser die nach Dürers Entwurf geprägte schwere silberne Dedikationsmedaille der Stadt Nürnberg, die dem neuen Kaiser in einhundert Exemplaren überreicht werden sollte. Sie hatte allerdings einen Fehler, denn sie zeigt den jugendlichen Karl, der sich zwischenzeitlich einen Bart hatte wachsen lassen, noch bartlos. Der Rat der Stadt Nürnberg verzichtete daher auf die Übergabe dieses Geschenks, und auch Margarethe von Österreich scheint es verschmäht zu haben. Nach diesem verfehlten Versuch schlug auch der Versuch fehl, eine begehrte Gegengabe zu erhalten."     [S.182]

Bei seiner Reise in die Niederlande 1520 wollte Dürer vor allem Karl V. eine Petition überreichen mit der Bitte um die Fortsetzung der von Ks. Maximilian gewährten Zahlung von jährlich 100 Gulden. Tatsächlich verfügte der Kaiser mit einem Schreiben vom 4. November 1520 an die Stadt Nürnberg, der Rat der Stadt solle diese Zahlungen an Dürer übernehmen und sie von ihrer Steuerzahlung an den Kaiser abziehen.

Als Karl V. gekrönt wurde, weilte Dürer in Aachen. "Ob und in welchem Umfang und welcher Form Dürer an den Krönungsfeierlichkeiten teilhatte, bleibt offen. Wahrscheinlich war er einer unter vielen, denn besondere Ehrungen hat er im Tagebuch gern und oft notiert."     [S.106]

Karl V. gab Dürer keine Gelegenheit für ein Bildnis. So hat uns Dürer zwar Bilder Maximilians hinterlassen, jedoch kein getreues Porträt von Karl V.