Herzog Johann von Sachsen-Weimar, ein Enkel Johann Friedrichs des Grossmütigen und letztem Ernestinischen Kurfürst, starb 1605. Seine 8 Söhne waren noch minderjährig und kamen zunächst unter die Vormundschaft des Kurfürsten Christian II. von Sachsen, einem Albertiner. Nach dessen Tod 1611 übernahm sein Bruder Johann Georg I. von Sachsen die Vormundschaft. Ab 1607 liessen die Brüder gemeinsam sog. Achtbrüdertaler prägen.
Achtbrüdertaler 1612, Saalfeld. Schnee 341, Dav.7523
Av.: D:G:IO:ERNES: - FRIDERICVS - WILHELMVS - ALBERTVS· getrennt von 3 Wäppchen.
Namen und Bildnisse der 4 älteren Brüder, jeweils mit Trinkgefäss in der rechten Hand.
Im Abschnitt: MON:NOV:ARG / VIII·FRATres: / DVX:SAX:
"Neues Silbergeld - 8 Brüder, Herzöge von Sachsen"
In der Bildmitte ein kleiner Stempelfehler.
Rev.: IO:FRIDERIC9 - ERNESTVS - FRID.WILHELM. - BERNHARD9 getrennt von 4 Wäppchen.
Namen und Bildnisse der 4 jüngeren Brüder.
Im Abschnitt: LINEA VINA / RIENSIS / 16 WA 09 (Linie Weimar, Jz. zwischen Mmz. WA)
Anfang 1612 wurde Johann Ernst (*1594), der älteste der acht Brüder laut Gesetz volljährig. Doch der mächtige Kurfürst Johann Georg I wollte die Vormundschaft nicht aufgeben. Johann Ernst und seine Mutter, Dorothea Maria von Anhalt, baten den Kurfürst um Entlassung aus der Vormundschaft, erhielten aber keine Antwort. Daher weisen die ab Mitte 1612 geprägten Achtbrüdertaler eine auffällige Änderung auf:
Achtbrüdertaler 1612, Saalfeld. Schnee 344 ; Dav.7525
Av. : Im Abschnitt steht nun das Motto DISCORDIÆ / FOMES INIVRIA
"Unrecht entfacht Zwietracht", das auf die unrechtmässige Verlängerung der Vormundschaft anspielt.
Rev. : Über den Bildnissen der Rückseite steht der Zusatz:
8 FRAT.DVC:SAXON: / IVLiaci:CLIviae:MONTium:
"8 Brüder - Herzöge von Sachsen, Jülich, Kleve und Berg"
Damit melden die Brüder ihren Anspruch auf Jülich, Kleve und Berg an. (Jülich-Klevischer Erbfolgestreit)
Im Abschnitt werden die Anfangsbuchstaben betont : LINEA VINA / RIENSIS
Beide Umschriften bleiben unverändert, werden nun von 18 statt bisher 7 Wäppchen unterbrochen; darunter fünf Anspruchswappen: Herzogtümer Kleve, Jülich und Berg sowie die Grafschaften Mark und Ravensberg.
Die auf der Rückseite hervorgehobenen Buchstaben bilden ein Chronogramm:
ICMLV = 1+100+1000+50+5 = 1156
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Die Jahreszahl 1156 verweist auf Heinrich den Löwen als Vorbild für die acht ambitionierten, aber unmündig gehaltenen Brüder von Sachsen-Weimar, denn auch Heinrich der Löwe musste um das Erbe seines Vaters kämpfen: Erst 1156 sprach ihm sein Vetter, der Staufenkönig Friedrich I. Barbarossa, das Herzogtum Bayern zu, das Stammland seines Vaters Heinrich der Stolze, Herzog von Bayern.
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Ab Mitte 1613 wurde das provokante Motto der Vorderseite durch ein Blätterornament ersetzt.
Anfang 1616 war es endlich soweit: Der nunmehr 22jährige Herzog Johann Ernst wurde regierender Herzog. Er wurde auch Vormund seiner noch nicht volljährigen Brüder. Entsprechend änderte sich 1616 die Gestaltung der Achtbrüdertaler ein letztes Mal:
Achtbrüdertaler 1618, Saalfeld. d=43mm Schnee 349, Dav.7529
Av. : D:G:IOH:ERNestus:IVNior:DVX:SAXoniae:IVliaci:CLiviae
:ET Montium: SVO: et TVToris:NOMine
"Von Gottes Gnaden Johann Ernst der Jüngere, Herzog von Sachsen, Jülich, Kleve und Berg, in seinem Namen und als Vormund"
Johann Ernst in der Mitte gross aufgestellt, darum die Köpfe der Brüder angeordnet.
Rev. : FRID:WILH:ALBERT:IO:FRID:ERN:FRID:WILH:ET BERN: F F WA
"Friedrich, Wilhelm, Albert, Johann Friedrich, Ernst, Friedrich Wilhelm und Bernhard - Brüder" Mmz.WA
18-teiliges Wappen, darüber 6 Helme mit Helmzier zwischen Jz. 16 - 18
Wappen, linke Spalte : Thüringen, Jülich, Pfalzsachsen, Orlamünde (Löwe), Altenburg (Blume), Mark (geschachtet)
Mittelspalte: Kleve, Sachsen, Landsberg (Pfähle), Eisenberg (Balken), Regalienfeld ? | Henneberg
Rechte Spalte: Meissen, Berg, Pfalzthüringen, Pleissen (Löwe), Brehna, Ravensberg
Helmzier v.l.n.r.: Kleve-Mark, Thüringen, Sachsen, Meissen, Jülich und Berg.
Im Wappen können die 6 Löwen und 2 Adler nur auf Grund der Position zugeornet werden. Im farbigen Wappen, wie in der Kirchenburg Ostheim , gelingt dies eindeutig.
Die Prägung der Achtbrüdertaler endete 1619 mit dem Tod von Friedrich Wilhelm. 1640 kam es schliesslich zur Erbteilung zwischen den verbleibenden drei Brüdern: Wilhelm (S.-Weimar-Eisenach), Albrecht (S.-Eisenach bis 1644) und Ernst (S.-Gotha).
Ref. : Lev Goldenberg, Chronogramm und Motto auf den Achtbrüdertalern 1612 und 1613 von Sachsen-Weimar, Münzen & Papiergeld 11/2006, S.27-29
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