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Münzen von Ulm
Elisabeth Nau
in: Die Münzen und Medaillen der oberschwäbischen Städte (1964)
hier nur Auszug (S.63-66) ohne Anmerkungen u. Katalogteil.


Ältester Name Hulma 854, Ulma 856, Ulm 1287. Seit 854 als königliche Pfalz erwähnt. Die Siedlung war seit der frühen Karolingerzeit im Besitz des Klosters Reichenau. Im Laufe des 11. Jahrhunderts gingen die königlichen Rechte in Ulm an die schwäbischen Herzöge über. Der Markt, wohl ursprünglich reichenauisch, stand unter der Bevogtung durch die Herzöge. Erste Erwähnung einer Ulmer Münze in einer zwischen 1060 und 1090 ausgefertigten Urkunde. 1079 Cives Vlmenses genannt. In den Kämpfen des Investiturstreites zwischen Welfen und Waiblingern zu Ende des 11. Jahrhunderts stark mitgenommen, dann wieder 1131 und 1134 weitgehende Zerstörung. Ab 1140 Wiederaufbau durch Konrad III. Stadtgründung um 1164 durch Zusammenschluß von Pfalz, Marktsiedlung und Reichenauer Pfleghof zu einem Hochgerichts-, Stadtrechts- und Burgbezirk. Um 1160 die ersten bekannten Ulmer Münzen überliefert, Dünnpfennige. Ab ca. 1180 bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts variantenreiche Brakteatenprägung mit Königsbild nach Konstanzer Schlag. Bereits in der ersten Erwähnung der Ulmer Münzen im 11. Jahrhundert wurde vermerkt, daß die Ulmer Pfennige den Konstanzern in Gewicht und Feingehalt gleich seien. 1254-1264 urkundliche Erwähnungen eines Werinherus monetarius. 1347 erreichte die Stadt Selbständigkeit in der inneren Verwaltung, zwischen 1357 und 1361 erlosch die Reichsvogtei, um 1450 hatte die Stadt alle königlichen Rechte in ihrer Hand. 1348 wird Ulm zuerst als Reichsstadt genannt.

Die ab Mitte des 14. Jahrhunderts geprägten Ulmer Heller mit Hand und Kreuz sind jedoch noch keine städtischen Münzen, sondern Reichsprägung. Der Pächter der Ulmer Hellermünzstätte war der Nürnberger Großunternehmer Leopold Groß, der auch drei andere Hellermünzstätten des Reiches, Nürnberg, Hall und Frankfurt/Main in Pacht hatte. Der Schlagschatz aus allen diesen Münzstätten floß ihm zu. 1388 finden wir einen Goldschmied Claus bei der Ulmer Münze angestellt "für neue Heller zu prennen". 1396 erkannte Ulm die Heller- und Schillingprägung des Kirchheimer Vertrages an, der zwischen Württemberg, Hohenberg, dem Bischof von Augsburg, den Grafen von Öttingen geschlossen wurde, ohne selbst an dieser Prägung teilzunehmen. 1398 erst ging die Ulmer Hellermünze durch Privileg König Wenzels in das Eigentum der Stadt über. 1404 Teilnahme Ulms an dem Münzvertrag zwischen Württemberg, Ulm, Biberach und Pfullendorf einerseits und den Bodenseestädten andererseits. Prägung von Hellern und zum ersten Mal auch von Schillingen, wozu im gleichen Jahr König Ruprecht ausdrücklich das Privileg erteilte. 1404 waren Claus Stokar und Hans Lucas von Straßburg als Münzmeister tätig (siehe auch Ravensburg). 1423 neuerlicher Münzvertrag der vorgenannten Städte und weiterer neu hinzukommender in Riedlingen, der außer der Prägung von Schillingen und Hellern auch die von Pfennigen in Ulm vorsah. Ulm war neben Konstanz und Stuttgart Münzstätte des Bundes. 15. April 1424 Anstellung von Hans Gürtenler aus Straßburg auf ein Jahr als Münzmeister. 1424 wird dann wieder ein Münzmeister Claus genannt. In der Zeit vom 20. März bis 4. Mai 1424 erwarb Ulm für 3807 Gulden Silber von Privatleuten in Dinkelsbühl, Basel und Zürich. Eine Prägung zu Ende des 15. Jahrhunderts (wohl Heller und Pfennige) ist durch die Erwähnung eines Münzers Bartholomäus Dürr 1495 in den Steuerbüchern der Stadt bezeugt. 1501 neuer Münzvertrag zwischen Ulm, Überlingen, Ravensburg, Memmingen, Kempten, Isny, Leutkirch. Die Gemeinschaftsprägung aller dieser Städte fand nur in Ulm statt. Außer den altbekannten Münzsorten wie Schillinge, Pfennige und Heller wurden jetzt auch Dreier, Plapparte und Vierteltaler geprägt. Der Münzfuß richtete sich nach der seit 1436 von Überlingen aus eingeführten sogenannten "Moneta Parva", bei der im Gegensatz zu der in Konstanz geltenden "Moneta Magna" auf einen Gulden 35 statt 30 Schillinge gingen. Münzmeister war Jörg Öbrer (siehe auch Isny), Stempelschneider Meister Franz von Überlingen (Cahn a.a.O. S.317). Der Bund bröckelte 1502 durch das Ausscheiden von Ravensburg bereits ab und löste sich 1503 ganz auf. 1505 Verpachtung des Münzhauses auf dem Garnmarkt auf 10 Jahre an die Kaufleute Anton Welser von Augsburg und Konrad Vöhlin von Memmingen als Faktorei. Wiederaufnahme der Prägung Anfang der 40er Jahre mit einer Pfennig- und Doppelpfennigprägung gemäß der "Moneta Parva", 210 Pfennige auf einen Gulden (Kat. Nr.40/41). Die Münzstätte war im säkularisierten Wengenkloster. Von 1546-1548 wurden Ganz- und Halbtaler zu 68 bzw. 34 Kreuzern geschlagen, nachdem ein Versuch, den Prägeauftrag den Pfandherren der Augsburger Reichsmünzstätte, den Grafen von Königstein zu übertragen, fehlgeschlagen war. Jährlicher Schlagschatz 300 fl. Münzmeister Balthasar Hundertpfund von München, vorher in Augsburg und Donauwörth tätig, gleichzeitig auch für Nördlingen, Kempten und Kaufbeuren beschäftigt (siehe dort). Nachträglich erst bekam die Stadt 1552 das Recht zur Prägung in allen Nominalen und allen Metallen verliehen. Die Prägung der 40er Jahre fand auf Grund des 1535 mit König Ferdinand I., den Herzögen von Pfalz-Neuburg, Pfalz-Sulzach und Augsburg geschlossenen und 1536 in Kraft getretenen Münzvertrags statt, der die österreichische Kreuzer- und Talerwährung in Süddeutschland endgültig heimisch machte. Nachdem 1567 neu gemünzte Pfennige ausgegeben worden waren, prägte Ulm 1572 gemäß der Reichsmünzordnung von 1559 Guldentaler zu 60 und Halbgulden zu 30 Kreuzern neben 10- und 2-Kreuzerstücken, aber nicht mehr in eigener Münzstätte, sondern in der Kreislegstätte Augsburg durch Münzmeister Johann Vogler. Die nächste Guldenprägung nach gleichem Schlag und Vorbild fand 1606 in der fränkischen Kreismünzstätte Nürnberg statt. Der Rat der Stadt hatte beschlossen, zur Wahrung seiner Münzgerechtigkeit 4000 ganze und 1667 halbe Gulden in Nürnberg prägen zu lassen. Münzmeister war dort der aus einer Ulmer Familie stammende und mit den Baldingern und Neitharts verwandte Paul Dietherr. Die Stempel schnitt Hans Kastenbein, der von 1604-1629 amtlich angestellter und verpflichteter reichsstädtischer "Eisengraber" war. Auch 1607 wurden in Nürnberg noch Halbguldiner geprägt mit der Jahreszahl und den Stempeln von 1606. In einer Zusammenstellung des fränkischen Kreiswardeins, datiert Nürnberg, den 20. September 1607 heißt es u. a.: "Ein Werk der Stadt Ulm halbe Guldengroschen mit der Zahl anno 1606 8. Mai 1607 ausgegangen, halten fein 14 Lot 16 Gren". 1616 wurde vom Ulmer Rat die Münzschau wieder angeordnet und Hans Schad, Hanns Ehinger, Frantz Ritter und Hanns Heinrich Gienger "das Müntzwesen zu deliberieren verordnet". Am 20. März 1620 wurde Hans Schad und seinem Vetter Sigmund Schleicher "das müntzwesen und was darzu gehörig, uffgetragen ... ". 25. September 1620: "haben vötter Sigmund Schleicher und ich, als denen das Münzwesen anvertraut, anfangen müntzen und den 14. Oct. das erstemal reichsdaler gemüntzt." "Den 27. Juni (1621) haben wir anfangen, Kupferpfennig zu münzen." (Kat.-Nr.74) "Den 7. diss (Oktober) hat man anfangen, kupferin kreutzer münzen. (Kat.-Nr.73). Den 19. diss habe ich von den herrn Öltern und Geheimen alhie wegen dess bey dem müntzwesen reichlich geschafften nutzen ein ansehenliche stattliche recompens bekommen." "Den 13. decembr. hatt man anfangen, kupferkreutzer und pfennig under die zünfften austailen". "Den 9. decembr. sein mir wegen meiner bemühung in der müntz von den h.öltern und geheimen 200 dahler verehrt worden." "Den 4. novembr. (1624) sein mir bey der müntzrechnung wegen meiner bemühungen fl 200 sampt einem guldin pfennig Ulmer dahlergepregs von 10 ducaten schwer verehrt worden." (Kat.-Nr.98) 1620 war in Ulm wieder eine eigene Münzstätte in der Burkhardsmühle (Sägemühle) eingerichtet, Franz Philipp Kling von Augsburg als Münzmeister angestellt und aus der dortigen Münzstätte für 300 fl ein Streck-, Zieh- und Schneidewerk angeschafft, mit dem Kling zunächst probeweise Dreikreuzerstücke herstellte. Gemäß dem Beschluß des Regensburger Probationstages vom Oktober 1621 war es den Ständen und Städten bis auf weiteres erlaubt, zur Abhilfe des akuten Kleingeldmangels in eigenen Prägeanstalten auch außerhalb der verordneten Münzstätten ihres Kreises Pfennige, 1½ Pfennige, Halbkreuzer, Kreuzer und Dreipfennigstücke schlagen zu lassen. Ulm hatte bereits 1620 Reichstaler und Dreibätzner geprägt und die Silberplatten dazu aus Italien bezogen. 1621-1623 wurden neben Pfennigen, Halbkreuzern (nicht bekannt), Kreuzern auch 6-Kreuzerstücke und Sechsbätzner massenhaft geschlagen. Die ausgegebenen Sorten waren so schlecht, daß der Reichsfiskal in Speyer gegen Ulm im Jahre 1621 deswegen einen Prozeß eröffnete. 1622 und 1623 erschienen Stadtmünzen aus Billon im Wert von einem halben, viertel und zehntel Gulden, 1623 wieder umfangreiche Taler- und Halbbatzenprägungen, 1624 desgleichen. Nach den Verehrungen, die der Rat dem Hans Schad wegen seiner Bemühungen um das Münzwesen zukommen ließ, war er mit dem Gewinn aus diesen Emissionen hochzufrieden. Nach einer längeren Pause erschienen 1635 die ersten Dukaten, jährlich weitergeprägt bis 1639, begleitet von einer Folge prachtvoller Taler der gleichen Jahre bis 1640. Die Stempel zu diesen Emissionen sind signierte Arbeiten der bekannten Ulmer Goldschmiede Hans Ludwig und Marx Kienlin, die am 12. Dezember 1634 als Münzmeister der Stadt angenommen wurden. Ursprünglich vorgesehene Halbtaler wurden nicht geprägt. 1639 ließ der Rat eine Erhebung über die noch im Zeughaus vorhandenen kupfernen "Blättlen" (Plättlein) oder Häller anstellen und beschloß, dieselben mit einem Ulmer Schildchen stämpfen zu lassen. 1647 wurde nochmals die Dukaten- und Talerprägung ohne Jahreszahl aufgenommen. 1681-1694 neue Kleingeldemissionen, Halbkreuzer aus Kupfer, Billonkreuzer und -halbbatzen, die von den oberdeutschen Kreisen schon kurz nach ihrem Erscheinen als zu geringhaltig verrufen wurden. Waren die Talerprägungen 1546-1548 durch die Anspannung der städtischen Finanzkraft im und nach dem schmalkaldischen Krieg, die Gold- und Silberemissionen der 30er Jahre des 17. Jahrhunderts durch die enormen Aufwendungen im 30jährigen Krieg bedingt gewesen, so waren auch die nächsten größeren Gold- und Silberstücke, die 1703 und 1704 herauskamen, durch einen Krieg, den Spanischen Erbfolgekrieg, verursacht. 1703 erschienen während der bayrisch-französischen Besetzung der Stadt Batzen und Halbbatzen mit der Umschrift "DA PACEM NOBIS DOMINE", im folgenden Jahr als Kontributionsgeld Goldgulden, sechsfache Goldgulden in Klippenform und ebensolche silberne Gulden, alle aus dem von der Bevölkerung abgelieferten Gold- und Silbergeschirr geprägt. Alle Sorten wurden im städtischen Zeughaus geschlagen, das schon im späten 17. Jahrhundert als Münzstätte gedient hatte. Die herrlichen Dukaten mit den Kaiserbildnissen 1705 und 1742 zum Regierungsantritt der Kaiser Joseph I. und Karl VII. sind wiederum Erzeugnisse der Kreismünzstätte Augsburg. Auch die Gold- und Silberdenkmünzen auf die Reformationsjubiläen 1617, 1717 und 1730 sind in Augsburg hergestellt, ebenso die 7- und 3½-Kreuzer der Jahre 1758 und 1767/68. Die verschiedenen Wertangaben auf Vs. und Rs. beziehen sich auf die verschiedene Bewertung der Sorten nach Reichs- und Stadtwährung. Die großen Kupferkreuzer von 1772/73 sind in der vorderösterreichischen Münzstätte Günzburg geschlagen. In Ulm selbst ging das ganze 18. Jahrhundert über im Zeughaus weiter eine massenhafte Halbkreuzer- und Kupferhellerprägung vor sich, die um 1780 herum ihr Ende fand.

Wie die Ulmer Münzprägung der Neuzeit, so verdanken auch die Ulmer Medaillen des 16., 17. und 18. Jahrhunderts überwiegend kriegerischen Ereignissen ihr Dasein. Den Reigen eröffnet die kleine Gußmedaille, die zur Erinnerung an die glücklich überstandene Belagerung der Stadt 1552 durch Kurfürst Moritz von Sachsen ausgegeben wurde. In den Jahren 1622, 1663, 1667 und 1681 ließen die Ulmer Stadtväter wie auch andere süddeutsche Städte es taten (vgl. auch Konstanz, Ravensburg, Memmingen, Kempten) sogenannte "Regimentstaler" in Gold und Silber schlagen. Sie zeigen alle die neuen Befestigungsanlagen, die 1617-1622 von dem Niederländer Jan van Valckenburgh angelegt wurden. Um die im 16. Jahrhundert ausgebaute mittelalterliche Stadtmauer war ein breiter Wassergraben und acht Fünfeck-Bastionen gezogen worden, von denen auf den Medaillen vier zu sehen sind. Die zahlenmäßig stärkste Gruppe sind jene Medaillen - durchweg Augsburger Herkunft -, die auf die Schicksale der Stadt im Spanischen Erbfolgekrieg 1702-1704 Bezug nehmen, angefangen von der Überrumpelung durch als Bauern verkleidete bayerische Soldaten am 8. September 1702 bis zur Befreiung nach der Schlacht von Höchstädt durch den General v. Thüngen am 13. September 1704. Die Jubiläumsprägungen auf die verschiedenen Reformationsfeiern teilt Ulm mit anderen oberschwäbischen Reichsstädten (siehe auch Biberach, Ravensburg, Isny, Kempten, Kaufbeuren). Eine Besonderheit sind indessen die gegossenen Comödien-Prämien, die als Preise für beste Darstellerleistungen verteilt wurden. Es handelt sich um von Schulpräzeptoren geschriebene Lehrstücke theologisch-moralischen Inhalts, die von Schülern und Studenten aufgeführt wurden. Die Darstellungen mit ihren gravierten Inschriften beziehen sich auf die Themen der Aufführungen. Die Qualität dieser Medaillen steht auf sehr geringem handwerklichem Niveau.



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