Startseite Numismatische Texte

Suum cuique

Luigi Graf Caldegari
in: money trend 1/1989, S.49

hier mit einer Zugabe zum Krönungsdukaten 1701
von Gerhard Gottschewski


Der römische Staatsmann und Schriftsteller Cato d. Ä. (234 - 149) soll gesagt haben:
"Suum cuique per me uti atque frui licet"
= "Soweit es an mir soll jeder das Seine nutzen und geniessen dürfen."


Medaille auf Kurprinz Friedrich (III.), 1674.     Ø 46 mm,
ausgestellt im Bode-Museum, Raum 244. Siehe auch die Vs. im Interaktiven Katalog des Münzkabinetts.
 

Friedrich I. König in Preussen (1688-1713) nahm das "Suum cuique" - "Jedem das Seine" - zu seinem persönlichen Wahlspruch. Schon 1677 verwendete er es als Kronprinz auf einer Medaille, die anlässlich der Bestellung Friedrichs zum Statthalter der Mark geprägt worden war. Dann wurde es die Devise des am 17. Januar 1701 gestifteten Ordens vom schwarzen Adler. Nachdem für das Haus Hannover 1692 eine neue Kurwürde geschaffen worden war und zudem der Kurfürst von Sachsen, August der Starke, nach dem Übertritt zum Katholizismus 1697 die Krone Polens erlangt hatte, war die Königskrone zu einer Prestigefrage für Brandenburg geworden.

Bei den Verhandlungen, die der brandenburgische Kurfürst Friedrich III. in Wien und Warschau über die von ihm angestrebte Erwerbung der Königswürde führen liess, spielte die Titelfrage eine erhebliche Rolle. Es kam dem Hohenzollern darauf an, die königliche Würde nicht auf seine mitteldeutschen Reichslande zu begründen, was ihn lehensabhängig vom Kaiser gehalten hätte, sondern auf sein souveränes Herzogtum Preussen, weil er ein unabhängiger König sein wollte. Aber da ergaben sich Schwierigkeiten in Polen. Dort wollte man lange Zeit von einem König von Preussen nichts wissen, da ja der Westteil des ehemaligen Ordensstaates Preussen seit 1466 der Krone Polens einverleibt war.

Gegen das Versprechen einer Teilnahme am spanischen Erbfolgekrieg mit 8000 Mann Hilfstruppen und Unterstützung des Hauses Habsburg bei der Kaiserwahl erhielt Friedrich III. im Krontraktat vom 16. November 1700 die kaiserliche Zustimmung zur Erhebung des Herzogtums Preussen zum selbständigen Königreich.

Aus Rücksicht auf Polen konnte Friedrich sich nicht König von, sondern nur König in Preussen nennen. Erst Friedrich II. d. Gr. sollte ab 1772, nach der ersten Teilung Polens, den Titel "König von Preussen" führen.

Friedrich verstand es bei seiner Prunk- und Prachtentfaltung, die am 18. Januar 1701 im Schloss von Königsberg stattfindende Krönung als einen reinen Souveränitätsakt zu verdeutlichen. Im übrigen bot der 18. Januar das eigenartige Schauspiel, dass ein reformierter König von einem ad hoc ernannten Hofbischof gesalbt wurde.

Der tags zuvor gestiftete Schwarze-Adler-Orden mit der Devise "Suum cuique" sollte mit seinen stark geistlich bestimmten Statuten offenbar den Anschluss an die Tradition des Ordensstaates versinnbildlichen. Der erste preussische König, er nannte sich nunmehr Friedrich I., dehnte seine neue Titelbezeichnung, die die Kurie sich wegen des alten Ordensstaates - geistliches Gebiet also - fast ein Jahrhundert zur Kenntnis zu nehmen weigerte, bald auch auf die anderen Landesteile aus, so dass allmählich Brandenburger, Lausitzer, Pommern, Magdeburger und Westfalen zu Preussen wurden.




Krönungstaler 1701 CG, Königsberg.     Ø 39 mm, 29,15 g.   Dav.2553A; v.Schr.402.
[Die Krone um den Hals hatte Kg. Sigismund von Polen dem ersten Hohenzollern in Ostpreussen Herzog Albrecht 1525 gestiftet.]


Rothenburger Ausbeutetaler 1701.     Ø 41 mm, ca.29 g.   Dav.2554; v.Schr.405.
Vs.:   FRIDERICUS·D·G·REX BORVSSiae·ELector·BRandenburgicus·
Rs.:   *PRMITIAE·METALLIFODINARVM·IN·DVCATV·MAGD·1701·
"Erstausbeute der Erzbergwerke in Herzogtum Magdeburg"
Bekrönter nach rechts fliegender Adler, Krone um den Hals, in den Fängen Schwert und Reichsapfel.
Unten drei Schmelzhütten und Münzmeisterzeichen ·CS· (Christoph Stricker).
Randschrift:   PRINCIPIVM SECLI ET REGNI SORS PRIMA CORONAT
Die Anfänge des Jahrhunderts sowie des Königtums werden hier zusammen verherrlicht.


Ordenstaler 1711 CS, Berlin.     Ø 39 mm, 29,23 g.   Dav.2566; v.Schr.65.
Rs.:   Gekröntes Monogramm umgeben von der Ordenskette mit dem angehängten Schwarzen Adleroden.


2 Dukaten 1712 HFH, Magdeburg.     Ø 25 mm, 6,94 g.   Friedb.2305; v.Schr.6a.
Rs.:   Gekrönter Adler mit Donnerkeil und Lorbeerkranz in den Fängen.
[Hier ist die Halskrone abgestreift, die auf dem Dukaten 1704 noch erscheint.]





Der Krönungsdukat 1701

Gerhard Gottschewski
in: Eine runde Sache. Schriftenreihe der Münzfreunde Minden, Heft 14 (1990), S.38-40.

Durch die Berufung des Deutschen Ordens in das ferne Preußenland wurde inmitten der baltischen und slawischen Welt ein deutscher Staat gegründet, in dem Deutsche, Balten und Slawen zu einem neuen, deutschsprechenden Volksstamm zusammenwuchsen und in der Gemeinschaft des christlichen Glaubens miteinander lebten.

Dieser geistliche Ordensstaat konnte sich auf die Dauer nicht gegen die erstarkenden und sich zusammenschließenden Mächte Polen-Litauen behaupten und geriet nach der Niederlage bei Tannenberg (1410) unter polnische Oberhoheit. Das Reich leistete keine Hilfe, so daß der letzte Hochmeister Albrecht von Brandenburg zu einem Ausgleich mit Polen gezwungen war. Durch die Einführung der Reformation blieb die geistige Verbindung mit Deutschland erhalten. Das Ordensland wurde geteilt und der östliche Teil mit der Hauptstadt Königsberg in ein weltliches Herzogtum unter polnischer Oberhoheit umgewandelt. Durch Mitbelehnung des Brandenburger Kurhauses und Eintritt des Erbfalls gelangte das Herzogtum Preußen als polnisches Lehen an die Kurfürsten von Brandenburg.

Dem Großen Kurfürsten gelang es durch geschicktes Taktieren auf beiden Seiten im schwedisch-polnischen Krieg, sich von der polnischen Lehnhoheit zu befreien (1670). Fortan nannte er sich auf seinen preußischen Münzen: Supremus dux in Prussia = Unabhängiger Herzog in Preußen. "Preußen wurde souverän, und der Kurfürst von Brandenburg bekam dadurch vor allen Reichsfürsten eine Sonderstellung, weil er allein ein Gebiet sein eigen nannte, das frei war von der Oberhoheit des Reiches" (v. Etzdorf).

Der Nachfolger des Großen Kurfürsten, Friedrich III., hatte von seinem Vater weder das imponierende Äußere, noch dessen starken Charakter geerbt, doch war er stolz und ehrgeizig. Zielstrebig und zäh verfolgte er alle Pläne, die sein oft übersteigertes Geltungsbedürfnis befriedigten. Er nutzte die Gelegenheit, die sich bot, als Kaiser Leopold I. im spanischen Erbfolgekrieg für seine Hausinteressen kämpfend, die brandenburgische Waffenhilfe dringend brauchte. Für ein dem Kaiser zur Verfügung gestelltes Kontingent brandenburgischer Truppen erhielt er die Genehmigung, sich in Preußen zum König ausrufen zu lassen. Das geschah zu Königsberg am 18. Januar 1701 mit nachfolgender Krönung und kirchlicher Salbung. Hervorzuheben ist, daß sich der nun Friedrich I. nennende erste preußische König die Krone selbst aufs Haupt setzte.



Krönungsdukat 1701, Königsberg.     Ø 24 mm, 3,46 g.   Friedb.2297; v.Schr.398.
 

Auf dieses Ereignis wurde die hier vorgestellte, sogenannte 'Auswurfmünze' geschlagen, die beim feierlichen Aufzug durch die Straßen Königsbergs unter das der neuen Majestät zujubelnde Volk geworfen wurde. Sie ist das erste Gepräge, das die preußische Krone zeigt. Auf ihrer Vorderseite sehen wir die lorbeerbekränzte Büste des Königs mit der Umschrift: FRIDERICUS REX. Im Abschnitt steht: UNCT.REGIOM.D:18.IAN. = Gesalbt in Königsberg am 18. Januar. Die Rückseite zeigt uns die Krone mit der stolzen Inschrift: PRIMA MEAE GENTIS, d.h. Die erste meines Geschlechts. Im Abschnitt die Jahreszahl 1701.

Mit der Schöpfung des preußischen Staates erfolgte der Ansatz zur Bildung des Gegenpols zum Hause Habsburg, das das alte Heilige Römische Reich Deutscher Nation repräsentierte. Preußische Dynamik ging gegen erstarrte Formen an und leitete die Periode des preußisch-österreichischen Dualismus ein, aus der Preußen als neue deutsche Führungsmacht hervorging.



Startseite Numismatische Texte coingallery.de