Startseite Numismatische Texte

Günther Probszt
Das neuzeitliche Münzwesen Salzburgs
in: Die Münzen Salzburgs, 2. Aufl. 1975.

Hier ein kurzer Auszug zur frühen Neuzeit, S.45-48, 54f, ohne Fussnoten.


Der noch Ende des 15. Jhs. andauernden Münzverschlechterung im Erzstift wurde erst durch den energischen Erzbischof Leonhard von Keutschach ein Ende gesetzt. Leonhard kann daher als Begründer des neuzeitlichen Münzwesens in Salzburg angesprochen werden. Seine Reform des Münz- und Geldwesens "ist eine Tat, die nicht oft genug rühmend hervorgehoben werden kann. Man vergegenwärtige sich nur, daß Salzburg um 1500 alle Selbständigkeit im Münzwesen verloren hatte und seit Jahrzehnten auch nicht mehr eigene Pfennige schlug. Und doch verfügte das Erzbistum über die wichtigste Voraussetzung einer eigenen Münzung, es besaß Bergwerke mit ergiebigem Gold- und Silbervorkommen. Diesen wertvollen Bergsegen vor allem wieder zugunsten des eigenen Landes zu verwenden, war der Sinn des umsichtigen Erzbischofs Leonhard, als er sich, durch Zeitbedürfnis und eigenen Willen gedrängt, an die Reform des Salzburger Münzwesens heranmachte." [Eduard Holzmaier]. Die Reform setzte fünf Jahre nach seinem Regierungsantritt, also im Jahre 1500 ein. Nach dem mit dem aus der berühmten fränkischen Münzstätte Schwabach berufenen Münzmeister Hans Thenn am 13. April 1501 rückwirkend aufgerichteten Vertrag waren zu schlagen: in Gold ungarische Gulden (Dukaten) und rheinische Gulden; in Silber Batzen (4 Kreuzer), Pfennige und Heller. Die außergewöhnlich große Anzahl von Stempeln der Rübenbatzen des Jahres 1500, von denen nicht weniger als 118 schon beschrieben sind, während immer wieder neue, bisher nicht veröffentlichte Abarten auftauchten, zeigt, daß um die Jahrhundertwende ein riesiger Bedarf nach dieser neuen Münzgattung bestanden haben muß, die 16 Pfennige zählte und daher sehr wohl imstande war, im täglichen Handel und Wandel gute Dienste bei Zahlungen zu leisten, für die der rheinische Gulden zu 288 und erst recht der ungarische zu 420 Pfennig im Werte schon zu hoch waren. Solche Rübenbatzen mit der Jahreszahl 1500 wurden noch in den Jahren 1506 und 1507 außer in Salzburg auch in der alten erzbischöflichen Münzstätte Friesach geprägt, die sicherlich infolge des außerordentlichen Bedarfes an guten Münzen ein allerletztes Mal wieder zum Leben erwachte. Gleichzeitig wird durch diesen Umstand auch das Fehlen der Jahrgänge 1501-1507 bei den Rübenbatzen eindeutig erklärt.

Als höhere Wertstufe gab es dann noch später Zehner zu 40 Pfennigen, die ebenso wie die Zweier (2 Pfennig) schon 1501 geplant worden waren, deren Prägung aber vorläufig zurückgestellt worden war. Die Vierteltaler von 1513 mit dem Porträtkopf des Erzbischofs machen dagegen doch mehr den Eindruck von Geschenk- oder Belohnungsmünzen als von Verkehrsmünzen. Goldabschläge und Klippen, die schon um diese frühe Zeit reichlich vorhanden waren, künden überhaupt von dem am Salzburger Hofe geübten Brauch, Geschenke in Gold- und Silbermünzen von ungewöhnlicher Form oder Prägung und nicht in kurantem Geld zu machen. Da diese Geschenkmünzen aber nach dem jeweiligen Münzfuß ausgebracht wurden, konnte man sie natürlich auch als Zahlungsmittel verwenden. Doch zeigt die meist schöne Erhaltung, in der diese Stücke auf uns gekommen sind, daß die Beschenkten von dieser Möglichkeit nur selten Gebrauch gemacht haben dürften. Leider enthält die Familienchronik der Salzburger Münzmeisterfamilie Thenn nichts über diese "Vierteltaler". Auch die berühmten "Rübentaler" von 1504 werden von ihr nicht erwähnt, wohl weil der Chronist Heinrich Thenn, ein Enkel von Hans, "keinen dokumentarischen Anhaltspunkt über einen Zusammenhang zwischen der Prägung der Taler von 1504 und der Münzertätigkeit seines Großvaters gefunden" hatte.

Von diesem Stück, das in drei Stempeln bekannt ist, scheinen nur mehr acht als echt anerkannte Exemplare in Silber im Gewicht zwischen 31,6 und 53 g sowie ein Goldabschlag zu existieren. Das singuläre Auftreten dieses Talers ist so merkwürdig, daß man schon angenommen hat, es handle sich bloß um eine Medaille (die in dieser Form nördlich der Alpen zu dieser Zeit doch etwas ganz Außergewöhnliches wäre) oder gar um ein gleichzeitiges Produkt bloßer Phantasie. Nun, das ist alles wohl nicht richtig, und man wird da wohl der Ansicht des verdienstvollen Werkes von Bernhart-Roll (I, S.2, Anm.1) beipflichten dürfen, daß um 1504 die Salzburger Münze noch gar nicht für solche, zum ersten Male zu Hall im Inntale geprägte, Großsilbermünzen eingerichtet gewesen sei. "Die Anwesenheit Leonhards 1504 in Hall und die Märke dortiger Stempelstücke mit dem Keutschacher Wappen sprechen für die Haller Münzstätte ... Wahrscheinlich ist der Haller Eisengraber Benedikt Burkhart als Stempelschneider der Keutschachschen Guldener anzusehen." Es handelt sich hier also wohl nur um einen Versuch zur Einführung einer Großsilbermünze im Erzstift, der jedoch erst unter Leonhards Nachfolger Matthäus Lang in die Praxis umgesetzt wurde. Leonhard übte übrigens, wie es schon in früheren Jahrhunderten Brauch gewesen und noch bis zur Mitte des 16. in Übung blieb, das Münzregal nicht ständig in eigener Regie aus, sondern verpachtete es 1508.

Auch die medaillenartigen Taler Matthäus Langs aus den Jahren 1521 und 1522 sind mehr als Schau- und Geschenkmünzen denn als Verkehrsmünzen anzusprechen. Sie sind übrigens wahrscheinlich nicht in Salzburg selbst, sondern zu Hall in Tirol entstanden; die Stempel dürften die dortigen Eisenschneider Ulrich und Gabriel Ursenthaler geschnitten haben. Unter Erzbischof Matthäus wurden 1527 die letzten Batzen geprägt, dafür seit 1526 aber Halbbatzen zu 2 kr. Dieser bildete seither die einzige Mittelsorte zwischen dem Pfennig und dem nur wenig gemünzten Zehner, verschwand aber schon 1534, wofür zwei neue Münzsorten, Sechser und Groschen (6 und 3 kr.) auftauchen. Ihre Prägung ist auf die Bemühungen des römischen Königs Ferdinand I. um die Verbreitung seiner Kreuzerwährung zurückzuführen, der am 1. Februar 1535 mit Bayern, Augsburg und Ulm einen Münzvertrag abgeschlossen hatte, der ganz auf der österreichischen Münzinstruktion von 1534 beruhte. Auch Salzburg trat diesem Vertrage bei. In die Regierungszeit Matthäus Langs fällt die 1524 zu Eßlingen erlassene erste Reichsmünzordnung, gegen die jedoch mehrere Münzstände, darunter auch Salzburg, Einspruch erhoben, so daß sie nie in Wirksamkeit trat, zumal auch Kaiser Karl V. für sich und seinen Bruder Ferdinand sie in den österreichischen Ländern außer Kraft gesetzt hatte. Dasselbe Schicksal erlitt im bayrischen Kreise, zu dem auch Salzburg gehörte, die zweite Reichsmünzordnung von Augsburg 1551.

Immerhin tritt sowohl bei Matthäus Lang als auch bei seinem Nachfolger Ernst von Bayern die Großsilbermünze, der "Guldiner", seine Herrschaft an, die sich - in verschiedenen Formen wie Gulden-, Reichs- oder Konventionstaler - bis zum Ende der Salzburger Prägetätigkeit behauptet. Ein Beweis, wie sehr die Edelmetallschätze der Neuen Welt wie nicht minder die damit innig verbundene Preisrevolution des 16. Jhs. die bis dahin nahezu allmächtigen Kleinsilbermünzen endgültig entmachteten. Gerade, daß noch der "kleine Mann" sich ihrer für seine bescheidenen Bedürfnisse bediente; im Großhandel spielten sie kaum mehr eine Rolle.

Seit Ernst von Bayern beginnen sich übrigens die Verhältnisse im Salzburger Münzwesen langsam zu stabilisieren und zu vereinfachen.

1559, ebenfalls zu Augsburg, wurde von Kaiser Ferdinand I. die dritte und letzte Reichsmünz-ordnung erlassen. Sie war die einzige, die dem Bemühen der Reichsstände, in der heillosen Verwirrung des deutschen Münz- und Geldwesens leidlich Ordnung zu schaffen, einigermaßen gerecht wurde. Nach wie vor herrschte Silberwährung, während der Dukaten zur Hauptgold-münze der Zukunft wurde. Die Reichsmünzordnung von 1559 war wie ihre Vorgängerin von 1551 auf die Kreuzerwährung zugeschnitten: 1 Gulden = 6 Zehner = 12 Fünfer = 30 Halbbatzen = 60 Kreuzer = 240 Pfennige. Dieser Pfennig war der österreichische. Aber nicht der Reichsguldiner von 1559 ("Guldentaler"), sondern der erst 1566 legalisierte Reichstaler, der bekanntlich "die bedeutendste Weltmünze aller Zeiten und Länder unseres Planeten war", war die allgemein anerkannte Großsilbermünze. 1551 war er noch mit 72 Kreuzern tarifiert worden, 1556 aber setzte man ihn auf 68 Kreuzer herab, welcher Kurs aber nicht zu halten war, da er stetig stieg und insbesondere zur Kipperzeit schwindelnde Höhen erklomm. In Salzburg tritt dieser Reichstaler samt seinen Stückelungen - und zwar gleichzeitig mit den Guldentalern der dritten Reichsmünzordnung - zum ersten Male unter Erzbischof Johann Jakob auf. Dieser brach übrigens als erster auch mit dem üblichen und üblen System der Münzverpachtung und betrieb seit etwa 1572 die Münzstätte auf Rechnung des Erzstiftes.

...

Entwicklung des Münzbildes

Wenn wir das Münzbild von ungefähr 1500 an betrachten, so ist es im Gegensatz zu dem des Mittelalters durchaus konservativ zu nennen. Man behielt einen Münztypus, der sich im Verkehr des In- und Auslandes durchgesetzt hatte und einen guten Ruf genoß, gerne bei und wechselte mit dem jeweiligen Erzbischof nur Wappen und Umschrift. Das Bild der mittelalterlichen Friesacher und der eigentlichen Salzburger Pfennige dagegen war infolge der mehr als häufigen Münzerneuerungen einem durch diese bedingten Wechsel unterworfen.

Dem eingangs erwähnten Konservatismus zuliebe ist es wohl auch zuzuschreiben, daß - wenn wir von einigen sicher zu Geschenkzwecken oder als Gedächtnismünzen bestimmten Stücken Leonhards, Matthäus und des Markus Sittikus absehen - das Bildnis der Salzburger Erzbischöfe erst sehr spät, nämlich erst unter Franz Anton Harrach ständig auf die Münzen gesetzt wird. Das ist aber nicht einer künstlerischen Minderwertigkeit der Salzburger Eisenschneider zuzuschreiben, denn die Münzen der Erzbischöfe weisen mit geringen Ausnahmen eine beachtliche künstlerische Höhe auf, sondern vielmehr einer bewußten finanzpolitischen Tendenz, deren strikte Durch-führung den ganz vom Prinzip des Personenkultes der Renaissance beherrschten Kirchenfürsten nicht ganz leicht gefallen sein mag. Dafür erscheinen auf den Münzen die beiden Stiftsheiligen St. Rupert mit dem Salzgefäß und St. Virgil mit einem Kirchenmodell, der letztere aber nie allein, sondern immer in Gemeinschaft mit Rupert, der im überwiegenden Maße die Rückseiten der Salzburger Münzen allein beherrscht. Denn er war ja als der eigentliche Begründer des Erzstiftes der weit angesehenere und volkstümlichere der beiden Heiligen. Erst in den letzten Zeiten des Erzstiftes müssen diese dem kühlen Wappenprunke weichen. Früher aber ist das Wappen in verschiedenen Formen samt den dazugehörigen Emblemen: Legaten- (Kardinals-) Hut, Mitra, Schwert, Kreuz, Krummstab usw. für gewöhnlich Hauptschmuck der Vorderseite. ...



zurück zu:
Erzbistum Salzburg, Leonhard von Keutschach (1495-1519) und Matthäus Lang von Wellenburg (1519-1540)


Startseite Numismatische Texte coingallery.de