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Königreich Sizilien, Karl I. von Anjou, 1266-1285:
Saluto d'oro, Gold, geprägt in Neapel nach 1278

Text von Bernhard und Mechtild Overbeck
in: Fritz Rudolf Künker GmbH und Co. KG, Osnabrück, Zeit und Geld, Kalenderblatt Dezember 2013




Der Saluto d'oro aus Neapel gehört ohne Zweifel zu den schönsten Goldmünzen des Mittelalters. Seinen Namen hat er von der anmutigen Darstellung der Vorderseite erhalten, auf der die Verkündigung, der "Englische Gruß", zu sehen ist. Der - nimbierte Erzengel Gabriel tritt von links auf Maria zu; ein Granatapfel in der Linken symbolisiert die Fruchtbarkeit Mariens, die Rechte ist zum Verkündigungsgestus erhoben. Die junge Maria, verschleiert und mit Nimbus, erhebt ihre Hände wie abwehrend oder erstaunt und senkt demütig ihr Haupt. Zwischen den beiden Figuren steht, groß in den Vordergrund gerückt, eine Vase mit drei Lilien, Symbol für die Reinheit der Gottesmutter. Innerhalb von zwei Perlkreisen liest man die Worte Gabriels: +AVE·GRACIA·PLEnA·DOMInUS·TECUM (= Sei gegrüßt, Du voll der Gnade, der Herr ist mit Dir). Die Rückseite wird fast völlig von einem von Sternen, Mondsichel und Rosetten umgebenen Wappenschild ausgefüllt. Er ist geteilt und zeigt in der linken Hälfte das Wappen des Königsreichs Jerusalem, in der rechten die französischen Lilien. Die zwischen zwei Perl kreisen angebrachte Umschrift besagt: +KAROL'·DEI·GRA· IERL'm·SICILIE REX (= Karl von Gottes Gnaden König von Jerusalem und Sizilien).

Karl I. von Anjou, einer der ambitioniertesten Herrscher seiner Zeit, war 1266 von Papst Clemens IV. mit Sizilien belehnt worden. Der Papst wollte die Macht der Staufer endgültig brechen, und es gelang Karl in mehreren Feldzügen, zunächst den Sohn und selbsternannten Nachfolger Friedrichs II., Manfred, und dann dessen Neffen Konradin zu besiegen. Dieser wurde später hingerichtet, eine auch für die damalige Zeit brutale Lösung zur Beseitigung bestehender Herrschaftsansprüche. Die Stadt Neapel war, zusammen mit großen Teilen Süditaliens, schon unter den Normannen in das Königreich Sizilien inkorporiert worden. Unter Karl I. wurde sie Hauptstadt und Verwaltungssitz. 1278 nahm die dortige Münzstätte mit der Ausprägung der "Saluti" und ihrer verschiedenen Teilstücke ihre Arbei auf. Auch als 1282 Sizilien an Peter von Aragon verloren ging, behielt da Restreich, nun ohne die Insel, seine Bezeichnung "Königreich Sizilien" und der Herrscher damit den Titel Rex Siciliae. Den Anspruch auf das Königtum Jerusalem hatte sich Karl von der Thronprätendentin Maria von Antiochia gegen eine bedeutende Einmalzahlung und eine jährlich zu zahlende Rente übertragen lassen.

Die Ausbringung der neuen Goldmünze mit der Darstellung der Verkündigung lag Karl persönlich am Herzen, wie wir aus einem erhaltenen Brief wissen. Von Thema und Stil her bedeutete sie eine absolute Neuerung. Das Verkündigungsbild in dieser Form gehört zu den frühesten seiner Art und wurde, später dann erheblich mit weiteren Details ausgestattet, zu einem der gängigsten Entwürfe in der Darstellung des Heilsgeschehens. Der Saluto d'oro fügte sich nahtlos in das von den Staufern übernommene und von Karl weitergeführte monetäre System Siziliens ein. Da die Verwaltungsakten dieser Zeit erhalten sind, wissen wir, dass zwischen 1279 und 1283 etwa eine Million Goldsaluti geprägt wurden, eine ungeheure Menge. Karls Nachfolger Karl II. von Anjou führte die Prägung dieses Typs in ähnlicher Form weiter, nach seinem Tod 1307 wurde sie wohl eingestellt.

 

Literatur:

Corpus Nummorum Italicorum XIX, Rom 1940, S. 3 Nr.1, Taf.II,6.

H. Kowalski, Die Realen Karls I. von Anjou, Schweizerische Numismatische Rundschau 53, 1974, S.119-161, bes. S.139 ff.



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