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Münzen von Rottweil
Elisabeth Nau
in: Die Münzen und Medaillen der oberschwäbischen Städte (1964)
hier nur Auszug (S.111f) ohne Anmerkungen u. Katalogteil.


Ursprünglicher Name Rotundavilla 771 n. Chr., Rotunvilla 792, Rotwile um 1099, Rottweil seit 1840. Um 750 Anlage eines fränkischen Königshofes. Um 1140 Gründung der heutigen Stadt Rottweil durch Konrad von Zähringen als gewerbliche Marktsiedlung. Rottweiler Münzstätte durch Adlerbrakteaten seit dem 3. Viertel des 12. Jahrhunderts belegt. Als Civitas 1268 zum erstenmal sicher bezeugt. Ältestes erhaltenes Siegel mit dem Stadtadler an einer Urkunde von 1280. Der nach links blickende Adler bleibt das Wappen der Stadt. Tinktur: schwarz auf gold. Seit dem 16. Jahrhundert wird der Leib des Adlers mit einem Kreuz belegt. Münzrecht ursprünglich wohl zähringisch, seit dem Aussterben der Zähringer 1218 und dem Heimfall ans Reich königlich. 1285 Verpfändung der Münze durch Rudolf von Habsburg an Graf Albrecht von Hohenberg. Zwischen 1273 und 1285 ein Fridericus monetarius de Rotwil urkundlich erwähnt. 1355 Verkauf der Pfandschaft der Münze durch Bischof Albrecht von Freising aus dem Hause Hohenberg an die Stadt Rottweil. Händelheller mit R bzw. r auf der Handfläche sind vielleicht in Rottweil als erste Münzen unter städtischer Regie geprägt worden, möglicherweise kommt für sie aber auch Ravensburg als Ursprungsort in Frage (siehe dort). Verleihung des Münzrechts für alle Münzsorten an die Stadt am 15.2.1512 durch Maximilian I. Das Privileg nennt ausdrücklich rheinische Gulden nach des Reiches Schrot und Korn, auf der einen Seite einen kaiserlichen Apfel, oben mit einem Kranz und der Umschrift »Maximilianus Romanorum Imperator«, auf der anderen einen Adler mit ausgebreiteten Flügeln und der Umschrift »Moneta Aurea Civitatis Rotwilensis«. Das Privileg gestattet weiterhin die Prägung von Dickpfennigen, drei auf einen rheinischen Gulden und dem Gepräg: auf der einen Seite ein Kreuz und die Umschrift »Salve Crux Sancta«, auf der anderen ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln und der Umschrift »Moneta nova Rotwilensis«. Außerdem sollen Pfennige »vier auf einen rheinischen Gulden« geprägt werden, und »Pfennige, deren einer vier Kreuzer gelten«, »Plapparte, 25 auf einen Gulden«, Vierer »wie die Stadt freyburg im Breisga präget«, Pfennige, 188 auf einen Gulden und Haller, zwei auf einen Pfennig. Von allen diesen Münzsorten wurden durch den bereits seit 1506 in Rottweil tätigen, jedoch erst am 5. August 1507 auf fünf Jahre angestellten Münzmeister Albrecht Baumgart aus Köln nur Goldgulden, Plapparte, Vierer (in den Urkunden nur immer »Funffer« genannt) und Haller geprägt. Der Rat der Stadt hatte am 18. März 1506 beschlossen, »fürohin zu müntzen und ein wechsel zu halten«. Am 6. Februar 1507 fragten bereits einige zum Rappenmünzbund gehörende Städte in Freiburg an, ob dort die neue Münze von Rottweil genommen würde. Von der Guldenprägung fehlen leider die Abrechnungen, doch sind wir aus den erhaltenen Münzregistern orientiert, wieviel an Plapparten, Funffern und Hellern jährlich geprägt wurden. Die Heller wurden auch nach Einstellung der Prägungen in Rottweil selbst im Jahr 1513 in den 20er Jahren und sogar noch in den 40er Jahren des Jahrhunderts laufend von Baumgart aus Meersburg und später aus Isny geliefert, dann nach seinem Tod von seinem Neffen Wilhelm Baumgart aus Kempten. Die Münzstöcke wurden in Stuttgart geschmiedet und in Rottweil von Goldschmied Heinrich geschnitten, z. T. aber auch in Stuttgart. Das zu vermünzende Silber wurde meistens von den Höchstettern und Manlich aus Augsburg bezogen, aber es wurden auch Dickpfennige, Prager und Mailänder Groschen, Etschkreuzer und Straßburger Groschen zu dem Zweck in den Schmelztiegel geworfen. Nach einer ganz allein stehenden Kreuzerprägung im Jahr 1560 wird in Rottweil erst wieder in den Jahren 1621 bis 1624 Geld geschlagen. Von 1623 ist wieder ein Münzmeister-Bestallungsbrief überliefert. Der - nur in den Ratsprotokollen erwähnte - Münzmeister Johann Martin, wurde für ein Jahr von Ostern 1623 bis Ostern 1624 angestellt, es ist aber anzunehmen, daß er bereits seit 1621 für die Stadt tätig war. Ebenso wurde noch 1700 ein Münzmeister verpflichtet zwecks Prägung von 3½lötigen Kreuzern, von denen 375 Stück - mit einer Toleranz von zehn Stück mehr oder minder - auf die Mark gehen sollten. Von Dezember 1700 bis Dezember 1701 sollten 1200 Mark zu Kreuzern vermünzt werden. Von diesen Kreuzern hat sich bis heute kein Stück erhalten. Der große Rottweiler Münzfund aus dem Spanischen Erbfolgekrieg, der überwiegend aus Kleinmünzen bestand - Schlußmünze 1704 - enthielt keinen Rottweiler Kreuzer. 1463 hatte Rottweil sich der Eidgenossenschaft angeschlossen. Als zugewandter Ort erscheint das Stadtwappen darum auf einigen eidgenössischen Medaillen.



STÄDTISCHE MÜNZMEISTER
1506-1513 Albrecht Baumgart aus Köln, ging anschließend als bischöflich konstanzischer Münzmeister nach Meersburg, 1522 nach Isny (siehe dort) † in Isny am 29.11.1545.
In diesen Jahren war der Goldschmied Heinrich der Verfertiger der meisten Rottweiler Münzstempel.
1623-1624 Johann Martin
Wardein Thomas Linckh von Zug, Goldschmied


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