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Münzen von Memmingen
Elisabeth Nau
in: Die Münzen und Medaillen der oberschwäbischen Städte (1964)
hier nur Auszug (S.181f) ohne Anmerkungen u. Katalogteil.


Der auf -ingen endende Name deutet auf eine ursprünglich alemannische Sippensiedlung. Um 750 fränkischer Reichshof (Martinskirche!), vom 10. bis zum Ende des 12. Jahrhunderts in welfischem Besitz. Erste Erwähnung 1128 als »oppidum Mammingen«. Wahrscheinlich war Memmingen damals schon Hauptsitz der Welfen. Am 15. Dezember 1191 verschied hier in seiner Residenz Herzog Welf VI. und Memmingen fiel mit seinen übrigen Besitzungen an die Staufer, nach deren Aussterben an das Reich. In einer zwischen 1180 und 1194 niedergeschriebenen Notiz des Klosters Ottobeuren wird Memmingen als Civitas genannt und war damals sicher ein blühender Marktort mit Stadtrecht, lag es doch an der berühmten Welthandelsstraße Fernpaß - Füssen - Kempten - Memmingen - Ulm. Auf eine Münzprägung in Memmingen weist erstmals die Nachricht, daß unter Abt Konrad (1194-1228) ein Memminger Münzmeister Heinrich Mönch in Ottobeuren wurde. 1275 zinste der Abt des Klosters Rot a. d. Rot »denarii Memmingenses«, die den Konstanzer Pfennigen völlig gleich gerechnet wurden, 1277 verkaufte ein Heinricus de Gunz seine Güter »pro VI libris Memmingensibus« an das Kloster Beuren (Ottobeuren?). Als Memmingen im Jahr 1286 von Rudolf von Habsburg die Rechte von Überlingen bzw. Ulm erhielt, zusammen mit einer Bestätigung seines Wochenmarktes, wird auch ein Monetarius erwähnt. Die Bestätigungen des Privilegs 1312 durch Heinrich VII. und 1340 durch Ludwig den Bayer wiederholen auch die Nennung des Monetarius, was jedoch nicht als Beweis für ein Weiterbestehen der Memminger Münzstätte gelten kann. Die Münze war königlich, der Münzmeister, wie die beiden Thelonarii (Zöllner) dem Ammann unterstellt, der die Einnahmen aus dem Schlagschatz und den Zöllen an den Stadtherrn abzuführen hatte. 1345 wurde in einer Urkunde Ludwigs d. Bayern, in der »zwen brottisch ze Memmingen, die in die Müntz weilent da selben gehört haben, zu dem kirchhof der Pfarrkirchen ze Sant Martin ze Memmingen« gegeben und geeignet werden, die Memminger Münze als nicht mehr bestehend bezeichnet. Die in Memmingen im 13. Jahrhundert geprägten Pfennige sind bisher nicht identifiziert. Auch die für das 12. Jahrhundert vorgenommenen Zuschreibungen von Dünnpfennigen aus dem Fund von Leubas sind bloße Vermutungen. An der Münzvereinigung der oberschwäbischen Städte mit Württemberg 1404 nahm Memmingen, ohne selbst zu prägen, teil. 1424 stellte es den Antrag auf Aufnahme in den Riedlinger Münzbund. 1501 gehörte Memmingen zu der Gruppe von sieben Städten, die in Ulm zwecks Ausschaltung der Batzenwährung Dritteltaler, Plapparte, Schillinge und Kleinmünzen prägen ließen. Erst in der Kipperzeit wurde wieder eine Münzstätte in Memmingen errichtet und, ohne daß die Stadt das Prägerecht besaß, unter städtischem Zeichen zur Abhilfe des Kleingeldmangels Stadtmünzen aus Billon geprägt, Dreibätzner, Groschen und Halbbatzen mit den Jahreszahlen 1622 und 1623. Es waren ausgesprochene Notmünzen, die jederzeit vom Rat der Stadt in offizielle Kurantwährung eingewechselt wurden, letztmals 1624. Als Memmingen in den Jahren 1635/36 durch die Kriegsereignisse von der Umwelt abgeschnitten war, entschloß man sich nochrnals zur Aushilfsprägung von Halbbatzen. Ob die Absicht des Rates, im Jahre 1693 wieder Halbbatzen prägen und die Münzstätte neu einrichten zu lassen, wirklich in die Tat umgesetzt wurde, ist nicht nachzuprüfen, dagegen dürfte es als sicher anzusehen sein, daß die undatierten Silberkreuzer aus den Jahren 1700/01 und 1716 stammen. Dies geht aus den Verhandlungen des Rates mit dem Goldschmied Hieronymus Hueber vom 22. Juli und 15. August 1716 sowie aus einem Schreiben des württembergischen Herzogs Eberhard Ludwig vom 22. Februar 1717 an die Stadt deutlich hervor. Ob die Stadt die Empfehlung des Schwäbischen Kreises vom 30. Juli 1732, Kleinmünzen in einer der Kreismünzstätten prägen zu lassen, befolgte, ist indessen weder urkundlich noch aus erhaltenem Münzmaterial zu belegen.

Die talerförmigen Medaillen Nr. 16, 23, 24 sind sogenannte »Lehens-Pfennige« zur Anerkennung der Lehenschaft des wichtigen Salzzolls, der der Stadt seit dem 14. Jahrhundert zustand und den ihr 1553 nochmals König Ferdinand I. bestätigte. Bei jedem Thronwechsel mußte die Stadt »ain gantzen guldin Lehenpfennig, wellcher zwelff ungerisch guldin oder ducaten, unnd darunter nit wegen unnd auff der ainen seitten dess regierennden Herren von österreichs Pultnuss, wappen unnd namen haben, dergleichen auff der andern seiten der Statt Memingen wappen und darauff die Uberschrift »Munus Reipublicae Memingensis« zahlen. Die vorliegenden Stücke, die indessen nur in Silber bekannt sind, wurden nicht in Memmingen, sondern in Augsburg geprägt; auch die übrigen Medaillen des 17. und 18. Jahrhunderts stammen aus dieser großen Kreismünzstätte. Das Wappen der Stadt ist seit dem 13. Jahrhundert das Kreuz von Jerusalem, zu dem nach dem Aussterben der Staufer und dem Heimfall der Stadt an das Reich noch der halbe Adler hinzukam.


STÄDTISCHE MÜNZMEISTER
• 1622/23 und 1635/36   Johannes Vogel, Goldschmied
• 1716   Hieronymus Hueber, Goldschmied



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