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Münzen von Konstanz
Elisabeth Nau
in: Die Münzen und Medaillen der oberschwäbischen Städte (1964)
hier nur Auszug (S.19-23) ohne Anmerkungen u. Katalogteil.


Erwachsen aus einem spätrömischen Kastell wurde der lateinische Name des Ortes "Constantia" bzw. "Constancia" oft mit Constantius Chlorus in Verbindung gebracht, der sich im Jahr 296 um die Wiederherstellung der Kastelle an Rhein und Donau verdient machte. Vielleicht trägt Konstanz auch seinen Namen zu Ehren des Kaisers Constantius II., der im Jahr 355 n. Chr. einen Feldzug am Bodensee gegen die Lentienser unternahm. Kurz vor 600 wurde Konstanz Bischofssitz. Als Münzstätte zuerst unter Bischof Salomon (892-920) belegt, der auch gleichzeitig - um das Jahr 900 - mit dem Marktrecht privilegiert wurde. Sowohl Markt wie Münzprägung waren in dieser Zeit in bischöflicher Hand, daneben läuft bis zur ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts eine königliche Münzprägung her. Seit dem beginnenden 12. Jahrhundert Ausgabe von Dünnpfennigen, seit ca. 1180 bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts variantenreiche Brakteaten- bzw. Hohlpfennigprägung mit Kugel- und Kreuz-Viereck-Rand. Konstanz war während des ganzen Mittelalters die führende Münzstätte des oberschwäbischen Bereiches, dessen wirtschaftliche Grundlage die Leinwandindustrie war. Durch das Edikt des Bischofs Heinrich von Tanne vom 19.4.1240 wurde ausdrücklich festgelegt und bestätigt, daß sechs Münzstätten um den Bodensee, außer Konstanz, St. Gallen, Radolfzell, Überlingen, Ravensburg und Lindau Pfennige von gleichem Schrot und Korn schlagen sollten. Auch die Münzstätten Ulm, Biberach, Pfullendorf, Sigmaringen, Riedlingen, Buchhorn, Leutkirch, Isny, Kempten, Memmingen prägten nach Konstanzer Schlag und die Stilverwandtschaft ihrer Münzbilder legt die Vermutung nahe, daß die Prägestempel alle in einer Münzstätte, nämlich in der Konstanzer angefertigt wurden. 1175 wird zum ersten Mal ein Konstanzer Münzmeister urkundlich erwähnt, es folgen im Laufe des 13. Jahrhunderts viele andere Namen, von denen wohl der bedeutendste der von 1236-1273 als Münzmeister immer wieder erwähnte civis Ulrich ist, den man auch als Urheber und spiritus rector des oben genannten Ediktes von 1240 anzusehen hat. 1295 erste entscheidende Einflußnahme des Rates der Stadt auf die Ausübung der bischöflichen Münzprägung. Dem Bischof wird sein Recht der Münzverrufung auf 10 Jahre von der Stadt abgekauft, und damit ein "ewiger Pfennig", der in Bild, Schrot und Korn unveränderlich sein solle, geschaffen. Bis 1335 erkaufte sich die Stadt immer wieder vom Bischof die Stabilität der Pfennigwährung. Ab 1335 Prägung eckiger Hohlpfennige nach Breisgauer Vorbild, ab 1357 auch Hellerprägung. 1367 gewaltsame übernahme der bisher bischöflichen Münzstätte durch die Stadt. Münzen aus dem letzten Viertel des 14. Jahrhunderts sind aber bisher nicht mit Sicherheit bekannt geworden. Als erste städtische Münzen sind darum die auf Grund des Münzvertrags mit Schaffhausen ab 1400 geprägten Pfennige anzusehen. Nach dem Wortlaut des Vertrages sollten sie mit den Zeichen der jeweiligen Stadt versehen, rund, "gantz und starck und wiss genug" sein. Als Parallelprägung zu den entsprechenden Schaffhauser Pfennigen (Wielandt 19 und 20) haben wir deshalb auch in Konstanz damals Hohlpfennige mit Perlrand zu erwarten. (Kat. Nr. 9.) Als Zeichen der Stadt galt - wie auf den Gegenstempeln - der Bischofskopf (Heiliger Conrad), auch Stern und Mondsichel. 1404 ging Konstanz einen neuen Münzvertrag ein mit der Grafschaft Württemberg, Ulm, Biberach, Pfullendorf und dem Bund der Städte um den See und dem Allgäu, zu dem Überlingen, Lindau, Ravensburg, Memmingen, St. Gallen, Kempten, Isny, Wangen, Leutkirch und Buchhorn gehörten. In vier Münzstätten: Stuttgart, Ulm, Konstanz und Ravensburg sollte geprägt werden, in Stuttgart und Ulm Schillinge und Heller, in Konstanz und Ravensburg nur Pfennige. Auch diese Pfennige sind Hohlpfennige mit dem Bischofshaupt, diesmal mit glattem Rand (Kat. Nr. 10), zu denen es entsprechende Ravensburger Parallelprägungen gibt (Kat. Rav. Nr. 9). Am 7. Oktober 1417 neuer Münzbund mit Zürich, Schaffhausen, Ravensburg, Überlingen, Lindau, Pfullendorf, Wangen, Radolfzell, Diessenhofen und Buchhorn. Hauptgeld der neuen Bundeswährung war der Pfennig nach Züricher Korn und Konstanzer Gewicht. Diese Pfennige sind wahrscheinlich die Hohlringpfennige mit dem 1417 um das Schildhaupt vermehrten Stadtwappen und dem Buchstaben C darüber (Kat. 12). Die in dem Vertrag vorgesehenen schweren Schillinge sind nur in geringem Umfang geprägt worden (Kat. 11), offenbar allein in Konstanz und Überlingen, da von den anderen vertragschließenden Städten keine entsprechenden Stücke bekannt geworden sind. Eine umfangreichere Schillingprägung setzte auch in Konstanz erst auf Grund des Riedlinger Münzvertrages vom 20. September 1423 ein, der das Geldwesen Schwabens nunmehr auf breitester Grundlage regelte. Diesem Bund gehörten an die Grafschaft Württemberg, die Bodenseestädte Konstanz, Überlingen, Lindau, Wangen, Buchhorn und Radolfzell, sowie die innerschwäbischen Städte Ulm, Rottweil, Gmünd, Kempten, Pfullendorf, Kaufbeuren, Isny, Giengen und Aalen. Schillinge, Pfennige und Heller wurden in drei Münzstätten: Stuttgart, Konstanz und Ulm geprägt. Das Münzbild der Konstanzer Schillinge, der thronende Stadtpatron, ist nach dem Vorbild der Mailänder Groschen mit dem hl. Ambrosius entworfen. Entsprechend den Vertragspfennigen anderer am Riedlinger Münzbund beteiligter Städte haben wir in den seit 1423 geprägten Konstanzer Pfennigen jene einseitigen leicht schüsselförmigen Pfennige zu sehen, die im Perlkreis den Stadtschild und darüber einen Stern bzw. Rosette zeigen (Kat. 13-16). Auch wenn der Stern 1423 nicht ausdrücklich erwähnt ist, muß er doch damals schon auf den Pfennigen erschienen sein, denn es gibt keine Konstanzer Pfennige dieses Riedlinger Typs ohne Stern. Die fortwährende Kurssteigerung des rheinischen Goldguldens, der 1425 schon wieder zu 28 ß gerechnet wurde, 1433 dann auf 30 ß und in den folgenden Jahren sogar auf 32 ß kletterte, erklärt die geringe Ausprägung der hoch-silberhaltigen Schillinge in diesen Jahren. Die meisten Schillinge mit dem Bild des hl. Konrad sind erst nach den im Feingehalt ermäßigten Sätzen von 1499 geprägt worden, was deutlich auch aus dem äußeren Bild dieser Münzen, z. B. der Verwendung der Antiquaschrift hervorgeht. Pfennige und Heller sind jedoch damals offensichtlich viel reichlicher hergestellt worden, denn durch ihren sehr geringen Silbergehalt war die Prägung dieser Sorten lohnender. Die älteren Pfennige ab 1423 unterscheiden sich weniger durch ihr Gewicht - auch hier gibt es sehr leichte Stücke - von den ab 1499 ganz nach dem Vorbild der ersteren geprägten, sondern vielmehr durch ihr Aussehen, wonach die im 16. Jahrhundert entstandenen Stücke in ihrem viel flacheren und zierlicheren Stempelschnitt sich deutlich als Produkte einer späteren Zeit zu erkennen geben (Kat. Nr. 48). Trotz der unvermeidlichen Verluste in der Prägung und vor allem im Geldwechsel hielt Konstanz im Gegensatz zu den übrigen oberschwäbischen Städten auch nach Ablaufen des Riedlinger Vertrages an Weihnachten 1433 an dessen Bestimmungen fest. Zwar wurde der Guldenkurs im August 1436 offiziell auf 28 ß erhöht, doch die Münzen weiterhin nach den Riedlinger Gewichts- und Feingehaltsbestimmungen ausgebracht. Bezeichnenderweise aber wurden 1437 im neuerbauten Münzhaus nur Heller und dann erst wieder nach langer Pause 1474 nochmals Heller und Pfennige genau nach den Riedlinger Vorschriften ins Werk gesetzt. Erst in den 80er Jahren entschloß sich der Rat der Stadt zu einem wesentlich ermäßigten Münzfuß, damit endlich dem Steigen des Guldenkurses Rechnung getragen werde. Von 1485 an wurde auch in Konstanz der rheinische Goldgulden zu 30 ß gerechnet und die neue Großmünzenprägung ab 1499 war - unter Anpassung an die schweizerische Batzen- und österreichische Kreuzerwährung - ganz auf diesen Guldenkurs abgestellt. Der am 28.9.1498 angestellte Münzmeister Wolfgang Höder aus Basel wurde auf die Münzprägung nach diesen neuen Bestimmungen verpflichtet (siehe Tabelle). Dem äußeren Aussehen nach aber sollten die neuen, geringeren Sorten den alten des Riedlinger Vertrages gleich sehen, wodurch immer noch ein trotziges Bekenntnis zu der alten Konvention zum Ausdruck kam. Am 10. Juni 1499 erhielt Konstanz von Maximilian I. dann ausdrücklich das Privileg, silberne Münzen jeder Größe zu schlagen. Es ist die älteste Verleihung des Münzrechts an die Stadt Konstanz. Auf Grund dieses Privilegs wurden ab 1499 auch Batzen zu vier Kreuzern und Dickpfennige zu 10 Schillingen = 5 Batzen geprägt. Das Silber wurde aus Nürnberg bezogen. Am 29. Juni 1507 bekam die Stadt vom Kaiser auch das Recht der Goldmünzenprägung. Sicher ist ab diesem Datum bereits auch Gold geprägt worden. Am 9. Februar 1508 wurde dem Münzmeister Wolfgang vom Rat befohlen, "auch soll er gut sorg uber das Gold haben" und kurz darauf wird ihm nochmals gesagt, daß er "hinfüro die werck (Batzen) uff LXXI mach (d. h. 71 Stück auf die Mark) und nit ander und mit den guldin" auch den Bestimmungen gemäß verfahre. 1511 wird dem Wardein Hans Stoss befohlen, die Gulden zu probieren und auf Montag nach Invocavit des gleichen Jahres heißt es im Ratsbuch: "Man soll Meister Wolfgang die Goldmünz abkünden und den von Basel schreiben, das sy daran syn, damit die ysen zerbrochen werden oder dz sy uns die verbitschiert zuschicken". Damit ist Cahn's Ansicht, die Guldenprägung habe erst 1513 begonnen, dahin modifiziert, daß zwar ab 1507 für Konstanz in Basel bereits Goldgulden geprägt worden waren, in Konstanz selbst aber erst ab 1513 mit der Goldprägung begonnen wurde. Neue Goldguldenprägung mit altem Bild und Umschriften 1531-1536. 1534 wurden vom Rat folgende Münzeisen zu schneiden in Auftrag gegeben: "Ober Blapphart ysen, X under Blapphart ysen, XI ober pfennig ysen, VI understöck von pfennige, X ober ysen von hallern, I understock von hellern." 1537 nochmal "II understöck von Hallern, so man geschlagen hat in Anno XXXVII Jar". Item uff Samstag nach St. Ulrich tag Anno MCCCCCXXXVII hat Maister Jacob (Zentgraf) diss obgeschrieben ysen do sy denn abgenempt sind alle widerumb der Statt geantwurt, und ligend in diser Lad". 1535 - wie schon 1505 - Prägung von Zweipfennigstücken, den sog. "Zwaygerly"; außerdem wurden Vierer (4-Pfennigstücke} geprägt. Die Stempel wurden von dem "Ysenschnyder zu Zurych" geschnitten, vielleicht ist damit Jacob Stampfer gemeint. Nach den Bestimmungen der oberdeutschen Konvention des Königs Ferdinands 1. mit den Städten Augsburg und Ulm prägte auch Konstanz 1537-1541 Taler, deren Stempel der "Ysenschnyder zu Schaffhusen" schnitt, wohl kein anderer als Lorenz Rosenbaum. Die Münzumschriften dieser Taler sind - unter dem Einfluß der Reformation - die ersten und einzigen Konstanzer Münzumschriften in deutscher Sprache. 1538 wurden die ersten Kreuzer geprägt und ausgegeben. Trotz des Verlustes der Reichsfreiheit im Schmalkaldischen Krieg 1548 behielt Konstanz auch als österreichische Landstadt das Recht der Münzprägung in Gold und Silber, das ihr durch Urkunde vom 3. April 1549 erneut bestätigt wurde. Nach langer Prägepause, die durch die schwierigen Verhältnisse in der Zeit der Reichsmünzordnungen von 1551 und 1559 bedingt war, setzen neue Emissionen in den Jahren 1561-1563 ein. Die in der Münzherrn-Ordnung vom Jahr 1563 vorgesehenen und vom Münzmeister eidlich beschworenen Reichsguldiner und Halbguldiner im Gehalt von 14 Lot 16 Grän 9½ bzw. 19 Stück auf die kölnische Mark, die sicher geprägt wurden, sind bisher weder im Original noch in Kopie bekannt geworden. Wahrscheinlich sind sie wegen ihrer hohen Feinheit und darum unverhältnismäßig hohen Kosten nur in sehr geringer Auflage geprägt worden und bald wieder in den Schmelztiegel gewandert. Auch die 10-Kreuzer-, 5-Kreuzer- und 2½-Kreuzerstücke dieser Jahre sind nicht überliefert, lediglich Kreuzer und Halbbatzen sind bekannt. Die in diesen Jahren geprägten Zwayerle haben wir wohl unter den 2-Pfennigstücken Kat. Nr. 90-94 zu suchen. 1567 und 1572 sind wieder Halbbatzen bekannt, merkwürdigerweise in letzterem Fall mit dem Namen des 1564 verstorbenen Kaisers Ferdinand I. Aus dem Jahr 1573 haben wir dann datierte Guldentaler und -halbtaler zu 60 Kreuzer nach der Reichsmünzordnung von 1559, die allerdings nur in galvanoplastischen Kopien bekannt sind. Daneben gibt es eine undatierte Variante vom Ganzstück in Wien, die sicher ebenfalls in die Jahre 1573/74 gehören dürfte. Als Rohmaterial für diese Guldinerprägung wurde aus Nürnberg bezogenes Brandsilber verwendet, außerdem alte Dickpfennige eingeschmolzen. Für die Halbbatzen wurden "Doppel-Vierer, kleine Vierer, dicke Pfennig, Kreuzer, Fünfferli und Dreier" eingeschmolzen. Auch die - leider wieder unbekannten - Kreuzer, Heller und Pfennige dieser Jahre 1573/74 wurden aus eingeschmolzenen alten Sorten rekrutiert. "Uff den 11. Tag Juni anno 83 ist angefangen worden zemuntzen bis auff ausgang Anno 86 Sind 39 werckh gemuntzt wurden" berichtet eine Abrechnung im Stadtarchiv Konstanz. Gemünzt wurden in jenen Jahren Vierer, Heller, Pfennige und Kreuzer. Nur letztere sind bekannt, es sind die undatierten, auf den Namen Kaiser Rudolfs II. lautenden Typen Kat. Nr. 133- 134. Eine umfangreiche Groschenprägung fällt in die Jahre 1592-1596. Das Rohmaterial dafür bildeten eingeschmolzene Mailänder Silberkronen, "allerley Funfferle" und die 1592 verrufenen Konstanzer und Schaffhauser Zwayerle. Neben diesen Groschen - die in den Akten "Behemsche" (Böhmische in Erinnerung an die alten, im 15. und 16. Jahrhundert so beliebt gewesenen böhmischen Groschen) genannt werden - wurden im Jahr 1592 auch einige wenige Halbbatzen und 1593 bis 1595 einige ganze Batzen geprägt, die sich jedoch nicht erhalten haben. Ihre Prägung stellte sich als Verlustgeschäft heraus und wahrscheinlich sind sie wieder eingeschmolzen worden. "Somma Sommarum so in 99 werck gewonnen ist worden vom 10. Januar Ao 92 bis Anf. Januar Ao 97 duot 6055 fl 1 ß 1½ dn." Gesamtverlust 5125 fl 2 ß 7½ dn (besonders durch die Batzenprägung), Reingewinn 2085 fl 2 ß 4 dn. Anfang März 1597 ging eine Klage des kaiserlichen Kammergerichtsfiskals in Speyer beim Konstanzer Rat ein, die kürzlich ausgegebenen 3-Kreuzerstücke seien zu gering gemünzt, 114 Stück auf die Mark im Feingehalt von nur 7 Lot 6 grän. Nach 1597 setzt wieder eine lange Prägepause ein. Um 1620 Zwayerle-Prägung durch Münzmeister Martin Stoff. Als der Rat 1621 mit Martin Näf und dessen Schwager Joh. Rudolf Wägerich einen Vertrag schloß, nach denen den beiden auf vier Jahre "Präg und Stampf" verliehen wurde, um die Stadt vor allem mit Kleinmünzen zu versorgen, mußten sie das gesamte Münzwerk auf ihre Kosten neu erbauen und erhalten. Sie sollten auf des Reiches Valor und Schrot münzen, die Taler 14-lötig 8 Stück auf eine Mark, Drei-Bätzner 7-lötig, 83 oder 84 Stück auf die Mark, die geringen und kleinen Münzen nach Ordnung und Maßgebung des Herrn Stadthauptmanns und des Rats, zu deren Sicherheit dem Münzmeister ein oder mehrere Wardeine zugegeben werden sollen. Die Münzmeister sollen sich das Silber selbst beschaffen, dazu aber keine Reichswährung brechen und schmelzen, und jedes Vierteljahr sollen der Stadt 1250 fl Konstanzer Prägung und Währung abgeliefert werden. Nach seiner Aussage lieferte der Gold- und Silberscheider Johann Capitell von Feldkirch in den Jahren 1623-26 der Münze in Konstanz ca. 9000 Mark Silber. Eine Abrechnung der Steuerherrn über ihre Einnahmen aus der Münze vom 22. Juni bis 22. Oktober 1622 ergibt, daß sie am 22. Juni 1020 Stück Dreibätzner in Empfang nahmen (Kat. Nr. 175/76), am letzten Juni 755 Stück Dreier (= Groschen, wohl unter den undatierten Kat. Nr. 168-172). An Talern lieferte die Münze am 9. Juli 1622 700 Stück und am 7. Dezember 400 Stück. Datierte Taler und Halbtaler aus dem Jahr 1622 sind bisher nicht bekannt geworden, es handelt sich wohl um undatierte Prägungen mit den Stempeln der Nummern 145/47, von denen nur ein Dickabschlag und Halbtaler überliefert sind. Am 1. August 1622 nahmen die Steuerherrn 1100 Dukaten und am 29. August nochmals 500 Dukaten in Empfang. Bisher sind keine einfachen, sondern nur doppelte Dukaten aus dem Jahr 1622 bekannt geworden (Kat. Nr. 174). Vom 25. August bis 31. Dezember 1622 wurden "12 Werke Örtlin" im Wert von 22877 Gulden 45 Kreuzern geprägt. Die Gesamtjahresprägung an Örtlin erreichte einen Wert von 122827 Gulden (Kat. Nr. 148/49). Vier paar neue Prägestöcke zu Zwayerlen wurden geschnitten und die Gesamtjahresproduktion belief sich auf einen Gegenwert von 21173 Gulden (Kat. Nr. 173). Mit Jahreszahl 1623 sind Taler, Halbtaler, Dreibätzner und 10-Kreuzerstücke überliefert, dazu Regimentstaler in vielen Gewichten, 1624 Taler, Dreibätzner und Halbbatzen, 1625 Taler und Halbbatzen. Aus einem Münzmemorial vom 25. Oktober 1926 erfahren wir, daß in jenem Jahr über 60000 Taler gemünzt wurden, außerdem wurden 24-Kreuzerstücke = Sechsbätzner (Dickpfennige), Dreibätzner, Halbbatzen und Sechser geprägt. Letztere sind eine uralte Münzsorte mit neuem Bild, denn die Sechspfennigstücke waren in Konstanz seit den Schillingen des Riedlinger Vertrages heimisch und beliebt. 1627 bringt neben Dicken nochmals Sechser, 1628 Taler und Dreibätzner, 1629 Goldgulden und die schönen Regimentstaler, 1630 und 1633 Dicken, wobei für letzteres Jahr durch eine Münzabrechnung im Konstanzer Archiv auch eine Groschen- und 10-Kreuzerprägung bezeugt ist, die sich höchstwahrscheinlich unter den undatierten Stücken Kat. Nr. 156-172 verbirgt. Dann kennen wir erst aus dem Jahr 1636 wieder eine - offenbar geringe - 15-Kreuzerprägung. Unter Kaiser Ferdinand III. (1637 bis 1657) erscheinen ohne Jahreszahl Dukaten, 10-Kreuzerstücke und Groschen, mit Jahreszahlen 1639 Groschen, 1652 bis 1654 Dukaten und Halbbatzen, welch letztere auf dem Regensburger Münzprobationstag vom Mai 1657 als zu gering befunden wurden. Am 11. März 1656 mußte Münzmeister Franz Änzinger dem Rat Caution stellen und sich erbieten, für allen Schaden der Stadt an unterwertigen Geprägen aufzukommen. Von 1653 bis 1655 wurden für mindestens 8580 Mark Kreuzer geprägt, die wir vielleicht mit unter den Billontypen Kat. Nr. 244/45 zu suchen haben. Sie hielten nach den Münzabrechnungen 4 Lot 1 qu, während sie im Reich 5 Lot hielten. "Hat also Hr. Münzmeister an jeder Mark ½ Lot fein Silber zum besten." Auf eine Mark gingen in Konstanz 300 Kreuzer, im Reich 280 Kreuzer. "Hat also Hr. Münzmeister an jeder Mark 20 Stuck zum besten." "thut 2393 fl 40 x." "Zu Halbbatzen ist vermünzt worden ungefehr 1196 Mark und ist auf 1 Mark gegangen 7 fl, da doch im Reich nit mer als 6 fl 44 x gehen, hat also an jeder Mark der Münzmeister zum besten 16 x, thut 318 fl 56 x. Zu Pfennigen ist vermünzt worden ungefehr 200 Mark, gehen auf eine Mark 752 Stuck, hält die Mark fein 1 Lot 3 Grän. Württembergische Pfennig gehen auf die Mark 552 Stck, halt die Mark fein 3 Lot 1 dn, hat Münzmeister an jeder Mark 200 Stück mehr, an Feinsilber bei jeder Mark 1 Lot 1 Grän 1 dn zu gelt gemacht 1 fl 18 x. Summa 718 fl. Summa Summarum 6702 fl 10 x." Aus dem Schreiben des Stuttgarter Wardeins Christoph Tauchwitz, der diese Feingehaltsproben ausführte, an den Rat der Stadt Konstanz geht hervor, daß Änzinger nach Schweizer Währung prägte, obwohl ihm bei Dienstantritt vorgehalten wurde, daß er nach Reichsordnung prägen solle. Vollends unter Leopold I. läuft seit der zweiten Jahrhunderthälfte die Konstanzer Münzprägung mit der Emission kleinster Werte nur noch auf unbedeutenden Touren. In erster Linie wurden Pfennige geprägt, zu denen alte Konstanzer Batzen eingeschmolzen wurden. "Wenn diese Batzen zu Pfennig sollent vermünzt werden, so hat man Jeder Mark ohne die Uncosten zum besten 3 fl 8 x 3 dn. Undt kann aus Jeder Mark batzen 4½ Mark Pfennig gemacht werden. Und kommt der Zusatz die Mark je 14 Kreuzer, thut 50 Kreuzer. Von 1675 bis 1691 wurden datierte Kupferpfennige herausgebracht. 1676 erhielt der Goldschmied und Wardein Hans Conrad Betzerin im März für das Schneiden zweier Prägestöcke für Zwayerli 2 fl, für das Schneiden zweier Pfennig-Prägestöcke "aines auf den Prägstock, das ander auff die wellen" 48 x. Im Mai lieferte Betzerin zwei Paar geschnittene Kreuzer-Prägestöcke zu 4 fl, am 11. Juni ein "understöckli zu den Kreutzer Präge geschnitten 1 fl", am 22. Dezember erhielt er nochmals für das Schneiden von zwei Paar Kreuzer-Prägestöckli 4 fl. Diese Rechnungen setzen sich in den folgenden Jahren fort. 1676 lieferte Münzmeister Staiffel an geprägten Ratschillingen 482 Mark, im gleichen Jahr neue Konstanzer Kreuzer für 2037 fl 1 x 9 dn, 1677 lieferte er sogar Kreuzer im Wert von 10060 fl 13 dn ab und 1678 für 18654 fl 2 x 9 dn. 1679 lieferte Staiffel an neu geprägten Pfennigen 227 fl 52 x ab. Das Rohmaterial für diese bildeten massenhaft eingeschmolzene Montforter Pfennige. In dtn 80er und 90er Jahren setzten sich die umfangreichen Pfennig- und Kreuzerausprägungen fort. 1690 am 24. April "seindt zu einem Werk Kreuzer 700 Reichsguldiner und andere alte ... empfangen, haben gewogen 57 Mark". Unter Karl VI. wurden in den Jahren 1715, 1717, 1723 und 1724 noch einige Viertelgulden, Kreuzer, Halb- und Viertelkreuzer ausgegeben. Der Kreuzer von 1724 ist die letzte datierte Münze der Stadt Konstanz, die im gleichen Jahr nochmals besonders prächtige Regimentstaler und -doppeltaler prägen ließ. Die allerletzten Kreuzeremissionen von 1727 und 1733, deren Stempel erst von dem Konstanzer Petschierstecher Rubick geschnitten, dann in Diessenhofen angefertigt wurden, sind bisher nicht bekannt geworden, vielleicht sind sie mit den alten Jahreszahlen ausgegeben worden.



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