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Abriß der Dortmunder Münzgeschichte

Peter Berghaus
Auszug aus:
Die Münzen von Dortmund
1978.


Das spätantike Münzwesen, das weitgehend auf einer Goldwährung aufgebaut hatte und von den germanischen Reichen der Völkerwanderung übernommen worden war, wurde im Laufe des späteren 7. und besonders im 8. Jahrhundert durch ein Geldsystem abgelöst, das auf dem Silber als Münzmetall basierte. Im Merowingerreich wurde der silberne Denar als Hauptmünze an die Stelle des goldenen Drittelsolidus, des Triens gesetzt.
In verschiedenen Münzreformen gelang es den Karolingern, vor allem Karl dem Großen (768-814), den Wert des silbernen Denars, des späteren Pfennigs, nach volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten festzulegen. Gleichzeitig wurde die Münzhoheit zentral an die Krone gebunden; niemand außer dem König durfte Münzen prägen. Damit war ein unübersehbares Chaos zahlreicher Münzstätten im merowingischen Reich überwunden, das das fränkische Münzwesen des 6./7. Jahrhunderts bestimmt hatte.
Schon 833 wurde die mühsam errungene Einheit des Münzwesens angetastet. Mit der Verleihung des Münzrechtes an die Abtei Corvey setzte Ludwig der Fromme (814-840) eine Entwicklung in Gang, durch die im Laufe der nächsten Jahrhunderte zahlreiche Fürsten des Reiches, vor allem geistliche Herren, in den Besitz des Münzrechtes gelangten und in eigenen Münzstätten eigenes Geld prägen konnten.

10.-12. Jahrhundert
Als am Ende des 10. Jahrhunderts die Münztätigkeit in Dortmund begann, waren in Westfalen bereits mehrere geistliche Münzstätten in Betrieb genommen worden, neben Corvey, Osnabrück und Wiedenbrück, Minden, Soest, Lüdinghausen und Herford, sehr wahrscheinlich auch Münster und Paderborn. Dortmund als Königshof war eine der wenigen Münzstätten, in denen königliche Münzen geprägt wurden.
Die Währungsmünze Nordwestdeutschlands war im letzten Viertel des 10. Jahrhunderts der Kölner Pfennig, der sich im Gewicht von ca. 1,50 g Silber seinerseits aus dem karolingischen Denar entwickelt hatte. Fast alle westfälischen Münzen der Zeit um 1000 sind in ihrem Bild dem Kölner Pfennig angeglichen.
Auch die ältesten Dortmunder Pfennige mit dem Namen König Ottos III. (983-996) sind in ihrem Gepräge dem Kölner Typ angeglichen. Der Kölner Stadtname S-COLONIA-A ist durch das THERTMANNI Dortmunds ersetzt (Typ 1-5), die Kreuzseite ist unverändert geblieben. Die Dortmunder Münzprägung, deren Beginn in die Jahre 983-996 fällt, muß bereits sehr umfangreich gewesen sein, wie zahlreiche erhaltene Exemplare vor allem des Typs 2a erkennen lassen, die auf viele verschiedene Stempel zurückgehen. Erst in der Kaiserzeit Ottos III. (996-1002) werden in Dortmund eigene Münzbilder entwickelt, die sich deutlich von den gleichzeitigen Kölner Münztypen abheben und damit die wirtschaftliche Unabhängigkeit Dortmunds bereits in der Zeit um 1000 nachweisen. Zunächst handelt es sich um schlichte Kreuzbilder (Typ 6-8), an die sich die seltsam stilisierte Darstellung eines Kopfes von vorn anschließt.
Unter Heinrich II. (1002-24) begegnet der schlichte Kreuztyp nur noch einmal (Typ 10). Dann aber wird der "Bildnistyp" eingeführt, der die Dortmunder Münzen bis in das 14. Jahrhundert hinein bestimmen wird. Den "Herrscherbildnissen" auf den Dortmunder Münzen des Mittelalters ist keinerlei Ähnlichkeit mit den Dargestellten abzugewinnen. Es handelt sich vielmehr um einen irrealen Herrschertyp, den der Stempelschneider wiedergibt. Selbst der Bart wird willkürlich eingesetzt.
König Konrad II. (1024-29), der bärtig war, wird auf seinen Dortmunder Münzen stets unbärtig dargestellt. Heinrich II. (1002-24) erscheint auf den Dortmunder Münzen barhäuptig (Typ 11-13, 19-21) und gekrönt (Typ 15-17). Der Stempelschnitt ist einfach, fast klobig. Die Legenden sind oft entstellt und nur mühsam zu entziffern. Der Stadtname Dortmunds erscheint in den verschiedensten Varianten: THORTMONIA (Typ 10,17), THERTMANNI (Typ 13,16,19,20,21) oder THIRTMANNI (Typ 14). Unerklärt ist noch die seltsame Legende RADWERC (Typ 18).
Unter Konrad II. (1024-39) werden die "Bildnistypen" Heinrichs II. fortgeführt. Neben dem ungekrönten Kopf (Typ 22-23) begegnet auch die gekrönte Darstellung (Typ 24-27). Die Typen 22-24 nennen keinen Ortsnamen, sind jedoch aus stilistischen Gründen nach Dortmund zu verweisen. Auf den Typen 25-26 wird Dortmund nunmehr mit DRETMONNA bezeichnet, auf Typ 27 sind die Legenden völlig verwildert.
Die Kopfseiten von 26 und 27 sind aus demselben Stempel geprägt. Die gleiche Kopfseite ist auch mit einem Rückseitenstempel mit der Legende MINTEONA bekannt, der auf Minden bezogen wird. Es ist nicht ausgeschlossen, daß um 1035/40 derselbe Münzmeister für Dortmund und Minden arbeitete.
Unter Heinrich III. (1039-56) ändert sich der Stil der Dortmunder Münzen auffällig. Die Köpfe, im Profil oder von vorn gegeben, sind individueller gezeichnet. Das Aussehen ist durch den Bart und die sorgfältig gezeichnete Krone bestimmt. Als Ortsname begegnen jetzt DRVOTMONIA (Typ 28) oder THORTMANNE (Typ 29,31-35). Unsicher ist die Herkunft des Typs mit entstellter Legende (Typ 30). Die Dortmunder Münzreihe Heinrichs IV. (1056-1106) beginnt mit einigen Typen (36 und 38), die auf der Rückseite mit WIDOVICVSMIP Kaiser Ludwig den Frommen (814-40) nennen. Hier liegt offensichtlich eine Verbindung zu den Reichsdenaren Ludwigs des Frommen vor, die in großer Zahl umliefen und häufig in karolingischen Münzschatzfunden begegnen.
Das En-face-Bildnis Heinrichs IV. (Typ 36-38, 47-51, 54-56) kommt sowohl auf Münzen mit Königs als auch mit Kaisertitel vor. Einen breiten Raum nehmen die Pfennige mit Profilbildnis (Typ 39-45, 52) ein. Die Herrschaftszeichen Krone, Lanze (z. T. bewimpelt) und Zepter sind mit Sorgfalt gezeichnet. Das Symbol des Sterns, sowohl im Bildfeld als auch in Legenden, läßt sich nicht so eindeutig erklären.
Völlig neu, in der Dortmunder Münzreihe einzigartig, ist der nur in 2 Exemplaren erhaltene Pfennig Nr.46, der ähnlich dem Kaisersiegel Heinrichs IV. den Herrscher thronend, Lanze und Reichsapfel haltend, zeigt. Es scheint sich um eine Sonderprägung zu handeln.
Die Dortmunder Herkunft der Typen 52 und 53 ist nicht gesichert. Diese Münzen können auch in einer anderen westfälischen Münzstätte entstanden sein.
Fraglich ist die Datierung der Typen 54-56. Sie sind bisher niemals in den wikingerzeitlichen Schatzfunden des Ostseegebietes vorgekommen. So ist es durchaus gerade in Westfalen möglich, daß sie als "Type immobilisé" noch mit dem Namen Heinrichs erst in der Mitte des 12. Jahrhunderts entstanden sind.
Der Dortmunder Stadtname wird auf den Münzen Heinrichs IV. in immer neuer Variierung mit THRTMANONIE (Typ 39-46, 53), THORTMANNE (Typ 47-50) oder ähnlich wiedergegeben.
Nur auf Grund von Fundvorkommen und stilistischer Kriterien lassen sich Heinrich V. (1106-25) Dortmunder Gepräge zuteilen. Sie zeigen den Herrscher im gekrönten Profil (Typ 57) oder im Hüftbild mit Schwert und Zepter (Typ 58-60). Die Rückseite, an Münztypen von Münster erinnernd, zeigt erstmals in der Dortmunder Münzreihe die Darstellung einer Phantasiearchitektur. Die Dortmunder Herkunft des Typs 61 ist nicht gesichert. Für die Jahrzehnte nach 1125 lassen sich bisher Dortmunder Münztypen eindeutig nicht nachweisen. Vielleicht gehören die Typen 54-56 in diesen Zeitraum. Nur neue Münzfunde aus dem 12. Jahrhundert könnten hier Aufschluß geben.
Wie schon aus den Angaben der Verwahrorte der einzelnen Münzen im Katalog ersichtlich, befinden sich die meisten Dortmunder Münzen des 10. und 11. Jahrhunderts in den Münzkabinetten der Länder rings um die Ostsee, vor allem in Skandinavien und Osteuropa. Besonders reich sind die Sammlungen in Stockholm, Leningrad und Kopenhagen, außerdem auch die Kabinette in Helsinki, Tallinn (Reval), Uppsala und Visby. Auch die frühen Bestände des Münzkabinettes der Staatlichen Museen in Berlin gehen weitgehend auf Münzen zurück, die in Ostdeutschland, Polen oder im Baltikum gefunden worden sind.
Das 9.-11. Jahrhundert ist in den Anrainerstaaten der Ostsee durch eine Unmenge von Münzschatzfunden gekennzeichnet. Die Entwicklung setzt um 830 ein und zieht sich in ihren jüngsten Erscheinungen bis etwa 1110 hin; einige Ausnahmen reichen bis in die Zeit um 1150, im Baltikum (Estland) gar bis um 1240. Anfangs finden sich in den Münzschatzfunden, die nicht selten über 1000 Silbermünzen, dazu häufig auch Silberschmuck enthalten, nur arabische Münzen aus Samarkand, Taschkend und Münzstätten in Mesopotamien. Um 950 treten allmählich deutsche Pfennige (vor allem Köln und Regensburg) und englische Pennies hinzu. Seit 990 nehmen die arabischen Dirrhems in den Funden zahlenmäßig ab, dagegen steigt der Anteil deutscher und englischer Münzen ganz erheblich. Seit 1050 stehen die deutschen Münzen weitaus an der Spitze. Unter den deutschen Münzen dieser Funde begegnen weitaus am häufigsten die Prägungen von Goslar ("Otto-Adelheid-Pfennig"), Köln, Mainz, Worms, Deventer und Regensburg. Auch Dortmunder Pfennige tauchen seit 995 regelmäßig in den Funden auf, wenn auch in etwas bescheidenerem Umfang als etwa die Münzen von Goslar, Köln und Mainz. Ohne die Funde des Ostseegebietes läge nur ein Bruchteil der Dortmunder Münzen vor, denn innerhalb der Grenzen des damaligen Deutschen Reiches sind Münzschatzfunde nur selten entdeckt worden.
Das Zentrum dieser Münzschatzfunde der "Wikingerzeit" liegt auf der schwedischen Ostseeinsel Gotland, auf der mittlerweile über 600 Schatzfunde entdeckt worden sind. Andere Fundhäufungen finden sich auf den Ostseeinseln Öland und Bornholm, auf dem schwedischen Festland, vor allem in Schonen, Södermanland und Uppland, in Dänemark, Finnland, dem Baltikum und in der UdSSR, besonders im Gebiet vom Ladoga-See. Auch aus Polen, vor allem im Gebiet der Weichsel, Schlesien, Pommern, Mecklenburg und Jütland sind viele Funde bekannt, ebenso in großer Zahl von den dänischen Inseln. Weitere Funde liegen aus Norwegen vor; gelegentlich sind deutsche Münzen dieser Zeit bis nach Island gewandert.
Hinter dem Phänomen des für damalige Zeiten weltweiten Münzumlaufs und der umfangreichen Hortung der Barschaften steht zweifellos der Seeverkehr der Wikingerzeit, in der die genannten Fundlandschaften durch den Verkehr der Wikinger, dieser Fernhändler und Piraten, miteinander verbunden waren. In den skandinavischen Ländern waren es zweifellos Wikinger selbst, die ihre Vermögen vergruben und damit vielleicht einer Glaubensvorstellung folgten. In den slawischen Gebieten, etwa in Polen, die fast fortwährend von Kriegen heimgesucht wurden, dürften vorwiegend heimische Einwohner als Schatzgräber in Betracht kommen.
Im Rahmen dieses Kataloges ist es völlig unmöglich, alle Funde des 10./11. Jahrhunderts aufzuführen, in denen Dortmunder Münzen vorkamen. Allein für Schweden sind 175 Funde überliefert, in denen zusammen 1083 Münzen nachgewiesen wurden. In einigen Funden begegneten Dortmunder Münzen in besonders großer Zahl (angegeben die Zahl der Dortmunder Pfennige und die Gesamtzahl):
- Myrände, Ksp. Atlingbo, Gotland (nach 1036): 34 unter 1620.
- Österby, Ksp. Ekeby, Gotland (nach 1079): 82 unter 3000.
- Findarve, Ksp. Rone, Gotland (nach 1089): 44 unter 3560.
- Stora Sojdeby, Ksp. Fole, Gotland (nach 1089): 50 unter 2310.
- Mannegärda, Ksp. Lye, Gotland (nach 1102): 36 unter 2447.
- Johannishus, Ksp. Hjortsberga, Blekinge (nach 1120): 48 unter 4112.
- Wichmjez', UdSSR (nach 1090): 26 unter 13398.
- Ladejnoje Pole, UdSSR (nach 1095): 62 unter 2871.
- Kissow, Kr. Weststernberg, Brandenburg (um 1010): 26 unter 4800.
Die einzigartige Erscheinung des reichen Vorkommens deutscher Münzen des 10./11. Jahrhunderts vorwiegend in den Münzschatzfunden des Ostseegebietes hat die These entstehen lassen, daß diese Münzen in erster Linie für den Export nach Skandinavien und Nordosteuropa geprägt worden seien. Es ist geradezu der Begriff von der geldgeschichtlichen Epoche des "Fernhandelsdenars" eingeführt worden. Sollten die deutschen Münzen des 10./11. Jahrhunderts, darunter die Dortmunder Pfennige, tatsächlich bewußt für den Fernhandel, die Ausfuhr nach Norden und Nordosten geprägt worden sein?
Eine sorgfältige Analyse des vorhandenen Münzmaterials auf Grund der in der wissenschaftlichen Numismatik entwickelten Stempelmethode kann diese Hypothese jedenfalls für die Dortmunder Münzen nur sehr bedingt bestätigen. Die bisherigen Ergebnisse, die einer eigenen Veröffentlichung vorbehalten sind, lassen jedenfalls erkennen, daß von den Münzen Ottos III. (Typen 1-9) und Heinrichs II. (Typen 10-21) nur ein geringer Prozentsatz in den Ostseeraum abgewandert sein kann. Der größte Teil der geprägten Münzen dürfte vielmehr in der heimatlichen Region umgelaufen sein, ohne einen erkennbaren Niederschlag in den Funden des Inlandes gefunden zu haben. Eine Ausnahme macht allenfalls der Typ 13b, bei dem es sich tatsächlich um eine vorwiegend für die Ausfuhr bestimmte Emission handeln könnte. Unter Konrad II. und Heinrich III. scheint ein größerer Prozentsatz der Dortmunder Münzen abgewandert zu sein, während der Export unter Heinrich IV. wieder merklich abnimmt.
Die Dortmunder Münzen des 10. und 11. Jahrhunderts sind zweifellos ursprünglich in erster Linie für den Umlauf in Dortmund, seiner Umgebung und in ganz Nordwestdeutschland geprägt worden. Nur ein Teil ist in den Strom nach Norden geraten und dort in die Münzschatzfunde gelangt.

13.-14. Jahrhundert
Nach Dortmund könnten einige Pfennige gehören, welche die Namen König Philipps von Schwaben (1198-1208) und Ottos IV. (1198-1218) tragen (Typ 62-65). Wie im Katalog bemerkt, könnten diese Münzen auch in Aachen entstanden sein, doch spricht das Vorkommen in westfälischen Münzfunden für eine königliche Münzstätte in Westfalen und damit für Dortmund.
Erst seit etwa 1210 stellt sich die Dortmunder Münzprägung wieder eindeutiger vor. In dieser Zeit hatte sich der englische Penny, der "Sterling", auf dem Kontinent verbreitet. Seit 1200 begegnet er für einige Jahrzehnte regelmäßig in Münzschatzfunden vor allem in Westfalen und spiegelt damit die engen Hansebeziehungen zwischen Westfalen und England wider.
Der Sterling wurde in zahlreichen westfälischen Münzstätten, vor allem in Dortmund und Münster, nachgeprägt. Typisch für das ältere Sterlingsbild ist das kurze "Doppelfadenkreuz", in dessen Winkeln Schrägkreuzchen stehen. Diese Kreuzseite übernehmen die westfälischen Sterlingsmünzstätten und variieren die Vorderseite nach eigenen Typen.
In Dortmund prägt als erster Münzherr Otto IV. als Kaiser (1209-18) Sterlinge (Typ 66-68), deren Rückseitenlegenden entweder TREMONIAREGIA oder, in Anlehnung an den beliebten und dem Sterling im Wert gleichen Kölner Pfennig, SANCTA COLONIA lauten. Vierlinge (Typ 68) zeigen, daß der Sterling auch im Kleingeldverkehr beliebt war.
Unter Friedrich II. (1212-50) wird die Dortmunder Sterlingsprägung fortgesetzt (Typ 69). Bald wird der Dortmunder Sterling im Bild verändert (Typ 69-72), bis er mit dem thronenden Herrscher auf der Vorderseite (Typ 73-74) den beliebtesten Typ findet.
Dortmunder Sterlinge sind mit ihren englischen Vorbildern zusammen weit gewandert. Sie finden sich nicht nur in westfälischen Münzschatzfunden, sondern durchaus auch in Münzfunden in England (Colchester, Eccles), Dänemark (Ribe) und Frankreich (Gisars, Montpellier).
Für die Beliebtheit der Dortmunder Sterlinge zeugt auch deren Nachahmung in anderen westfälischen Münzstätten: Arnsberg, Bentheim, Hamm, Herford, Iserlohn, Schüttorf. Um 1250 ist im Gegensatz zu einigen anderen westfälischen Münzstätten (Bielefeld, Blamberg, Bösingfeld, Horn, Lemgo, Vlotho) die Dortmunder Sterlingsprägung beendet.
Um 1250 ist die Sterlingsprägung in Dortmund überwunden. Man greift nun vielmehr eigene Münzbilder auf und hält sich dabei im Münzwert und im Äußeren an Währung und Stil, wie sie, von Köln her beeinflußt, in Westfalen im 13. Jahrhundert heimisch waren. Die Aufsplitterung des deutschen Münzwesens seit dem 12. Jahrhundert hatte in Westfalen eine eigene Münzregion entstehen lassen, in der vor allem die Münzstätten Dortmund, Münster, Osnabrück, Paderborn und Soest das Vorbild abgaben.
Während des Interregnums (1250-73) haben die Könige Wilhelm von Holland (1247-56) und Richard von Cornwallis (1257-71) in Dortmund Pfennige, Hälblinge und Vierlinge prägen lassen, die auf der Vorderseite den thronenden Herrscher mit seinen Insignien, auf der Rückseite eine Phantasie-Architektur zeigen (Typen 75-80). Unter König Rudolf von Habsburg setzt sich dann der in großer Menge geprägte Münztyp durch, der auf der Rückseite die Architektur-Darstellung durch den Kopf des Hl. Reinoldus im Dreieck ersetzt (Typ 82-84). DieserTyp, besonders reichlich unter Kaiser Ludwig dem Bayern (1328-47) geprägt, hält sich bis in die Zeit Karls IV. (1347-78) und wird erst unter Wenzel (1378-1419) bildmäßig abgewandelt und zugleich, offensichtlich im Zusammenhang mit einer internationalen Währungskrise, wertmäßig herabgesetzt. Die Epoche des "regionalen Pfennigs" läuft damit in Dortmund aus.
In die Zeit des "regionalen Pfennigs" fallen in Dortmund auch die verschiedenen Pfandschaftsmünzen (Typen 85-89). Seit 1266 war Dortmund mit dem an diesen Ort gebundenen Münzrecht verpfändet worden. Sowohl Erzbischöfe von Köln als auch der Graf von der Mark haben als Ausdruck dieses Besitzes in Dortmund Münzen geprägt, die den vorübergehenden Pfandbesitz bezeugen.
Die Dortmunder Münzen des 13./14. Jahrhunderts, der Epoche des regionalen Pfennigs, sind im Gegensatz zu den Dortmunder'Sterlingen der Zeit um 1210/50, die bis nach Dänemark, England und Frankreich gewandert sind, vorwiegend im Lande verblieben. Nur selten hat sich ein Dortmunder Pfennig der Zeit von 1250 bis 1400 nach Niedersachsen, Hessen oder in die Niederlande verirrt. Allenfalls im Rheinland, das Westfalen wirtschaft- und geldgeschichtlich so eng verbunden war, begegnen Dortmunder Pfennige gelegentlich.
In Westfalen selbst kam den Dortmunder Pfennigen jedoch eine so bedeutende Rolle zu, daß andere Münzherren sie in ihren Münzstätten (Arnsberg, Büren, Iserlohn, Lippstadt) nachahmten. Zum Export nach Westfalen sind Dortmunder Pfennige im 14. Jahrhundert gelegentlich auch in rheinischen und niederländischen Münzstätten (Alpen, Gangelt, 's-Heerenberg, Mörs, Mülheim/Rhein, Ratingen, Sittard) unter Verschlechterung des Wertes imitiert worden und in verschiedene Münzfunde in Westfalen, dem Rheinland und den Niederlanden gelangt.

15. Jahrhundert
Mit den wertmäßig so abgesunkenen Pfennigen Wenzels war die Epoche des Pfennigs in Dortmund um 1400 zu Ende gegangen. Andere Münzsorten, der ursprünglich aus Italien stammende Goldgulden und der "Groschen", eine größere Silbermünze im Werte mehrerer Pfennige, hatten vielmehr eine führende Stellung im Geldumlauf errungen. In Westfalen liefen zu Beginn des 15. Jahrhunderts Gold- und Silbermünzen aus den verschiedensten Gegenden um und lösten ein unübersehbares Währungschaos aus. In dieser Zeit hat man in Dortmund fremdes Geld, Groots aus den Niederlanden und Prager Groschen nachträglich mit eigenen Wertstempeln abgestempelt, um den Kurswert deutlich anzugeben (Typen 126-129). Der Dortmunder Adler entspricht als "Gegenstempel" den Wertstempeln vieler anderer westfälischer Städte wie Münster, Lippstadt, Paderborn, Bielefeld, Soest oder Herford.
Nach einer kürzeren Prägepause, die sich an die letzte Pfennigprägung unter Wenzel anschloß, wird Dortmund im Jahre 1419 erneut zur Münzstätte. In einer Urkunde vom 8.2.1419 setzt König Sigismund Walter Allerhaus und Hans Thews zu Münzmeistern in Dortmund ein. Es sollen Goldgulden und in Silber Weißpfennige, 1/2 Weißpfennige, 1/4 Weißpfennige und 1/12 Weißpfennige geprägt werden. Diese Münzsorten, vor allem der Goldgulden und der Weißpfennig, haben sich im Original erhalten. Wenn sich die Prägung auch über 5 Jahre hinziehen sollte, so scheint sie doch nicht sehr umfangreich gewesen zu sein.
Der Goldgulden (Typen 102,108-111,116) wurde in Dortmund in variierender Darstellung bis zum Ende des 15. Jahrhunderts geprägt. Die anfängliche Darstellung des Hl. Johannes des Täufers wird bald durch das Bild des stehenden Königs ersetzt.
In der Mitte des 15. Jahrhunderts werden zwei neue Silbertypen in das Programm der Silberprägung aufgenommen. Der Stüber mit der Darstellung des Herrschers, auch in kleineren Stückelungen zu 1/2 und 1/4 Stüber, wurde vor allem unter Friedrich III. (1440-93) in großer Menge in den Verkehr gebracht (Typen 112-115, 117-119). In großem Umfang muß auch der Reinoldialbus mit seinen Teilwerten ausgeprägt worden sein (Typen 120-125). Er kam in verschiedenen Münzfunden in erheblichen Mengen vor. Für den Umlauf dieser Münzen sprechen die Gegenstempelungen in Städten wie Halberstadt, Lippstadt, Paderborn und Soest.

16. Jahrhundert
Um 1510 muß die mittelalterliche Münzprägung in Dortmund zu Ende gegangen sein. Als etwa 30 Jahre später1541 die Prägung erneut aufgegriffen wurde, hatten sich entscheidende Veränderungen vollzogen. Reichsmünze war der Taler geworden, eine große Silbermünze, die in ihrem Wert ursprünglich dem eines Goldguldens entsprach. In Dortmund hat man Taler mit den Jahreszahlen 1541,1546,1553 und 1564 (Typen 130-132, 145) geprägt. Das dazugehörige Kleingeld aus den Jahren 1541-1566 ist z. T. weniger leicht einzuordnen. Es scheint sich um Werte wie 1/12 Taler, 9 Pfennig, 3 Pfennig, Heller und Stüber zu handeln. Auf den größeren Münzen erscheinen das Bild des Herrschers sowie der Dortmunder Adler. Auf der Münze zu 9 Pfennig ist der Hl. Reinoldus abgebildet. Die kleineren Werte halten sich dagegen an fremde Vorbilder (Göttingen, Rheinland) und könnten für den Export bestimmt sein.
Die Dortmunder Münzprägung wurde 1566 erneut eingestellt. Mit der Einrichtung der deutschen Reichskreise, einem ersten Schritt zur Einheit, war als Aufsichtsbehörde für die Münzprägung der Probationstag eingesetzt worden. 1566 war in der Augsburger Reichsmünzordnung festgelegt worden, daß nur noch in wenigen Kreismünzstätten geprägt werden durfte. Im Niederrheinisch-Westfälischen Kreis, zu dem Dortmund gehörte, durften fortan nur in Aachen, Köln, Münster und Emden Münzstätten unterhalten werden. So schied Dortmund für die nächsten 65 Jahre aus der Münzprägung aus.

1631-1688
Als Kaiser Ferdinand II. der Stadt 1630 die Erlaubnis erteilte, Gold- und Silbermünzen gemäß den Reichs- und Kreisordnungen zu prägen, und damit der Beginn für eine neue Münzepoche Dortmunds gegeben war, hatte das deutsche Münzwesen einschneidende Veränderungen erlebt. Die Kipper- und Wipperzeit 1618-22 hatte das ganze Rechnungssystem wesentlich umgestaltet. 1630 gingen nach der Dortmunder Währung 52 Stüber oder Schillinge auf den Reichstaler; jeder dieser Stüber oder Schillinge enthielt, wie in alten Zeiten, 12 Pfennige. Nach dieser Rechnung mußten die neuen Münzen ausgebracht werden. Als Münzmeister fungierte von 1631 bis 1650 Simon Textar; ihm folgte sein Sohn Ernst Textor (1650-1688). Später werden die Münzmeister Johann Langerich und Nikolaus Langerich genannt. An Goldmünzen wurden anfangs Gulden in den Jahren 1631 bis 1634 geprägt. Sie greifen noch einmal auf die Gulden des 15. Jahrhunderts zurück und zeigen in einem altertümlichen Stil des Kaisers Brustbild und den Reichsapfel im Sechspaß. Von 1635 an werden dann nur noch Dukaten geprägt mit dem stehenden Kaiser und auf der Rückseite dem Adler. Wie die meisten deutschen Münzstätten geht man also in Dortmund von dem inzwischen im Feingehalt stark abgefallenen Goldgulden zum besseren Dukaten über, der wohl auch nur 3,5 g Gold wog, aber doch aus besserem Gold bestand. Taler sind aus den Jahren 1631,1632,1634,1635 und 1636 in einem seltsam altertümlichen Stil bekannt (Brustbild des Kaisers und Adler). Der Taler mit der Jahreszahl 1621 ,1655 in Rußland gegengestempelt (Typ 161), muß auf einem Versehen beruhen. Tatsächlich dürfte es sich um eine Prägung des Jahres 1631 handeln.
1638 wird der Stil eleganter, das Porträt Kaiser Ferdinands III. natürlicher. Auf der Rückseite steht der Adler nun in einer doppelten Umschrift, die außen den Stadtnamen nennt, innen bis 1648 den Spruch DA PACEM DOMINE (Gib Frieden, Herr), nach 1648 DOMINE CONSERVA NOS IN PACE (Herr, erhalte uns im Frieden). Dieses Talerbild kommt zuletzt 1688 vor. Von den meisten dieser Talerstempel sind auch Doppeltaler im Gewicht von etwa 58 g geprägt worden, teilweise auch "Klippen" in eckiger Form. Außerordentlich selten sind die Vierteltaler von 1634, 1637 und 1646, die das Talerbild verkleinert zeigen und entsprechend ihrem Wert auch nur knapp 7 g wiegen. Auch sie entsprechen der Reichswährung.
Nach eigentlicher Dortmunder Landeswährung, bei der 52 Stüber auf den Taler angerechnet wurden, sind ab 1631 die kleineren Werte ausgebracht worden. Der ältere Stüber von 1631 zeigt tatsächlich die Wertzahl 52 in einem Reichsapfel, auf der anderen Seite den Adler (Typ 172). Dieser komplizierte Wert, der auf die Grundzahl 13 zurückgeht, paßte jedoch in kein anderes Münzsystem, außerdem konnte die Bezeichnung "Stüber" Anlaß zur Verwechslung mit den besseren Stübern anderer Landschaften geben. So wurden die Dortmunder Stüber ab 1631 in "Schilling" umgetauft, und dieser Wert ist in den Jahren 1631-1656 denn auch deutlich auf den Münzen angegeben. Wir kennen ferner den 1/2 Stüber oder besser 1/2 Schilling mit der Wertangabe VI Pfennig, freilich nur von 1631, von 1651 und ohne Jahreszahl. Aus der gleichen Zeit stammen Dortmunder silberne 3-Pfennig-Stücke im Wert eines Viertelstübers. Endlich sind noch 1/8 Schillinge, also im Werte von 1½ Pfennig, in Form kleiner einseitiger Silbermünzen mit dem Bild des Adlers geprägt worden.
Neben diese Münzen, die ganz aus der Dortmunder Währung heraus zu verstehen sind, trat seit 1632 im 1/16 Taler, dem "halben Blamüser", eine Münze, die sich kaum in der Rechnung von 52 Stübern auf den Taler unterbringen läßt. Ursprünglich sollte es ein 3-Stüber sein, aber17 ⅓ Stück auf den Taler war doch zu umständlich. Mit Erlaubnis des Niederrheinisch-Westfälischen Probationstages wurde dieser Münzwert nun etwas schwerer als 1/16 Taler ausgebracht und damit im Wert einer in Norddeutschland sehr beliebten Sorte, dem "Dütchen", angeglichen. Ähnlich wie die Taler zeigen die Dortmunder "halben Blamüser", bekannt aus der Zeit 1632-1658, auf der Vorderseite das Brustbild des Kaisers, darunter oder darüber deutlich die Wertzahl (16), auf der Rückseite den Adler.
Man kann für die Zeit 1631-1656 tatsächlich von dem Bemühen sprechen, in Dortmund ein wertbeständiges Geld auszugeben. Eine Störung trat erst ein, als in Lünen eine brandenburgische Münzstätte eingerichtet wurde, in der während der Jahre 1657-65 neben vollwertigen Dukaten und Talern Silbermünzen geprägt wurden, die der Dortmunder Währung angeglichen waren, aber doch zu empfindlichen Störungen führten. Gegenüber den unterwertigen Lünener Kleinsilbermünzen, die bald in Massen umliefen, konnten sich die Dortmunder halben Blamüser und Schillinge nicht halten. Man führte 1659 eine ganz neue Silbermünze ein, die besonders 1660 in großer Menge in den Verkehr gebracht wurde. Sie zeigt die ungewöhnliche Wertzahl 13 über dem Brustbild des Kaisers, auf der Rückseite den Adler (Typen 222-223). 13 läßt sich jedoch gut in das Dortmunder Rechnungssystem 1 Reichsadler = 52 Stüber einfügen. Die neue Münze hatte einen Wert von 4 Dortmunder Stübern. Zudem sicherte die Wertzahl 13 der neuen Münze möglicherweise den Umlauf im Essener Gebiet, wo man 26 Mark auf den Taler rechnete und die Dortmunder Münze als ein 2-Mark-Stück ansehen konnte. Die Rechnung ging aber doch nicht auf, denn der 1/13 Taler begegnete im Norden Dortmunds großen Schwierigkeiten. So rechnete man im Vest Recklinghausen 54 Schillinge auf den Taler, im Bistum Münster 28 Schillinge, in anderen westfälischen Gebieten 21 Schillinge oder 36 Mariengroschen auf den Taler. In diesem Gestrüpp komplizierter Rechnungsarten konnte sich der neue Dortmunder 1/13 Taler zu 4 Stübern doch nicht durchsetzen, und so blieb die Prägung auf die Jahre 1659 und 1660 beschränkt und wurde dann wieder eingestellt.
Für die nächste Zeit überschwemmte wieder fremdes unterwertiges Geld in Massen das Dortmunder und das märkische Gebiet. Um die alten Dortmunder und Lünener Schillinge und Halbschillinge besser von der unübersehbaren Masse fremden Geldes abzuheben, wurden sie 1671 in Lünen mit dem märkischen Wappen, dem Schachbalken, gegengestempelt. Es haben sich zahlreiche mit diesem Zeichen gegengestempelte Schillinge erhalten, auch einige derart gezeichnete Dortmunder 6-Pfennig-Stücke sind bekannt. In dieser Zeit, 1670-72, hat man in Dortmund noch einmal den Münzhammer in Tätigkeit gesetzt und mit Erlaubnis des Niederrheinisch-Westfälischen Kreistages ähnlich wie zahlreiche andere rheinisch-westfälische Münzstätten nochmals 1/16 Taler geprägt. Diese neuen 1/16 Taler weichen im Silber wie in der Größe erheblich von den Dortmunder 1/16 Talern der Jahre 1632-58 ab. Die alten Typen hatten einen Durchmesser von etwa 25 mm und waren aus einer Silberlegierung geprägt; die neuen 1/16 Taler1670-72 waren nur 21 mm im Durchmesser und bestanden aus Feinsilber (Typen 224-226). Sie waren nun fast wörtlich den norddeutschen 1/16 Talern, den Dütchen, angeglichen und liefen auch mit diesen zusammen um, wie der nach 1684 in Havekost (Kreis Lauenburg) vergrabene Münzfund zeigt, der unter seinen 2400 Münzen auch zwei Dortmunder "Dütchen" von 1670 und 1671 enthielt. Endlich hat Dortmund noch einmal 1676 eine Münze ausgegeben, deren Prägung nun aber doch an Betrug grenzt. Sie besteht aus reinem Kupfer und zeigt auf der einen Seite eine römische VIII, auf der anderen Seite den Adler (Typ 227). Damals liefen rheinische 8-Heller-Stücke oder "Fettmännchen" von gleicher Größe, gewöhnlich in schlechtem Silber, mit der Wertzahl VIII um; offensichtlich sollten die Dortmunder "Fettmännchen" in der Masse untergebracht werden. Sie sind sehr primitiv geprägt. Es haben sich nur 3 Exemplare erhalten.
Inzwischen war die deutsche Münzgeschichte in ein neues Stadium eingetreten. Die Reichsmünzordnungen des 16. Jahrhunderts hatten für die kleinen Silbermünzen unter Talergröße einen zu hohen Silberwert vorgeschrieben. Wer Kleinmünzen prägen wollte, mußte sie wesentlich geringer ausbringen, als das Gesetz es vorschrieb, oder ganz auf die Prägung verzichten. Taler allein konnten jedoch die Bedürfnisse des Kleinhandels nicht befriedigen, außerdem war bei den steigenden Silberpreisen auch deren Prägung nicht mehr einträglich. Deshalb schlossen Kur-Brandenburg und Kur-Sachsen 1667 im Kloster Zinna einen Vertrag, Kleinmünzen nach einer gemeinsamen Währung zu prägen, die freilich die Reichsgesetze unterschritt, aber doch bei der Bedeutung der beiden Staaten, denen sich später auch Braunschweig-Lüneburg anschloß, eine gewisse Reorganisation und Gesundung versprach. Die Hauptmünze wurde der 2/3 Taler, der "Gulden". Innerhalb weniger Jahre setzte er sich in weiten Teilen Deutschlands durch. Aber schon bald begannen kleinere Herren, auch ihrerseits den beliebten Gulden zu prägen, zumeist völlig unterwertig. So ist die Zeit 1667-1690, von vielen Kriegen erfüllt und damit besonders geldhungrig, von den Bemühungen der Kreisbehörden erfüllt, die Zinnaer Währung einzuhalten, aber 1690 mußten dann doch im Leipziger Vertrag neue Abmachungen getroffen werden. Hatte der Zinnaer Vertrag 1667 festgesetzt, daß 15¼ Gulden aus der Mark Silber (233,855 g) geprägt werden sollten, so einigte man sich in Leipzig auf 18 Gulden aus der Mark; es handelt sich um eine Verschlechterung von rund 18 %. In der Zwischenzeit hatte sich auch der Niederrheinisch-Westfälische Kreis bemüht, zur Erhaltung der Guldenwährung beizutragen. Einige seiner Münzstände haben 1688 und 1689 Gulden nach einem Kreisbeschluß geprägt, als der Münzfuß 16⅔ Gulden aus der Mark festgesetzt hatte. Jeder der damals geprägten Gulden mußte dem Kreiswardein, dem obersten Aufsichtsbeamten, zur Prüfung vorgelegt werden. Der Dortmunder Gulden von 1688, von dem sich nur 2 Exemplare erhalten haben, spiegelt diese Verhältnisse wider (Typ 221). Auf der Vorderseite zeigt er das Brustbild Kaiser Leopolds, dahinter ist ein kleiner, nachträglich eingeschlagener Stempel zu sehen. Er ist das Zeichen des Kreiswardeins Johann Post; deutlich erkennt man das westfälische Pferd und auf ihm die Initialen IP des Wardeins. Auf der Rückseite ist der Dortmunder Adler zu sehen, darunter das Wertzeichen 2/3 (2/3 Taler-Gulden), darüber das Zeichen des Münzmeisters Nikolaus Longerich, NL neben zwei gekreuzten Zainhaken. Der Dortmunder Versuch von 1688, in der Form dieses Guldens, der den Kreisvorschriften entsprach, wertbeständiges Geld in den Verkehr zu bringen, wurde dann bald durch höhere Mächte im Vertrag von Leipzig (1690) überholt.

1695-1742
Für die nächsten 60 Jahre hat Dortmund dann davon Abstand genommen, Kleingeld auszugeben. Man legte jedoch Wert darauf, das eigene Münzrecht bei Gelegenheit in Form von Dukaten und Talern zu manifestieren. Die Prägungen der Jahre 1695, 1698, 1705, 1717 und 1742 zählen zu den schönsten Münzen, die Dortmunder Münzmeister je geschaffen haben. In jedem Fall ist die Signatur des Münzmeisters angegeben: Nikolaus Longerich, Johann Adam Longerich, Leclerc, Johann Joseph Hermann, Gerhard Hüls. Die Prägungen von 1717 und 1742 geben sich deutlich als Huldigungsmünzen für neuerwählte Kaiser zu erkennen. Sicherlich sind sie nur in jeweils kleinen Auflagen geprägt worden und kommen deshalb heute so selten vor. Es handelt sich eben um reine Repräsentationsgepräge. Sie zeigen auf der Vorderseite jeweils den Kopf des Kaisers, auf der Rückseite den Adler. Ganz besonders gelungen ist das schöne Porträt Karls VII. auf dem Huldigungstaler von 1742 (Typ 236).

1752-1760
Den letzten Prägungen der Reichsstadt Dortmund, 1752-1760 vom Münzmeister Hermann Schwarze besorgt, kann der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß hier minderwertiges Geld in den Verkehr gebracht werden sollte. Die kupfernen Viertelstüber, außer dem Fettmännchen von 1676 die einzigen Kupfermünzen Dortmunds, waren freilich wohl in erster Linie für die Bedürfnisse der näheren Umgebung gedacht, aber ihr Bild (Wappen und Wert) erinnert doch an die gleichzeitigen rheinischen Viertelstüber. Gelegentlich begegnen sie mit einem Adler als nachträglichem Gegenstempel. Die Bedeutung dieses Gegenstempels ist noch unbekannt; wahrscheinlich ist er das Zeichen dafür, das diese Münzsorte einmal eingezogen und dann wieder in den Verkehr gebracht worden ist. Die Gegenstempelung muß jedoch noch um 1773 oder später erfolgt sein, wie ein versehentlich mit dem Dortmunder Adler gegengestempelter Frankfurter Heller von 1773 (Slg. H. Müller, Olsberg) zeigt.
Schlimm steht es um den inneren Wert der silbernen Münzen der Jahre 1754-59. Wir kennen 6-Pfennig-Stücke (Halbgroschen), 1/24 Taler (Groschen), 1/12 Taler (Doppelgroschen), 1/6 Taler und ein 4-Kreuzer-Stück. Sie alle sind weniger für den Münzumlauf in der engeren Heimat als vielmehr für den Absatz in Mitteldeutschland, besonders auf der Leipziger Messe, geschlagen worden. Aber die Dortmunder Silbermünzen waren so schlecht, daß sie vom vielen Kupfer rot wurden, bevor sie in Leipzig ausgegeben werden konnten.

Bereits 1754 wurden die Dortmunder Groschen und Halbgroschen vom Kurfürsten von Sachsen verboten. Da entschloß man sich 1757 in Dortmund, einen "Batzen", eine Münze zu 4 Kreuzern, zu prägen (Typ 238). Dieser Wert war in Westfalen völlig unbekannt, wo die süddeutschen Kreuzer und Batzen niemals heimisch geworden waren, aber man erhoffte sich einen guten Absatz auf der Leipziger Messe. Trotzdem blieb die Prägung auf das Jahr1757 beschränkt; es haben sich bisher auch nur 2 Exemplare nachweisen lassen. Zu den schlimmsten Folgerungen führte jedoch der 1/6 Taler von 1758, der sich in 7 Exemplaren erhalten hat. Wie die übrigen Dortmunder Silbermünzen seit 1756 sollte er in der Flut schlechten Kleinsilbergeldes untertauchen, die der Siebenjährige Krieg mit sich geführt hatte. Man war in Dortmund aber auch darin zu weit gegangen, ausgerechnet auf eine dieser unterwertigen Münzen, den 1/6 Taler, das Bild des Kaisers Franz zu setzen. Wenig später, am 29. Januar 1760, unterzeichnete gerade dieser Kaiser Franz eine Urkunde, in der die Stadt Dortmund beschuldigt wurde, eine Heckenmünzstätte errichtet zu haben. Die Dortmunder 1/6 Taler wurden im ganzen Reichsgebiet verboten. Mit einer unrühmlichen Begebenheit endet so die Münzgeschichte Dortmunds, die sich über einen Zeitraum von etwa 770 Jahren hinzieht. Der Dortmunder Raum wurde von nun an mit fremdem Geld versorgt. Seit 1815, als die Stadt an Preußen gekommen war, war preußisches Geld die legale Währung. Von 1837 an setzten dann die Bemühungen um die deutsche Münzeinheit ein, die aber erst 1871 mit der "Mark" erreicht wurde.



Berghaus Nr.      Titel in der Umschrift
1-5 / 6-9Kg. Otto III. 983-1002 / Ks. 996
10-18 / 19-21Kg. Heinrich II. 1002-24 / Ks. 1014
22-23 / 24-27Kg. Konrad II. 1024-39 / Ks. 1027
28-30 / 31-35Kg. Heinrich III. 1039-56 / Ks. 1046
36-46 / 47-52Kg. Heinrich IV. 1056-84 / Ks. 1084
53-56ohne erkennbaren Titel
- / 57-61Kg. Heinrich V. 1106-25 / Ks. 1111
62-63Kg. Philipp von Schwaben 1198-1208
64-68Kg. Otto IV. 1198-1218, Ks. 1209
69-74Kg. Friedrich II. 1212-50, Ks. 1220
75-76Kg. Wilhelm von Holland 1247-56
77-80Kg. Richard von Cornwallis 1257-71
81-84Kg. Rudolf von Habsburg 1273-91
85Pfandschaft um 1266
86-87Pfandschaft um 1290
88Pfandschaft um 1300
89Pfandschaft um 1328
90Anonym um 1310-30
91-97Kg. Ludwig der Bayer 1314.47, Ks. 1328
98-99Kg. Karl IV. 1347-78, Ks. 1355
100-101Kg. Wenzel 1376-1419
102-108Kg. Sigismund 1419-37, Ks. 1433
109-115AKg. Friedrich III. 1440-1493, Ks. 1451
116-119Kg. Maximilian I. 1493-1519, Ks. 1508
120-125Anonyme Prägungen um 1430 - 1520
126-129Dortmunder Gegenstempel auf auswärtige Münzen des späten MAs
NEUZEIT
130-144Ks. Karl V. 1519-56
145-147Ks. Ferdinand I. 1556-64
148-152Ks. Maximilian II. 1564-76
-Ks. Rudolph II. 1576.1612 und Ks. Matthias 1612-19
153-178aKs. Ferdinand II. 1619-37
179-211Ks. Ferdinand III. 1637-57
212-231Ks. Leopold 1658-1705
232Ks. Joseph I. 1705-11
233-234Ks. Karl VI. 1711-40
235-236Ks. Karl VII. 1742-45
237-255Ks. Franz I. 1745-55



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