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Münzgeschichte Pommerns im Mittelalter

Hermann Dannenberg
Berlin 1893
und im Netz bei digitale-bibliothek-mv.de

ÜBERSICHT
Einleitung __ S.3
Die Funde __ 9
I. _ Funde Zeitraum 1170-1200. Denare __ 24
II. _ Funde Zeitraum 1200-1250. Brakteaten __ 37
III._ Funde Zeitraum 1250-1325. Kleine Brakteaten neben Denaren __ 46
IV. _ Münzen der Städte 1325-1524 __75
V. _ Münzen des Bistums Cammin 1325-1524 __ 116
VI. _ Münzen der Herzöge 1325-1524 __ 119
VII. _ Unbestimmte Münzen pommerscher Fabrik __ 148


Erklärung der Abkürzungen, Literatur __ 0
Vorwort __ 1
Einleitung __ 3
Die Funde __ 9
I. _ Funde, Zeitraum 1170-1200, Denare [4-25a] __ 24
II. _ Funde, Zeitraum 1200-1250, Brakteaten [26-53] __ 37
III._ Funde, Zeitraum 1250-1325, kleine Brakteaten neben Denaren __ 46
  • fürstlich [54-90] _ 46 / Anklam [91-99] _ 58 / Colberg [100-101a] _ 59
  • Demmin [102-110] _ 59 / Garz [111] _ 61 / Gollnow [112-113] _ 61
  • Greifswald [114-121] _ 61 / Pasewalk [122] _ 64 / Pyritz [123-127] _ 65
  • Stargard [128-131] _ 66 / Stettin [131a-142] _ 67 / Stralsund [143-154a] _ 68
  • Treptow a.d. Rega [155] _ 69 / Usedom [156] _ 70 / Wolgast [157-163] _ 70
  • Bistum Cammin [164-170] _ 71
  • Fürsten von Rügen [171-172] _ 73 / Herren von Gristow [173] _ 74
IV. _ Münzen der Städte 1325-1524 __ 75
  • Anklam [174-184a] _ 75 / Barth [-] _ 80 / Colberg [185-186c] _ 80
  • Cöslin [187-188] _ 82 / Damm [-] _ 83 / Demmin [189-198] _ 83
  • Garz a.d. O. [199-204d] _ 86 / Gollnow [205-208] _ 87
  • Greifswald [Witte: 209-212, Großpf.: 213-214] _ 88 / Gützkow _ 91
  • Massow [215-216] _ 91 / Pasewalk [217] _ 92 / Pyritz [218-232] _ 93
  • Rügenwalde [-] _ 95 / Stargard [233-245c] _ 95 / Stettin [246-257] _ 98
  • Stolp [258] _ 101
  • Stralsund [259-275, Hohlpf.: 276-285, Schillinge:286-297, 1/2 Schil.: 298-309] _ 102
  • Treptow a.d. Rega [310-313] _ 112 / Treptow a.d. Tollense [-] _ 113
  • Ueckermünde [-] _ 113 / Usedom [314-320] _ 113
  • Wolgast [321] _ 114 / Wollin [322-329] _ 115
V. _ Münzen des Bistums Cammin 1325-1524 [330-341] __ 116
VI. _ Münzen der Herzöge 1325-1524 [342-344a] __ 119
  A. Hezogtum Stettin __ 127
    • Svantibor III., 1368-1413 [345-350] _ 128
    • Otto II., 1413-1428 [351-351d] _ 130
    • Kasimir VI., 1413-1434, allein seit 1428 [352-353e] _ 130
    • Kasimir VI., 1428-1451, ohne sein Sohn Joachim [354-356] _ 131
  B. Hezogtum Wolgast __ 132
    • Ba. Hezogtum Wolgast im engeren Sinne [357-361] __ 132
    • Bb. Hezogtum Barth [362-367] __ 134
    • Bc. Hezogtum Stolp oder Wolgast jenseits der Swine:
      • Bogislaw IX. 1418-46 [368-370a] _ 136
      • Bogislaw X. 1474-1523, allein seit 1478 [Goldgulden: 371-373,
          Halbmarkstücke: 374-375, Schillinge: 376-412, Witten: 413-432] _ 137
      • Georg I. & Barnim XI. 1523-31 [Schillinge: 433-437, Witten: 438-450] __ 147
VII. _ Unbestimmte Münzen pommerscher Fabrik [451-480] __ 148-150

Inhalts-Verzeichnis
Schlusswort
Druckfehler u. Verbesserungen
Tafeln A - T [Funde]
Tafeln I bis XXVIII




AUSZÜGE , 1. Teil (ohne Stralsund)

IV. Münzen der Städte

Der vorige Abschnitt hat uns bis ans Ende des ersten Viertels des XIV. Jahrhunderts gebracht, bis zum Erlöschen des Rügischen Fürstenhauses in der Hauptlinie, 1325. Damals war ein Teil der immer mächtiger emporwachsenden Städte bereits im Besitz des Münzrechts und die übrigen erlangten es in kurzer Zeit, während die Macht der Herzöge immer mehr zusammenschrumpfte und demgemäss auch ihre Prägungen den städtischen gegenüber immer mehr in den Hintergrund traten. Schon aus diesem Grund empfiehlt es sich, die städtischen Münzen gesondert von den herzoglichen, und diesen, welche sich länger fortsetzten, vorangehend zu betrachten und die wenigen bischöflichen zwischen beide einzuschieben. Aber auch noch ein anderer Umstand rät uns, den bisherigen, von dem Äusseren der Münzen entnommenen Einteilugsgrund zu verlassen: die gößere Manigfaltigkeit der Münzsorten nämlich und die bald auftretenden ausführlichen und deutlichen Umschriften. Zunächst zwar setzte sich noch die Denarprägung, sogar mit Ausschluss anderer Münzsorten fort, wesentlich dargestellt durch den grossen Fund von Teschenbusch (S.18), dessen Hauptinhalt um die Mitte des XIV. Jahrhunderts anzusetzen ist, bald aber treten den Denaren ihre Vierfachen, die Witten, hinzu, denen sich dann andere grössere zweiseitige Schriftmünzen, die "grossen Pfennige" oder Sechslinge anschliessen, während die Pfennige, vielfach in der Gestalt von Hohlpfennigen in den Städten des Wittensystems die Rolle der Scheidemünze übernehmen, hier wie in den nur Pfennige prägenden Orten immer mehr an Feingehalt abnehmend. Um die Mitte des XV. Jahrhunderts taucht dann, aber nur in den nahe beieinander gelegenen Städten Garz, Gollnow, Pyritz, Stargard und Stettin, eine neue Art besserer zweiseitiger Münzen, die Vierchen (quadrini) auf. - Von den Bischöfen haben wir lediglich zweiseitige Pfennige. - Die Herzöge in ihrem durch die vielen Teilungen noch mehr geschmälerten Besitz folgen dem Vorgang der Städte, haben aber seit Einführung der Witten fast allein diese Münzart neben einigen wenigen Grosspfennigen und Denaren, wenn nicht etwa daneben hohle Pfennige mit dem Greifen geschlagen, bis Bogislaw X, nachdem er ganz Pommern in seiner Hand vereinige, das Münzwesen gründlich umgestaltete und neben den landesherrlichen nur noch die Stralsunder Münzen duldete.


Anklam

Unterhalb des uralten slavischen Fleckens Groswin siedelten sich auf einer wahrscheinlich schon früher bewohnten Stätte in der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts Deutsche an, deren Niederlassung, Tanglim später Anklam genannt, besonders vom Herzog Wartislaw IV begünstigt bald zu grossem Wohlstand gelangte und ein wichtiges Mitglied der Hansa wurde. Als Münzstätte haben wir sie bereits oben S.58 kennen gelernt, jedoch vorerst nur als herzogliche, da sie erst 1325 gemeinschaftlich mit Greifswald von diesem Herzog das Münzrecht erkaufte, in demselben Jahr, in welchem auch Hamburg den Grafen von Holstein ihr letztes Anrecht auf deren dortige Münzen abkaufte, und Rostock sowie Stralsund das Münzrecht käuflich an sich brachten. Dem Vertrag von 1325 gemäss sollten aus 1 Mark 864 Pfennige (4½ Zählmark) geprägt werden. Etwa um diese Zeit traten Lübeck, Hamburg, Rostock, Wismar und Lüneburg zu dem sogenannten wendischen Münzvereine zusammen, nachdem sie wahrscheinlich auch früher schon auf Beobachtung gleichförmiger Grundsätze im Münzwesen hingewirkt hatten, wozu sie als bedeutende Handelsplätze sich vorzugsweise aufgefordert fühlen mussten. Diesem Bunde schlossen sich zeitweilig auch andere Städte an, unter ihnen Anklam. Im Jahr 1395 errichtete Anklam mit Greifswald und Stralsund einen Vertrag, nach welchem "grosse Pfennige" 144 aus der 12lötigen Mark sowie kleine Pfennige 7½lötig geprägt werden sollten. Dann vereinigte sich die Stadt 1403 mit denselben Städten und Rostock über Prägungen auf Rostocker Fuss, also 3 Pfennige gleich 2 Pfennigen Lübisch, so dass, wie Grautoft (hist. Schr. 1II 157) sagt, die Vierpfennigstücke (Witten) dieser vereinigten Städte in Lübeck und Hamburg für 3 Pfennige genommen wurden. Zufolge Vertrages von 1428 zwischen Herzog Kasimir VI. von Stettin, Wartislaw IX. und Barnim VIII. von Wolgast und den Städten Anklam, Demmin, Greifswald, Stettin und Stralsund sollten die Herzöge Sechspfennigstücke und die Städte einen "grossen Pfennig" schlagen gleich 12 kleinen Sundischen Pfennigen gleich 2 witten (weissen) Stettiner Pfennigen, 106 Stück zu 8¼ Lot fein auf die gewogene Mark; der rheinische Goldgulden wurde gleich 2 Mark 4 Schillingen Sundisch gesetzt. Endlich trat Anklam 1433 mit Demmin, Greifswald und Stralsund zu einem Münzvertrag zusammen, wie solche schon 1425 und 1435 bestanden hatten. (Siehe unten bei Stralsund.)

Anklam hat, wie nach Stavenhagen S.36 viele andere Einrichtungen, so auch das Wappenbild des Strahles, den es nebst dem Greifen in seinem kleinen Siegel führte, von dem mächtigeren Stralsund entlehnt. Daher schwebt, wie wir im vorigen Abschnitt gesehen haben, über seinen ältesten Gepräge aus der Zeit, wo Münzinschriften ungebräuchlich waren, ein Dunkel, das erst mit dem Erscheinen der Witten, also wohl nach der Mitte de XIV. Jahrhunderts sich aufhellt. Es wurden Witten und Grosspfennige geprägt, alle mit dem Stadtnamen in seiner ursprünglichen Form Tanglim oder ähnlich bezeichnet und mit einem Spruch, im Anfang dem benedictus Deus der Hamburger Münze, dann dem Stralsundischen Deus in nomine tuo (scil. salus).

Fangen wir mit den Witten, als den ältesten der hier in Betracht kommenden Gepräge an, so geht wo nicht im Alter, so doch jedenfalls an Seltenheit der folgende voran, der einzige, der statt des Stahles die Lilie trägt, vielleicht in Folge eines nicht auf uns gelangten Abkommens mit Demmin
_ 0,9 g.
174) *ИOnᗺTA⦂TAnGLIИ - Lilie, i. F. l. ein Punkt. Rs. ⦂DᗺVS⦂In nOИINᗺ·TVO - Lilie.

Die übrigen Witten haben übereinstimmend auf der Rückseite ein Kreuz, mit mannigfachen Abzeichen zur Unterscheidung der verschiedenen Prägungen, auf der Hauptseite aber anfangs den Strahl, dann ein Teil (die Schwiesower) den Greifen.

a. Witten mit Strahl, Rs. kurzem Kreuz.
_ 1,28 g.
175) ✚NOnᗺTA:TAnGLYN unter jedem der 3 Enden des Strahles ein Kügelchen. Rs. ✚BᗺnᗺDIᗭTVS:DᗺVS das Kreuz, in der Mitte von einem Kleekreuzchen durchbrochen.
_ 0,96 g.
175a) Ebenso, aber TANGLYM und im r. Oberwinkel ein Ringel.
175b) Ebenso, aber TAnKLYN _ 0,83 g.
_ 1,05 g.
176) (Lilie)MONᗺTA⦂TAnGLINЄ Strahl ohne Beizeichen. Rs: :DᗺVS⦂In⦂nONInᗺTVO Kreuz mit Lilie im r. Oberwinkel.

176a) Ebenso, jedoch ◦NOnᗺTA⦂TAnGLINᗺ _ 0,92 g.

176b) Ebenso, jedoch ⦂NOnᗺTA⦂TAnGLIN Rs. ⦂DᗺVS⦂In⦂nONInᗺ TVO Lilie im l. Unterwinkel (Remlin 41) _ Schwerin
_ 0,97 g.
176c) Desgleichen, aber ИOnᗺTA⦂TAnGLIИᗺ Rs. DᗺVS⦂In⦂nOИInᗺ TVO Lilie im r. Unterwinkel.
_ 0,89 g.
176d) Ebenso, aber ⦂ИOnᗺTA⦂TAnGLIИᗺ Rs. ⦂DᗺVS⦂In⦂noИInᗺ TVO halbe Lilie im r. Unterwinkel

Bei Schwiesow war ein ähnlicher mit der halben Lilie im r. Oberwinkel.
_ 0,87 g.
176e) Ebenso, aber ⦂ИonᗺTA⦂TAGLIИᗺn Rs. Lilie im l. Oberwinkel.
_ 0,73 g.
176f) Ebenso, aber ИOnᗺTA⦂TAnGLIИᗺ Rs. Halbe Lilie im l. Oberwinkel.
_ 0,9 g.
177) Ebenso, aber *ИOnᗺTA⦂TAnGLIИᗺ Punkt unter dem Strahl. Rs. ⦂DᗺVS⦂In⦂nOИInᗺTVO Kugel im r. Oberwinkel.
_ 0,98 g.
177a) Desgleichen, aber ИOnᗺTA⦂TAnGLIИᗺn Rs. Kugel im l. Oberwinkel.
_ 0,95 g.
177b) Ebenso, aber *ИOnᗺTA⦂TAnGLIИᗺ im Strahl ein Punkt. Rs. TV statt TVO und eine Kugel im r. Unterwinkel und l. Oberwinkel.
_ 0,92 g.
177c) Ebenso mit ⦂ИOnᗺTA⦂TAnGLIИ Rs. Kugel im r. Oberwinkel und l. Unterwinkel.

Wenn wir annehmen dürfen, dass Anklam wie im Übrigen so auch bezüglich der Gestaltung des Kreuzes sich nach Stralsund gerichtet hat, so gehören alle vorstehende Witten in die Zeit vor 1381, die folgenden No.178-178h in die Jahre 1387 bis 1389, die letzte aber (No.179). mit langem Kreuz, in die Zeit von 1410 ab.
_ 1,13 g.
178) X ИOnᗺTA•TAnKLYИ Strahl ohne Beizeichen. Rs. X DᗺVS:In:nOИInᗺ:ҰVO in der Mitte des Kreuzes ein Punkt in einem Kreis.
178a) Desgleichen, jedoch ⦂ИOnᗺTA⦂TAnGLIИ unter dem Strahl ein Ringel. Rs. ⦂DᗺVS⦂In⦂nOИInᗺ⦂TVO _ 1,01 g.
_ 0,94 g.
178b) Ebenso, aber ∵MOnETA⦂TAnGLIM Rs. ∵In◦nONIᙏE⦂TVO⦂DEVS
_ 0,9 g.
178c) Ebenso mit ⦂ИOnᗺTA⦂TAnGLIИS ein Punkt zwischen der linken und der mittleren Lilie des Strahles. Rs. ⦂DᗺVS⦂In⦂nOИInᗺ TVO.

Das sich weithin erstreckende Umlaufsgebiet dieser Münzen wird nicht nur durch ihr massenhaftes Auftreten im Fund von Arnsberg in Westfalen (S. 23), sondern auch durch die westfälischen Gegenstempel der folgenden 4 Stück der letzten Art belegt.

178d) Ebenso, aber ⦂ИOnᗺTA⦂TAnGLIИ Strahl ohne Beizeichen, mit aufgestempeltem Bremer Schlüssei. Rs. ⦂DᗺVS⦂In⦂noИInᗺ◦TVO
_ 0,97 g.
178e) Ebenso, aber ⦂MOnᗺTA⦂TAnGLIM, der Münstersche Schild als Gegenstempel. Rs. ⦂DᗺVS⦂In⦂nOИInᗺ TVO
_ 0,84 g.
178f) Ebenso, aber ⦂ИOnᗺTA⦂TAnKLYИ, mit aufgestempeltem Osnabrückschem Rad.
_ 1,05 g.
178g) Ebenso, aber ◦ИOnᗺTA◦TAnKLVИ, mit aufgestempeltem Ravensbergischem Schild. Rs. ⦂DᗺVS⦂In⦂nOИInE⦂TVO

Folgende Abart zeigt den Punkt noch von einem kleineren Kreise in dem grösseren umschlossen:
_ 0,82 g.
178h) Ebenso, aber ∵ИOnᗺTA⦂TAnGLIM Strahl, unter dessen Mittellinie ein Ringel. Rs. ⦂DᗺVS In nOИInᗺ⦂TVO.

Siehe übrigens den Witten ohne Stadtnamen No.260, der vielleicht hierher gehört.

b) Witten mit Strahl. Rs. durchgehendem Kreuze.
179) ИOnᗺTA TAnGL... Rs. In... DᗺVS im l. Oberwinkel und r. Unterwinkel ein Strahl. - Aus dem Schwiesewer Fund, Berl. Bl. I 297, V. Typus.

Ob diese Münzen alle der Lübischen Mark angehören, würde sich nur mittelst Durchschnittswägungen einer Anzahl guter Exemplare feststellen lassen; die folgenden aber des Schwiesower Fundes, mit verändertem Gepräge, sind nach Masch (Berl. Bl. I, 297) nach dem leichteren Fusse der slavischen Mark ausgebracht.

c. Witten mit linksgekehrtem Greifen. Rs. Kreuze.
_ 0,70 g.
180) .ИOnᗺTA⦂TAnGLIИ Rs. (*)DᗺVS In◦NOИInᗺTV Lilie i. r. Oberwinkel.
_ 0,9 g.
180a) Ebenso, aber ⦂ИOnᗺTA⦂TAnGLIИ Rs. DᗺVS In nOИInᗺTV Lilie im l. Oberwinkel.
180b) Ähnlich, aber statt der Lilie ein Ringel i. r. Oberwinkel. (Arnswalde I)

Die nun folgenelen Grosspfennige scheiden sich nach dem Gepräge in 2 Klassen, und die zweite, mit dem Greifen an Stelle des Kreuzes, vermöge der Umschriften in 3 Unterabteilungen.

a. Mit Strahl. Rs. Kreuz.
_ 2 g. Schwerin.
181) *ИOnETA⦂TAnGLIИE Rs. ⦂DEVS⦂In⦂nOИInE TVO in r. Unterwinkel eine halbe Lilie.

Diese durch ihr hohes Gewicht und ihre Grösse auffallende Art ist erst durch den Fuud von Remlin (in 1 Ex.) bekannt geworden.

b. Mit Strahl. Rs. Greif linkshin.
_ 1,44 g.
182) *DEVS⦂In⦂nOИInE⦂TV unter jeder Linie des Strahles ein Ringel. Rs. *ИOnETA·TAnGLIИ vor dem Greifen ein Ringel.
_ 1,41 g.
182a) Ebenso, aber (Dreiblatt)DEVS⦂In nOИInE◦TVO Rs. (Dreiblatt)ИOnETA⦂TAnGLIИ
_ 1,47 g.
182b) Ebenso, jedoch der Strahl (ohne die Ringel) von 2 Sternen begleitet. Rs. *ИOИET .. TAnGLLIИ Greif ohne Beizeichen.
_ 1,45 g.
182c) Ebenso, mit *DEVS⦂In⦂NoИInE⦂TV unter jeder Linie des Strahles ein Kreuzchen. Rs. *ИOnETA∵TAnGLIИ vor dem Greifen ein Kreuzchen.
_ 1,25 g.
183) *ᙏOnᗺTA⦂TAnᗭGLIИ Strahl ohne Abzeichen. Rs. ИOnᗺTA⦂TAnᗭGL ... vor dem Greifen ein Stern.
_ Schwerin. 1,5 g. (Remlin 38) Tf.VII, 183a.
183a) Ebenso, aber *ᙏOnᗺTA⦂TAnᗭGLIИ Rs. *ᙏOnᗺTA⦂TAnGLIИ
183b) Ebenso, aber *ᙏOnᗺTA⦂TAnGLIИ Rs. *ᙏOnᗺTA⦂TanGLIИ _ Schwerin. 1,45 g. - Fund v. Gr. Lantow No.2g.
183c) Ebenso, aber *ᙏOnᗺTA⦂TAnᗭGLIM⦂ Rs. *ᙏOnᗺA(sic!)⦂TAnᗭGLIИИ _ 1,25 g.
_ Stettin.
184) Ebenso, mit ᙏOnᗺTA·ᗭIVI ...Rs. *ᙏOnᗺ ...GLINN
_ Schwerin. 1,4 g.
184a) Desgleichen, mit ◦ᙏOnᗺTA◦ᗭIVI◦TAnGLIИ Rs. *ᙏOnᗺTA⦂TAnᗭGLIИ der Greif ohne den Stern.

Unverständlich ist die Bemerkung in Leitzmanns Wegweiser S.52, es gäbe Anklamsche Pfennige mit den Wappen von Stralsund und Demmin; wie sollte man solche beim Mangel einer Umschrift - denn die zweiseitigen wie einseitigen Pfennige sind doch immer stumm - als Anklamer erkennen? Es mögen die obigen Witten gemeint sein, obwohl sich das schwer mit dem vorangehenden Satze reimt, die Anklamschen Münzen beständen in Schillingen und Pfennigen mit dem Strahl als Wappen.


Demmin

Demmin bestand schon zur Zeit Adams von Bremen (1070). Otto von Bamberg besuchte den Ort auf seiner zweiten Bekehrungsreise 1147. Urkundlich wird er zuerst 1140 genannt, wo Innocenz II. dem Sprengel des pommerschen Bischofs auch die Burg Demmin zulegte. Die Herzöge Kasimir I., II. und Wartislaw III. hielten hier ihr Hoflager und nannten sich von der Burg duces Diminenses oder de Dimin. Schon 1249 war aber der slavische Burgflecken zu einer deutschen Stadt erhöht, denn er wird civitas Dymin genannt. Im Jahr 1283 nimmt die Stadt am Rostocker Landfrieden teil, und erscheint von da ab als Mitglied der Hansa. Noch ehe sie in der Landesteilung an Wolgast kam (1295) muss sie das Münzrecht erlangt haben, denn Bogislaw IV., Barnim II. und Otto I. führen es schon 1292 unter den anderen Privilegien auf, die sie ihr bestätigen. Erwähnung geschieht der Demminer Münze 1334 (225 Mark Demminer Pfennige), 1359 (300 Mark Demminer Münzen) u. s. w.,) also erst lange nach dem Auftreten der ersten oben unter No.9 und 10 beschriebenen Denare. Als Teilnehmerin an den Münzeinigungen von 1428 und 1433 ist uns Demmin schon oben S.76 vorgekommen.

Die Münzen der Stadt sind durchweg mit der Lilie versehen, die Kraatz S.114 als abgekürztes Stadtzeichen angibt, die Siegel weisen sie aber nicht nach, es sei denn als Krönung der beiden Türen [richtig: Türme] des ältesten Stadtsiegels Tf.XX. So ist sie uns schon oben auf Brakteaten (No.33-38, 102-110) und Denaren (No.72, 79) begegnet, und so finden wir sie auf nachstehenden Geprägen, von denen wir die Denare des Teschenbuscher Fundes wohl als die ältesten, den Brakteaten No.102 bis 110 sich anschliessenden anzusehen haben.

189) Lilie. _ Rs. Greif.

189a) Ebenso, doch ist der untere Teil der Lilie mehr ausgebildet.

Das Gewicht von 139 Stück dieser Münzen liefert einen Durchschnitt von 0,29 g. Nicht hierdurch, wohl aber durch ihren grösseren Feingehalt (0,603) unterscheiden sich diese Denare, die man ihres abgeriebenen Zustandes halber, in dem sie bei Teschenbusch vorkamen, in das zweite Viertel des XIV. Jahrhunderts wird setzen dürfen, von den folgenden etwa ein Jahrhundert späteren, die bei Arnswalde, Küstrin und Naseband angetroffen wurden; nach der mit einem Nasebander Exemplar angestellten Probe halten sie nur 0,157 fein, während allerdings das Gewicht im Durchschnitt von 10 sich auf 0,37 g. herausgestellt hat, also auf mehr als das jener älterer Arten.
_ Stettin.
190) Einseitiger Denar mit einer Lilie, deren obere und untere Hälfte gleichgeformt, die Blätter ausgezackt, i. Feld beiderseits ein Punkt.
_ Stettin.
191) Lilie von der Zeichnung der florentinischen, also mit Staubfäden und schraffiertem Mittelblatt. _ Rs. Greif l.

Vergröbert sehen wir dies Gepräge in folgender Art, wo von den Staubfäden nur noch die kugelförmigen Enden geblieben sind.

191a) Lilie, von 2 Kugeln begleitet. _ Rs. Greif l.

Etwas älter als diese jüngsten Denare und zum Teil in das vierte Viertel des XIV. Jahrhunderts hineinreichend sind die nachstehenden Schriftmünzen, welche deren Vielfache darstellen. Sie bestehen aus Witten und Grosspfennigen. Erstere haben alle das gleiche Gepräge: Lilie. _ Rs. Greif.
_ 0,9 g.
192) ⦂ИOnᗺTA⦂DᗺИInᗺnS - Lilie zwischen 2 Ringeln. _ Rs. ⦂ᗭIVlTAS⦂DVᗭ⦂WOLGA.

Ständen nicht die oben aufgeführten geschichtlichen Tatsachen im Wege, so könnte man sich versucht fühlen, diese Münze wegen des 'civitas duc Wolga' als landesherrliche zu betrachten: man sieht hier wieder, wie recht Masch hat, wenn er (Berl. BI. I 282) zunächst mit Bezug auf Mecklenburg äussert, die Frage, ob eine Münze landesherrlich oder städtisch sei, könne am Ende nur aus den Archiven beantwortet werden. Denn wie die Münzumschriften trügen, lehrt No.362, nicht einmal 'moneta civitatis Bart' bedeutet eine städtische Prägung.
_ 1,18 g.
193) *ИOnᗺTA⦂DᗺИInᗺnS Lilie ohne Beizeichen. Rs. *DᗺVS⦂In⦂nOИInᗺ◦T
_ Berlin. 0,69 g.
193a) ✼ИOnᗺTA⦂DeИInᗺnS _ Rs. ✼DᗺVS⦂In⦂nOИInᗺ TV. sonst wie vorher.
_ Tf.VIII, 194 [fehlt im Buch].
194) *DᗺVS•In nOИInᗺ⦂TV _ Rs. *ИOnᗺTA DᗺИIn sonst wie vorher.
_ 0,9 g.
195) *ᗭ[S?]IVITA ... SIS _ Rs. ИOTA DᗺИINᗺnᗭIS.

Meines Wissens aus dem Schwiesower Fund, bei dessen Beschreibung aber nicht berücksichtigt, vermutlich wegen ihres schlechten Zustandes, der nicht erkennen lässt, ob die Umschrift der Hs. das 'civitas duc. Wolga' von No.192 hat oder etwa, wie es fast scheint, 'civitas Deminensis' lautet. Auch der Stempelschnitt ist viel schlechter als sonst bei Demminer Münzen, und nicht ganz sicher, ob ᗭIVITA oder SIVITA zu lesen. Die Grosspfennige zeigen zweierlei Gepräge, und verbinden mit dem Stadtzeichen zuerst den Greifen, dann das Kreuz, die letztere Gattung scheidet sich vermöge der Umschrift wieder in zwei Arten.

a. Mit Lilie. _ Rs. Greif.
_ 1,18 g.
196) *ИOnᗺTA⦂DᗺИInᗺn _ Rs. *DᗺVS⦂In⦂nOИInᗺ⦂TV

b. Mit Lilie. _ Rs. Kreuz.
_ 1,28 g.
197) *ИOnᗺTA⦂DᗺИInᗺ⦂ _ Rs. ♣DᗺVS⦂In⦂nOИInᗺ◦TV i. r. Oberwinkel des Kreuzes eine Lilie.
_ 1,28 g. [♣ = Dreiblatt]
197a) Ebenso, aber Rs. ♣DᗺVS◦In nOИInᗺ◦TVO - i. r. Oberwinkel Lilie, i. l. Unterwinkel C.

Bezüglich der Schrifttrennungszeichen ist das vorliegende Exemplar nicht so deutlich als das folgende des Remliner Fundes.

197b) *ИOnᗺTA⦂DEИInᗺS _ Rs. DᗺVS⦂In⦂nOИInᗺ⦂TVO sonst wie vorher.
_ 1,91 g.
198) ✼ИOnᗺTA⦂DᗺИInᗺn' _ Rs. ✼ᗭIVITAS⦂DVᗭ'◦WOLGA Kreuz ohne Beizeichen.


Gollnow

Der Name findet sich zuerst 1220, indessen wohl nur den Landstrich bezeichnend, als "solitudo quae terminatur in Golinog". Als deutsche Stadt wird Gollnow 1266 oder 1268 von Barmin I. unter dem Namen Vredeheide angelegt (novella civitas Gollenog, quae nunc Vredeheide appellatur), ohne dass jedoch dieser Name in dauernden Gebrauch gekommen wäre. Seit 1295 gehört es zum Stettinischen Landesteil und wird 1368 als Mitglied der Hansa genannt. - Nicht das Sekretsiegel, Tf.XXI wohl aber ein anderes von Kraatz S.154 erwähntes, mit "zwei aufrechten mit den Rücken aneinandergestellten Halbmonden, begleitet von 4 Sternen" kennzeichnet die unter No.112, 113 beschriebenen Brakteaten und wohl auch die Denare No.89 und 90 ebenso wie die folgenden als Gollnower Gepräge. Die beiden nächsten Denare, welche uns Teschenbusch in leider wenig befriedigendem Zustande geliefert hat, werden an dem zweiten Viertel des XIV. Jahrhunderts sein.
_ 0,28 g.
205) Stehender Mann, umgeben von 4 Rosetten. _ Rs. Zwei Halbmonde, begleitet von 4 Rosetten.
_ Mittel von 10 = 0,26 g.
206) Gekrönter mit 2 (?) Schwertern, umgeben von 4 Kleekreuzchen. _ Rs. Zwei Halbmonde von 4 Sternen begleitet.

Hier ist das Stadtwappen, das wir bisher entweder nur durch die Monde allein dargestellt oder mit willkürlichen Nebenfiguren gesehen haben, voll entwickelt. So bleibt es auch im XV. Jahrhundert, wo dann weiter Denare erscheinen, geringhaltig, wie die Zeit es bedingt, mit dem Landeswappen des Greifen statt der Figur des Landesherrn, und mit dem ged. Stadtwappen also:
_ Mittel von 10 = 0,26 g.
207) Zwei Halbmonde, begleitet von 4 Sternen. _ Rs. Greif.

Mit Unrecht sieht Leitzmann (Wegweiser S.55) in dieser Münze einen Scherf aus dem Anfang des XIV. Jahrhunderts. Sie tritt in den älteren Funden·von Teschenbusch, Klötzin u. s. w. nicht auf, sondern erst bei Arnwalde, Küstrin, Naseband, Zezenow und Dölitz. Gleichzeitig oder noch später ist folgendes Vierchen:
_ 0,6 g.
208) Dasselbe Wappen. _ Rs. Greif mit einem Ringel unter demselben.

Übrigens sei auf sehr ähnliche brandenburgische Gepräge (Bahrfeldt 646-648, 707, 718) hingewiesen, vor deren Verwechslung mit unseren pommerschen gewarnt werden mag.


Greifswald

Schon früh wird die Salzquelle auf der Nordseite des Flusses Hilda erwähnt. Im Jahr 1207 schenkte Jaromar I. von Rügen den "locus salis" dem neugegründeten Kloster Hilda (später Eldena), welche Schenkung Herzog Kasimir II. von Pommern (um 1218) bestätigte. Zuerst 1248 wird in der Bestätigung der Besitzungen des Klosters durch Herzog Wartislaw III. das "oppidum Griphiswald" genannt, das er 1249 vom Kloster zu Lehn nimmt und im Jahr darauf unter Verleihung lübischen Rechts zur deutschen Stadt erhebt. Nunmehr entfaltet sich Greifswald zu schneller Blüte, seine Bedeutung wird u. a. bezeugt durch das Bündnis, das sie nebst Wartislaw III. mit Hakon IV. von Norwegen abschloss. Gleich nach dieses Herzogs Tode, noch im Jahr 1264 bestätigte sein Erbe Barnim I. die städtischen Gerechtsame und sicherte Beibehaltung der hergebrachten Münze zu. Seit der Teilung von 1295 gehörte die Stadt zum Herzogtum Wolgast. Wegen des Münzprivilegs von 1325 sei auf die betreffende Urkunde S.76 verwiesen. Denkwürdig ist das Jahr 1361 durch das Bündnis, welches die Hansestädte zu Greifswald gegen Waldemar III. von Dänemark abschlossen, und in münzgeschichtlicher Beziehung das Jahr 1389, in welchem Bogislaw VI. der Stadt des Recht erteilte, Pfennige zu schlagen wie die Städte Lübeck, Wismar, Rostock und Stralsund, nicht schlechter, bei Strafe des Verrufs; könnte die Stadt sich mit den übrigen Städten nicht vertragen, so sollte sie wenigstens gleiche Münze mit Stralsund schlagen. Ins Jahr 1395 fällt der oben S.76 a. E. angeführte Münzvertrag mit Anklam und Stralsund, 1425 der mit Rostock und Stralsund über Prägung von Söslingen, zu sechs kleinen lübischen Pfennigen, und 1428 der S.1361(!) abgedruckte fünfjährige mit den Herzögen sowie Anklam, Demmin, Stettin und Stralsund, der 1435 mit den drei pommerschen Vorderstädten Anklam, Demmin und Stettin erneuert wurde. Nehmen wir noch die Gründung der Universität 1455 hinzu, so haben wir das Wesentlichste aus der alten Stadtgeschichte. Es scheint, dass die S.61, 62 beschriebenen Kopfbrakteaten in hinreichender Menge ausgeprägt worden sind, um dem Geldbedarf bis zum Erscheinen der Witten, d. h. etwa bis zum letzten Viertel des XIV. Jahrhunderts zu genügen. Die Witten, ja die zweiseitigen Münzen überhaupt, zeigen, wie wir das in Pommern so häufig sehen, nicht das redende Stadtwappen, wie es auf dem prachtvollen Siegel mit dem Greifen über einem Bäumchen Tf.XXII erscheint, sondern eine Art Flaggenwappen, einen weissen Balken im roten Feld, dazu meistens das Landeswappen des Greifen. Eine Ausnahme wurde der Schwiesower Witte mit *ᗭIVITAS..YPWOLD Greif. Rs. *ИOnᗺTA..YPWOLD und Kreuz (Berl. Bl. 299 III Typ.) bilden, aber bei der Ansicht desselben im Museum zu Schwerin habe ich gefunden, dass es nur ein schlechtes Exemplar des bekannten Wolgaster Witten mit civitlls duc. Wolg. Rs. moneta duc. Wolg. No.358 ist, durch das Masch sich hat täuschen lassen.

Witten
_ 1,26 g.
209) +ИOnᗺTA:GRlPᗺSWOLT Greif. _ Rs. ஃDAஃLAVDᗺИஃDᗺO Balkenschild auf kurzem Kreuz

Schwiesow hat Exemplare mit GRIPᗺSWAL und GRIPᗺSWALT geliefert.
_ 0,78 g.
210) X ИOnᗺTA◦GRIPESWO Greif, unter ihm X _ Rs. + DA - LAV - DᗺN - DᗺO, derselbe Schild auf durchgehendem Kreuz, über dem Schild 2 Kreuzchen.
_ 0,78 g.
210a) Ebenso, aber ⦂ИOnᗺTA⦂GRlPᗺSWO, unter dem Greifen Ringel. _ Rs. *DA - LAV - DᗺИ - DᗺO, über und unter dem Schild je 2 Ringel.

Es gibt viele Abarten dieser häufigen Münze, unterschieden durch die Schrifttrennungszeichen, die Abkürzung des Stadtnamens und die Beizeichen beim Greifen sowie dem Schild; bei Schwiesow waren deren nicht weniger als 18. Nicht alle indessen sind sie genügend deutlich für eine zuverlässige Beschreibung. Auszeichnung aber verdienen die nachstehenden mit Gegenstempeln, wegen deren man die Anklamer No.178 u. folg, und den Stralsunder No.267b vergleichen möge.
_ Berlin, 0,8 g.
210b) Ebenso, aber ⨯ИOnᗺTA⦂GRlPᗺSWOL, Greif ohne Beizeichen. _ Rs. ⨯DA - LAV - DᗺИ - DᗺO, 2 Ringel über dem mit dem Münsterschen Balkenschild gestempelten Schild.
_ Berlin, 0,99 g.
210c) Ebenso, aber zu Anfang der Umschrift der Hs. 2 Ringel. Auf der Rs. ist der Ravensbergische Sparrenschild eingeschlagen.
_ Berlin. 0,78, 0,94 g.
210d) Ebenso, aber ⦂ИOnᗺTA⦂GRIPᗺSWO _ Rs. Kleeblatt statt des Kreuzchens und mit eingestempeltem Osnabrückschen Rad.

Auch von folgendem bereits S.62 berührten früher seltenen Witten waren bei Schwiesow 23 zum Teil verschiedene, aber wegen unvollkommener Ausprägung nicht beschreibbare Exemplare.
_ 0,6 g.
211) *ИOnᗺTA.GRIPᗺSW, gekrönter Kopf. _ Rs. *DA - LAV - DᗺИ - DᗺO, Balkenschild auf langem Kreuz.

Die folgende Münze ist mir nur durch Kretschmer's vortreffliche Zeichnung des Pogge'schen Exemplars bekannt, danach möchte ich vermuten, dass sie eher ein Dreiling (Dreipfennigstück) als ein Witte ist.
_ Pogge's Slg.
212) ஃИOnᗺTA⦂GRIPᗺSWOL Greifenschild. Rs. ஃDAஃLAVDᗺИஃDᗺO Balkenschild.

Es folgen die Großpfennige, die uns gleich den Witten in grosser Anzahl erhalten sind, sie haben sämtlich zum Gepräge den Greifen. Rs. den Balkenschild auf durchgehendem Kreuz.
_ 1,32 g.
213) *ИOnᗺTA GRDᗺSW⦂ vor dem Greifen * _ Rs. *DA - LAV - DᗺИ - DᗺO, über dem Schilde * *, unter demselben oo

213a) Ebenso, mit ஃИONᗺTA⦂GRIPᗺSW⦂ _ Rs. DA - LAV - DᗺИ - DᗺO
_ 1,33 g.
213b) Ebenso, aber ஃИOnETA·GRIPESWO _ Rs. ◦DA - LAV - DEИ - DEO
_ 1,95 g.
213c) Desgleichen, mit ⦂ИOnᗺTA·GRIPᗺSWO unter dem Greif o. _ Rs. ஃDA - LAV - DᗺИ - DᗺO über dem Schild 2 Ringel.

Als Teilstücke sind keine zweiseitige, sondern nur hohle Pfennige geprägt, wie nachstehender:
_ 0,17 g.
214) Kopf mit fünfzackiger Krone. Strahlenrand.

Die schlechte Zeichnung sowie das kupfrige Metall weisen diese Münze in die zweite Hälfte des XV. Jahrhunderts. Stark scheint übrigens ihre Ausprägung nicht gewesen zu sein.


Pyritz

Bei der Burg Pyritz taufte Bischof Otto die ersten Pommern (1124), was durch eine Medaille von 1824 verewigt ist. Urkundlich wird des Ortes zuerst 1140 gedacht. Im Jahr 1248 spricht Barnim I. schon von der "monetae civitatis nostrae Pyritz", überlässt 1265 dem Nonnenkloster bei Stettin "quatuor marcas denariorum in moneta nostra Pyritz percipiendas" und verleiht 1263 seiner deutschen Stadt Pyritz dasselbe Recht, welches Stettin hatte, also Magdeburgisches. Bei der Teilung von 1295 kam Pyritz an die Wolgaster Linie. Im Jahr 1326 bestätigten Otto I. und Barnim III. der Stadt das schon von Alters geübte Recht, Stettiner Pfennige zu prägen.

Auf die oben unter No.42-44, 66 und 123-127 aufgeführten ältesten Gepräge von Pyritz folgen Denare, wie solche bei Teschenbusch zahlreich, dann auch bei Klötzin vorgekommen sind. Es besteht nur bei vielen die Schwierigkeit zu entscheiden, ob auf ihnen eine Rose oder ein Stern dargestellt ist, man sieht, wie die Blätter der ursprüglichen Rose immer länger und magerer werden, die Blume sich zu einem kolbenförmigen Stern ausdehnt und die sechs Blätter eine zackige Form annehmen, wie sie der Rose nicht zukommt. Bei diesem Gebilde scheint Stargarder Einfluss bemerkbar.
_ 0,23 g, 0,28 g, 0,29 g.
218) Sechsblättrige Rose. Rs. Grosses A.

Die folgende Münze mit ganz gleicher Hs. erlaubt nicht, die vorliegende anders als in Pommern und mithin in Pyritz unterzubringen, das A der Rs. findet dann allerdings schwerlich eine Erklärung, für die ich freilich auch anderweit keine Möglichkeit sehe; anzunehmen, dass man auch in Pommern einmal wie anderwärts Buchstaben zur Bezeichnung von Jahrgängen gewählt habe, wäre doch allzu bedenklich.
_ Mittel von 56 = 0,29 g.
219) Dieselbe Rose. Rs. Greif.
_ 0,27 g. 0,35 g.
220) Desgleichen, aber der Greif rechtshin.
_ 0,32 g.
221) Dieselbe Rose auf beiden Seiten.

Eine Merkwürdigkeit wie der obige Denar Barnims I. No.61a.
_ Mittel von sehr vielen Exemplaren 0,29 g.
222) Rose von mehr sternartiger Form mit 6 langen kolbenförmigen Blättern. Rs. Greif, l.
_ Mittel von 220 = 0,29 g.
223) Blume, deren 6 Blätter in 3 Lappen auslaufen. Rs. Greif.

Erst nach langer Zwischenzeit, etwa 1450 folgen wieder Denare, zuerst aus den Funden von Doelitz und Naseband, während die beiden Arnswalder, sowie die von Küstrin und Zezenow, welche ungefähr 10-20 Jahre älter sein mögen, kein einziges Exemplar dieser so häufigen Münze gebracht haben. In diese Lücke fällt aber der nachstehende seltene Grosspfennig, zu dem uns, wie zu dem Garzer No.200 die entsprechenden Witten bis jetzt fehlen.
_ 1,45 g.
224) *:LAVDEm*DIC*DEO Greif. Rs. mOn - nOV - PIR - EZE: langes Kreuz mit einer Rose in jedem Winkel.

Nun die ged. Denare des XV. Jahrhunderts.
_ Mittel v. 11 = 0,28 g.
225) Rose von 6 herzförmigen Blättern. Rs. Greif.
_ 0,27 g.
226) Volle Rose mit 6 breiten Blättern. Rs. Greif.

Den Schluss machen die Vierchen in zahlreichen Verschiedenheiten, von denen folgende als die hauptsächlichsten verzeichnet sein mögen.
_ 0,52 g.
227) ⚜◦mOnETA⚜nOVA Schild mit der Rose. Rs. Greif, umgeben von 3 Ringeln und einer kleinen Lilie.
_ 0,39 g.
228) Ebenso, aber ⚜mOnETA⚜nOVA◦ Rs. Greif von 4 Ringeln und einer kleinen Lilie umgeben.

Der Schlussbuchstab, im Werte eines M ist wohl nur ein Stempelfehler ebenso wie das n und dus V der beiden folgenden Vierchen:
_ Berlin.
228a) ⚜◦mOnETA◦nOVA◦n Rs. Greif, mit 1 grossen, 4 kleineren Ringeln und einer kleinen Lilie i. F. Übrigens wie vorher.
_ Berlin.,
229) ·mOnETA·nOVAV Rs. Greif, über dem ein Ringel.
_ Berlin.
230) ⚜mOnETA·nOVA·PI Rose im Schild. Rs. Greif, unter demselben 2 Ringel in Form einer 8, hinter ihm ein kleinerer.
_ 0,48 g.
231) Ähnlich mit ◦mOnETA◦nOVA◦PIP Rs. Greif, von 4 Ringeln und einer Lilie umgeben.
_ 0,45 g.
232) Desgl. mit ◦mOnETA◦nOVA◦PIRI Rs. Greif, mit 3 Ringeln und einer Lilie i. F.

Auch PIR und PIPI kommen vor.


Stettin

Stettin war unbestritten Landeshauptstadt schon als Otto von Bamberg hier Kirchen zu Ehren der Apostel Peter und Paul und des heiligen Adalbert gründete (1124). Die Jacobikirche wurde 1187 gestiftet. Barnim I. verlegte sein Hoflager hiierher und nannte sich daher dux de Stettin, im Gegensatz zu seinem Vetter Wartislaw, dem dux de Demin, Er machte 1248 Stettin zur deutschen Stadt, nahm aber nun, nach Zerstörung des alten Castrum, seinen Sitz in dem benachbarten Damm. - Stettiner Münze wird 1240, 1243, 1253 und öfter erwähnt. Wann das Münzrecht auf die Stadt übergegangen ist, wissen wir nicht, wohl aber, dass sie es 1334 zurückerhalten hat. Otto I. versprach 1315 der Stadt, in anderen Münzstätten des Landes nur Stettiner Pfennige zu schlagen. Im Jahr 1345 verkaufte ihr Barnim III. den Zoll und die Münze daselbst und 1397 verliehen ihr Svantibor und Bogislaw VII. das Recht, "witte Penninge" zu münzen und von jeder Mark Silber 3 Loth als Kosten abzurechnen. Weiter genehmigte Svantibor 1408 die Prägung von Pfennigen zu 4 Vinkenogen. Des Münzvertrages von 1428 ist bereits oben bei Anklam, Demmin und Greifswald Erwähnung geschehen. Bogislaw X. entzog 1491 der Stadt das Münzrecht wegen Missbrauchs und liess hier die stattliche Reihe von Münzen prägen, von denen unten die Rede sein wird.

Über die guthaltigen Denare, welche den oben beschriebenen Brakteaten im XIV. Jahrhundert, folgen, hat der Fund von Teschenbusch (v. Sallet VI 109) mehr Licht verbreitet, denn er hat folgende beiden Seltenheiten zu Tage gefördert.

246) Greifenkopf rechtshin, umgeben von 3 Kugeln. Rs. Helm in einem mit 3 Türmen bewehrten Portal.

247) Ebenso, mit linksgewandtem Greifenkopf.

Diese Art war nur in 2, die vorige auffallenderweise in 8 Exemplaren vertreten. Alle 10 wogen 3,52 g, was ein Durchschnittsgewicht von 0,35 g ergibt.

Von der folgenden bisher nach Usedom verlegten Münze unterscheiden sich diese durch den Greifenkopf an Stelle des ganzen Tieres. Dass er hier nicht die Krone trägt, kann in so früher Zeit kein Bedenken erregen, um so weniger als auch das älteste Stettiner Schöffensiegel ihn so ungekrönt zeigt; auch sehen wir denselben ungekrönten Kopf am Sch!uss der Umschrift des Stettiner Sekrets. Tf.XXV, 3.
Mittel von 70 = 0,24 g. Feingehalt 0,485.
248) Ebenso, aber statt des Greifenkopfes der Greif.

Eine der häufigsten Münzen dieses Zeitalters, bei Teschenbusch in nicht weniger als 2350 Stück vertreten. Man hat sie früher, weshalb ist unbekannt, nach Usedom verlegt, mutmaßlich wegen des Helmes, da auch Usedom einen solchen im Siegel hat. Aber wenn man auch nicht viel Gewicht darauf legen mag, dass dieser von ganz anderer Gestalt ist, (s. Tf.XXVII), wie ist es wohl glaublich, dass Usedom zu dem gedachten Schatze mit 2350, die Landeshauptstadt dagegen nur mit 10 Stück beigetragen haben sollten? Es ist also wohl keine Frage, dass auch diese Münze gleich der vorigen in Stettin geprägt ist, sie vielleicht noch als herzogliche, die vorigen schon als städtische.

248a) Desgleichen, aber der Greif nach rechts gekehrt.

Bei Teschenbusch nur in 1 Exemplar vorhanden, während 2350 den Greif wie üblich nach links gewandt zeigten.

Nicht eben häufig ist der folgende Grosspfennig.
_ Berlin, 1,41 g. 1,33 g.
249) *mOnE*nOVA*STETIN gekrönter Greifenkopf l., hinter ihm ein Kreuzchen. Rs. *nOmInE*DOmI*AmEN Greif.

Ihm etwa gleichzeitig sind die nachstehenden Witten, der erste mit demselben Spruch, der andere mit dem Lüneburgischen sit laus Deo patri.
_ 0,68 g. Berlin 0,7 g. 0,61 g.
250) mOn-E CI-VIS-TET auf langem Kreuz Schild mit dem gekrönten Greifenkopf. Rs. wie vorhin, aber *nOmI DOmI AmEn
_ Berlin. 0,71 g.
250a) Ebenso, aber vor dem Greifenkopf ein Ringel. Rs. nO mI DOmI AmEN unter dem Greifen ein Ringel.
_ 0,65 g, 0,71 g, 0.71 g. Berlin. 0,63 g.
251) *SIT - LAVS DEO PATTI derselbe Schild auf kurzem Kreuz. Rs. NOn(ETA S)TETInES Greif.
Berlin. 0,64 g.
251a) ·SIT LAVS DEO:PATRI Rs. *NOnETA STETInEnS sonst wie vorher.

Bei Schwiesow (S.301 Typ I) mehrere Abarten.

Man sieht, dass diese Witten nur die Hälfte der Grosspfennige wiegen, während sie als Vierpfennige zwei Drittel dieser Sechslinge ausmachen sollten. Sie mögen also wohl nur als Dreier ausgebracht sein.
_ Schwiesow S.301, Typus II. - Schwerin.
252) NOnETA STETInEnS gekrönter Greifenkopf links. Rs. SIT LAVS DEO PATRI Kreuz (ohne den Schild).

Vermöge eines Schreib- oder eines Sehfehlers beschreibt Masch diesen Witten, allerdings nur durch Bezugnahme auf das demselben vorhergehende Stück, als mit dem Greifen bezeichnet.

Stärker war die Ausprägung der Denare des XV. Jahrhunderts.
_ 0,22 g. 0,31 g.
253) Gekrönter Greifenkopf links. Rs. Greif.

Zahlreich bei Arnswalde I und II, Küstrin, Zezenow, Dötitz u. s. w.

Der folgende, sonst nicht eben häufige, war bei Naseband in 50 Stücken vorhanden.
Durchschnitt von 10 = 0,248 g.
254) Gekrönter Greifenkopf links im Schild, umgeben von 3 Ringeln. Rs. Greif.

Häufiger noch sind die Vierchen, die zuerst bei Naseband und zahlreich bei Dölitz aufgetreten sind; ausweislich des Fundes von Seydel (s. S.23) haben sie sich bis etwa 1518 gehalten (708 Exempl.!). Ihr Feingehalt ist nach dem einzigen Exemplar von Naseband 0,14, das Gewicht 0,49 g.

255) S·T·E·T·I·n·m·O· gekrönter Greifenkopf links, vor ihm ein Punkt. Rs. Greif, hinter ihm ein kleiner, unter ihm ein grosser und ein kleiner Ringel.

Äusserst zahlreich, wie die massenhafte Ausprägung es bedingt, sind die Abarten; eine Zusammenstellung derselben hat Blaschke in Weyl's Berl. Münzbl. 1887 No.80 versucht. Hier nur folgende Proben:

255a) Ebenso, aber STETINmO der Punkt (oder Ringel) hinter dem Kopf.

255b) Ebenso, aber STETIn mOnET vor und hinter dem Greifenkopf ein Ringel.

Den Vierchen ungefähr gleichzeitig dürften die anscheinend noch viel schlechteren Hohlpfennige sein, sie sehen in oxyidiertem Zustand schwarz und gereinigt ganz kupfrig aus, zuerst habe ich sie bei Naseband und dann bei Dölitz angetroffen. Sie sind bei Weitem nicht so häufig als die Denare und Vierchen.
_ Mittel von 9 = 0,23g. Berlin. 0,35 g. 0,2 g.
256) Gekrönter Greifenkopf links, hinter demselben ein Stern.

256a) Ebenso, aber statt des Sternes ein Ringel.

Die Krone hat hier wie auf dem folgenden Stück eine absonderliche Form, gleich 3 Nadeln, wie auf dem Brakteaten No.134.

257) Gekrönter Greifenkopf links, vor demselben ein Kreuzchen. Stettin.


Weiter zur Fortsetzung: Stralsund

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