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Reichsstadt Herford

Herford liegt in Ost-Westfalen nahe Bielefeld an der Mündung von der Aa in die Werre und bedeutet "Furt an einer Heerstraße". Die dort um 820 gegründete Abtei erhielt 868 freie Äbtissinnenwahl und wurde 1147 reichsunmittelbar. Sie behielt ihre Unabhängigkeit bis 1803.
In der Nachbarschaft des Stiftes entwickelte sich die Siedlung Herford, die seit 1180 Stadtrecht besaß und später ebenfalls reichsunmittelbar wurde. Seit 1256 übernahm die Stadt den Schutz der Abtei. Von 1256 bis um 1530 bildeten Stadt und Abtei eine gemeinsame Regierung, was einmalig im Reich war. 1631 wurde in einem Prozess beim Reichskammergericht der Status einer Freien Reichsstadt wieder zugesprochen. 1652 besetzte Kur-Brandenburg die reichsfreie Stadt Herford und gliedert sie in Ravensberg ein.
Abtei und Stadt Herford prägten 1545-67 gemeinsam. Die Stadt prägte auch 1580-1670.

Wappen von Abtei und Stadt: roter Balken in silbernem Schild, wobei der Balken die Furt und die silberne Fläche das Wasser darstellen sollte.

Gemeinschaftsprägung von Abtei und Stadt 1545-67


Taler 1552.     Ø 39 mm.   Grote 41var; Dav.9263.
Vs.:   MONE·DOMI·ET·CIVI·HERVORD:   -   Quadriertes Wappen zwischen Jz. 15 -52.
Rs.:   .VICIT:LEO:DE TRIBV:IVDA·   "Es siegt der Löwe aus dem Stamm Juda" (Apokalypse 5, 5).
Steigender gekrö. Löwe (aus dem Stamm Juda?).
Der Löwe im quadriertem Wappen ist wohl Anna II. von Limburg (Äbtissin 1520-65) zuzuordnen.
Ähnliche Taler tragen Jahreszahlen ab 1545 bis 1552.


1/2 Taler 1552.     Ø mm, ca.14 g.   Grote 42.
MONE⁎DOMI⁎ET⁎CIVI⁎HERVO⁑   //   VICIT⁎LEO⁎DETRIBV⁎IVDAᏪ


Mariengroschen o. J. (vor 1557).     Ø 25 mm, 1,5 g.   Grote 47f.
Vs.:   *MONeta·DOMInorum·ET·CIVItatis·HERVordii   -   Quadriertes Wappen Löwe/Bilde, wie zuvor.
Rs.:   MARIA·MA - TEr·SALVAtoris·   -   Madonna in Flammenglorie.

Auf Anna von Limburg folgte Äbtissin Margaretha vn Lippe (1565-78).


Taler 1565.     Ø ca.39 mm.   Dav.9265.
Vs.:   ·:·MONE·NOVA·ABBATIS·ET·CIVI·HERVO   -   Quadriertes Wappen mit den Herforder Balken über Kreuz, der Lippischen Rose sowie einem Stern mit Schwalbe nach links (Wappen der zu Lippe gehörenden Grafschaften Schwalenberg und Sternberg).
Rs.:   SVB·VMBRA·ALARVM:TVARVM:PROtege·Nos   "Unter dem Schatten Deiner Flügel schütze uns"
Gekrönter Doppeladler.

Unter dem Vorwurf schlechtes Geldes zu prägen, wurde 1567 die weitere Ausmünzung untersagt.
Hiermit endete die Münzprägung des Stifts Herford.

Prägung der Stadt 1580-1646
In den Jahren 1580 und 1638-1646 prägte die Stadt ohne Beteiligung der Abtei.
Die Stadt liess sich 1637 vom Kaiser das ihr bis dahin nur in Gemeinschaft mit der Aebtissin zustehende Münzrecht als ausschliessliches bestätigen, und schlug sodann 1638, 1640 und 1646 Silber- und 1641 Goldmünzen. [Weingärtner]


Reichsgroschen 1638.     Ø 23 mm.   Grote 62.
Vs.:   *IMPERIALIS*HERVORDIA   -   Stadtwappen zwischen 5 Rosetten.
Rs.:   (Mz.) FERDIN:III·ROM·IMPER·S·A·   Titel Ks. Ferdinands III.
Reichsapfel mit blumigem Kreuz und Wertzahl 24 zwischen Jz. 16 - 38.
Die Wertzahl 24 zeigt an: 24 dieser Stücke gelten einen Taler.

Die Stadt versteht sich 1638 als Reichsstadt (obige Münze) und 1646 als Republik (folgende Münze).


Reichsgroschen 1646 (1/24 Taler).     Ø 23 mm.   Berghaus 32; Grote 62.
Vs.:   *MON·NOVA·REIP·HERVORD   -   Stadtwappen zwischen 2 Rosetten.
Rs.:   (Mz.) FERDIN:III·ROM·IMP·S·A·   Titel Ks. Ferdinands III.
Reichsapfel mit Büschel statt Kreuz, darin Wertzahl, Jz. 16 - 46.
Die Wertzahl 24 zeigt an: 24 dieser Stücke gelten einen Taler.

Kupfermünzen der Stadt Herford: 1580, 1636, 1670.
Die 1580 geschlagene grosse Kupfermünze mit der Wertangabe XII, also 1 Schilling, erachtet Grote für ein Münzzeichen, und für keine Courant-Münze, weil die Stadt damals keine Berechtigung hatte, sie zu schlagen.
Die Stücke von 1580 und 1636 sind sämmtlich mit Gegenstempel versehen, mehrfach derartig, dass eine völlige Entstellung der Münze stattfand; sie sind sämmtlich sehr selten. [Weingärtner]


Cu-12 Pfennig 1636.     Ø 22 mm.   Weingärtner 935, Grote 67.
Vs.:   CIVITAS·HERVORDIA·ANNO1636   -   Wappen zwischen zwei Punkten.
Rs.:   Im Innenkreis Wertzahl XII, umher Verzierung.


Cu-6 Pfennig 1636 mit Gegenstempel Stadtschild.     Ø 22 mm.   Weingärtner 936.
Vs.:   CIVITAS·HERVORDIA·1·6·3·6   -   Wappen zwischen zwei Punkten.
Rs.:   Im Innenkreis Wertzahl *VI*, umher Verzierung, Gegenstempel der Stadt.


Cu-6 Pfennig 1636 mit 2 Gegenstempeln: Stadtschild und Kurzepter.     Ø 22 mm, 1,95 g.
Grote 68; Weingärtner 936.

Vs.:   CIVITAS·HERVORDIA·1·6·3·6   -   Wappen zwischen zwei Punkten.
Rs.:   Im Innenkreis Wertzahl *VI*, umher Verzierung, zwei Gegenstempel.

Letzte Prägung der Stadt 1670-71
Kupfermünzen im Namen der Stadt, aber unter der Aufsicht der kurbrandenburgischen Regierung.


Cu-12 Pfennig 1670 (unter brandenburgischer Oberhoheit).     Ø 24 mm.   Weingärtner 940c.
Vs.:   STADT·HERVORDT  und Wertzahl ·XII·   -   Stadtwappen.
Rs.:  Im Innenkreis brandenburgischer Reichszepter zwischen Jz. 16 - 70; aussen lilienartige Schnörkel.


Cu-6 Pfennig 1670 (unter brandenburgischer Oberhoheit).     Ø 20 mm.   Weing.941e.
Vs.:   STADT·HERVORDT·(VI)   (Wertzahl VI)   -   Stadtwappen.
Rs.:  Im Innenkreis brandenburgischer Reichszepter zwischen Jz. 16 - 70; aussen lilienartige Schnörkel.

Lit. :
• Grote, H. :  Die Münzen von Herford,   in Münzstudien Bd.8, Leipzig 1877, S.343-420.
• Berghaus, P. :  Münzgeschichte Herfords,   Herford 1971.
• Hölscher, D. :  Eine Hohlmünze der Äbtissin Margarethe II. zur Lippe und eine verwandte Prägung
• Sparkasse Herford :  Herforder Geldgeschichte: Dokumentation zur Ausstellung in der Sparkasse Herford.
    152 S., 2009
• Weingärtner, J. :  Beschreibung der Kupfer-Münzen Westfalens nebst historischen Nachrichten.
    Paderborn 1872-1875, S.338-341 & 433 - auch im Netz.

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