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Stadt Erfurt

Erfurt liegt in Thüringen an einer Furt über die Erpf, jetzt Gera genannt. Erfurt bekam ein Kloster und eine königl. Pfalz, wurde im 8. Jh. mit dem Erzbistum Mainz vereinigt, war 1307-1807 Residenz eines Mainzer Weihbischofs, erfuhr im 14.-15. Jh. eine Blütezeit - u. A. durch Handel mit dem pflanzlichen Blau-Farbstoff Waid - , strebte zeitweise Reichsunmittelbarkeit an, geriet durch Schutzverträge unter Wettinischen Einfluß, wurde 1664 von Mainz zurückerobert und blieb samt Umland bis 1802 Bestandteil des Erzbistums Mainz, bevor es an Preußen fiel.

Wappen: auf rotem Grund ein silbernes, sechsspeichiges Rad, wobei zwei Speichen senkrecht stehen.
Auf Münzen, Denksteinen, in Druckwerken usw. ist das Rad als Stadtwappen um 1285 erstmals zu finden. Dieses Wappen ist dem des Erzbistums Mainz entlehnt, zu dem die Stadt gehörte.


Hohlpfennig o. J. (Freipfennig).     Ø 19 mm, 0,39 g.   Leitzmann 375.
+ MARTINI.   -   Sechsspeichiges Rad, darüber Inful, zur Seite zwei Krummstäbe.
Um 1120 überließ Erzbischof Adalbert I. seinen Lehnsleuten ihre Höfe aus dem Kirchenbesitz in Erbpacht. Dafür hatten sie und ihre Nachfahren jährlich einen Zins zu zahlen, den sog. Freizins, meist einen Pfennig. Ende des 13. Jh.s wurden die Pfennige immer geringhaltiger ausgeprägt. Der Zins musste dann mit eigens für diesen Zweck aus feinem Silber geschlagenen Pfennigen entrichtet werden. Dieser sog. "Freipfennig" musste dann für mehrere Pfennige in Usualmünze gekauft werden, um damit den Pachtzins zu entrichten.
Solche Freipfennige wurden sowohl von der Stadt Erfurt, wie auch vom Erzbistum in Heiligenstadt bis ins 17. Jahrhundert geprägt.


Hohlpfennig o. J. (Freipfennig).     Ø 17 mm, 0,43 g.   Leitzmann 379.
Zwei Halbräder, zwischen ihnen ein aufgerichteter Krummstab, hier ohne Umschrift.


Hohlpfennig o. J. (nach 1450).     Ø 18 mm, 0,38 g.   Leitzmann 390.
Umschrift:  ¤ ✠ ¤ ERFORD   -   Sechsspeichige Rad in einem Schild.


Groschen 1468.     Ø 28 mm, 2,80 g.   Leitzmann 395; Levinson I­115.
Vs.:  GROSSVS◦NOVVS◦ERFFORDENSIS◦  -  Stadtwappen im Vierpaß, in den Winkeln je ein Ringel.
Rs.:   ◦SANCTVS◦MARTINVS◦EPISCOPVS◦68◦   -   Der Stadtheilige St. Martin reitet n. rechts
und teilt mit dem vor ihm liegenden Bettler seinen Mantel, umher Vierpaß, in den Winkeln je ein Ringel.


Heller 1515.     Ø 13 mm, 0,16 g.   Leitzmann 439; Schulten 835.
Gespaltenes Schild: Erfurt (Rad) und Capellendorf (Pfähle), darüber Jz. I5.
Die Stadt Erfurt gelangte Mitte des 14.Jh.s in den Besitz der Herrschaft Capellendorf, die das Prägerecht besaß. Damit konnte die Stadt unabhängig vom Mainzer Erzbischof selbst prägen.


Einseitiger Pfennig o. J.     Ø 15 mm, 0,50 g.   Leitzmann 423?; Schulten 833.


Groschen 1525.     Ø 28 mm, 2,80 g.   Leitzmann 421.
Vs.:   GROSSVS◦NOVVS◦ERFFORDENSIS   -   Gespaltene Schild mit Pfähle (links) uns Rad (rechts).
Rs.:   ✶◦SOLI◦✶◦DEO◦✶◦GLORIA◦✶◦I525   "Gott allein die Ehre"
Lilienkreuz im doppellinigen Vierpass.


Hohlpfennig 1528.     Ø 19 mm, 0,41 g.   Leitzmann 388.
✶ M - AR - T - IN - I   -   Grosses achtspeichiges Rad, darunter sechsspeichiges Rad zwischen Jz. Z - 8 und gesteckte Krummstäbe, die seitlich und unten in die Umschrift reichen.


Dreier 1542.     Ø 17 mm.   Slg.Behr 144; Leitzmann 430.


Taler 1548.     Ø 39 mm, 28,7 g.   Leitzmann 435; Dav.9181.
Vs.:   ¤MON·REIPVBLICAE·CIVITATIS·ERFFVRDI
Behelmtes Stadtwappen von einem wilden Mann und einer wilden Frau gehalten.
Rs.:   DATE·CAESARIS·CAESARI·Et·QV·SVN·DEi·DEO
"Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist"
Vierfeldiges Wappen: Kapellendorf, Visselbach, Vippach, Vargula mit Mittelschild (Erfurt).
Erfurt prägte 1548 seine ersten Taler. Die Stadt hatte sich während des Schmalkaldischen Krieges neutral verhalten. Deshalb wurde sie von Kaiser Karl V. zu einem hohen Strafgeld verurteilt. Die Stadt wollte die 20.000 Gulden in eigener grossen Silbermünze bezahlen und sich dabei selbstbewusst zeigen: Auf der Vorderseite trat die Stadt als Republik auf, obwohl sie unter der Oberhoheit des Erzbistums Mainz stand. Mit der Umschrift der Rückseite bekundete man dem Kaiser Gehorsam in weltlichen Fragen, nicht aber in Glaubensfragen.
G. Behr identifiziertet zwei verschiedene Vorderseiten als Unterstempel und sechs verschiedene Rückseiten als Oberstempel, die sich schneller abnutzen. Die Stempel wurden in Braunschweig hergestellt und bis 1555 benutzt.


Kippertaler zu 24 Groschen 1622.     Ø 41 mm, 14,16 g.   Leitzmann 513; Dav.9181.
Vs.:   ¤ERFFORDTISCHE¤SONDERE¤STADTSORTT¤16ZZ   -   Stadtwappen im verzierten Oval.
Rs.:   ·GOTT·BESSERE·DIE (24&) LEVFTE·VND·ZEITEN   -   Verziertes, vierfeldiges Wappen (Besitzungen: Kapellendorf, Vippach, Vieselbach und Vargula) mit Mittelschild von Erfurt.


Groschen 1622 (1/24 Taler).     Ø 23 mm, ? g.   Leitzmann 517.
Vs.:   MON·ARG·CIVI ERFFORD 1·6·ZZ   -   Behelmtes Stadtwappen (5 Speichen)
zwischen zwei alchemistischen Zeichen, darüber Rad.

Rs.:   +NACH DEN ALTEN SCHROT.V.KORN   -   Stadtwappen (6 Speichen), darüber Wertzahl Z4.


Goldgulden 1632.     Ø 22 mm, 3,24 g.   Leitzmann -; Friedb.vgl.916.
Vs.:   MONETA·AVR·CIV - ITAT·ERFFORT· ¤   -   Verziertes, behelmtes Wappen von Erfurt,
zu den Seiten des Helms die geteilte Jahreszahl 16 - 3Z, oben Rad.

Rs.:   * * DATE·A CESARIS·CAESARI + ET· QVAE·DEI·DEO   -   Verziertes, ovales, vierfeldiges Wappen (Besitzungen: Kapellendorf, Vippach, Vieselbach und Vargula) mit Mittelschild von Erfurt.


Reichstaler 1633.     Ø 42 mm, 29,00 g.   Dav.5270.
Vs.:   ¤+MON·REIPVBLICAE·CIVITATIS·ERFFORDI
Behelmtes Stadtwappen, zu den Seiten Schildhalter, oben Rad zwischen der geteilten Jahreszahl 16 - 33.
Rs.:   Stadtansicht von Erfurt, Dom (links) und St. Severi (rechts); darüber der strahlende Name Jehovas zwischen zwei Engeln mit je einem Kreuz, umher ein Lorbeerkranz mit den vier erfurtischen Wappenschilden; über dem unteren Schild zwei chemische Zeichen.


1/2 Taler 1650.     Ø 33 mm.   Leitzmann 805.
auf das Dankfest anläßlich des Westfälischen Friedens.

Vs.:   SUPER HIS SERVATA QVIESCO  "Nachdem ich über diese erhalten worden bin, so ruhe ich"
Unter dem strahlenden Namen Jehovah (auf hebräisch) eine Hand aus den Wolken, welche
ein Palm- und Lorbeerzweig umgebendes Rad hält.

Rs.:   DEO / OPT.MAX. / PRO INSTAURATA / TUM GERMANIÆ / TUM SUÆ CIVITATIS / PACE S.P.Q. ERFURTEN / SIS SOLENNE GRATIA / RUM MONIMENT / FIERI FECIT A°. / 1650. / 8.SEPT.    "Dem allerbesten und allergrößten Gott, für den sowohl in Deuschland, als in ihrer Städte,
wieder hergestellten Frieden, hat der Rat und die Gemeinde zu Erfurt dieses öffentliche Dank- und Denkmahl machen lassen, A.1650, den 8. Sept."

Lit. :
• Leitzmann, J. :  Das Münzwesen und die Münzen Erfurts, Weißensee 1862, Nachdr.1974.
      Im Netz: Bay.StaatsBibl., hier: Auszug
• Röblitz, G.:  Der Schmalkaldische Krieg 1546-47 und die erste Talerprägung von Erfurt 1548,
      Ges. Thüringer Münz- u. Medaillenkunde, Jb.6(1994)36-44.
• Behr, G.:  Die erste Talerprägung der Stadt Erfurt, wie vor, Jb.6(1994)45-54.

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