Am 13. Juli 1960 betrauerte die Bayerische Numismatische Gesellschaft e.V. mit dem Hinscheiden von Prof. Dr. Hans Gebhart den Verlust eines ihrer hervorragendsten Mitglieder. Die zehnte Wiederkehr seines Todestages soll nun als geeigneter Zeitpunkt benutzt werden, um seiner nochmals ausführlich zu gedenken. Insgesamt konnten über 50 Veröffentlichungen erfaßt werden, darunter mehrere Arbeiten von grundlegender Bedeutung und mit bleibendem Wert.
Hans Gebhart stammte aus München, wo er am 20. April 1900 geboren wurde. In seiner Jugend fühlte er sich stark von der Welt des Theaters angezogen und arbeitete in einem Jugendkreis am Aufbau eines privaten Marionettentheaters. Nach dem Abitur studierte Gebhart in München Geschichte, Literaturgeschichte, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft. Während seiner Studienzeit inszenierte er in studentischem Kreis nahezu sämtliche Einakter der klassischen Opernliteratur, einige Operetten und kleine Stücke (von Hans Sachs und Goldoni bis Kurt Goetz). Schon als Student befaßte er sich intensiv mit der deutschen Münzgeschichte und wählte als Thema seiner Dissertation an der Universität München die "Münzen der Stadt Donauwörth". 1923, nach seiner Promotion trat er unter Direktor Georg Habich als Praktikant in die Staatliche Münzsammlung München ein und wurde dort wissenschaftlicher Mitarbeiter von Heinrich Buchenau, der die Mittelaltermünzen des Münzkabinetts betreute. Im Jahr der Drucklegung seiner Doktorarbeit (1924) setzen auch weitere numismatische Veröffentlichungen ein. Es handelt sich dabei im wesentlichen um besonders detailierte und gründliche Fundanalysen, die weit über die bislang üblichen Fundbeschreibungen hinausgingen. Neben den rein deskriptiven und münzgeschichtlichen Arbeiten finden sich aber bald auch verschiedene Aufsätze über geschnittene Steine und die Medaillenkunst. 1925 erschien von ihm im Rahmen der vom Verlag Richard Carl Schmid & Co. herausgegebenen Bibliothek für Kunst- und Antiquitätensammler ein ausführliches Handbuch über "Gemmen und Kameen". In den Jahren 1927 bis 1930 arbeitete Gebhart intensiv an einem Manuskript Über die Kurpfälzische Münz- und Geldgeschichte der Neuzeit, das als Band 2 und 3 des seinerzeit von der Direktion der Staatlichen Münzsammlung München in Aussicht genommenen Pfälzer Münzwerkes vorgesehen war. 1930 lag das Manuskript nahezu druckreif vor, auch das Abbildungsmaterial stand in Form von Originalen und Gipsabgüssen aus ganz Deutschland weitgehend zur Verfügung. Dann waren jedoch keine Mittel zum Druck des Werkes vorhanden und im 2. Weltkrieg wurde das gesamte bereits gesammelte Abbildungsmaterial zerstört. Der Textteil konnte gerettet werden und wird heute in der Staatlichen Münzsammlung München aufbewahrt. 1928 wurde Gebhart zum Assistenten und 1931 zum Sachbearbeiter für das Gebiet Mittelalter in der Staatlichen Münzsammlung München ernannt. 1932 bis 1934 war er Mitarbeiter der von Max Bernhart herausgegebenen Internationalen Monatsschrift "Numismatic". 1933 wurde er zum Konservator befördert. Sein Ziel war in diesen Jahren eine Gesamtdarstellung des bayerischen Münzwesens, zu der ihm die verschiedenen Aufsätze und Münzgeschichten einzelner Gebiete wichtige Bausteine liefern sollten. Früh zeigte sich aber auch sein Interesse an der allgemeinen Geld- und Wirtschaftsgeschichte. Dies wird vor allem bei seiner Beschreibung des Fundes von Hersbruck (1936) deutlich, die als eine seiner bedeutendsten und bahnbrechenden Arbeiten gilt. Über die bislang bei Funden übliche deskriptive Tätigkeit hinaus, wertete er diesen Fund geld-, kunst- und kulturgeschichtlich aus. 1938 bis 1941 gehörte Gebhart der Schriftleitung des Deutschen Jahrbuches für Numismatik (Münz- und Medaillenkunde sowie Geldgeschichte) an. Außerdem war er seit 1938 an der Universität München Dozent für Münzkunde und Geldgeschichte. Er hielt Vorlesungen unter anderem zu folgenden Themenkreisen: Einführung in die Allgemeine Geldgeschichte, Systematik der Münzfunde, Deutsche Münzfunde. Der 2. Weltkrieg unterbrach jäh seine rege numismatische Tätigkeit und in den Jahren 1940 bis 1948 finden wir keine neuen Publikationen von ihm. 1944 ernannte ihn die Universität München zum außerplanmäßigen Professor für sein Fachgebiet. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Gebhart mit der Rückführung der ausgelagerten Bestände und dem Wiederaufbau der Staatlichen Münzsammlung in München betraut. Er übernahm die Leitung des Münzkabinetts und wurde am 17. Mai 1949 zum Direktor befördert. Die erste numismatische Nachkriegspublikation von Gebhart erschien 1949. Seine Arbeiten sind nun überwiegend der Münzund Geldgeschichte gewidmet, dabei bemühte er sich die Numismatik von einer bloßen Hilfswissenschaft zu einer eigenständigen wissenschaftlichen Disziplin zu erheben. Immer wieder legte er dar, daß gerade die Münzfunde mehr sind als eine bloße innere Fachangelegenheit der deskriptiven Numismatik und daß sie echte Geschichtsquellen darstellen. Zur Anregung der Studenten mit dieser wichtigen Materie verfaßte er sogar einen eigenen Studienführer zum Thema: Numismatik und Geldgeschichte (1949). Seit 1952 wurden dann seine Kräfte in immer stärkeren Maß von anderen Aufgaben beansprucht. So ließ er sich 1956 in den Münchner Stadtrat wählen um selber aktiv an der Kulturpolitik teilnehmen zu können. Außerdem widmete er sich intensiv der Rundfunk- und Fernsehprogrammgestaltung. Sein besonderes Interesse galt dabei dem Unterhaltungsprogramm von Niveau. Seine weit beachteten, geistvollen, sachlich fundierten Fernsehkritiken, die er in den "Fernsehinformationen" unter dem Pseudonym "Hage" erscheinen ließ, verschafften Hans Gebhart in der Fachwelt weit über die Bundesrepublik Deutschland hinaus, als Kritiker Rang und Ansehen. Ferner wirkte er als langjähriger Vorsitzender des Verbandes der Rundfunkhörer und Fernsehteilnehmer. Verständlich, daß er in diesen Jahren nur noch sehr wenig Zeit fand um eigene größere numismatische Publikationen zu verfassen. Selbst die Arbeit an seinem großen Pfalzwerk konnte er nicht mehr aufnehmen. Gebhart war jedoch von 1949 bis zu seinem Tod im Redaktionsausschuß des von der Bayerischen Numismatischen Gesellschaft e. V. herausgegebenen Jahrbuches für Numismatik und Geldgeschichte. Außerdem unterstützte er die Erfassung der römischen Fundmünzen in Bayern und gab zusammen mit Konrad Kraft den ersten Band des Sammelwerkes über die Fundmünzen der römischen Zeit in Deutschland heraus. Nicht zuletzt gehen auch die "Bayerischen Münzkataloge" (hrsg. vom Verlag Hugo Geiger, Grünwald bei München) auf seine Anregung mit zurück. Im November 1959 wurde Hans Gebhart unerwartet von einem Schlaganfall getroffen und starb nach sieben Monaten im Alter von 60 Jahren am 13. Juli 1960 in München. Größere Nekrologe: Numismatisches Nachrichtenblatt Jg.9, 1960, Nr.7 von Walter Hävernick Vereinszeitung des Akademischen Gesangverein München, Okt. 1960 von Ernst Wengenmayr Fernsehrundschau 1960 S.358 von Kurt Wagenführ Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte Bd.24, 1961, Heft 3 von Max Spindler Chronologisches Verzeichnis der Numismatischen Publikationen von
Hans Gebhart
1924 1. Die Münzen und Medaillen der Stadt Donauwörth. 2. Fund von Geschwendthannet bei Passau. 3. Brakteatenfund bei Blankenburg (B.-A. Wertingen). 4. Das Porträt auf Mittelaltermünzen. 1925 5. Goldguldenfund von Wiesenbronn (Bez.-Amt Kitzingen). 6. Zusammen mit Heinrich Buchenau. Fund Westenhausen bei Ingolstadt. 7. Fund von Ingolstadt 1924. 8. Gemmen und Kameen. 9. Kunz von der Rosen, Kaiser Maximilians "lustiger" Rat (mit Holzmodell einer Medaille). 1926 10. Zusammen mit Heinrich Buchenau. Münzfund von Kulmbach 1924. 1927 11. Fund Hochhaus. 1928 12. Fischdarstellungen auf Münzen. 13. Die Statthalterguldener Friedrichs II. von der Pfalz. 1930 14. Skizzen zur Medaillenkunst um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert. 15. Die deutsche zeitgenössische Medaille in Deutschland und Deutschösterreich. 16. Die Deutschen Münzen des Mittelalters und der Neuzeit. 1931 17. Die Staatliche Münzsammlung in München. 18. Reichsmünze und Kunst. 19. Der Schatzfund Wittislingen (B.-A. Dillingen). 1932 20. Die Münze als Kunstwerk. 21. Die vergessene Kunst des Steinschnitts. 22. Moderne Medaillen. 23. Der Münchener Medailleur Josef Bernhart. 24. Der Fund von Haugenried (B.-A. Regensburg). Ein Beitrag zur bayerischen Münzgeschichte der Staufenzeit. 25. Die oberdeutschen Gulden und die norddeutschen Münzreformen im 17. Jahrhundert. 1933 26. Die Münzgeschichte des Stiftes Kempten. 27. Georg Habich (Nekrolog). 28. Heinrich Moshage. 29. Abzeichen des Bayrischen Industriellenverbandes. 1934 30. Ehrenzeichen des Bayrischen Industriellenverbandes. 31. Deutsche Schaumünzen des 16.Jahrhunderts. 32. Künstlerfestzeichen. 33. Die Sparbüchse von Wemding. 1935 34. Medaillen- und Plakettenkunst. 35. Das spät mittelalterliche Goldgeld in Altbayern (bis 1450). Mit einem Anhang: Der Goldguldenfund von Landau a.d. Isar. 36. Beiträge zur Nürnberger Münz- und Geldgeschichte im 12. und 13 Jahrhundert (Fund von Watzendorf). 37. Der Goldmünzenfund von Wagneritz. 38. Alte und Neue Medaillenkunst. 1936 39. Geschichte im Münzbild. 40. Der Bildhauer Max Lange. 41. Der Münzfund von Hersbruck. 42. Fund Wulting, Bezirksamt Cham (Bayern), 1938 43. Münzfunde als Quellen der Wirtschafts- und Kulturgeschichte im 10. und 11. Jahrhundert. 1939 44. Die vier Laufer Münzfunde der Jahre 1935 und 1937. 1949 45. Die Staatliche Münzsammlung. 46. Numismatik und Geldgeschichte in Bayern. 47. Numismatik und Geldgeschichte. Ein Studienführer. 1950 50. Von der Numismatik zur Geldgeschichte. 1952 51. Numismatik und Geldgeschichte. 1953 52. Ein unbekannter Augsburger Königspfennig. 53. Münzsammlung - Geldmuseum - Geldgeschichtliches Institut. 1955 54. Geld und Wirtschaft im frühmittelalterlichen Bayern. 1956 55. Zusammen mit Konrad Kraft, Harald Küthmann, Peter R. Franke und Karl Christ: Bemerkungen zur kritischen Neuaufnahme der Fundmünzen der römischen Zeit in Deutschland. 1960 56. hrsg. zusammen mit Konrad Kraft: Die Fundmünzen der römischen Zeit in Deutschland. Manuskript 57. Kurpfälzische Münz- und Geldgeschichte der Neuzeit. |
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