Startseite Löser der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg TOUR :  Hzg. Heinrich Julius

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Herzog JULIUS, 1568-1589 Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel
und ab 1684 Fürst von Calenberg

Julius, geb. 1528 als jüngster Sohn von Heinrich d. J., wurde zum geistlichen Stand bestimmt, war Domherr in Köln und 1553/54 Administrator in Minden. Durch den Tod seiner beiden älteren Brüder in der bei Sievershausen 1553 gegen Albrecht Alcibiades gewonnenen Schlacht, fiel Julius plötzlich die Thronfolge zu. Doch seinem draufgängerischen erzkatholischen Vater missfiel die fehlende körperliche Tüchtigkeit, die intellektuelle Orientierung sowie die Neigung zum Protestantismus. 1558 floh Julius zu Johann von Küstrin, der seine Schwester Katharina zur Ehefrau hatte. Julius Heirat mit Hedwig, Tochtes des Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg, die Geburt des Sohnes Heinrich Julius sowie die Kaisertreue Julius versöhnten den alternden Heinrich mit seinem Sohn und Nachfolger.
Nach der Regierungsübernahme führte Julius die Reformation ein. Die Güter der aufgehobenen Klöster wurden einer besonderen Verwaltung unterstellt. 1571 gründete er das Pädagogium, das 1574 nach Helmstedt verlegt und 1576 zur Universität Juleum erweitert wurde.
1582 übernahm er gemeinsam mit Erich II. von Calenberg die Grafschaft Hoya westlich der Unterweser. 1584 erbt er die Länder Erichs. In enger Anlehnung an Habsburg weigerte sich Julius, an gegen den Kaiser gerichteten konfessionellen Bündnissen teilzunehmen. Im Sinne eines staatlichen Merkantilismus förderte er Bergbau- und Hüttenwesen im Harz und suchte die Stellung der Bauern zu verbessern. Julius hinterließ seinem Sohn ein blühendes schuldenfreies Land.

1574 begann Julius mit der Prägung ungewöhnlich grosser Silberstücke. In der Legende auf der Rückseite dieser "neuen Münze, geprägt nach des Reichs Schrot und Korn" nannte er sie "Julius-Löser".
Philipp Julius Rethmeyer propagierte Generationen später in seiner Braunschweig-Lüneburgische Chronica 1722 eine Deutung der Löser als Geldanlagemünze: Das Volk sollte Löser zur Vermögensbildung kaufen ('einlösen') und sie im Notfall dem Landesherren wieder zurücktauschen ('ablösen'). Doch Belege dafür fehlen. [siehe: Löser als finanzpolitisches Instrument und herrschaftlicher Selbstdarstellung im Auktionskatalog Künker]
Mit den Lösern wollte Julius wohl vermeiden, dass bei eigener wachsender Silberproduktion zu viel Geld im Land umlief und ins Ausland abwanderte. Die Löser schöpften den Silberüberschuss ab. Zuviel Geld im Umlauf hätte den Wert der Münzen geschmälert. [Leschhorn, S.136]


Löser zu 5 Talern 1574, Heinrichstadt (Wolfenbüttel).  Mit gepräger Wertzahl X.
Ø 73 mm, ca.3 mm dick, 129,14 g. (Gewicht von 4 1/2 Reichstalern)
Münzmeister Heinrich Veeber (in Heinrichstadt 1574-1585).   Dav. 3; Duve 1; Welter 551.

Vs.:   ✴VON·Gottes·Gnaden·IVLIVS·HERTZog·Zu·BRVNSWIG·Vnd·LVNEBVRG·GOTTES·VERSEHEN·MVS·GESCHEHEN
innere Schriftkreis ✴·O HER·BEHVT MIR·NICHT·MER·DAN·SEEL·LEIB·VNDT·EHR·
Behelmtes geharnischtes Hüftbild halbrechts, mit der Rechten eine Streitaxt schulternd, die Linke am Schwertgriff, zu den Seiten die Jz. I - 5 - 74.
Umher Kreis mit den sieben personifizierten 'Planeten' (oben, nach rechts: Sonne ☼, Mond ☾, Mars ♂, Merkur ☿, Saturn ♄, Venus ♀, Jupiter ♃)
sowie ein weiterer Kreis mit den 12 Sternzeichen (oben, nach links: Waage ♎, Skorpion ♏, Schütze ♐, Steinbock ♑, Wassermann ♒,
Fische ♓, Widder ♈, Stier ♉, Zwillinge ♊, Krebs ♋, Löwe ♌, Jungfrau ♍).

Rs.:   ✴·NEWE·MVNTZ·GEPREGE·ZV·HEINRICHSTADT·NACH·DES·REICHS·SCHROT·VND·KORN·GENANDT·
innere Schriftkreis ✴·BRVNSWIGS·IVLIVS·LOSER·AM·WERT·X·TALER·ALIIS·INSERVIENDO·CONSVMOR·
ALIIS INSERVIENDO CONSVMOR = "Im Dienste anderer verzehre ich mich".
Behelmtes, vierfeldiges Wappen, links wilder Mann mit Reichsapfel in der Rechten, darin die geprägte Wertzahl X,
rechts wilder Mann mit Licht in der Linken; umher Kreis mit sieben personifizierten Planeten sowie ein weiterer Kreis mit den 12 Sternzeichen -
genau wie auf der Vs. angeordnet.
Die Vs.-Legende "Gottes Versehen muss geschehen" bezieht sich auf die Tatsache, dass Julius "durch Gottes sonderbaren Schickung, wider seines Vaters Anschlage, seiner Feind Wunsch und aller Leute Meinung, ja wider seiner eigenen Vermutung, zur Landesregierung gelangte". [David Köhler, Hist. M.-Belust. 50, 12.1727, S.393ff]
Am 9.10.1574 wurden dem Herzog die ersten 20 Löser zu 10 Talern und 20 Lösern zu 5 Talern geliefert. Die Ausprägung erfolgte im Gewicht von 10, 9 sowie 5, 4½ und 2 Talern (Dav.1-4), alle mit der Wertangabe 10 Taler im Reichsapfel und in der Rs.-Umschrift. Für die nachträglich ausgegebenen leichteren Löser hat man die selben Stempel benutzt.
Das geharnischte Bildnis des Herzogs erscheint auch auf einem Taler von 1574. Der friedliche Fürst dürfte jedoch so eine Rüstung nie getragen haben.
Die ungewöhnliche Darstellung der Tierkreiszeichen und Planeten weist auf das astronomische Interesse des Herzogs hin. Koperikus' Werk über die Planetenbewegung war 31 Jahre zuvor erschienen.

Diese erste Löser-Serie wurde auch mit den Jahreszahlen 1576 (10 bis 2½ Taler, Dav.5-8) und 1578 (10 bis 3 Taler, Dav.9-11) ausgegeben, jetzt aber mit gepunzten Wertangaben.

Die nachfolgende Serie von 1583 verzichtet auf der Rückseite auf die Planeten- und Sternzeichen-Kreise zu gunsten eines grösseren Wappens, das jetzt 6 statt 4 Felder umfasst.


Löser zu 10 Talern 1583, Heinrichstadt (Wolfenbüttel).   Mit geprägter Wertzahl X.   Ø 72 mm, 292,47 g.
Münzmeister Heinrich Veeber (in Heinrichstadt 1574-1585).   Dav. 12; Duve 4; Welter 558.

Vs.:   Behelmtes und geharnischtes Hüftbild halbrechts, mit der Rechten eine Streitaxt schulternd, die Linke am Schwertgriff, zu den Seiten
die geteilte Jahreszahl 8 - 3, umher Kreis mit den sieben personifizierten Planeten (Sonne ☼ [4h] und Mond [9h] stehen sich hier gegenüber)
sowie ein weiterer Kreis mit den 12 Sternzeichen - wie vor aber anders angeordnet.

Rs.:   Dreifach behelmtes, sechsfeldiges Wappen, links wilder Mann mit Reichsapfel in der Rechten, darin die geprägte Wertzahl X,
rechts wilder Mann mit brennender Kerze in der Linken; umher zwei Schriftkreise:

*NEW·HRNRICHSTETI·MVNTZ·NACH·Des·Reichs·SCHRott·Vnd·KORN·GENAnt·BRVNSC ... HWEIGISCH·IVLIVS·LOESER·AM·WErt·X·THAler·...
Das Wappen erweitert sich von 4 auf 6 Felder: um die Gft. Hoya und der mit Hoya verbundenen Gft. Bruchhausen (siehe unten).
Die Serien von 1583 und 1585 umfassen Löser im Gewicht von 10, 5, und 3 Talern (Dav. 12-16).



Löser zu 3 Talern 1588, Heinrichstadt (Wolfenbüttel).   Mit Wertpunze 3.   Ø 71 mm, 86,22 g.
2. Typ. Münzmeister Heinrich Depsern.   Dav. 23 c; Duve 9; Welter 571.

Vs.:   .✴VON·G·GNAEDN·IVLIVS·HERTZOG·ZV·BRVN·V·LVNE·GOTTES·VERSHEVNG·MVS·GESCHEN
innere Schriftkreis:   ✴O✴HER✴BEHVET·MIR✴NICHT✴MHER✴DAN✴SEEL✴LEIB✴VND✴EEHR
Behelmtes und geharnischtes Hüftbild halbrechts, mit der Rechten die Streitaxt schulternd, die Linke am Schwertgriff,
zu den Seiten die geteilte Jahreszahl I5 - 88,
umher Kreis mit den sieben personifizierten Planeten (oben, n.r.: Sonne ☼, Mars ♂, Jupiter ♃ , Saturn ♄, Mond ☾, Merkur ☿, Venus ♀)
sowie ein weiterer Kreis mit den 12 Sternzeichen (oben, nach rechts drehend: Waage ♎, Skorpion ♏, Schütze ♐, Steinbock ♑,
Wassermann ♒, Fische ♓, Widder ♈, Stier ♉, Zwillinge ♊, Krebs ♋, Löwe ♌, Jungfrau ♍).

Rs.:   ✴NEW·HEINRICHSTET✴MVNTZ✴NA✴DES✴R✴SCHROT✴V·KOR·GENAN·BRAVNSCH
weiter im inneren Schriftkreis:   WEGISCH✴IVLIVS✴LOESER·AM·WERT 3(gepunzt) THALER·ALIIS·INSERVIE·CONSVM
ALIIS INSERVIE CONSVM = "Im Dienste anderer verzehre ich mich".
Dreifach behelmtes, sechsfeldiges Wappen, l. wilder Mann mit Reichsapfel (ohne Wertangabe) in der Rechten, r. wilder Mann mit Licht in der Linken.
Siehe Einzelheiten zum sechsfeldigen Wappen
Die letzte Serie der Julius-Löser wurde mit Jz. 1588 im Gewicht von 16, 10, 8, 5, 4, 3 und 2 Talern gefertigt (Dav.19-23A).
Die entsprechende Wertangabe wurde im inneren Schriftkreis der Rs. eingepunzt.
Der Schrötlingsriss verrät hier, dass beide Seiten dieses Stückes gleichgerichtet sind (Stempelstellung 12 h).

Vergleiche sein Bildnis mit der 4-zeiligen Schrift "V.G.G.I.H. / Z.B.V.L. / Seines alldtesz / 60 Jar 1590" [Wikipedia, ohne Quellenangabe].

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