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Herzog ERNST AUGUST, 1679-1698

Ernst August (*1629), der jüngste der 4 Söhne von Hzg. Georg, erhielt früh diverse kirchliche Ämter, die er im westfälischen Frieden verlor, um 1662 Fürstbischof von Osnabrück zu werden. 1679 erbte er Calenberg von seinem älteren Bruder Johann Friedrich. 1692 wurde er der erste "Kurfürst von Hannover", nachdem er die Primogenitur einführte. Sein Sohn Georg folgte ihm in Hannover und wurde 1714 Kg. von Grossbritanien.


Löser (1662) auf das geistliche Amt in Osnabrück  -   Löser (1679) auf das geistliche und weltliche Amt

Löser 1680 auf den Regierungsantritt   -   Löser 1680 mit dem Wilden Mann

Löser 1681, 1688 mit dem Welfenross   -   Löser 1685 aus der Ausbeute der Grube Lautenthals Glück


Löser (1662) auf das geistliche Amt in Osnabrück


Löser zu 4 Talern o. J. (1662).   Ohne Wertpunze.   Ø 75 mm.   Dav.230
Vs.:   ERNESTVS AVGVSRVS D G EPIS:OSNABRVG:DVX BRVN:ET LVNE:   und Wappen wie nachfolgendes Stück.
Rs.:   ·HOC AXE FELICIVS CVRRET.   "Durch Gottes Hand wird es besser umgewandelt"
Osnabrücker Wappen (Rad) wird am Band gehalten von einer Hand, die aus einer Wolke ragt. Dahinter Ansicht von Osnabrück.
Am 29.Sept.1679 hielt der Herzog den feierlichen Einzug in Osnabrück. Der westfälische Friede bestimmte, dass abwechselnd ein Katholik und
ein Prinz von Braunschweig und Lüneburg an die Spitze des Osnabrücker Bistums zu wählen sei.

Löser (1679) auf das geistliche und weltliche Amt des Herzogs


Löser zu 4 Talern o. J. (1679), Zellerfeld.   Ohne Wertpunze.   Ø 79 mm, 113,85 g.
Münz­meister vermutlich Heinrich Bonhorst.   Dav. 228 a; Duve 2; Welter Nachtrag 1885 B.

Vs.:   ERNESTVS AVGVSRVS D G EPIS:OSNABRVG:DVX BRVN:ET LVNE:
Fünffach behelmtes, 12feldiges Wappen mit Osnabrücker Mittelschild, dahinter Schwert u. Krummstab gekreuzt.
Rs.:   IVNGVNTVR·FELICITER·   "In Harmonie sind sie miteinander verbunden [Schwer & Krummstab]"
Stadtansicht von Osnabrück, darüber Schwert mit dem Braunschweiger Ross als Griff und
Bischofsstab mit dem Osnabrücker Rad in der Krümme über Kreuz gelegt.
Diese Löser 1625 sind im Gewicht von 5, 4 und 3 Talern geprägt worden (Dav.227-229).
Als vierter Sohn hatte Ernst August I. kaum Aussicht, den Thron seines Vaters zu besteigen. Deshalb war ihm die kirchliche Karriere vorbestimmt. Im Westfälischen Vertrag von 1648 als nächster Bischof von Osnabrück nominiert, wählte ihn das Osnabrücker Domkapitel nach dem Tod seines Vorgängers Franz Wilhelm im Jahr 1662 zum Bischof. Aus diesem Anlass dürfte der vorliegende Löser geprägt worden sein.

Löser (1680) auf den Regierungsantritt und die Huldigung


Löser zu 4 Talern 1680, Zellerfeld.   Mit Wertpunze.   Ø 68 mm, 103,95 g.
Münzmeister Rudolf Bornemann.   Dav. 231; Duve 3; Welter 1918.

Vs.:   ✥ERNESTUS AUGUSTUS D:G:EPISCOP:OSNABR:DUX BRUNS:&LUN
Geharnischtes Brustbild r. mit umgelegtem Mantel, unten die eingepunzte Wertzahl.
Rs.:   VARIIS IN MOTIBUS EADEM   "In den verschiedensten Regungen immer gleichbleibend"
Vor dem Meer mit einer Felsenküste steht das Osnabrücker Rad, das von einer aus Wolken kommenden Hand an einer Leine gehalten wird;
ein Kopf aus dieser Wolke bläst einem Segelschiff Wind zu, links Palme, oben strahlende Sonne.
Diese Löser 1680 sind im Gewicht von 4, 3 und 2 Talern geprägt worden (Dav.231-233).
Variis in Motibus Eadem, in verschiedenen Gemütsbewegungen der Gleiche, so lässt sich das Motto von Ernst August I. übersetzen, das er mit einem Emblem, einer Sinnzeichnung illustriert. Solche Embleme wurden von den Gebildeten des Barock gerne entworfen, um einerseits die eigene Bildung zu demonstrieren, andererseits dem Gegenüber die Möglichkeit zu geben, Bildung vorzuführen, indem man im Rahmen einer gelehrten Konversation eine Deutung des Entwurfs diskutierte. Doppeldeutigkeiten waren dabei durchaus beabsichtigt. Deshalb ist auch unsere Deutung nur eine von vielen möglichen: Das Rad des Schicksals von Ernst August (gleichzeitig das Wappen von Osnabrück) wird von Gottes Hand gehalten, gleich ob die Sonne darauf scheint oder es von dunklen Wolken bedrängt ist. Das Schiff dahinter steht für das Lebensschiff, das auf dem stürmischen Meer in Gefahr ist, an der Klippe zu scheitern. Die Dattelpalme galt im Barock als Sinnbild dafür, dass das Reich Gottes nur nach den Beschwernissen des weltlichen Lebens zu erreichen sei. Die süße Frucht könne man nur pflücken, indem man zuvor den harten Stamm hinauf­geklettert sei.

Löser 1680 mit dem Wilden Mann


Löser zu 1¼ Talern 1680, Zellerfeld.   Mit geprägter Wertzahl;.   Ø 61 mm, 36,32 g.
Münzmeister Rudolf Bornemann (R - B).   Dav. 235; Duve 4; Müseler 10.4.3/8; Welter 1927.

Vs.:   ERNEST AUGUSTUS D:G: - EPISC:OSN:DUX BR:E:LU:
Fünffach behelmtes, 12feldiges Wappen mit Osnabrücker Mittelschild. Mmz. R - B.
Rs.:   ·SOLA BONA QUÆ HONESTA 1680·   "Gut ist allein, was ehrenhaft ist"
Wilder Mann mit Baumstamm in der Rechten steht v. v. in Bergwerkslandschaft, unten Oval mit der geprägten Wertzahl.
Diese Löser 1680 sind im Gewicht von 3 und 1¼ Talern geprägt ausgegeben (Dav.234-235).
Diese Darstellung unterscheidet sich von den früheren Wilde Mann-Lösern vor allem durch eine Betonung der Wasserkunst mit einem großen Rad und dem Feldgestänge, das zu einem Göpel führt. Tatsächlich spielte die Gegend um Wildemann eine große Rolle für die Grubenentwässerung im Harz. Der gesamte Zellerfeder und Clausthaler Bergbau entwässerte bis 1799 seine Stollen nach Wildemann hin.

Löser 1681 und 1688 mit dem Welfenross und Bergwerksdarstellungen


Löser zu 3 Talern 1681, Zellerfeld.   Mit Wertpunze.   Ø 73 mm, 85,59 g.
Münzmeister Rudolf Bornemann (R - B).   Dav. 238; Duve 5 A; Müseler 10.4.3/11; Welter 1923.

Vs.:   SOLA BONA QUÆ HONESTA  |  ANNO - 1681
Gekröntes Monogramm "EA", umher Lorbeerkranz, umgeben von 14 kleinen, gekrönten Wappen auf Palmzweigen,
unten die eingepunzte Wertzahl und das Mmz. R - B.

Rs.:   Roß springt l., darüber hält eine aus Wolken kommende Hand einen Lorbeerkranz,
unten Bergwerkslandschaft und Grubenquerschnitt mit arbeitenden Bergmännern.
Diese Löser 1681 sind im Gewicht von 5, 4 und 3 Talern geprägt (Dav.236-238).
In kleineren Abmessungen wurden sie als 2½, 2 und 1½ Talern 1681 (Dav.A239-240) und 1688 (Dav.244-245) ausgegeben.

Löser 1685 aus der Ausbeute der Grube Lautenthals Glück


Löser zu 4 Talern 1685, Zellerfeld.   Mit Wertpunze.   Ø 73 mm, 101,96 g.
Ausbeute der Grube Lautenthals Glück.
Münzmeister Rudolf Bornemann (R - B).   Dav. 241 b; Duve 6; Müseler 10.4.3/18; Welter 1928.

Vs.:   SOLA BONA QUÆ HONESTA  |  ANNO - 1681
Fünffach behelmtes, 12feldiges Wappen mit Osnabrücker Mittel­schild, unten zu den Seiten die geteilte Jahreszahl 16 - 85, l. die eingepunzte Wertzahl.
Rs.:   Lautenspielerin steht halbr. auf Schnecke, im Hintergrund Stadtansicht von Lautenthal und Bergwerks­anlagen,
oben l. strahlende Sonne mit Gesicht, r. strahlender Name Jehovas.
Diese Löser 1685 sind im Gewicht von 4 und 3 Talern geprägt (Dav.241-242).
Die einträgliche große Sankt Jacobs-Grube, aus deren Silber bereits 1625 Löser geprägt worden waren (siehe Nrn. 41-49), hatte durch die Vernachlässigung nach dem 30jährigen Krieg erst Verluste eingefahren, um 1681 von ihren Gewerken ganz eingestellt zu werden. Hier griff das Bergamt ein, indem es unter dem Namen "Lautenthals Glück" eine neue, für ein ungewöhnlich großes Gebiet geltende Gewerkschaft gründete, für die pro Kux, also pro Anteil 90 Mariengulden Zubuße fällig sein sollte. Unter Zubuße versteht man einen Geldbetrag, der zum Betrieb eines Bergwerks entrichtet werden muss, und der erst dann rückerstattet wird, wenn das Bergwerk ertragreich arbeitet, also Ausbeute bringt.11.500 Mariengroschen Anfangskapital wurden für Lautenthals Glück bereitgestellt, und tatsächlich konnte bereits 1685 auf Anweisung des Bergamts die erste Ausbeute in Höhe von 2 Talern pro Kux ausgezahlt werden. Anlässlich dieser erfreulichen Entwicklung ließen Ernst August, Herzog von Braunschweig und Lüneburg, und Rudolf August von Braunschweig-Wolfenbüttel, die gemeinsam die Rechte über die Harz-Bergwerke und die Münzstätte Zellerfeld hielten, Ausbeutelöser prägen (siehe auch Nrn. 108-111). Man nutzte sogar dieselben Bildseiten-Stempel. Diese zeigen eine Lautenschlägerin in Anspielung auf den Namen der Grube, die auf einer Schnecke steht. Dabei ist die Schnecke - wie auf den Jakobslösern die Muschel - als Symbol dafür zu sehen, dass das Metall so schnell wachsen möge wie das Getier. Das Segel, das von der Laute zum Arm der Spielerin gespannt ist, ruft Assoziationen an Fortuna-Darstellungen wach. Im Hintergrund ist die Landschaft des Lautenthals zu sehen, links der Ort, rechts die Minenanlagen. Die Umschrift ist doppeldeutig. Auf der einen Seite kann man sie auf die Laute beziehen: Du, gütiger Gott, wirst endlich verlorenen Klang zurückgeben. Auf der anderen Seite sind wesentlich materiellere Güter gemeint: Du, gütiger Gott, wirst endlich das hinein geworfene Klingende (= die klingenden Münzen der Zubuße) zurückgeben.
Die Stücke wurden im Gewicht von 2, 3, 4 und 5 Talern ausgegeben, nicht nur im Jahr 1685, sondern auch zwischen 1711 und 1714, allerdings ohne die Stempel neu zu schneiden. Der Münzmeister Heinrich Horst punzte lediglich seine Initialen über die Initialen seines Vorgängers Rudolf Bornemann in die alten Stempel.

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