Startseite Prägungen der Stadt Köln TOUR: Zeitraum 1576-1637

Reichsstadt Köln im Zeitraum 1547 - 1576

Die rheinischen Kurfürsten waren traditionell Anhänger des Goldguldens. Dem in der Reichsmünzordnung von 1524 offiziell eingeführten Guldengroschen als Silberäquivalent des Goldguldens standen sie ablehnend gegenüber.
Als aber der Kölner Erzbischof Adolf von Schauenburg gleich nach seiner Wahl 1547 damit begann die ersten Taler zu prägen, schloss sich die Stadt mit eigenen Talerprägungen an. Bis dahin hatte von den rheinischen Kurfürsten nur Ludwig V. von der Pfalz 1525 Taler prägen lassen. Im rheinschen Münzverein musste er sich dafür rechtfertigen.

Der 1547 eingestellte Münzmeister Ludwig Gronwald sollte Taler nach folgendem Münzfuß prägen: 8 Stück aus der Kölner Mark, 10 ₰ 18 Grän fein [10/12+18/288 = 896‰], d.h. 29,23 g Rauhgewicht und 26,19 g Feingewicht. Das Rauhgewicht entspricht dem sächsische Münzfuß von 1534, die Feinheit ist jedoch um 2 Grän ermässigt. Die Einhaltung des vereinbarten Münzfuß war schwierig, da das Silber eingekauft werden mußte.
Die erste Serie Kölner Taler begann 1547 und reicht nur bis 1550.


Taler 1548.     Ø 40 mm, ca. 28,8 g.   Noss 117a; Dav.9151.
gut ausgeprägt, mit Doppelschlag in der Legende der Rückseite bei 6h.
Vs.:   ·MOneta·NOva·ARGEntea· - ·CIVitatis·COLOoniensis:I548
Stadtwappen im geschweiftem Schild, Helm mit feldfüllender Decke und hohem Helmzier mit 3 Kronen.
Das leere untere Feld ist gekörnt.

Rs.:   ·CAROLVS·V·ROManorum·IMPerator·SEMPer·AVGVSTus·
"Karl V., römischer Kaiser, immer erhaben" bzw. "..., Allzeit Mehrer des Reichs"
Gekrönter Doppeladler, darüber die Kaiserkrone.
Die Esslinger Reichsmünzordnung von 1524 bestimmte, dass die Rückseite den Titel des Kaisers und den doppelköpfigen Reichsadler zeigen sollte, während die Vorderseite den Münzherren kenntlich machen sollte. Fürsten hielten sich kaum an diese Vorschrift, Reichsstädte wie Köln aber gerne, um ihre Reichsunmittelbarkeit zu betonen. (Den Esslinger Münzfuß hielt niemand ein.)
Die Kaiserkrone besteht aus drei Teilen, dem Reif mit Lilienkranz, dem kaiserlichen Hochbügel (von der Stirn zum Nacken) und der Mitra (Symbol für das Gottesgnadentum). Näheres unter Ks. Ferdinand I..


Taler 1549.     Ø 40 mm, 28,7 g.   Noss 119, Dav.9151.
Vs.:   MOnetaᕀNOvaᕀARGEntea჻ ᕀ - ᕀ ჻CIVitatisᕀCOLOniensis⁑ I549
Stadtwappen im geschweiften Schild, Helm mit feldfüllender Decke,
Hut und hohem Helmzier mit 3 Kronen. Das leere untere Feld ist gekörnt.

Rs.:   ᕀCAROL9usᕀVᕀROManorumᕀIMPeratorᕀSEMPerᕀAVGVST9us


Mit gemeinsamen Mandat vom 28. Sept. 1549 wurde für Kurköln, Jülich-Kleve und die Stadt Köln neu festgelegt: 1 Goldgulden = 51 Albus, 1 Taler = 48 Albus, 1 Albus = 20 Heller [Noss, S.72]

Am 27. Mai 1551 wurden in Nürnberg alle im Reich kursierenden Münzen bewertet. Die nach sächsischem oder ähnlichem Fuß geprägten Kölner Taler von 1547-50 setzte man dabei auf 68 Kreuzer. Diese ungünstige Bewertung war wohl der Grund, weshalb Köln die kaum begonnene Prägung solcher Stücke wieder einstellte und 1551-1565 keine Münzen in den Verkehr brachte.

1553 setzte man am Rhein den Taler auf 49 Albus. [Noss, S.74]



Zur Zeit Ks. Maximilians II., 1564-1576.
Nach einer langen Pause folgte die Talerserie 1566-76.
 


3 Albus 1567.     Ø 25 mm, 2,7 g.   Noss 129.
Vs.:   ·MO·N·CIVI· - ·COLON I567
Unter Helm mit Zier und Decke geschweifter Stadtschild (unterer Abschluß aus drei Bogen,
der mittlere zugespitzt) mit drei hohen geraden Kronen und gekörntem unteren Feld.

Rs.:   ·MAXI·II·ROM·IMP·SEM·AV·
Gekrönter Doppeladler ohne Kopfscheine mit Reichsapfel auf der Brust.
Von diesem Stück wie auch von dem Drei-Schilling-Stück von 1567 (Noss 130) haben sich ungebrauchte Stempel im Stadtmuseum Köln erhalten. Es hat sich wohl schnell herausgestellt, daß der vorgesehene Münzfuß zu gut war; das Geld wäre wegen seinem hohen Feingehalt sofort aus dem Verkehr gebracht und eingeschmolzen worden.

Anders mit den vielen Talern, die zwischen 1568 und 1571 entstanden und in so vielen Varianten erhalten sind, dass es Noss schwerfiel, sie zu erfassen: "Die Beschreibung kann, abgesehen von den Umschriften, nur nach ganz zufälligen Merkmalen, wie innerer Kreis, Adlerschwanz und dergleichen vorgenommen werden." [Noss, S.83]

Städtische Akten vermerken die Prägung von ca. 280.000 Talern im Spitzenjahr 1569. Viele Stempel wurden dafür verbraucht. Noss unterscheidet für 1569 die Varianten Noss 142 bis 152, die wiederum in mehrere Untervarianten aufgeteilt sind. Eine passende genau zutreffende Bestimmung der Taler 1569 gelingt selten. Generell kann die exakte Zuordnung einer Münze mit seiner Noss-Nr. langwierig sein.

 


Taler 1569.     Ø 42 mm, 2,8,6 g.   Noss 144e; Dav.9155.
Vs.:   *MO*NO*A - RG◦ - ◦CI - V* - COLON
Stadtwappen im geschweiftem Schild (Kronen im Bogen angeordnet, unteres Feld gekörnt),
grosser Helm mit Ranken als Decke, Hut zwischen 15 - 69, Helmzier mit 3 Kronen, darüber Federschmuck.
Greif und Löwe (aus Platzgründen kurzschwanzig) halten den Helm mit ihren Fängen.
Die Komposition nutzt die Fläche ganz aus und ragt an 4 Stellen weit über den Innenkreis hinaus.

Rs.:   *MAXIMILIA*II*IMP* - *AVG*P*F*DECRETO*
P.F.: Permisit Fieri / Publicari Fecit (= "liess herstellen / erlaubte Herstellung") gemäss DECRETO (= Erlass)
Kaiserkrone, darunter Doppeladler ohne Nimben, Reichsapfel mit perlenbesetztem Reif,
Adlerschwanz mit abzweigenden kleinen Federn sowie abwärts gebogenen Ranken.

Die Umschriften werden eingegrenzt vom äußeren Perlkreis und vom inneren Perlkreis zwischen Fadenkreisen.
 
Das untere Feld im Stadtwappen ist ab 1572 nicht mehr gekörnt, sondern damasziert mit einer Ranke.


Taler 1572 mit Gegenstempel.     Ø 42 mm, 29,21 g.   Noss 172a; Dav.9155.
*MO*NO* - ◦ - AR◦ - ◦CI - C - OLON   //   ◦MAXIMILI◦II◦IMP - ◦AVG◦P◦F◦DECRETO
Dieser wenig später ausgegebene Taler unterscheidet sich in Details vom zuvor gezeigten Taler:
- Jahreszahl 1572 statt 1569
- in den Legenden: Abkürzungen und Sternform der Trennzeichen sind verändert
- der Adlerschwanz ist grob statt zierlich gestaltet
- Das leere untere Feld des Wappens ist jetzt mit Ranken gefüllt (Damaszierung).

Die Gegenstempelung machte aus der Kölner Münze eine holländische Münze.
Die im Konflikt mit Kg. Philipp II. stehenden Holländer erhoben 1573-74 eine besondere Kriegsabgabe: Im Inland umlaufende Münzen im Wert über 1/10 Taler mussten offiziell gegengestempelt sein. Die damit verbundene Gebühr von 1/8 des Münzwertes wurde als Aufwertung der gestempelten Münze honoriert, welche natürlich nur im Inland anerkannt wurde. Als Stempel diente hier der "Löwe im Oval mit Perlenrand", der auf der Vs. angebracht wurde. Auf der Rs. zeigt eine Abplattung im Bereich der Adlerhälse die Stelle der Vs.-Stempelung.

 


Taler 1576.     Ø 41 mm, 29,01 g.   Noss 185/184; Dav.9157.
·MO·NO·ARG·CI· - ·VI·COLON I576·   //   ·MAXIMIL - ·II·IMP - P·AVG - P·F·DECRET
 


Klippe zu 4 Goldgulden 1570.     25x25 mm, 13,14 g.   Noss vgl.155; Friedb.758a (Unikum).
Vs.:   ◦MONeta◦ - ◦AVRea◦ - ◦RENensis◦ - ◦1570◦
Das Stadtwappen im Vierpaß, in den Winkeln die Schilde von Mainz (Rad), Trier, Köln
und Pfalz (bayerische Rauten), oben über dem Vierpaß Wertzahl 4 eingepunzt.

Rs.:   ◦MAXI◦II◦ROM◦ - IMP◦SEM◦AVG◦
Kaiserkrone, darunter Doppeladler mit Reichsapfel.
Die Legende der Vs. weist auf den Rheinischen Münzverein hin. Der Prägeherr zeigt nur sein Wappen.
Es handelt sich um eine Prägung nach dem letzten kurrheinischen Münzvertrag von 1515.
Alfred Noss bemerkt folgendes zu den Kölner Klippen ab 1570 .
 


Heller o.J. (1568-71).     Ø 14 mm, 0,24 g.   Noss 169.
Einseitig und ohne Schrift. Im erhabenen Hohlring das Stadtwappen, unten leeres dreibogiges Feld,
oben drei hohe Kronen. Ringel über dem Wappen.
Das Ringel ist dasselbe, welches auf den Talern von 1568 bis 1571 zur Verwendung gekommen ist. Die Heller müssen in diese Zeit gehören, weil im folgenden Jahr bereits die untere Hälfte des Schildes damasziert wird.
Zum Jahre 1567 ist ein Münzfuß für Heller verzeichnet: 62 aus dem Lot 1½ ₰ fein (0,236 g rauh, 0,029 g fein), so daß deren sicher geprägt worden sein werden.   [Noss, S.99]


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