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Reichsstadt Köln: Sonderprägungen 1512-1531

Die zunehmende Ergiebigkeit örtlicher Silbergruben veranlasste die Ausprägung von Großsilbermünzen in Tirol (ab 1484), in Sachsen (ab 1500) und anderswo. Diese Silbermünzen im Wert eines rheinischen Goldguldens wurden Guldengroschen genannt.
Die rheinischen Kurfürsten verfügten über keine Silbergruben und hielten daher lange an ihren Goldgulden fest. Den ersten Guldengroschen in Silber liess Köln 1512 prägen. Er war für den Verkehr nach Nordwesten bestimmt. Die Prägung fand ausserhalb der Kontrolle des Münzvereins statt, wobei sich Köln auf eine Klausel des Vertrages vom 12. Mai 1511 berief, die den Herzog von Kleve zu solchen Prägungen berechtigte wegen der Nähe zu den Niederlanden. Die Stadt Köln machte das gleiche Recht geltend, da ihr Handelsverkehr nach Nordwesten kaum geringer war.

 


Guldengroschen 1512.     Ø 42 mm, 28,54 g.   Noss 63, Dav.9145.
mit dem 26-fachen Feingewicht des Raderalbus, um den Wert eines Goldgulden darzustellen.

Vs.:   ♣IASPAR◦MELCHIOR◦BALTASAR◦CIVITAS◦COLO
Die gekrönten heiligen Drei Könige in Zeittracht, jeder eine Fahne und ein Schild haltend.
In der Mitte das Stadtwappen mit 3 Kronen und 11 Funken.
Dahinter steht Caspar mit langem Bart; die Fahne in seiner rechten zeigt sein Wappen (7 Sterne).
Links steht Melchior (Mondsichel und Stern im Wappen),
rechts steht der bartlose Balthasar (Fahnenträger im Wappen).

Rs.:  ♣ADIVTORIVM◦ИOSTRVM◦In◦ИOmiИE◦DomiИI◦I5I2   "Unsere Hilfe besteht im Namen des Herrn"
In der Mitte die heilige Ursula mit Palmzweig und Pfeil in den Händen.
Vor ihr halten zwei Jungfrauen ihr Schild (12 Schwänzchen für die Bretagne, Ursulas Heimat).
Links von Ursula steht der gekrönte Prinz Ätherius mit Schwert und Schild (3 englische Leoparden),
rechts ein Ritter mit Fahne und Schild (Kreuz).
Noss kannte drei Exemplare in Silber (Museen Köln, Gotha, Berlin), ein 1½-faches Stück, sowie Goldabschläge (28,76 g und 14,20 g), weswegen er die Möglichkeit erwog, dass hier eine Goldmünze (1 und 2 niederländische Realen auf den Münzfuß von 1487) beabsichtigt war. Das könnte erklären, warum gleichzeitig die nachfolgende Silbermünze erschien.
 


Guldengroschen o. J. (um 1512).     Ø 42 mm, 28,72 g.   Noss 64, Dav.9146.
Vs.:   *GAVDE*FELIX*AGRI - PIИA*SanCtA'Q'ue*COLOИ'ia
"Frohe, glückliche, heilige Agrippina Colonia" = Anfang eines alten kölnischen Kirchenliedes
Stadtwappen in ausgeschweiftem Schild mit 16 Funken im unteren Feld; darüber ein Helm zwischen
Löwe und Greif als Halter; darüber ein federbestecktes Helmzier mit dem Kölner Wappen.
Das Ganze ragt oben und unten in die Umschrift.

Rs.:   *REX*IASPAR*MELCHIOR* - *bALTHASAR*
In der Mitte thront die Muttergottes mit dem Kinde vor einem gotischem Baldachin. Vor ihr kniet Kaspar
und reicht dem Kinde ein Gefäss voll Gold. Links steht Melchior, der mit der Rechten auf den Stern
über dem Baldachin weist. Rechts steht Balthasar mit quergehaltenem Schwert.
Noss kannte auch Silberstücke mit geringerem Gewicht sowie Goldabschläge. In der Umschrift fehlt der Stadtname als Münzherr. Daher handelt es sich vermutlich um Schaumünzen, die privat hergestellt wurden. Diese Stücke werden weder in Wardeinsbücher erwähnt noch bei Valvationen und Münzbüchern, die von Geldwechslern benutzt wurden. Sie waren also nicht für den Umlauf bestimmt.


Den heiligen Drei Königen wurden im Mittelalter Phantasiewappen zugeschrieben, aber ohne feste Zuordnung. So zeigt das 1459 datierte Wappenbuch Ingeram-Codex von Albrecht VI. von Österreich die selben Wappen (Bild aus Wikipedia), aber in einer Zuordnung, die abweicht von folgendem Guldengroschen von 1516, wie von Noss beschrieben.
 


Guldengroschen 1516.     Ø 45 mm, 28,62 g.   Noss 76, Dav.9148.
Dieses Stück ist im Bode-Museum auf der Museumsinsel in Berlin ausgestellt,
siehe auch den interaktiven Katalog des Münzkabinetts Berlin als Objekt Nr. 18200901

Vs.:   IASPAR - MELChiO - BALTAS'* - *A'*D'*1516
Die heiligen Drei Könige mit Lilienstäben und Geschenken in Händen:
Caspar steht hinter dem Stadtwappen, darüber in der Legende sein Wappen (7 Sterne),
links der bartlose Mohr Balthasar in hohen Stiefeln neben seinem Wappen (Fahnenträger),
rechts Melchior in Festkleidung neben seinem Wappen (Mondsichel und Stern).
Im Abschnitt:
*O*FELI*COLOn'*  "Oh glückliches Köln"
Rs.:   * - SAnGVIE - hI*ROSEO*REGnA*VICERE* - SVPE'nA'* *
"Mit ihrem rosenfarbenen Blut haben sie das Himmelreich gewonnen"
8 Personen auf einem Schiff in bewegten Wellen: In der Mitte steht die heilige Ursula,
die Hände sind gefaltet, in ihrer Brust steck ein Pfeil. Links neben ihr steht Prinz Ätherius mit Mütze.
Er drückt mit gekreuzten Händen einen Palmzweig an seine rechte Schulter. Rechts von Ursula steht vermutlich der heilige Cyriakus, fälschlich dargestellt als Papst mit dreistufiger Tiara und Doppelkreuzstab.
An beiden Rändern steht je eine Jungfrau aus Ursulas Gefolge, in der rückwärtigen Reihe stehen drei weitere Personen. Den Hintergrund bilden der vertäute Mast mit Korb und die Standarten von Ursula (bretonische Schwänzchen) und von Ätherius (englische Leoparden). Das Schiff ist geschmückt: am Rumpf (3 Leoparden zwischen zwei Sternen, darunter 2 Reihen Rosetten) sowie an Bug und Heck (Schwänzchen)
Vergleiche mit dem Exemplar von ANS und einem Exemplar in Gold, 14.36 g.
Mit "Oh glückliches Köln" ist Kölns Glück gemeint, drei Schutzheilige zu besitzen. Ein Münzherr, der den Münzwert garantiert, wird auf dem Stück nicht genannt. Somit war es auch nicht als Zahlungsmittel gedacht. Noss meint, sie seien nicht in einer professionellen Münzstätte entstanden.
Weitere Prägungen mit gröber nachgeschnittenen Stempeln sind undatiert und entstanden ca. 1610-1620 (Noss 77, grobe Punkte im Wappen) und noch gröber ca. 1620-1630 (Noss 78, 16 Funken im Wappen). Diese Prägungen wurden in den Büdchen um den Dom an die Pilger verkauft und werden "Dreikönigstaler" genannt, obwohl sie nie Zahlungsmittel waren.
 


Ursulamünze o. J.     Ø 30 mm, 14,55 g.   Noss 79.
Vs.:   +GAVDC*FOELIX*AGRIPIA*COLOnIA
das Stadtwappen mit geschnörkelten Funken auf einem Blumenkreuz, Sterne zwischen den Kreuzenden.
Rs.:   *SAnCTA*VRSVLA*CVM*SODALIBVS*   "Heilige Ursula mit Begleiter"
Die hl. Ursula steht mit weit geöffnetem Mantel, unter dem acht Jungfrauen sichtbar sind.
In beiden Händen hält die hl. Ursula einen Pfeil.
Dies ist ein vergröberter und vergrösserter Nachschnitt des Doppelguldens o. J., Noss 14.
Rührige Goldschmiede bedienten damit empfängliche Pilger. Erhalten haben sich wenige Stücke:
Noss konnte sie 1926 feststellen in Berlin, Köln, Petersburg, Wien und Zürich, zum Teil als
Klippe oder Goldabschlag.


"Am 5. Januar 1531 fand im Dom zu Köln die Krönung des Erzherzogs Ferdinand zum Römischen König statt. Sie hätte nach altem Brauch in Frankfurt vorgenommen werden müssen, allein dies erschien nicht mehr möglich, weil diese Stadt vom katholischen Bekenntnis abgefallen war. Zu der Gelegenheit ließ der Kölner Rat mehrere Gedenkstücke prägen, von denen sich eines erhalten hat." [Noss, S.62]
 

Vierfacher Guldengroschen 1531.     Ø 43 mm, 120,56 g.   Noss 104, Davenport A9149.
Vs.:   SVB VMBRA ALARVM TVARVM PROTEGE NOS
"Im Schatten deiner Flügel beschütze uns"
(wie auf Münzen der spanischen Katholischen Könige, die allerdings den nimbierte Adler des Evangelisten Johannes einbeziehen)
Doppeladler mit Stadtwappen auf der Brust. Über der Krone die Jz. 15 -31

Rs.:   REDDITE·CÆSARI·QVE·CÆSARIS·SVNT·DEO· - QVE·DEI·
"Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott was Gottes ist"
Kg. Ferdinand I. (?) steht gekrönt und geharnischt mit Mantel, den Reichsapfel in der Rechten und
ein Schwert in der Linken. Daneben ein großer Helm mit drei Kronen im Helmzier.
Auch dieses Stück gibt keinen Münzherren preis. Es handelt sich daher um eine Schauprägung.
Davenport kennt auch ein Stück im Gewicht eines Talers und hält den Abgebildeten für Ks. Karl V., der 1530 in Bologna zum Kaiser gekrönt wurde und in der Legende der Rückseite angesprochen wird.


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