Startseite Karl V. TOUR :  Albrecht, Erzbf. von Mainz

      Zeitgenossen im Heiligen Römischen Reich      

Hohenzollern in Brandenburg

Joachim I.,  Kurfürst von Brandenburg 1499-1535
Joachim II.,  Kurfürst von Brandenburg 1535-1571
Johann I.,  Markgraf von Brandenburg-Küstrin 1535-1571

weitere Hohenzollern


 

Joachim I., "Nestor",  Kurfürst von Brandenburg 1499-1535
auf Münzen
*1484. Joachim wurde 15-jährig der Nachfolger seines Vaters Kurfürst Johann Cicero. Er regierte zunächst zusammen mit seinem jüngeren Bruder Albrecht, der später Erzbischof und Kurfürst von Mainz wurde. Nach dem Tod Ks. Maximilians bewarb sich Joachim vergeblich um die Kaiserkrone und stimmte als letzter der Wahl Karls V. zu, womit er sich dessen Gunst verscherzte.
Der kaiserlich gesinnte Joachim war ein entschiedener Gegner der Reformation. Er unterstützte das Wormser Edikt Karls V. von 1521 mit der Ächtung Luthers und wurde dabei sogar handgreiflich gegenüber dem Kurfürsten von Sachsen. Seine Gemahlin Elisabeth von Dänemark, die sich zur Reformation bekannte, floh 1528 nach Sachsen. Joachim vertrat auf dem Augsburger Reichstag von 1530 eine extrem unnachgiebige antiprotestantische Haltung.
Joachim war hoch gebildet. Er eröffnete 1506 die Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, bekämpfte hart die Fehdelust und das Raubrittertum und reformierte das Gerichtswesen. Später legte man ihm den Beinamen "Nestor" zu.
Entgegen der "Dispositio Achillea" (1473) seines Großvaters ließ Joachim I. sein Erbe unter den beiden Söhnen teilen. Er verpflichtete sie außerdem auf die Beibehaltung der kath. Konfession, allerdings vergeblich.


Guldengroschen 1521, Frankfurt/Oder.     Ø 41 mm , 28,8 g.   Bahrfeldt 294 ; Dav.8945
Av.:   :IOACHIM:MARCHIO:BRANdenburgici:PRINceps:ELECTor:
"Joachim, Markgraf zu Brandenburg, Fürst und Kurfürst"
Brustbild im Kurornat (Kurhut und Hermelinmantel), das Kurzepter in der Rechten.

Rev.:   :MONEta:NOva:ARGENtea:PRINcipis:ELECToris:BRANDenburgici:
"Neue Silbermünze des Fürsten und Kurfürsten von Brandenburg"
Vierfeldiges Wappen (Brandenburg, Pommern, Burggrafschaft Nürnberg, Zollern)
mit Mittelschild (das Reichszepter von Kurbrandenburg), oben die Jahreszahl.

Als Guldengroschen bezeichnete man im 16. Jh. grosse Silbermünzen (Groschen) im Wert eines rheinischen (Gold)Guldens. Der Name Joachimsthaler, kurz Taler, bürgerte sich erst nach der Verbreitung der Guldengroschen aus Joachimsthal ein.
Diese nur 1521 und 1522 geprägten Taler sind besonders selten: Es wurden nur wenige geprägt (Silbermangel, Stempelverschleiß, geringer Talerbedarf) und von den vorhandenen wurden viele später eingeschmolzen, um daraus minderwertige Kleinmünzen zu prägen. Vom Taler 1521 sind gegenwärtig 23 Exemplare bekannt. Das oben abgebildete Stück wurde versteigert für 49.500 DM (1985) und für 64.000 EUR (2003).
B. Kluge*) identifiziert für den Taler 1521 zwei Unterstempel für die Porträtseite und vier Oberstempel für die Wappenseite. Den Talern von 1521 ist deutlich anzusehen, dass Stempelschneider und Prägepersonal keine Erfahrung mit der Herstellung so großer Münzen hatten. Fast kein Exemplar ist sauber ausgeprägt. Auch die Schrötlinge lassen zu wünschen übrig. Die Stempelstellungen sind unregelmäßig und zeigen, dass die Oberstempel vermutlich frei geführt wurden. Das dürfte der Hauptgrund für die zahlreichen Doppelschläge sein. Die Taler von 1522 wurden in Stendal und wesentlich sauberer geprägt, sind aber noch seltener, da bald auf die 1/4 Taler-Prägung umgestellt wurde.

Wie kommt der Pommerische Greif in das Wappen?
Pommern, das die brandenburgische Lehnshoheit unter Kurfürst Albrecht Achilles (1470-86) noch anerkannt hatte, verweigerte dem nachfolgenden Kurfürst Johann Cicero (1486-99) die Lehnshuldigung. Ks. Karl V., der die anfängliche Gegnerschaft Joachims zu seiner Kaiserwahl nicht vergessen hatte, belehnte 1521 den Herzog von Pommern in aller Form mit Pommern. Erst 1529 erkannte Brandenburg die Unmittelbarkeit Pommerns an. Dafür wurde Brandenburg das erbliche Nachfolgerecht zugesichert für den Fall des Aussterbens der pommerschen Herzöge.     Siehe weitere Anspruchswappen auf Münzen.

Lit.:
*) Bernd Kluge, Die kurbrandenburgischen Taler von 1521 und 1522.   Beiträge zur brandenburgisch/preußischen Numismatik 9(2001) 20-42

 

Joachim II., "Hektor",  Kurfürst von Brandenburg 1535-1571
- erster Sohn Joachims I. -
auf Münzen
*1505. Joachim II wurde am Hof Ks. Karls V. erzogen. 1532 begleitete er den Kaiser auf dem Türkenzug, wo er sich wohl den Beinamen "Hektor" erwarb, der allerdings zu seinem friedfertigen und bedächtigen Wesen kaum passte. Er bemühte sich um eine gütliche Einigung des Religionszwistes. 1539 nahm er mit dem Hof das Abendmahl "unter beiderlei Gestalt", und 1540 erließ er eine Kirchenordnung (neue Lehre und alte Liturgie), die eine Mittelstellung zwischen den Parteien behaupten wollte, ohne mit Rom zu brechen. Im Schmalkaldischen Krieg blieb er zunächst neutral, später unterstützte er den Kaiser, da er in den Schmalkaldenern Rebellen sah. Das Augsburger Interim von 1548 nahm er konsequenterweise an. Den Fürstenaufstand des Moritz von Sachsen von 1552 unterstützte Joachim II. nicht, er war aber ein Wegbereiter des anschliessenden Passauer Vertrages. 1555 setzte er sich für den Augsburger Religionsfrieden ein.
Durch einen Erbverbrüderungsvertrag (1537) mit Herzog Friedrich II. von Liegnitz-Brieg wollte Joachim II. seinem Haus den Anspruch auf Schlesien sichern, aber Kg. Ferdinand I. als böhmischer Lehnsherr von Friedrich erklärte den Vertrag 1546 für ungültig. Erfolgreich war Joachim II hingegen auf dem polnischen Reichstag 1569, wo er die Mitbelehnung mit Preußen erhielt, da er mit dem polnischen König verschwägert war. Schließlich gelang es ihm auch, das Erzbistum Magdeburg mit brandenburgischen Prinzen zu besetzen. Infolge seiner großen Verschwendungssucht war Joachim II. in steter Geldnot und mußte daher den Landständen große Zugeständnisse machen.


Guldengroschen 1542, Stendal.     Ø 40 mm , 28,7 g.   Bahrfeldt 348a ; Dav.8950
Av.:   IOACHim·II·D·G·MARchio·BRAndenburgici·Sacri·Romani·IMPerii·Princeps·ELector· (Mz. Turm)
"Joachim II., von Gottes Gnaden Markgraf von Brandenburg und Kurfürst im Heiligen Röm. Reich"
Brustbild im Hermelinmantel mit geschultertem Zepter r.

Rev.:   MONeta·NOVA·PRINcipis·ELECToris·BRAndenburgici·
Vierfeldiges Wappen mit Mittelschild (wie zuvor), darüber Jahreszahl.


copyright: Münzkabinett der Dt. Bundesbank, Frankfurt
Reichsguldiner 1551, Berlin.     Ø 42 mm , 30,74 g.   Bahrfeldt 386 ; Dav.8951 (dieses Ex.)
Av.:   ¤IOCHIM·II·D·G·MARCHIO·BRANDEM·ELECT
Brustbild im Kurornat mit geschultertem Zepter und Schwert, darunter Jahreszahl 1551.
Rev.:   ¤CAROLI·V·IN(m)Peratoris·AVGVSTI·Publicari Fecit·DECRETO·PIi·FELICIs
"Kaiser Karl V. ließ herstellen (veröffentlichen) aufgrund Erlasses"
gekrönter und nimbierter Doppeladler, auf der Brust Reichsapfel mit Wertzahl 72 (Kreuzer).
Kreuzer kamen in Norddeutschland nicht geläufig. Obige Wertangabe "72 Kreuzer" erfüllte aber eine Vorschrift der Reichsmünzordnung von 1551. Diese legte auch das Gewicht und die Feinheit aller Guldiner im Reich fest: "sollen auf die Cölnisch Marck geen, Achthalb Stuck, und fein halten Vierzehn lot, zwen gren, ... Sollich Stuck soll durch das Reich ain guldiner genannt werden." Aus einer Kölner Mark sollten 7,5 (="Achthalb") Stück mit 14 Lot 2 Gran fein geschlagen werden [d.h. ca. 233/7,5 = 31 g Rauhgewicht mit (14+2/18)/16 = 882 ‰ Silberanteil.]
Für die Rückseite war das Münzbild und der Titel des amtierenden Kaisers vorgeschrieben, ein Vorbild für die Gestaltung der deutschen Grossmünzen nach 1871 - und der EURO-Münzen ab 2002.



Dreigröscher 1553, Frankfurt/Oder.     Ø 20 mm   Bahrfeldt 382c , Schulten 345 (ohne Bild)
Av.:   ¤IOACHim·D·G·ELECTor:Princeps:BRANDenburgici·V¤
Rev.: ¤III¤ | GrOSsus:ARGentea | TRIPlex:IOAChim | ELECTOR | BRA-ND | 15 (Reichszepter) 51

Eine nach preußisch-polnischem Vorbild geprägte Nachahmung mit der typischen "Kopfseite" und "Wertseite".

 

Johann I., "Hans",  Markgraf von Brandenburg-Küstrin 1535-1571
- zweiter Sohn Joachims I. -
auf Münzen
*1513. Joachim I. verfügte die Einsetzung seines zweiten Sohnes Johann als Markgraf der Neumark, obwohl die "Dispositio Achillea" eine Teilung ausschloß. Der junge Markgraf wechselte sofort zum lutherischen Glauben - entgegen dem testamentarischen Verbot seines Vaters. 1538 trat Johann dem schmalkaldischen Bund bei, verließ diesen jedoch 1545 wieder, als sich diese Koalition gegen seinen erzkatholischen Schwiegervater Heinrich d. J. von Braunschweig-Wolfenbüttel wandte. Bei Mühlberg (1547) kämpfte er auf der Seite des Kaisers, lehnte dann die Einführung des Augsburger Interims ab und sicherte sich mit Bündnissen gegen kaiserliche Repressalien ab, ohne jedoch der Fürstenverschwörung beizutreten. 1553 nahm er an Ks. Karls V. gescheiterten Belagerung von Metz teil.
Johann gelang es, die Finanzen seines kleinen Landes zu sanieren, obwohl er seine Residenz Küstrin zu einer der stärksten Festungen seiner Zeit ausbauen ließ. Er blieb ohne Sohn und starb 10 Tage nach seinem Bruder Joachim. So fiel die Neumark wieder an die hohenzollernsche Hauptlinie zurück und die von Joachim I. verfügte Teilung blieb ohne negative Folgen für Brandenburg.


Taler 1545, Krossen.     Ø 42 mm , 29,1 g.   Bahrfeldt 464 ; Dav.8956
Av.:   ¤IOHANNES:D:G:MARCHIO¤BRANDENBVRG
"Johann von Gottes Gnaden Markgraf von Brandenburg"   mit W-Bart und geflochtenem Kranz.

Rev.:   ¤IN¤SILENCIO¤ET+SPE¤FORTITVDO¤MEA
"Im Schweigen und Hoffen liegt meine Stärke."




Groschen 1545, Krossen.     Ø 22 mm , 1,95 g.   Bahrfeldt 459a
Av.:   +IOHAN·D:G·MARchio·BRANDEN·ET·STe   ("STe..." für Sternberg(1) ?)
Rev.:   GROSS·AR·IOHAN·MAR·BRAND:1545     Adler mit Zollernschild.
Vergleiche mit einem Groschen 1543 aus Königsberg, Ostpreußen.

(1):   Neben der Neumark herrschte Johann über Sternberg, Krossen und Cottbus


Dreigröscher 1545, Krossen.     Ø 21 mm ,   Fr.u.S.1991 ; Bahrf.462
Av.:   +IOHAN·D:G·MAR·BRANDEN·ET·ST
Rev.:   +III+ | GROS·AR· | ·IOHAN·MA | R·BRANDE | NBVRG· | ·1545·
Vergleiche mit einem Dreigröscher 1543 aus Königsberg, Ostpreußen.

Diese 1544-6 geprägten Groschen und Dreigröscher sind Nachahmungen der von Herzog Albrecht in Preußen nach der polnischen Münzreform von 1528 eingeführten Münzen. Diese Nachahmungen sowie die von Friedrich II. von Liegnitz-Brieg brauchten die ponischen Münzvorschriften nicht zu beachten und wurden mit Gewinn in Preußen abgesetz. Daher wurden sie 1546 in Preußen und Polen verboten.


 

weitere Hohenzollern
Albrecht Alcibiades, Markgraf von Brandenburg-Bayreuth 1527/41-1554
Albrecht von Brandenburg, Erzbischof von Magdeburg und Kurmainz 1514-1545
Albrecht, Hochmeister des Dt. Orden (1511-1525) und Herzog in Preußen (1525-1568)
Georg Friedrich, Markgraf von Ansbach-Kulmbach-Bayreuth, Herzog von Jägerndorf, Vormund in Preußen 1543-1603



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