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      Zeitgenossen im Heiligen Römischen Reich      

Bistum Würzburg
Lorenz von Bibra, 1495-1519
Melchior Zobel von Giebelstadt, 1544-58
Friedrich von Wirsberg, 1558-73
Julius Echter von Mespelbrunn, 1573-1617

Um das Jahr 700 brachte der irischen Wandermönch Kilian das Christentum nach Würzburg. Das Bistum Würzburg entstand 741. Ks. Friedrich Barbarossa machte die Bischöfe von Würzburg 1168 zu Fürstbischöfe mit dem Zusatztitel "Herzog in Franken", mit dem die Landgerichtbarkeit in Franken verbunden war.
Das Bistum Würzburg zeigt auf seinen Münzen gerne den Stadtpatron, den Hl. Kilian, der lange Zeit das Münzbild vorrangig bestimmte.

Lorenz von Bibra, Bf. von Würzburg 1495-1519
Lorenz von Bibra (*1459) studierte in Heidelberg, Erfurt und Bologna. 1486 befand er sich im Dienst des Mainzer Kurfürsten Berthold von Henneberg. Als Bischof von Würzburg nahm er an den Beratungen über die Reichsreform auf zahlreichen Reichstagen teil. Von seinem hohen Ansehen bei Ks. Maximilian I. und den Reichsfürsten zeugt seine häufige Tätigkeit als Schiedsrichter. Als Anhänger des Humanismus in Deutschland versuchte er, die katholische Kirche im Kleinen zu reformieren.


Talerförmige Gussmedaille 1511.   Ø 41 mm, 29,60 g.
Helmschrott 5; Habich Schwarz, S.16; Domanig 43.
nach einem Modell von Tilman Riemenschneider aus dem Jahr 1496.

Vs.:   ⁙·LAVRENCIVS⁙EPiscopVS⁙WVRCZPVRGEИSIS   -   Büste n. rechts.
Rs.:   ⁙·FRAИCIE:·:ORIEИTALIS:·:DVX·   -   Quadriertes Wappen, darüber Jz. I5II.
Legende über beide Seiten:  "Lorenz, Bischof von Würzburg, / Herzog in Ost-Franken"
Das quadrierte Wappen des Fürstbistums Würzburg enthält den "fränkischen Rechen" (Feld geteilt mit drei Spitzen, Zeichen für das sog. "Herzogtum") und die "Standarte" (Feld mit schräggestellter gevierten Fahne, Zeichen für das Bistum Würzburg). Der Bischof fügt sein Stammwappen in 2. und 3. Feld hinzu: hier ein steigender Biber mit geschupptem Schwanz.
Diese Medaille gehört zu den frühesten seiner Art nördlich der Alpen und wurde schon ab 1496 gefertigt. Lorenz von Bibra erscheint auf der Medaille ohne bischöfliche oder herzogliche Insignien. Als Schnitzer des Medaillenmodells wurde Tilman Riemenschneider vorgeschlagen, für den Lorenz von Bibra ein bedeutender Auftraggeber war.

Konrad II. von Thüngen, Bf. 1519-40
Konrad III. von Bibra, Bf. 1540-44

Melchior Zobel von Giebelstadt, Bf. 1544-58
Melchior Zobel (*1505) wurde 1540 Dekan am Würzburger Dom und 1544 zum Bischof von Würzburg gewählt. Im schmalkaldischen Krieg versuchte er, neutral zu bleiben. Auf dem Augsburger Reichstag 1548 erreichte Melchior zusammen mit den übrigen geistlichen Fürsten, daß das Interim nur für protestantische Stände gelten sollte. Im Markgräflerkrieg 1549-53 litt das Bistum unter Plünderungen, Landabtretungen und Tributzahlungen an den Nachbarn Albrecht Alcibiades, Markgraf von Brandenburg-Bayreuth.
Melchior forderte von seinem Vasallen Wilhelm von Grumbach die Rückzahlung von 10.000 Gulden, die der Vorgänger Bf. Konrad III. von Bibra kurz vor seinem Tod ohne Zustimmung des Domkapitel gezahlt hatte. Weiterer Streit vor dem Reichskammergericht und die Beschlagnahme seines Besitzes erboste den inzwischen zu Albrecht Alcibiades übergetretene Wilhelm von Grumbach dermaßen, dass der Bischoff bei dem dritten von Grumbach veranlassten Überfall ums Leben kam.


Medaille o. J. (1551) von Joachim Deschler.     Ø 39,4 mm, 31,11 g.  
Vs.:   MELCHIOR DEI GRA EPiscopuS WIRT3zburgensis ET FRAncie ORIEntalis DVX ETATIS SVE 46.
"... Herzog Ost-Frankens, im Alter von 46 Jahren"   -   Brustbild mit Barett rechts.
Rs.:   Doppelt behelmtes Wappen. Keine Umschrift.
Feld 2 und 3 im Wappen: ein Pferdekopf mit Zaumzeug und Zügeln für Bf. Zobel von Giebelstadt.

I. Sailko hat für Wikipedia diese Medaille in einem Münzkabinett fotografiert, wohl in München?


Bronze o. J. (1558), gegossen und graviert.     Ø 30,5 mm, 12,60 g.
Exemplar im Historischen Museum Basel, Inv. 2009.362.

Vs.:   MELCHIOR - BISCHOT· ?V  -  Büste mit Kappe n. rechts.
Rs.:   ·WIRC BVP -VERSCHID .. DEN·15·APRILIS·ANO· / 58  -  Kruzifix ohne Kreuz, aufgelötet.
Fassungsspuren und die Abnutzung der Rückseite belegen, dass diese Medaille als Bekenntnis zum Bischof sowie für die Sühnung seiner Ermordung getragen wurde.

Friedrich von Wirsberg, Bf. von Würzburg 1558-73
Friedrich war Generalvikar des ermordeten Melchior Zobel, als er zu dessen Nachfolger gewählt wurde. Er versuchte eifrig, geistige und sittliche Unzulänglichkeiten großer Teile des Klerus zu beheben und den Protestantismus zu bekämpfen. Er gründete 1561 ein Gymnasium, das er den Jesuiten übertrug.


Silbermedaille 1571 von Deschler oder seiner Schule.     Ø 44 mm, 33,63 g.   Habich I/2 1683.
Vs.:   FRIDERICVS·DEI·GRACIA·EPS·   -   Bärtiges Brustbild mit Birett leicht nach rechts.
Rs.:   WIRCZ:ET:FRAN:ORIEN:DVX·ÆTATIS·SVE·6·5·A°1571·
Dreifach behelmtes vierfeldiges Wappen.
Feld 2 und 3 im Wappen: Blocksteinmauer mit Zinnen, Zeichen für Bf. Friedrich von Wirsberg.


Bronzierte Zinngußmedaille 1572 von Schule oder Nachahmer Deschler.     Ø 26,5 mm.
Habich I/2 1682; Slg.Piloty 910.

Vs.:  FRIDERICVS·D·G·EPS·WIRCEBVRG  -  Brustbild mit Birett leicht nach rechts. Seitlich Jz. 15 - 7Z.
Rs.:   FRANCIÆ:ORIENTALIS:DVX·ÆTATIS·SVÆ·65·   -   Dreifach behelmtes vierfeldiges Wappen.

Julius Echter von Mespelbrunn, Bf. von Würzburg 1573-1617
1545 geboren und aufgewachsen im Wasserschloss Mespelbrunn im Spessart. Die Ausbildung erhielt er in Aschaffenburg, Würzburg, Mainz, Köln, Löwen, Paris und Pavia. Er wurde 1569 in das Würzburger Domkapitel aufgenommen und 1573 zum Fürstbischof von Würzburg gewählt. Die Priester- und Bischofsweihe folgte im Mai 1575. Julius reorganisierte und zentralisierte die Verwaltung. Im Zug der Rekatholisierung des Bistums mussten viele konversionsunwillige Protestanten auswandern. Er gründete das "Julius-Spital" (1576) für Kranke und Arme und die Universität (1582) unter starker Beteiligung der Jesuiten. Der Regierungssitz auf der Festung Marienberg wurde um- und neugebaut zu einem repräsentativen Schloss mit einer neuen Hofbibliothek.


Silbermedaille 1575 unsign. von Valentin Maler.    44 mm, 21,6 g.   Habich 2500; Helmschrott 121.
Vs.:   IVLIVS Dei Gratia EPIScopus WIRTZBVRGensis ET  -  Brustbild im Spitzenkleid nach halbrechts
Rs.:   FR - ANCIAE - ORIENTAL - IS DVx - 1575
Dreifach behelmter Wappenschild mit Schwert und Krummstab besteckt.
Legende über beide Seiten:
"Julius von Gottes Gnaden Bischof von Würzburg und / Herzog von Ost-Franken"
Feld 2 und 3 im Wappen: Schrägbalken, belegt mit drei Ringen, Zeichen für Bf. Echter von Mespelbrunn.


Altvergoldete Silbermedaille o. J. (1575) unsigniert von Valentin Maler.     32 mm, 6,85 g.
Habich 2501; Helmschrott 124; Slg.Piloty 924.

Vs.:   IVLIVS D G EPISCOPVS WIRTZBVRG  -  Brustbild im Spitzenkleid nach halbrechts
Rs.:   ET FRANCIAE - ORIENT:DVX
Dreifach behelmter Wappenschild mit Schwert und Krummstab besteckt.
    Lit.:
  • Helmschrott, K. u. R.: Würzburger Münzen und Medaillen von 1500-1800. 364 S., Kleinrinderfeld 1977
  • Slg. Piloty: Slg. Piloty, Münzen u. Medaillen des Bm. Würzburg. Auktion 52 Helbing, München 1927, S.54-92
  • Habich, Georg: Die deutschen Schaumünzen des XVI. Jahrhunderts
    - Bd.I, 1.Hälfte: München 1929. XXXVI & 130 S. (Nrn.1-?) & Taf.1-109
    - Bd.I, 2: München 1931. S. XLI-LXXVI & 131-262 (Nrn.?956-1843) & Taf.110-196
    - Bd.II,1: München 1932. S. LXXXI-CXXIV & 263-460 (Nrn.1844-3182) & Taf.197-302[CXCVII-CCCII]
    - Bd.II,2: München 1934. S. CXXIX-CXXII & 461-557 & Taf.CCCIII-CCCXXXIV + [Beil.] 48 S.

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