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Herzogum Württemberg, 1520-1534 unter Habsburg
Als der zügellose und bereits geächtete Herzog Ulrich von Württemberg die Reichsstadt Reutlingen überfiel und seinem Land einverleibte, ging der Schwäbische Bund 1519 gegen ihn vor. Ulrich musste fliehen und der Schwäbische Bund übergab Württemberg an Kaiser Karl V. gegen Ersatz der Kriegskosten. Anfang 1522 übertrug Karl seinem Bruder Ferdinand die Souveränitätsrechte in den österreichischen Erblanden einschließlich des besetzten Württembergs. Erst 1534 konnte Ulrich das Land zurückgewinnen, wenn auch nur als österreichisches Afterlehen.
Stuttgart, seit 1423 die einzige Prägestätte in Württemberg, wurde 1495 Haupt- und Residenzstadt.



Goldgulden 1520, Stuttgart.     Ø 23 mm.     Schulten 3686; Klein/Raff 66.
Vs.:   CARL·RO·IMP·ARCH·DVX·AVS·1520   -   Gekrönte jugendliche Büste.
Rs.:   +MONETA·NOVA·AVREA·STVTGARDIE
Lilienkreuz mit Wappen von Österreich, Burgund, Württemberg und Teck in den Winkeln.
(Das burgundische Wappen ist hier mit verkehrter Schrägstellung dargestellt.)

Definitionsgemäß weist die Vorderseite den Prägeberechtigten aus (Münzstand oder Münzherr). Die Legende der Rückseite könnte nahelegen, dass hier Stuttgart als Münzherr auftritt. Wie bei den Prägungen der Reichsstädte würde dann die Rückseite des Kaisers Titel und Büste als Zeichen der Unmittelbarkeit zeigen. Die Wappen weisen aber nicht auf Stuttgart hin, sondern auf Habsburg und das Herzogtum Württemberg. Damit ist der junge Kaiser eindeutig als der Münzherr anzusehen.
Diese Goldgulden von 1520 sind sicher in einer größeren Stückzahl aufgelegt worden, da bisher sechs verschiedene Stempel bekannt sind. Wenn diese Prägungen heute zu den großen Seltenheiten gehören, so erklärt sich das wohl daraus, daß sie nach der Rückkehr Ulrichs eingezogen und eingeschmolzen wurden.   [Klein/Raff]



Guldengroschen 1522, Stuttgart.     Ø 41 mm.     Schulten 3688; Dav.9959.
Vs.:   CAROLVS·D:G.ROM IMP·ARCHIDVX AVSTR·
Gekrönte jugendliche Büste zwischen Jahreszahl
Rs.:   +MONETA·NOVA·CIVITATIS·STVTGARD
Lilienkreuz mit Wappen von Österreich, Burgund, Württemberg und Teck
Hier handelt es sich um ein reines Phantasieprodukt, für das der Goldgulden von 1520 Pate gestanden hat. Die Kupferstichabbildung in Köhlers Münzbelustigungen IX,217 ist nicht, wie dort angegeben, nach einem vorliegenden Original gefertigt, sondern eine getreue Kopie aus Bernd Arendts "Münzbuch". [Klein/Raff]

Das Stammwappen Württembergs (drei querliegende Hirschstangen) erscheint hier erstmals auf einer Münze der Habsburger. Als Ulrich 1534 das Herzogtum zurückbekam, musste er Erzherzog Ferdinand - inzwischen Römischer König - als Lehnsherren anerkennen, der weiterhin "Herzog von Württemberg" blieb. Bei Aussterben des württembergischen Hauses sollte das Lehen an Habsburg zurückfallen. Ulrichs Nachfahren konnten 1599 die "Afterlehenschaft" ablösen und die Reichsunmittelbarkeit wiedererlangen: Kaiser Rudolf II. vergab das Herzogtum als Reichslehen, behielt aber das formale Recht, den Herzogstitel und das Anspruchswappen für Württemberg weiterzuführen und zu vererben. So fanden die württembergischen Hirschstangen einen Platz im bis zu 16-feldigen Wappen auf manchen Habsburger Talern der Folgezeit.

Vor und nach der Besetzung trat Herzog Ulrich als Prägeherr auf.

Lit.:   Klein, U. / Raff, A.,   Die Württembergischen Münzen von 1374-1873, Bd.1, 1993

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