Startseite Karl V. TOUR :  Medici in Florenz

Italien in der Renaissance

Hezogtum Urbino
Federico II. da Montefeltro, 1444-82
Guidobaldo I., da Montefeltro, 1482-1508
Francesco Maria I. della Rovere, 1508-16, 1521-38
Lorenzo di Piero de Medici, 1516-19
Guidobaldo II. della Rovere, 1538-74

Das Geschlecht da Montefeltro (Montis feretri) nennt sich nach dem Felsen 'Mons Feretrius' nahe Rimini, dessen Burg das Geschlecht erworben hatte. Die Montefeltros stellten Reichsvikare. 1226 ernannte Ks. Friedrich II. sie zu Grafen von Urbino. Papst Eugen IV. erhob das Haus Montefeltro 1443 zu Herzögen von Urbino.
Als das Haus Montefeltro 1508 ausstarb, übernahm das Haus Della Rovere das Herzogtum Urbino. 1625/31 fiel schließlich das Land an den Kirchenstaat.

Herzogtum Urbino auf der Landkarte von Italien im Jahr 1499

Federico II. da Montefeltro, 1444-82 Herzog von Urbino
Federico II da Montefeltro, 1422 unehelich geboren, wurde humanistisch ausgebildet. Er folgte seinem ehelich geborenen jüngeren Halbbruder Oddantonio, der kurz nach seinem Regierungsantritt (1443) in Urbino ermordet wurde (1444). Federico wurde daraufhin vom Stadtrat zum Herzog von Urbino ausgerufen.
Federico war ein sehr fähiger Condottieri, erst im Dienst von Francesco Sforza und von Florenz, dann ab 1451 für Neapel. Das Territorium von Urbino vergrößerte er auf Kosten des Hauses Malatesta. Federico wurde gerühmt für seinen militärischen Scharfsinn und seine gerechte Herrschaft in Urbino. Seine humanistisch geprägte Führung machte Urbino zu einem Zentrum der italienischen Renaissance. Als er 1474 im Dienst des Della Rovere Papstes Sixtus IV. stand, bestätigte letzterer die Herzogswürde und ernannte ihn ausserdem zum Gonfaloniere der Kirche. Federicos Tochter Giovanna heiratete in das Haus Della Rovere, das später Urbino übernahm.


Bleimedaille 1468   von Clemente da Urbino.    Ø 87,2 mm.   Kress 100 (94 mm); Armand I,47.
Vs.:   ✶ALTER ADEST CESAR SCIPIO ROMANus ET ALTER·SEV PACEM POPVLIS·SEV FERA·
BELLA·DEDIT   "Hier ist ein zweiter César und ein zweiter römischer Scipio, ob er dem Volk
Frieden gibt oder ihnen grausame Kriege anrichtet"   -   Brustbild im Prunkharnisch mit Umhang und
Mütze nach links. Auf der Brustplatte ein Lapithe im Kampf mit einem Kentauer; darüber zwei Viktorias.

Rs.:   MARS·FERVS ET·SVMHVM·TANGENS·CYTHEREA TONANTEM·DANT·TIBI REGNA·PARES·
ET·TVA·FATA·MOVENT·   "Der grausame Mars und die Venus, die Jupiter, den Souverän der Götter, berühren, stimmen zu, dir das Reich zu geben und das Schicksal zu regieren"
Drei Sterne mit der Zeichen der Planeten Mars (Pfeil), Jupiter und Venus.
Darunter:
INVICTVS FEDERICVS·Comes·VrBINI· / ANNO.Domini.M CCCCLXVIII
Unten: Adler balanciert mit ausgebreiteten Schwingen einen Balken, darauf ein Globus zwischen den
Symbolen von Krieg und Frieden. Unten bogenförmig: OPVS CLEME - NTIS VrBINATIS.



Mezza Lira? o. J. (nach 1474)     Ø 28 mm.   CNI 13 p.500 n.1; RM[Morosini] III p.11 n.1.
Vs.:   ✶ FEDERICVS:DVX:VRBINI·MONTIS·FEltrani·Q·COmes·   -   Profilbild nach links.
Rs.:   RE·GEneral·CAPItaneus·AC·Sanctae·ROmanea·ECclesiae·CONFALONier   -   Dreiteiliges Wappen:
Schräge Streifen (Montefeltro), gekrönter Adler (kaiserliche Mehrung, 1226 verliehen?) und Pfahl
mit den Insignien des päpstlichen Gonfaloniere (Tiara mit Inful über gekreuzten Petri-Schlüsseln).


Bronzeabguss einer geprägten Medaille.     Ø 28 mm.   Hill 317; Arm III, 164,i.
Vs.:   FEDERICVS:MONFELTRIVS:VRBINI:DVX·   -   Profilbild nach links.
Rs.:   NON MAI   auf einem Band, darunter Hermelin auf einer Felsplattform.
Kg. Ferdinand I. von Neapel verlieh 1474 Federico den Hermelinorden "Ordine dell'armellino".



Bronze-Gußmedaille von Sperandio da Mantova.     Ø 89,5 mm.   Hill 389; Armand I, 71, 29; Scher 25.
Vs.:   ✿DiVi·FEderici·VRBini·DvCiS·MonTEfeltri·AC·DvRantis·CoMitis·REGii·CAPitanei·GEneralis·AC· Sannctea·ROmanae·ECCLesiae·CoNfalonerii·INVICTI   "Göttlicher Friedrich, Herzog von Urbino,
Graf von Montefeltro und Durante, königlicher General-Kapitän und
unbesiegter Gonfaloniere der Heiligen Römische Kirche"   -   Profilbild mit Mütze nach links.

Rs.:   ·OPVS· - SPERANDEI·   "Werk von Sperandio"   -   Federico zu Pferd in prächtigem Paradeaufzug, schwingt einen Kommandostab nach vorne gebeugt, als zöge er in eine Schlacht.
Die Titel belegen, dass die Medaille nach 1474 entstand. "DIVI" könnte sogar auf eine posthume Prägung verweisen, obwohl 1449 "DIVVS" für Alfons von Aragon auch schon zu dessen Lebenszeit benutzt wurde.
Beachte die platzsparende Ineinandersetzung von Buchstaben in der Umschrift der Vorderseite.

Das von Piero della Francesca gemalte Bild in den Uffizien in Florenz zeigt Federico ebenfalls im Profil nach links: er hatte bei einem Turnierunfall ein Auge verloren und die Nase gebrochen.

Guidobaldo I. da Montefeltro, 1482-1508 Herzog von Urbino
- Sohn von Federico II. da Montefeltro -
Guidobaldo (*1472) folgte 10-jährig seinem Vater Federico nach dessen Tod 1482. Er heiratete Elisabetta, Tochter von Federico Gonzaga, eine sehr gebildete Frau, die den fürstlichen Hof glanzvoll führte. Weil das Paar kinderlos blieb, adoptierte es Francesco Maria I. della Rovere, Sohn von Guidobaldos Schwester Giovanna, die ins Haus della Rovere geheiratet hatte.
Guidobaldo wurde 1502 vor Cesare Borgia aus seinem Herzogtum vertrieben. Nach dem Tod von Cesares Vater Papst Alexander VI. (1503) und dem folgenden Sturz der Borgia kam Guidobaldo nach Urbino zurück.
Guidobaldo starb 36-jährig. Ihm folgte sein Adoptivsohn aus dem Hause Della Rovere.



Dukat, Urbino.     Ø ca.22 mm.   CNI 13 p.501 n.1; RM III p.12 n.1.
Vs.:   ·GVIDVS· - ·VBaldus·VRbini· - DVX·
Rs.:   Sanctea·Romanae·Ecclesiae·CAPitaneus·GENeralis·SVB·IVLio·II·PONtifice·MaXimo
Guidibaldo wurde 1504 Gonfaloniere (Bannerträger) von Papst Julius II., aus dem Haus Della Rovere.


Quattrino, Urbino.     Ø 20 mm, ca.1,11 g.   CNI 13 p.504 n.25; RM III p.13 n.4.
Vs.:   +✴GVIDVS✴VBaldus✴VRBINI✴DVX✴   -   kleines Brustbild nach links.
Rs.:   +✴✴FIDES✴✴SPES✴✴CARITAS✴✴   "Glaube, Hoffnung, Liebe"   -   Wappen von Urbino.
Das Wappen führt mittig einen 'Pfahl' mit den Insignien des Gonfaloniere der Kirche.
Auf der Münze werden Tiara und Petri-Schlüssel auf zwei getrennte Felder verteilt.


Quattrino, Urbino.     Ø 20 mm, 1,13 g.   CNI 13 p.505 n.34; RM III p.13 n.5; Cavicchi 34.
Vs.:   +✴GIDVS✴VB✴VRB✴DVX✴   -   Brustbild nach links.
Rs.:   +FIDES✴ESPES✴ - CARITAS✴   -   gekröntes Wappen.
Die hier gezeigten Quattrini sind aus Kupfer (it. rame).
Quattrini zeigen nur selten ein Herrscherbildnis.


Quattrino, Casteldurante.     Ø 19 mm, 1,05 g.   CNI 13 p.256 n.23; RM III p.15 n.11.
Vs.:   GVIDVS✶VB✶VRBINI✶DUX   -   Büste nach links. Mit Innenkreis.
Rs.:   ✶MONTIS✶FE✶AC✶DVRANT✶CO   "Graf von Montefeltro und Durante"   -   gekröntes Wappen.
Der vollständige Titel wäre laut Ravegnani Morosini:
SIGNORI di Gubbio, di Fano, di Pesaro, di Senigallia e di Sori,
CONTI di Casteldurante, di Fossombrone, di Massa Trabaria, di Mercatello, di Montefeltro e di Sant'Angelo,
DUCHI di Urbino e di Camerino.


Quattrino, Fossombrone.     Ø 17-19 mm, 0,89 g.   CNI 13 p.343 n.8; RM III p.16 n.15.
Vs.:   GVIDVS✶VB✶VRB✶DVX✶   -   grosser kindlicher Kopf nach links.
Rs.:   +✶DE✶FOROSE - MPRONIO✶✶   "von Fossombrone"   -   gekröntes neunseitiges Wappen.
Die Münzstätten von Casteldurante und Fossombrone arbeiteten nur in der Zeit von Guidobaldo I.

Francesco Maria I. della Rovere 1508-16, 1521-38 Herzog von Urbino
- Adoptivsohn von Guidobaldo I. da Montefeltro - Neffe von Papst Julius II. -
Francesco (*1490) folgte Guidobaldo, dem kinderlosen letzten Herzog aus dem Hause Montefeltro.
Sein kriegsfreudiger Onkel Papst Julius II. aus dem Hause Della Rovere ernannte ihn 1509 zum 'Capitano generale della Chiesa', dem Oberbefehlshaber aller Truppen des Kirchenstaats. 1513 starb Papst Julius. Der nachfolgende Medici-Papst Leo X. exkommunizierte Francesco 1516 und liess ihn aus Urbino vertreiben. Nach dem Tod Leos X. (1521) konnte Francesco nach Urbino zurückkehren. Danach kämpfte er als Condottiere für Venedig. Er wurde 1538 vergiftet.


Ducato, o.J. (1508-13)     Ø ca.22 mm, 3,42 g.   CNI 13 p.508 n.13; RM I p.83 n.2; Friedb.1198.
Vs.:   ✶FRANciscus·MAria·VRBIni·DVX·✶   -   behelmte Büste nach links.
Rs.:   ··Sanctea·Romanae·Ecclesiae·CAPitaneus·GENeralis·SVB·IVLio·II·PONtifice·MaXimo
gekrönter Adler hält das Familenwappen Della Rovere.


Ducato, o.J.     Ø ca.22 mm, 3,44 g.   CNI 13 p.507 n.3; RM I p.84 n.3; Friedb.1197.
Vs.:   ·FRANCiscus·· - ·MAria·VRBINI·DVX·   -   langhaarige Büste nach rechts.
Rs.:   ·Sanctea·Romanae·Ecclesiae·CAPitaneus·GENeralis·SVB·IVLio·II·PONtifice·MaXimo·
gekrönter Adler hält das Rovere-Wappen: Eiche mit Wurzeln, Blättern und Eicheln.

Lorenzo di Piero de Medici, 1516-19
- Neffe von Papst Leo X. -
Der 1492 geborene Lorenzo, ein Enkel von Lorenzo der Prächtige (†1492) wurde Kardinalnepot seines Onkels, Papst Leo X. (1515-19). Als Neffe und Günstling des neuen Papstes vertrieb er 1516 Francesco Maria I. della Rovere (Neffe und Günstling des vorherigen Papstes) aus Urbino. Lorenzo starb 1519, doch erst nach dem Tod Leos X. 1521 konnte Francesco Maria nach Urbino zurückkehren.


Ducato.     Ø 22 mm.   CNI 13 p.518 n.1; RM II p.315 n.1.
Vs.:   LAV·MEDICES·DVX·VRBINI·   -   Brustbild nach links.
Rs.:   LEONIS·X·PATRVI·BENEFICIO   -   "mit Bewilligung Leos X."   -   Medici-Wappen.
Dieser Dukat wurde in nur wenigen Exemplaren anlässlich der Besetzung Urbinos durch Lorenzo de
Medici geprägt. Papst Leo X. hat dies offenbar bewilligt. CNI kennt nur das Exemplar in Wien.
R. Morosini schreibt dazu:
Questa moneta fu probabilmente battuta, in pochissimi esemplari, all'atto dell'occupazione degli stati del Montefeltro da parte del duca Lorenzo de Medici che vi veniva insediato, nel 1516, da papa Leone X il quale ne aveva spogliato Francesco Maria I Della Rovere, a sua volta investito del feudo dal precedente papa Giulio II. Che si tratti di una emissione eccezionale lo conferma il fatto che non si trova menzione di battitura nel bando emesso da Lorenzo, tramite il viceduca conte Roberto Boschetti, per indire la coniazione di nuove monete, indicate tutte quali quattrini (a): d'altra parte non si può pensare che un ducato potesse essere "moneta usitata per publica utilità de tutto il Suo Stato & Subditi", come si trova scritto nel bando citato, né che fosse stato battuto successivamente in quanta la leggenda dei R., che suona riconoscenza per la concessione dello zio Leone X, presuppone un'emissione contemporanea o immediatamente successiva all'investitura. Il C.N.I. cita l'esemplare conservato al Museo di Vienna.


Bronzeguss o.J. (19.Jh. ?), unsigniert.     Ø 79 mm.
Vs.:   Brustbild fast von vorn, den Kopf links gewandt.
Rs.:   Im Lorbeerkranz :  LAV / RENTIVS / MEDICES / VRBINI ETC / DVX
 

Guidobaldo II. della Rovere, 1538-74 Herzog von Urbino
- Sohn von Francesco Maria I. della Rovere -
Guidobaldo (*1514) folgte seinem Vater im Herzogtum Urbino. In zweiter Ehe heiratete er Vittoria Farnese, Tochter des Herzogs Pier Luigi Farnese von Parma. Ihr Sohn Francesco Maria II. della Rovere wurde letzter Herzog von Urbino. Dieser starb 1631 ohne männliche Erben und Urbino fiel an den Kirchenstaat.


Ducato.     Ø ca.18 mm, 3,32 g.   CNI 13 p.522 n.16; RM I p.87 n.5.
Vs.:   GVI· - VBAL·   -   bärtiger Kopf nach rechts.
Rs.:   ·VRBINI·DVX·IIII   "vierte Herzog von Urbino"     im Feld: ·S· / R·E·C / GE
für: Sanctea Romanae Ecclesiae Capitaneus GEneralis.


Cu-Probe für 18 grossi.     Ø ca.41 mm, 19,82 g.   CNI n.23; RM I p.89 n.11.
Vs.:   ·GVIDVS VBALDVS·II·VRBINI·DVX·IIII·   -   bärtige Büste nach rechts.
Rs.:   MONETA·DA·GROSSI·XVIII·LEGHE·X·  -  gekrönter Adler hält neunseitiges Rovere-Wappen.
Die Umschrift der Rs. gibt für die entsprechende talerartige Silbermünze an:
Wert (18 Grossi) und Feinheit (10 Unzen Feinsilber im Pfund [12 Unzen] = 833/1000).


Testone o medaglia.     Ø ca.29 mm, 9,78 g.   vgl.: CNI n.29; RM I p.90 n.14.
Vs.:   ·GVIDVSVBAL·II·VRBINI·DVX·IIII   -   bärtiger Kopf nach rechts.
Rs.:   ·AQVIlo· - ·FAVOnius· - ·AVSTralis· - ·EVRrus·   für die vier Himmelsrichtungen N, W, S, O.
Festungsanlage innerhalb derer:
REÆDIF / ICATOR / ·SENOG / ALLIE
"Wiedererbauer [der Festung von] Senigallia"
Das Exemplar von CNI & RM trägt unter der Büste die ligierten Initialen BC des Stempelschneiders.
Bei der Festung handelt es sich um die ab 1480 unter dem Großvater erbauten Rocca Roveresca di Senigalli,
heute ein Museum.


Prova di testone o.J. von Bartolomeo Campi.     AE, Ø 32 mm, 22,03 g.   CNI 30var; RM 15.
Vs.:   ·GVIDVS VBALDVS·II·VRBINI·DVX·IIII  -  bärtiger Kopf r., ligierte Initialen BC im Nacken.
Rs.:   ·DVX·GEN - ·EXERCI· - SANC·RO - ·ECCLES
Festungsgrundriss, darin: REÆDIF / ICATOR / SENOG / ALLIE·


geprägte Bronzemedaille o. J. (um 1546), von B. Campi.
Ø 33,1 mm, 26,40 g.   CNI 13 (vgl. p.524 n.31); Attwood 740 (dort gegossen); Börner 732.
Vs.:   ·GVIDVS VBALDVS·II·VRBINI·DVX·IIII   -   bärtiger Kopf r., ligierte Initialen BC im Nacken.
Rs.:   ·GENERAlis· - EXERCItus· - SANCtea·ROmanae· - ECCLESiae·
"General der Heere der heiligen römischen Kirche"   -   Festungsgrundriss, darin:
CVI·NO / VA·SVR / GIT·SE / NOGAL   "? neu errichtet Senigallia"
 

Lit.:
Corpus Nummorum Italicorum [CNI]: Urbino in Bd.XIII   -   CNI-Index
Ravegnani Morosini, Mario [RM]: Signorie e principati - monete italiane con ritratto, 1450-1796, 1984.
    Montefeltro: Bd.III, S.7-16.   Della Rovere: Bd.I, S.79 ff.   Medici in Urbino: Bd.II, S.313-315.

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