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      Zeitgenossen aus Schlesien      

Schlesien bestand aus mehreren Territorien. Sie standen unter der Oberhoheit des Böhmischen Königs.

Friedrich II., Herzog von Liegnitz-Brieg 1499-1547
Herzog Friedrich II. (*1480) übernahm 1499 die Regierung in Liegnitz. Er heiratete 1515 eine polnische Prinzessin und in zweiter Ehe 1518 eine Tochter des Markgrafen Friedrich V. zu Ansbach-Bayreuth. 1521 erbte er Brieg von seinem Bruder Georg I.. 1526 wurde der Habsburger Ferdinand I. König von Böhmen und damit neuer Lehnsherr Friedrichs.
1522 führte Herzog Friedrich II. die Reformation ein. Er ließ Liegnitz und Brieg befestigen - das Renaissance Schloßtor in Brieg erinnert noch heute daran. Friedrich vermittelte den Frieden von 1525 zwischen dem Deutschen Orden und Polen. 1537 schloss er eine Erbverbrüderung mit Kurfürst Joachim II. von Brandenburg, die er jedoch 1546, kurz vor seinem Tod, wieder rückgängig machen mußte, weil König Ferdinand I. nicht einverstanden war.
Die Liegnitzer Nebenlinie der polnischen Piasten starb 1675 aus und Habsburg zog das erledigte Lehen wieder ein. Als Friedrich der Große von Preußen 1740 gegen Maria Theresia in Schlesien einfiel, brauchte er einen Vorwand. Er benutzte dazu die Erbverbrüderung von 1537 und erklärte deren Annulierung von 1546 für ungültig.

König Wladislaw von Böhmen hatte 1505 Friedrichs Vorfahren ihre Rechte an Bergwerk und Münzstätte bestätigt. Friedrich ließ 1541 die Liegnitzer Münzstätte wieder in Betrieb setzen - nach dreißig Jahren Stillstand. Er gab Taler, Halb- und Vierteltaler aus, dazu schlesische Weißgroschen, Groschen und Dreigröscher nach polnischem Vorbild, und seit 1543 auch Dukaten.


Dukat 1543, Liegnitz.     Ø 21 mm, 3,42 g.     F.u.S.1354 ; Friedb.3138.
Vs.:   +FRIDERI·D·G·DVX·SLESI·LEG·BRE   -   Brustbild mit Lederkappe nach rechts.
Rs.:   +VERBum·DOMIni·MANET·IN·aETERNum   "Gottes Wort bleibt in Ewigkeit"
Quadriertes Wappen von Liegnitz-Brieg und Jz. darüber.



Taler 1542, Liegnitz.     Ø 41mm, 28,9g.     F.u.S.1350 ; Dav.9842
Vs.:   FRIDERI·D·G·DVX·SLESI·LEGENICZ·BRIGEN  -   Brustbild mit Lederkappe und Mantel nach r.
Rs.:   VERBVM·DOMINI·MANET·IN·ETERNVM·1542   "Gottes Wort bleibt in Ewigkeit."
Wappen von Liegnitz-Brieg (quadriert: niederschlesischer Adler / geschachtes Feld für Glogau)
mit Helm und Helmzier (Adler und Rad aus Pfaufedern).

Der Taler wurde mit gleichbleibendem Münzbild von 1541 bis 1546 geprägt. 1541 begann auch die Groschenprägung. Die Groschen führen die gleichen Umschriften wie die Taler, aber ihr Münzbild veränderte sich mit der Zeit:

Groschen 1541.
mit Kappe auf dem Haupt
Ø 22 mm.   F.u.S.1349

 
Groschen 1542.
ohne Kappe
Ø 22 mm.   F.u.S.1352

 
Groschen 1543.
Adlerbrust: breite Spange
Ø 22 mm.   F.u.S.1359

 
Groschen 1545.
Büste in Harnisch
Adlerbrust: minimale Spange
Ø 22 mm, 1,60g.
F.u.S.1370

Am Ende der Reihe steht eine Münze, die von leseunkundigen Zeitgenossen leicht mit den Groschen Herzog Albrechts in Preußen verwechselt werden konnten, vgl. dazu einen Groschen 1543 aus Königsberg, Ostpeußen.

Ab 1543 wurden auch Dreigröscher nach polnischem Vorbild geprägt.
Die Prägungen unter polnischer Oberhohheit mussten einen vorgeschriebenen Münzfuß für Gewicht und Feinheit einhalten. Schlesische Prägungen waren an diesen Münzfuß nicht gebunden.


Dreigröschen 1545, Liegnitz.     Ø 21 mm.   F.u.S.1369
Auch diese Münzen waren Nachahmungen der geschätzten Dreigröscher von Herzog Albrecht in Preußen.
Zum Vergleich siehe einen Dreigröscher 1540 aus Königsberg.

Das Münzwesen Schlesiens verkam im Laufe der Zeit. König Ferdinand musste schließlich eingreifen, als die böhmischen Stände in Prag Beschwerden über den zu niedrigen Feingehalt der Liegnitzer Prägungen vorbrachten. Auch König Sigismund I. von Polen beschwerte sich über Nachprägungen seiner Münzen. Herzog Friedrich musste sein Münzrecht nachweisen. Er konnte zwar die entsprechenden Urkunden vorlegen, dennoch untersagte ihm der König 1546 weiterhin zu prägen, so dass die Liegnitzer Münzstätte bis 1600 ausser Betrieb blieb.

Lit. :
• Friedensburg und Seger :  Schlesiens Münzen und Medaillen der neueren Zeit, Breslau 1901.
    Nachdr. 1968, 1976.

Bis 1546 hatten einzelne Stände Schlesiens (Liegnitz-Brieg, Breslau, Glatz, Münsterberg-Öls, Teschen, ...) für sich geprägt. Dann aber mussten neben Liegnitz auch Breslau und Glatz die Prägung einstellen. Die Stände beklagten sich zwar auch über das verwilderte Münzwesen, wollten aber an ihren Münzprivilegien festhalten. Kg. Ferdinand wollte mit der Schließung der selbständigen Münzstätten in Schlesien auch eine Anpassung an die Reichsmünzordnung durchsetzten.

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