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Karls Zeitgenossen im Heiligen Römischen Reich
Erzbistum Salzburg
Leonhard von Keutschach, 1495-1519
Matthäus Lang von Wellenburg, 1519-1540
 

Leonhard von Keutschach, 1495-1519
Leonhard stammt aus ländlichem Kleinadel nahe des Keutschacher Sees in Kärnten. 1460 war er Chorherr, 1495 wurde er zum Salzburger Bischof gewählt, eine Karriere, die er der unter Beweis gestellten eigenen Leistung zu verdanken hatte.
Mit Geschick und Zielstrebigkeit konnte er das hoch verschuldete Erzbistum zu wirtschaftlichem Wohlstand und kultureller Blüte führen. Verpfändete Güter wurden eingelöst, weitere erworben. Festung Hohensalzburg, Burgen und Strassen wurden erneuert und erweitert. Leonhard förderte erfolgreich und gewinnbringend den Bergbau (Silber, Gold, Salz) und den Fernhandel.
Salzburg hatte alle Selbständigkeit im Münzwesen verloren und seit Jahrzehnten keine eigenen Pfennige mehr geschlagen, obwohl es eigene Gold- und Silbervorkommen besaß. Fünf Jahre nach Leonhards Regierungsantritt setzte eine reichhaltige Münzprägung ein: Dukaten, Goldgulden, in Silber der berühmte Rübentaler 1504, 1/2 und 1/4 Guldiner hauptsächlich als Schaumünzen, sowie die Verkehrsmünzen Zehner (10 Kr.), Batzen (4 Kr. = 16 Pf.), Zweier (2 Pf.), Pfennig und Heller (1/2 Pf.).
Die Aussenpolitik war friedlich und bescheiden, die Innenpolitik autoritär. Die lange Auseinandersetzung mit der Stadtvertretung beendete Leonhard 1511 mit List und Gewalt: Er liess die zum Gastmahl geladenen Stadträte erst wieder frei, nachdem sie auf ihre alten kaiserlich verbrieften Privilegien verzichtet und ihre "Reichsstadtgelüste" aufgegeben hatten.
So fortschrittlich der Erzbischof in Bezug auf Wirtschaft und Verwaltung agierte, so konservativ war er in Glaubensfragen. Er hielt an den Regeln der Augustiner-Chorherren fest und verlangte auch von den Domherren, das Ordenskleid zu tragen.

Einseitiger Pfennig 1500.   11x12mm, 0,4 g.   Zöttl 86; Probszt 125; BR.534
Jahreszahl über Doppelwappen (Stifts- und Familienwappen), unten L(eonhard).
Leonhards Familienwappen - eine Rübe - war immer sehr populär und fand im Volksmund seine sagenhaften Erklärungen. Nach der einen Version soll der Vater dem Sohn zum Abschied eine Rübe nachgeworfen haben, weil er sich weigerte, "dem Pfluge nachzugehen", also Bauer zu werden. Die zweite Version schildert eine Begegnung Leonhards mit seinem Onkel Wolf zu Alm im Pinzgau. Er habe Leonhard wegen seines schlechten Studienerfolges zur Rede gestellt und ihm wegen einer kecken Antwort eine Rübe nachgeworfen. [H. Zöttl]
Leonhards Wappen bezeugt jedenfalls seine ländliche Herkunft.

Auf Betreiben Ks. Maximilians und gegen Leonhards Willen wurde 1512 Matthäus Lang als Koadjutor und Nachfolger ernannt, was möglicherweise Leonhard zu den folgenden demonstrativen Prägungen mit seinem eigenen Porträt veranlasste.


Klippe zu 3 Dukaten 1513.   30x30 mm, 10,4 g.   Zöttl 8; Probszt 55; BR.4
Stempelschneider: Ulrich Ursentaler d. Ä. aus Hall in Tirol

Vs.:   ¤ LEONARD9us DE KEWTSCH'ach ARchiE'piscopus SAL'isburgensis
"Leonhard von Keutschach Erzbischof von Salzburg"
Quadriertes Wappen zwischen Jahreszahl 15 - 13, darüber Mitra

Rs.:   ¤ ORA PRO ME SA - NCTE RVDBERTE
"Bete für mich Heiliger Rupert"
Tonsuriertes Brustbild im geistlichen Gewand n.r.
Prägungen auf rechteckigen Schrötlingen heißen Klippen; sie sind einfacher und billiger herzustellen als runde Münzen. Leonhards Klippen sind keine Notmünzen.
Das Avers zeigt die Herkunft der Prägung an: Titel und Wappenschild des Münzherrn. Das quadrierte Schild enthält das Salzburger Stiftswappen (Löwe|Binde) und Leonhards Familienwappen (Rübe). Diese Klippe wurde im Gewicht von 6, 5, 4 und 3 Dukaten geprägt. Sie dürften als Geschenk oder Belohnung ausgegeben worden sein, konnten aber auch als Zahlungsmittel benutzt werden, da sie dem regulären Münzfuß entsprachen. Sie wurden auch rund (Ø 28 mm) in Gold als Mehrfachdukaten sowie in Silber ausgeprägt.
Wahrscheinlich sind diese Stücke in Hall in Tirol geprägt worden.


1/2 Guldiner 1513.   Ø 28 mm, 14,29 g.   Zöttl 51; Probszt 91; BR.63
Vs.:   Stifts- und Familienwappen getrennt nebeneinander mit einem Band verbunden
Umschriften und Bildnis wie zuvor auf der Gold-Klippe.
Auch diese Münze wurde in verschieden Stärken rund und als Klippe in Silber und in Gold ausgeprägt.
Diese Prägungen von 1513 sind die frühesten mit dem Portrait eines Erzbischofs. Neben diesen Schaustücken eines "ganz vom Prinzip des Personenkultes der Renaissance beherrschten Kirchenfürsten" [G. Probszt] wurden auch Dukaten, Goldgulden sowie Silbermünzen für den Normalgebrauch geprägt. Sie zeigen den Stadtheiligen, den Heiligen Rupert mit seinem Attribut, einem Salzfaß.

Siehe das Marmordenkmal von 1515 im Innenhof der Festung Hohensalzburg.

Ungewöhnlich ist die folgende Umlaufmünze, auf der sowohl der grosse Stadtheilige
wie auch der kleine Bischof erscheinen:


Zehner (10 Kreuzer) 1513.   Ø 29 mm, 5,7 g.   Zöttl 58; Probszt 97; BR.79
Vs.:   LEONARDVS:D:G:ARCHIEPI:SALZ¤
Stifts- und Familienwappen nebeneinander mit Kreuz- und Krummstab,
darüber Mitra, darunter die Jahreszahl 1513

Rs.:   SANCT9us RV - DBERT9us EPiscopuS
Der Heilige Rupert hält mit der Linken ein Salzfaß auf dem Schoß; mit der rechten Hand umfasst er
die Schulter des knienden Erzbischofs, der wiederum Mitra trägt und Krummstab hält.
Es handelt sich um eine Scheidemünze für den alltäglichen Geldverkehr, die wegen der relativ hohen Herstellungskosten nicht vollwertig ausgeprägt werden konnte.
Man vergleiche diese 10-Kreuzer-Ausgabe von 1513 mit der als nächstes gezeigten Münze von 1521, die nur 4,64 g wiegt.

Matthäus Lang von Wellenburg, 1519-1540   1505-1522 Bischof von Gurk
Der 1486 in Augsburg geborene Patriziersohn trat nach dem Studium in den Dienst des Mainzer Erzbischofs Berthold von Henneberg, bevor er Sekretär und Diplomat des späteren Ks. Maximilian I. wurde. Seine Verdienste um das Haus Habsburg belohnte Kaiser Maximilian 1498 mit der Erhebung in den Adelsstand. 1507 gelangte Schloss Wellenburg nahe Augsburg in seinen Besitz und fortan benannte sich Matthäus danach.
Matthäus bemühte sich um lohnende Pfründe. 1500 erhielt er mit Maximilians Hilfe u. a. die Dompropstei in Augsburg. 1505 wurde er Bischof von Gurk (bis 1522). Als solcher rief er Maximilian am 5.2.1508 im Dom von Trient mit päpstlicher Zustimmung zum "erwählten römischen Kaiser" aus. 1511 wurde Matthäus Lang zum Kardinal und zum Koadjutor im Bistum Salzburg ernannt. Damit war das Recht zur Bischofsnachfolge verbunden. Um die Einwände des Salzburger Domkapitels zu überwinden, versprach Matthäus in der Wahlkapitulation die Befreiung von den unbequemen Ordensgelübden zugunsten des einfachen Klerikerstandes, womit er dem Willen des amtierenden Bischofs Leonhard von Keutschach widersprach. Nach dem Tod von Leonhard von Keutschach (8.6.1519) wurde Matthäus Lang Erzbischof von Salzburg. Anlässlich seines Amtsantritts wurde er kirchlich zum Priester und wenige Tage später zum Bischof geweiht.
Als Bischof musste sich Matthäus 1523 gegenüber der rebellierenden Bürgerschaft durchsetzen. 1525 folgte der Bauernaufstand, vor dem er sich auf die Festung Hohensalzburg zurückziehen musste, bevor der Schwäbische Bund für Entsatz sorgte. Die Kriegsverwüstungen zwangen ihn zur Sparsamkeit. Er bekämpfte die sich ausbreitende Reformation und bemühte sich, die Landesverwaltung zu verbessern.


10 Kreuzer 1521.     Ø 24 mm, 4,64 g.   Zöttl 240; Probszt 238; BR.669
Vs.:   + MATHEVS·CARDinalis·ARCHIEPiscopVS·SALZBurgensis
Brustbild mit Birett nach rechts, zwischen der Jahreszahl MD - XXI.
Rs.:   + SANCTVS·RVDBERTVS·EPiscopuS·SALZB
Stifts- und Familienwappen unter Kardinalshut
Matthäus Langes Familienwappen: am Spalt, halbe Kreuzblume (links) und halbe Lilie (rechts).
Die Stempel lieferte Ulrich Ursentaler aus Hall in Tirol.


3 Dukaten 1521.  Ø 24 mm, 10,6 g.   Zöttl 133; Probszt 148; BR.587; Fr.583
Vs.:   wie vor
Rs.:   ·Sanctus·RVD (Familienwappen) BER - TVS (Stiftswappen) EPiscopVS
Stehender Heiliger Rupert mit Heiligenschein, Mitra, Salzfaß und Krummstab.
Um 1514-1519 entstand eine Medaille, die sich im Berliner Münzkabinett (einseitig, Bronze, Ø 74 mm) erhalten hat und früher Hans Schwarz zugeschriebenen wurde. Diese Medaille trägt eine Umschrift MATHEVS·CAR·GVRCENS·COADIVTOR·SALSBVRGENS aus der Zeit, als Matthäus noch Coadjutor unter seinem Vorgänger Erzbischof Leonhard von Keutschach war. Diese Porträt-Medaille wurde Vorbild für das Bildnis auf den Münzen von Matthäus Lange.


Doppelter Schauguldiner 1521, Hall. (sog. "Radianataler")
Ø 48 mm, 52,92 g.   Zöttl 185; Probszt 194; BR.561; MT 95; Dav.8156
Vs.:   MATHEVS·CARD·AR (Gurk) CHIEPS·SALZBVRG (Familienwappen) AC·EPVS·GVRCEN (Salzburg)
"Matthäus Kardinal, Erzbischof von Salzburg sowie Bischof von Gurk"
Brustbild mit Birett nach links zwischen Jahreszahl MD - XXI

Rs.:  + ORA·PRO·NOBIS·DEVM·SANCTA·VIRGO·RADIANA
"Heilige Jungfrau Radiana, bete zu Gott für uns"
Die nimbierte heilige Radiana von Wölfen angefallen. Im Hintergrund Bäume und Schloß Wellenburg (rechts).
Die heilige Radiana (* um 1300) war eine Magd auf Schloss Wellenburg bei Augsburg. Der Legende nach pflegte sie Arme und Kranke im nahen Siechenhause und trug ihnen Milch, Butter und Brot zu. Eines Tages soll sie auf dem Heimweg von Wölfen angefallen und schwer verletzt worden sein. Drei Tage später verstarb sie auf Schloss Wellenburg und wurde in der Nähe des Siechenhauses beigesetzt. Dort wurde eine Kapelle errichtet, die um 1450 mit Privilegien bedacht wurde und sich zu einer Wallfahrtsstätte entwickelte.
Matthäus Lang war ein glühender Verehrer der hl. Radiana. Er hatte 1521 in seinem Heimatort die alte Kapelle abbrechen und eine neue errichten lassen. Zu den Einweihungsfeierlichkeiten hatte er in der Münzstätte Hall Gedenkstücke aus Gold und Silber herstellen lassen, Dickpfennige, die an die Anwesenden verteilen wurden. Der Stempelschneider war Ulrich Ursenthaler d. Ä.; als Vorlage für den Rückseitenstempel diente ihm ein Stich des Augsburger Malers Hans Burgkmair (1521, 20,5x15,6 cm, Uni. Erlangen), das Vorbild für die Vorderseite war die oben erwähnte Medaille von Hans Schwarz.


Guldiner 1522, Hall.  Ø 38 mm, 27,86 g.   Zöttl 202; Probszt 203; BR.632; Dav.8160
Vs.:   + MATHEVS CARDinalis (Wappen von Gurk) ARchiEPiScopus·SALZB'urgensis (Familienwappen) AC·EPiScopus·GVRCENsis (Stiftswappen) - "Matthäus Kardinal, Erzbischof von Salzburg und Bischof von Gurk"
Brustbild mit Birett nach links zwischen Jahreszahl MD - XXII.

Rs.: + SanctuS·RVDBERTVS·ET·VIRGILIVS·EPIscopus·SALZBVRGENsis
"Die Heiligen Rudbertus und Virgilius, Bischöfe von Salzburg"
Die beiden sitzenden Stiftsheiligen mit Krummstäben und ihren Attributen: St. Rudbertus mit Salzfass
und St. Virgilius mit dem Modell des romanischen Domes.
Sie treten hier erstmals gemeinsam auf einer Münze auf.
Rupert (Rudbertus) gründete um 700 das Stift Sankt Peter und wurde der erste Bischof von Salzburg. Er soll die Solequellen von Reichenhall entdeckt haben. Daher wurde Rupert auch der Schutzpatron des Salzbergbaus.
Virgil (Virgilius), 749-784 Bischof von Salzburg, liess die erste Kathedrale bauen und dem heiligen Rupert weihen. Er war ein bedeutender Gelehrter und wurde 1233 heilig gesprochen.


Guldiner 1522, Hall.   Ø 38 mm, 26,6 g.   Zöttl 200; Probszt 202; BR.628; Dav.8161.
Vs.:   wie zuvor.
Rs.:   + MATHEVS·Misericordia·Dei·CARDinalis·ARCHIEPS·SALZB'·APostolicae·SEdis·LEGATus
"Matthäus durch die Barmherzigkeit Gottes Kardinal, Erzbischof von Salzburg, Legat des Apostolischen Stuhles"   -   Vierfeldiges Wappen, darüber Kardinalshut mit herabhängenden Quasten,
dahinter Kreuz- und Krummstab gekreuzt.
Name und Titel des Münzherren wiederholen sich auf der Rückseite! Dabei ersetzt "Misericordia Dei" (Barmherzigkeit Gottes) das übliche "Dei Gratia" (Gottes Gnaden).

Vergleiche das von Albrecht Dürer 1522 gefertigte Bildnis [388x277 mm, Wien, Graphische Sammlung Albertina].




Dukat 1523.     Ø 21 mm, 3,5 g.   Zöttl 123; Probszt 190a; BR.666
auf die Niederwerfung des Salzburger Bürgeraufstandes

MATHEVS· / ·CARDinalis·ARCHI / EPiScopus·SALZBVrgensis· / ·APostolicae·SEdis·LEGatus·
"Matthäus Kardinal, Erzbischof von Salzburg, Legat des Apostolischen Stuhles"
Im Jahr 1523 begehrte die Salzburger Bürgerschaft gegen den Landesherren auf und forderte Mitsprache und mehr Rechte. Matthäus Lang konnte die unblutige Auseinandersetzung, den sogenannten "Lateinischen Krieg", für sich entscheiden und dadurch seine Machtstellung stärken. Die Bürger mussten schriftlich auf die strittigen Rechte verzichten und eine Zwangsanleihe in Höhe von 4.000 Gulden aufnehmen.



Doppelter Guldiner 1538.  Ø 48 mm, 52,91 g.   Zöttl 188; Probszt 196; BR.563; Dav.8163
Vs.:   + MATHEVS· (Familienwappen) EPS·ALBANensis·CARdinaLIS·ARCHIEPS (Stiftswappen) SALZBVRG
"Matthäus Bischof von Albano, Kardinal, Erzbischof von Salzburg"
Brustbild mit Birett nach links. Darunter die Jahreszahl MDXXXVIII

Rs.:   + ORA PRO NOBIS DEVM SANCTA VIRGO RADIANA
"Heilige Jungfrau Radiana, bete zu Gott für uns"
Die nimbierte heilige Radiana von Wölfen angefallen. Im Hintergrund Bäume und Schloß Wellenburg (links).
Den Titel "Bischof von Albano" [bei Rom] hatte Matthäus 1535 vom Papst erhalten.

Lit.:
• Zöttl, Helmut :  Salzburg - Münzen und Medaillen 1500-1810, Bd.1. und salzburgcoins.at.
• Probszt, Günther :  Die Münzen Salzburgs, zweite ergänzte Auflage besorgt durch Erich B. Cahn,
      Basel/Graz 1975, daraus ein kurzer Auszug zur frühen Neuzeit.
• Bernhart, Max / Roll, Karl [BR.] :  Die Münzen und Medaillen des Erzstiftes Salzburg, 1929.

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