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Markgrafschaft Saluzzo
Ludovico II., 1475-1504
Margherita di Foix (1473-1536), Regentin 1504-21
Francesco di Saluzzo, 1529-37
Die Markgrafschaft Saluzzo liegt im Quellgebiet des Flusses Po, eingegrenzt von Savoyen im Osten und Frankreich im Westen. Saluzzo entstand 1142 im Einvernehmen zwischen Frankreich und Savoyen und wurde 1175 von Ks. Friedrich I. zur Markgrafschaft erhoben. Als 1548 die herrschende Dynastie Del Vasto ausstarb, fiel Saluzzo an Frankreich. 1601 kam es zu Savoyen im Tausch gegen Bresse, damals der westlichste Teil des Herzogtums Savoyen.

Landkarte von Italien im Jahr 1499

Ludovico (Ludwig) II., 1475-1504
Unter dem geschickten Diplomaten Ludovico I. erreichte die Markgrafschaft Saluzzo ihre höchste Blüte. Sohn Ludovico II. war weniger geschickt und verfeindete sich mit Carlo I. von Savoyen, der 1487-90 Saluzzo vorübergehend beherrschte. Ludovico unterstützte aktiv 1495 Kg. Karl VIII. von Frankreich bei dessen Feldzug gegen Neapel. Im zweiten Feldzug gegen Neapel - jetzt von Kg. Ludwig XII. geführt - übernahm Ludovico 1503 sogar das Kommando, wurde aber geschlagen und starb auf dem Rückweg in Genua. Seine militärischen Aktivitäten brachten ihm kein Machtgewinn ein, sondern nur den französischen St-Michaelsorden. Die Militärausgaben führten sein Land in eine wirtschaftliche Notlage.
Ludovico II. heiratete 1492 Margherita di Foix. Ihre gemeinsamen Söhne folgten der Reihe nach auf den Thron - Michele Antonio (1504-28), Gian Ludovico (1528-29), Francesco (1529-37) und schließlich Gabriele (1537-48) - bevor die Dynastie ausstarb.
In Carmagnola errichtete Ludovico II. 1480 eine Prägestätte für seine Münzen.


Doppio ducato, Carmagnola.     Ø 28 mm, 6,93 g.   CNI 55/4; RM 99/1; Friedb.154.
Vs.:   +·LVDOVICVS·Marchio·S A - LVTIARVM·:·  -  Geharnischtes Brustbild n.l., Barett mit Knopf.
Variante mit Knopf auf dem Barett und mit dem Münzzeichen ·:· am Ende der Legende.

Rs.:   ·SANCTVS:CONSTANTIVS·:·  -  Gekrönter Adler mit Saluzzos Wappen auf der Brust.
Das Wappen von Saluzzo besteht aus einem weissen Feld unter dem blauen Schildhaupt.



Ducato, Carmagnola.     Ø 23 mm, 3,46 g.   CNI 57/19; RM 100/3var; Friedb.155.
Vs.:   ·LVdovicus·Marchio·SA - LVTIARum  -  Geharnischtes Brustbild n. l., Barett ohne Knopf.
Rs.:   SANCTVS - CONSTANTI- V
schräggestelltes gekröntes Wappen, darüber gekrönter Adler n.r. zwischen den Initialen ·L· - ·M



Cavalotto o. J., Carmagnola.     Ø 28 mm, 3,59 g.     CNI 63/81; RM 103/10; MIR 126.
Vs.:   +·LVDOVICVS·M·S - ALVTIARVM·   -   geharnischte Büste n. links, Barett mit Knopf.
Rs.:   S - ANCT':CONSTANT - IVS·:·   -   Hl. Constantius mit Fähnlein zu Pferd n.r.


Cavalotto o. J., Carmagnola.     Ø 28 mm, 4,00 g.     CNI 60/46-95; RM 103/10; MIR 126.
Vs.:   +·LVDOVICVS·M·SA - LVTIARVM   -   geharnischte Büste n. l., Barett ohne Knopf.
Eine Verprägung durch "Doppelschlag" verunstaltete bei 5h das M und den Innenkreis.

Rs.:   SANCT':C - O - NSTA - N - TIVS   -   Hl. Constantius mit Fähnlein zu Pferd n. r.
Der Innenkreis wurde zunächst auf dem Stempel mit einem Zirkel gezogen. Drei kurze Stücke blieben nicht nachbearbeitet.
Der Münztyp Cavalotto wurde so genannt nach dem Pferd im Münzbild der Rückseite.
Unterschieden wird:
- mit Münzzeichen L oder F am Ende der Vs.-Legende: CNI n.34-45 bzw. RM 9
- ohne Münzzeichen: CNI n.46-96 bzw. RM 10
Wegen gleicher Durchmesser waren die Stempel mit der Herrscherbüste für Doppeldukaten, Testone und Cavalottos einsetzbar.


Cornuto oder Grosso da 12-15 Soldi, Carmagnola.     Ø 28 mm, 7,98 g.
CNI 58/28var; RM 99/6(Vs.)-8(Rs.); MIR 124var.

Vs.:   ·+·LVDOVICus'·MARCHIO·'SALVTIARvum  -  Geharnischtes Brustbild mit Barett n. l.
Rs.:   SANCTVS·CONSTANTIVS ·
schräggestelltes gekröntes Wappen, darüber gekrönter Adler n. l. zwischen den Initialen ·L· - ·M.
Die Vs. stammt von einem Cornuto-Stempel (RM 6), die Rs. von dem Grosso-Stempel (RM 8).



Tallero 1503, Carmagnola.     Ø 43 mm, 38,76 g.   CNI 69/138; RM 105/14; MIR 135; Dav.8257.
Vs.:   +LVDOVICVS·MARCHIO·ET·MARGARITA·De·FOIS·Marchionisa·Salucarum
Brustbilder von Ludovico und Margherita di Foix einander gegenüber. Darunter die Jz. 1503.
Ludovico trägt die Collane des französischen St-Michaelsordens, die aus verbundenen Muscheln besteht.

Rs.:   +SI·DEVS·PRO·NOBIS·QVIS·CONTRA·NOS·J JC
"Wenn Gott für uns ist, wer kann gegen uns sein?"   J JC = ?
Gekrönter Adler mit aufgesetztem Wappen: Saluzzo | Foix/Béarn.
Wappen der Markgrafschaft Saluzzo: weisses Feld, darüber ein blaues Schildhaupt.
Wappen der Gft. Foix (im NO der Pyrenäen): 3 rote Pfähle auf gelbem Grund.
Wappen der Gft. Béarn (im NW der Pyrenäen): 2 rote Kühe auf gelbem Grund.

Seine Ehefrau Margherita di Foix liess ein monumentales Grabmahl in der Kirche San Giovanni in Saluzzo errichten. Zum Grabmahl gehört eine von Benedetto Briosco gefertigte Marmorskulptur. Siehe das Gesicht von vorne. Von Ludovico II. ist kein weiteres zeitnahes Bildnis bekannt.

Margherita di Foix (*1473 †1536), Regentin 1504-1521
- Ehefrau von Ludovico II., Regentin für Sohn Michele Antonio -
Thronfolger war 1504 der älteste Sohn Michele Antonio (*1495). Seine Mutter Margherita di Foix übte die Regentschaft bis ca. 1521 aus. Auch sie vertrat französische Interessen: Michele Antonio wurde an den französischen Hof geschickt und als sich 1522 ein kaiserliches Heer der Markgrafschaft näherte, floh Margherita vorübergehend nach Frankreich. Sie war eine gebildete Frau. Die Zwietracht mit und zwischen ihren vier Söhnen belastete ihre Regentschaft.
Michele Antonio zeichnete sich 1525 in der Schlacht von Pavia aus und wurde 1528 tödlich verwundet.
Der zweite Sohn Gian Ludovico war nach der Schlacht von Pavia auf die Seite Ks. Karls V. gewechselt. Seine Mutter hatte ihn daraufhin gefangen setzen lassen. Nach dem Tod des regierenden Bruders wurde er durch einen Aufstand in der Markgrafschaft an die Macht gebracht, doch Kg. Franz I. von Frankreich erreichte schon 1529 seine Absetzung, so dass der dritte Sohn Francesco die Grafschaft übernahm, siehe unten.
Margherita zog sich 1531 nach Castres in den Pyrenäen zurück, wo sie 1536 starb, verlassen und von ihren Söhnen enttäuscht.


Tallero da 40 grossi 1516.     Ø 45 mm, 37,85 g.   CNI 71/1; RM 107/1; Dav.8259; Scher 34.
Vs.:   ✠MARGARITA·DE·FVXO·MARCHIONISA·SALVCIARum Tutrix et Curatrix I5I6
Büste mit langem Witwenschleier n. l.
Rs.:   ✥DEVS·PROTECTOR·ET·REFVGIVM·MEVM·J JC
"Gott, mein Schutz und meine Zuflucht"     J JC [JC ligiert] = F. Gianluca und M. da Clivate, Münzmeister?
Entlaubter Baum mit freigelegten Wurzeln (für den verstorbenen Ehemann), worin eine Taube sitzt.
An einem Ast hängt das gespaltene Schild Saluzzo und Foix/Béarn.
Hier handelt es sich um eine geprägte Schaumünze, die wohl nicht für den Umlauf gedacht war. Sie wird sowohl in Münz- als auch in Medaillenkatalogen erfasst. Als Medaille müsste sie zu einem bestimmten Anlass erschienen sein, der aber unbekannt ist. Zur Bedeutung von J JC in der Umschrift gibt es mehrere Deutungsversuche, von denen aber keine eine allgemeine Anerkennung fand.

Francesco (Franz) di Saluzzo, 1529-37
- 3. Sohn von Ludovico II. und Margherita di Foix -
Francesco kam 1529 an die Regierung, nachdem Kg. Franz I. von Frankreich den älteren Bruder Gian Ludovico entmachtet hatte, s.o. Damit wurde Saluzzo zu einem Satellitenstaat Frankreichs. Francesco starb 1537 kinderlos. Die Regierung seines Nachfolgers Gabriele, dem jüngsten der vier Brüder, endete 1548 durch einen Aufstand. Bald danach starb Gabriele. Die Herrscherdynastie war damit erloschen und 1549 konnte Kg. Heinrich II. Saluzzo in Frankreich eingliedern.


Testone o. J.     Ø 29 mm, ca.9 g.   CNI 89/3var; RM 109/1; MIR 152.
Vs.:   ·FRANCISCVS·Marchio· - SALVCIARVM   -   Geharnischtes Brustbild n.l.
Rs.:   :NON·NOBIS·DOMINE·NON·NOBIS   "Nicht uns, Herr, nicht uns"
Gekröntes Wappen von Saluzzo zwischen Initialen F - S.

Lit.:   [CNI und RM: Seite & Nr. z.B. 87/6 = S.87 Nr.6]
Corpus Nummorum Italicorum [CNI], vol.II, siehe unter Carmagnola  -  CNI-Index vol.II
Ravegnani Morosini, Mario [RM]: Signorie e principati - monete italiane con ritratto, 1450-1796. 1984.
    Saluzzo: Bd.III, S.95 ff.
• Varesi, Alberto [MIR]: Monete Italiane Regionali (MIR-2) - Piemonte, Sardegna, Liguria, Corsica. Ed.Varesi, 1996

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