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Reichsritter, Heerführer, Hofnarr, Sänger
 
Franz von Sickingen 1481-1523, Reichsritter und Fehdeunternehmer
Götz von Berlichingen 1481-1562, fränkischer Reichsritter
Georg von Frundsberg 1473-1528, Vater der Landsknechte
Kaspar von Frundsberg 1501-1536, Landsknechtsführer
Hans von Singen, Hofnarr
Ludwig Senfl 1490-1543, Sänger und Komponist

Die Kriegerkaste der Reichsritter waren zwar reichsunmittelbar (dem Kaiser direkt unterstellt), jedoch auf Reichstagen ohne Vertretung in einem der Stände. Auf dem Wormser Reichstag von 1495 wurde die Fehde und das Faustrechts zum Landfriedensbruch erklärt und mit Reichsacht bedroht. Streitigkeiten sollten vor dem neu geschaffenen Reichskammergerichts ausgetragen werden. Das Unwesen der Fehden ging daraufhin langsam zurück. Die letzte Fehde zettelte Wilhelm von Grumbach an, der 1567 auf dem Marktplatz von Gotha gevierteilt wurde.

Franz von Sickingen 1481-1523, Reichsritter und Fehdeunternehmer
1505 übernahm er von seinem Vater die Ebernburg bei Bad Kreuznach und viel Streubesitz an der Nahe, im Unterelsass und im Kraichgau sowie Erzgruben. Er wollte den Bedeutungsverlust der Ritterschaft im beginnenden Zeitalter der Kanonen entgegenwirken. In zahlreichen konstruierten Fehden suchte er eigene oder fremde Ansprüche nach altem Brauch zu befriedigen und machte daraus sein Geschäftsmodell. Zwei mal geriet Franz von Sickingen in die Reichsacht: 1515, nachdem er in in einen Streit zwischen Wormser Kaufleuten und dem bischöflichen Notar gewaltsam eingriff, und 1522, als er mit einem fadenscheinigen Fehde-Vorwand und 7000 Kriegern Trier einzunehmen versuchte. Als Vollstrecker der zweiten Acht zogen die Kurfürsten von Trier und Pfalz sowie der Landgraf von Hessen mit einem Heer vor Sickingens Burg bei Landstuhl und beschossen sie. Der verwundete Franz von Sickingen starb kurz nach Übergabe der Burg. Mit ihm zerbrach die Hoffnung der Reichsritterschaft auf eine eigenständige Stellung im Reich neben den Landesfürsten und den Städten.


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Silbergußmedaille 1518 von Hans Schwarz.     Ø 84 mm, 127,1 g.   Habich I, 25; Domanig -.
Auf die Aussöhnung zwischen Kaiser Maximilian I. und Franz von Sickingen.

Vs.:   *COLE·DEVM·EXIN·PVBLICA·AMA·IVSTVMQVE·TVERE·M·D·XVIII
"Verehre Gott, liebe die Staatsgeschäfte und schütze das Rechte. 1518"
Gekröntes Hüftbild Ks. Maximilians n. rechts, in reichverzierter Rüstung, mit Orden vom goldenen Vlies,
Szepter in der Linken, Schwert in der Rechten.

Rs.:   Ks. Maximilian auf einem mit einem Adler geschmückten Thron, mit Krone, Orden vom goldenen Vlies, Szepter und Reichsapfel. Vor ihm und neben dem behelmten Sickingen-Wappen (5 Kugeln) kniet Franz von Sickingen im Harnisch, den federgeschmückten Helm in den Nacken geschoben.
In seinen Händen ein Spruchband:
ARMIS MERCVRIVM SI NON
Oben weiter in der Umschrift:
PRAEPONAS MAXIME CAESAR SEMPER ERIS VICTOR FAVSTAQVE REGNA TENENS
"Wenn du nicht Merkur (= die Kaufleute) den Waffen vorziehst, erhabenster Kaiser,
wirst du immer Sieger sein und ein glückliches Regiment führen"
Während die erste Reichsacht noch lief, zog Sickingen im Dient des französischen Königs 1516 durch Lothringen und gegen die Reichsstadt Metz, die er gegen Lösegeld vor Plünderung verschonte. Anschließend zog er durch Hessen, um von Ortschaften und der Stadt Frankfurt Lösegeld zu erpressen. So kam 1518 eine Gesamteinnahme von fast 83.000 Gulden zustande.
Die Fehde mit Worms blieb ungesühnt weil die als Achtvollstrecker beauftragten Städte unwillig blieben und Ks. Maximilian schliesslich Sickingen überraschend aus der Reichsacht entließ, um ihn an sich zu binden angesichts der bevorstehenden Kaiserwahl. Im Gegenzug versicherte Sickingen seine Kaisertreue (Anlass der Medaille) und Bereitschaft, sich am Kampf gegen Herzog Ulrich von Württemberg zu beteiligen.
1519 - von Ks. Karl V. neu bestallt als kaiserlicher Rat - löste Sickingen das Versprechen ein, gegen Ulrich von Württemberg zu kämpfen, der in Reichsacht geraten war weil er gerade die Reichsstadt Reutlingen überfallen hatte. 1521 unternahm Franz Sickingen aus eigener Tasche einen Feldzug gegen Frankreich, der allerdings fehlschlug. 1522 wählten 600 oberrheinische Ritter Sickingen zu ihren Hauptmann. Sie erstrebten eine eigene territoriale Herrschaft auf Kosten der geistlichen Fürsten.


Bronzegußmedaille 1521.     Ø 38,4 mm, 30,17 g.   Beierlein 4(1854) CXXXII 186; Slg.Opitz 889.
Vs.:   FRANCISCVS - VON SICKING   -   Büste nach links mit Mütze und Halskette zwischen Jz. I5 - ZI
Rs.:   FRANCISCVS VON SICKINGEN KAISER KARL DES V RATH CHAMERER VND HAVBMAN
Wappen von Sickingen mit Helm und Schwanenhals als Zier.
Hier wird auf deutsch der von Ks. Karl V. erhaltene Titel bekannt gemacht.


Bronzemedaille 1521 von Hans Schwarz.     Ø 51 mm.  Habich 235; Beierlein 4(1854) CXXXII 187.
Als Rat und Hauptman Ks. Karls V. eventuell aus Anlaß des Wormser Reichstages gefertigt.

Vs.:   FRANCISCVS Von SICKING Z RAT Vnd HAVPMAN KAROLI QVINTI
Büste nach links mit Mütze und Halskette zwischen Jz. MD - XXI
Rs.:   5 Zeilen : ALLEIN GOT / DI ER LIEB DEN / GeMEINE NVCZ / BeSCHIRM DI G/EReChTIKEI
Vergleiche dazu Bild und Wahlspruch auf dem Kupferstich von Hieronymus Hopfer um 1520,
22x16 cm, gezeigt von Wikipedia.


Bronzegussmedaille 1522.    Ø 39 mm.  Beierlein -.
Vs.:   FRANCISCVS·V SIGKINGEN  -  Büste mit Mütze l. zwischen Jz. 15Z - 2
Rs.:   6 Zeilen:   ALLEIN / GOT DI ER LI/EB·DEN GEME/INE:NVZ BESC/HIRM DI GER/ECHTIKEI
Als Oberhofmeister und Kriegsobersten von Kfst. Ludwig V., 1508-44.

Lit.:
• J. P. Beierlein: Medaillen auf ausgezeichnete und berühmte Bayern, in Abbildungen und mit biographisch-historischen Notizen Bd.1-5 München 1848-66 - im Netz verfügbar
• Rheinhard Scholzen: Franz von Sickingen. Fehde als Geschäftsmodell. In: M.Matheus (Hg.): Reformation in der Region. Personen und Erinnerungsorte. Bd.21, 2018, S.53-73.   als PDF im Netz.

Götz von Berlichingen 1480-1562, fränkischer Reichsritter
In seinen Lehrjahren diente er den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, dann auch mal einem Raubritter. Bei der Belagerung von Landshut verlor er 1504 die rechte Hand, die durch eine eiserne Prothese mit beweglichen Fingern ersetzt wurde. Er führte zahlreiche Fehden in eigener Sache oder für Fremde, so mit Nürnberg, Köln und dem Bf. von Bamberg. Über ihn wurde die Reichsacht verhängt, 1512 wegen einem Überfall auf Nürnberger Kaufleute und erneut 1518 wegen der Gefangennahme des Grafens Philipp von Waldeck zwecks Lösegelderpressung. 1517 erwarb er die Burg Hornberg am Neckar. Im Dienst des Hzg. Ulrich von Württemberg wurde Götz vom Schwäbische Bund 1519-22 gefangen genommen. Wegen seiner Beteiligung am Bauernkrieg wurde er 1526 vor Gericht freigesprochen, trotzdem 1528-30 in Augsburg festgehalten und nur mit Auflagen freigelassen. 1540 heuerte Ks. Karl V. den 60jährigen Krieger für den Kampf gegen die Türken. Nach mehreren Wochen in Wien wurde das Vorhaben aber abgeblasen.
Seine Autobiographie inspirierte Goethe zu seinem Schauspiel "Götz von Berlichingen", in dem das "Götz-Zitat" (Leck mich am Arsch) vorkommt.


Silbermedaille o. J. um 1931 von H. Diller auf den 450. Geburtstag.     Ø 35 mm, 24,6 g.
GÖTZ VON BERLICHINGEN   /   WO·VIEL·LICHT·IST·IST·STARKER·SCHATTEN
Unter der eisernen Hand: Bild seiner Burg Hornberg, darunter ein Band mit seiner Unterschrift.
Vergleiche die Glasmalerei aus 1547 im Museum Jaxthausen, gezeigt von Wikipedia.

Georg von Frundsberg 1473-1528, Vater der Landsknechte
Er erlebte 1499 den kriegstechnischen Wandlung vom Einzelkampf gepanzerten Reiter zum lanzenbewehrten Massenkampf. Als Heerführer diente er Maximilian I., der ihn zum Ritter erhob, und Karl V. Seine Söldner nannte Frundsberg "Söhne", und diese sahen in ihm den "Vater der Landsknechte". Als Frundsberg im Feldlager bei Bologna meuternde Soldaten beruhigen wollte, erlitt er am 16.3.1527 einen Schlaganfall. Die Meuterer zogen ohne seine Führung weiter nach Rom zum Sacco di Roma, während sich Frundsberg zurückzog. Kurz nach Erreichen seiner schwäbische Heimat Mindelheim verstarb er. Frundsbergs Wahlspruch lautete "Viel Feind', viel Ehr'!".


Medaille ca.1527-28.    Einseitiges Ex. im Wiener Kabinett; Habich I,1 ?; Bergmann I S.65 Tf.VI,24.
GEOR - GIVS·A·FREVNSPERG  -  Bärtiges Brustbild v. vorne mit Schärpe und Hellebarde in der Rechten.

Lit.:
J. Bergmann: Medaillen auf berühmte und ausgezeichnete Männer des Österreichischen Kaiserstaates, vom XVI.-XIX. Jh. Bd.1. Wien 1844 - im Netz bei Google

Kaspar von Frundsberg 1501-1536, Landsknechtsführer
Kaspar folgte früh den Heereszügen seines Vaters Georg. Er begleitete seinen Vater Mitte 1528 durch Graubünden zurück in die Heimat in Mindelheim. Er konnte eigene Feldzugskosten der Frundsberger als Ersatz und Dank eintreiben und damit Schulden in der Heimat begleichen. Die vom kaiserlichen Statthalter Leyra in Mailand gemachten feierlichen Schenkungen sind wohl weniger umgesetzt worden. Der immer kaisertreue Kaspar besuchte 1530 die Kaiserkrönung in Bologna und beteiligte sich an der anschließenden Belagerung von Florenz. 1532 war er mit der Aufstellung eines Heeres gegen die Osmanen beschäftigt. Kaspar starb 1536 während der Kriegsvorbereitungen gegen Kg. Franz I.


Bleigußmedaille 1529 von Friedrich Hagenauer.     Ø 74 mm, 95,24 g.
Habich I,1 536; Bergmann I, S.73, Tf.VI,26.

Vs.:  VINCERE SEIPSVM OMNIVM VICTORIARVM PRIMA ET OPTIMA ✴ ANNO ETATIS SUE XXVIII
"Sich selbst zu besiegen ist unter allen Siegen der beste und vornehmste ✴ Im Alter von 28"
Bärtiges Brustbild halblinks, den Kopf nach links gewandt, Federn am Hut, reich verziertes Gewand,
Kette mit Kleinod.

Rs.:   Sieben Zeilen: CAROLI ROManorum IMPeratoris V / GERManorum PEDITV IN INSVBRIA / DVCTOR GASPAR A PRVNTSPERG / EQVES Dominus MODOETIAE PONTREMVLI IN MINDELHAIM PETERSPERG / ET STERTZING. / M.D.XXIX.

Friedrich Hagenauer schuf zugleich eine ähnliche angelegte Medaille auf Kaspars Ehefrau Margarete von Frundsberg, nur von kleinerem Durchmesser, gezeigt im Bode-Museum Berlin.

Siehe ein Buchsbaum-Brettstein (Ø 43 mm, Augsburg um 1550) im Victoria & Albert Museum (London).

Friedrich Hagenauer schuf 1529 auch eine Medaille auf Balthasar, Bruder von Kaspar von Frundsberg.
Vs.:IMAGO BALTHASARIS A FRVNTSPERG EQVES ANNO ETATIS SVE XXIII
Rs.: NOBLITAS EST HOMINIS GENEROSVS ANIMVS M.D.XXIX.

Hans von Singen, Hofnarr
Hans von Singen (gebürtig im Dorf Singen, heute Ortsteil von Remchingen in Baden) diente zunächst als Hofnarr dem Markgrafen Philipp I. von Baden (1479-1533). Dieser vererbte ihn testamentarisch an seinen Bruder Ernst (1483-1553).


Bleigußmedaille 1533 von Friedrich Hagenauer.     39,4 mm, 17,33 g.
Habich 596; Wettstreit in Erz (2014) Nr.149.   Hier: Staatl. Münzsammlung München, Inv.Nr.11/225

Vs.:   HANS VON SINGEN.MOROTATOS ET FATVORVM REX FESTIVISSIMVS.
"Hans von Singen, der heiterste König der Törichten und Narren"   -   Hagerer ernster Kopf n. links,
Halskette und Narrenkrone (Reif verziert mit Eselsohren) im antiken Stil einer römischen Kaisermünze.

Rs.:   Schrift:   IN / NIHIL SAPIENDO / VITA / IVCVNDISSIMA. / Ann° / M.D.XXXIII.
"Wenn man nichts versteht, ist das leben sehr angenehm. Im Jahr 1533"

Hatte der Narr - der den Wahnsinn häufig nur spielte - einerseits die Aufgabe zu unterhalten und zu belustigen, so genoß er andererseits das Privileg außergewöhnlicher Redefreiheit, und nicht selten avancierte er so zum Kritiker und Berater des Fürsten.
Die Tatsache, dass Hans von Singen zu solch einer außergewöhnlichen Ehre kam, lässt darauf schließen, dass es sich bei dem "Narren" um keinen einfältigen Menschen gehandelt hat. Wie anhand diverser historischer Quellen nachzuvollziehen ist, befanden sich unter den Hofnarren der frühen Neuzeit immer wieder auch Männer und Frauen, die über ein außerordentliches geistiges Potenzial verfügten.
Wer hat die Medaille in Auftrag gegeben? In Frage kommt sowohl der dankbare "Dienstherr" des Geehrten, wie auch der Porträtierte selbst, der sich selbstbewusst diese Freiheit hätte nehmen können.
Der selbe rund gefasste Narrenkopf mit Eselskrone und Halskette erscheint auch auf dem Narrenbrunnen auf dem Schlossplatz in Ettlingen bei Karlsruhe, errichtet um die Mitte des 16. Jahrhundert.

Weitere Medaillen von Friedrich Hagenauer: auf Philipp Melanchthon (1543), Martin Bucer (1543),
Kaspar Hedio (1543), Johannes Sturm (1543) und Hermann von Wied (1537, 1543).

Lit.:
• Annette Kranz: Medaille auf Hans von Singen. In: Wettstreit in Erz (2014) S.239 Nr.149.
• Johann Werfring: Die närrische Medaille des Hans von Singen. In: Wiener Zeitung (28.5.2017)
• Annette Borchardt-Wenzel: Der Ettlinger Narrenbrunnen. In: Badische Neueste Nachrichten (4.2.2018)

Ludwig Senfl 1490-1543, Sänger und Komponist
Ludwig Senfl, in Basel oder Zürich geboren, wurde als Chorknabe für die Hofkapelle König Maximilians I. rekrutiert. Er erhielt dort seine Ausbildung als Sänger und Komponist. Nach der Auflösung der kaiserlichen Hofkapelle durch Karl V. 1920 reiste Senfl umher und trat von 1523 bis zu seinem Tod 1543 in die Dienste Herzog Wilhelms IV. von Bayern. In München baute er diesem eine Hofkapelle auf - nach kaiserlichem Vorbild. Senfl gilt als bedeutender Komponist altdeutschen Liedgutes.

Als gesicherte Bildzeugnisse Senfls können nur vier Medaillen gelten. Sie stammen von Hans Schwarz (1519) und Friedrich Hagenauer (1526, 1529, o. J.)


Medaille 1526 von Friedrich Hagenauer.     Ø ca.63 mm.  
Vs.:  *PSALLAM·DEO·MEO·QVAMDIV·FVERO·ANNO / SALVTI. - XXVI.  -  Brustbild n. links, bartlos mit Hut, Halskette und Mantel, im Feld FH. (Monogramm von F. Hagenauer)
Rs.:   VE / RA.IMAGO. / LVDOVVICI / SENNFL.   "wahres Bildnis von Ludwig Senfl"


Silbergußmedaille 1529 von Friedrich Hagenauer.    Ø 28,8 mm, 7,61 g.  Habich 525 & Tf.69.1.
Vs.:   LVDOVICVS - SENFL  -  Kopf nach rechts.
Rs.:   PSALLAM / DEO MEO / QVAM / DIV FVERO. / M.D.XXIX.
"Ich werde Gott, meinem Herrn, singen, solange ich lebe. 1529"

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