Startseite Karl V. TOUR :  Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen

      Zeitgenossen im Heiligen Römischen Reich      

Kurfürsten von der Pfalz
 

 

Ludwig V. der Friedfertige, 1508-1544 Kurfürst der Pfalz.
- Erster Sohn Philipps des Aufrichtigen, 1476-1508 Kurfürst der Pfalz -
Ludwig (*1478) folgte seinem Vater 1508 als Kurfürst von der Pfalz. Ludwigs Bruder Ruprecht hatte 1505 den Landshuter Erbfolgekrieg verloren, zu dem ihn der Vater emuntert hatte und der den Pfälzern die Reichsacht eingebracht hatte. So musste Ludwig zunächst die Folgen des verlorenen Erbfolgekrieges überwinden. Mit seiner friedfertigen Art gelang ihm die Aussöhnung mit den im Krieg siegreichen Münchner Wittelsbachern. Er heiratete sogar Sibylle, die Tochter Herzog Albrechts IV. von Bayern. 1518 entließ Ks. Maximilian die Kurpfalz aus der Reichsacht im Zuge der Verhandlungen über seine Nachfolge. Ludwig wurde nach Maximilians Tod Reichsvikar bis zur Krönung Karls V. Bei der Kaiserwahl 1519 stimmte Ludwig für Karl V. und gegen Franz I. von Frankreich, nicht zuletzt aufgrund größerer Geldzuwendungen von Seiten der Habsburger.
Ludwig stand der Kritik an der alten Kirche und ihrem Klerus aufgeschlossen gegenüber. 1521 setzte er sich auf dem Wormser Reichstag für die Anhörung Luthers ein. Seitdem bemühte er sich um eine Kompromisslösung in der Religionsfrage. 1533 und 1539 vermittelte er zwischen dem Kaiser und den protestantischen Reichsständen. Ludwig blieb zeitlebens katholisch, machte aber zahlreiche Zugeständnisse an die Protestanten in seinem Land.
Während der Bauernaufstände 1525 versuchte Ludwig zunächst mit den Bauern zu verhandeln, da er manche ihrer Forderungen für gerechtfertigt hielt. Als die Unruhen aber ausuferten, nahm er an der Niederschlagung der Aufstände am Rhein, in Franken und in der Pfalz teil.
Ein Denkmal der Bautätigkeit Ludwigs ist der so genannte Ludwigsbau des Heidelberger Schlosses.
Als Ludwig 1544 kinderlos starb, folgte ihm sein Bruder Friedrich II. als Kurfürst der Pfalz.

Als der Kurfürst 1525 seine Söldner im Bauernkreig bezahlen mußte, es ihm an anderem Gelde fehlte und er deshalb Taler prägen ließ, wurde ihm auf dem kurrheinischen Probationstage vorgeworfen, er habe "Nebenmünzen" von Silber schlagen lassen, die zu 1, ½, ¼ Goldgulden ausgegeben seien. Seine Gesandten entschuldigten ihn damit, daß diese Prägung nicht aus böser Absicht, sondern nur aus der hohen Notdurft im Krieg geschehen sei. Im Rheinland scheint eine Abneigung gegen dieses große, den meisten wohl unförmlich erscheinende Silbestück geherrscht zu haben, mit dem man fürchtete, betrogen und besonders der altbewährten Goldgulden beraubt zu werden.   [F. von Schrötter, Das Münzwesen des Dt. Reichs von 1500 bis 1566, 1911]
Die folgende Münze entstand also als Lohn für Söldner.


Reichsguldiner 1525, Heidelberg.   Ø 38mm, 28,78g.  Exter I,29,19 & Tf.14b; Schulten 2674; Dav.9621
Av.:   ¤LVdovicus - ·Dei (Bayrischer Rautenschild) Gratia·COmes·PAlatinus (Regalienschild des Erztruchsessamtes) Dux·Bavaria·PRinceps (Pfälzer Löwenschild) Elector·1525
Brustbild im Kurfürstenornat (Kurhut und Hermelinmantel) mit geschultertem Kurschwert in der linken Hand
und Reichsapfel in der Rechten.
Rev.:   ¤ ஃ MOИeta·CARoli V·CaESar·ET·ROMomanorum·IMPerator
Nimbierter Doppeladler
In der Goldenen Bulle (1356) ließ Ks. Karl IV. festlegen, daß bei Reichstagen, die der König-Kaiser mit seinem Gefolge besucht, der Pfalzgraf das Recht hat, das pomum imperiale zu tragen. Den Kurfürsten der Pfalz bedeutete dieses Privileg so viel, daß sie den Reichsapfel in ihrem Wappen führten, vgl. unten.

Dieses Gepräge folgt genau der Vorschrift der ersten Reichsmünzordnung von 1524, deren § 11 bestimmt, daß die Reichsmünzen auf der "Hauptseite" den Reichsadler mit der Umschrift MO CA V C & RO IMP tragen sollen, während die "Kehrseite" dem Belieben jedes Münzstandes überlassen blieb. Als weitere Talerprägung, die die 1. RMO befolgt, ist nur der Taler 1525 von Kasimir v. Bayreuth und Georg v. Ansbach (1515-1527) bekannt.     [v. Schrötter, BMF 48(1913) 5367]
Die 1. RMO legte auch Gewicht und Feinheit fest für diese "Güldener" genannten Stücke, "deren einer einen rheinischen Gulden tut": Davon sollten 8 auf eine 15lötige Mark (15/16 = 937,5/1000 fein) gehen, was 8x16/15 = 88/15 auf die feine Mark (233,85 g) ergab. Daraus folgt ein Rauhgewicht von 29,23 g und ein Feingewicht von 27,40 g.


Bronzemedaille 1526 (Modell von Hans Schwarz).   Ø 44 mm   Stemper 3
Av.:   LVDOVVICVS·D·G·CO PA·RHE·D·BA·PRIN·ELEC
Büste des Kurfürsten nach links mit geschlitztem Hut und Pelzschaube, rechts im Feld die eingetiefte Jahreszahl I5Z6.
Rev.:   : Helm über den Schilden Pfalz, Bayern und Regalien. Löwe als Helmzier und Laubwerk.
Oben auf reich gewundenem Spruchband: LV / DWIG·P / FALT / ZGR / AF·CVRFVIRST [Arabeske]
Weshalb in das Spruchband derselbe Titel wie auf dem Avers, nur auf Deutsch, eingraviert wurde, ist unbekannt.
Im Münzkabinett des Bode-Museums ist ein Originalguss (Ø 47 mm) ausgestellt.
Das obige Exemplar muss ein Nachguß sein. Sein Durchmesser (44 mm) ist geringer als der eines Originals (hier 47 mm). Während der Abkühlung schrumpft der Guß. Wesentlicher ist jedoch, dass die Form für den Nachguß bereits beim Trocknen geschrumpft ist.

Friedrich II. der Weise, 1544-1556 Kurfürst der Pfalz.
- Vierter Sohn Philipps des Aufrichtigen, 1476-1508 Kurfürst der Pfalz -
Friedrich (*1482) verbrachte ein Großteil seiner Jugend am Brüsseler Hof. Er wurde dort erster Ratgeber des noch unmündigen späteren Ks. Karl V. Friedrich begleitete 1515 den gerade volljährig erklärten 15jährigen Karl auf seiner Huldigungsreise durch die Niederlande. Ein Jahr später wurde er in den Orden des Goldenen Vlieses aufgenommen. Friedrich sollte 1517 Karl und seine Schwester Eleonore nach Spanien begleiten. Aber da er eine Neigung für Eleonore zeigte, die dem König Manuel von Portugal bestimmt war, wurde Friedrich des Hofes verwiesen. Nach Ks. Maximilians Tod setzte sich Friedrich aktiv für Karls Wahl zum Kaiser ein. Das brachte ihm 1521 die Reichsstatthalterwürde ein.
Von 1505 bis 1522 war er Vormund seiner Neffen Ottheinrich und Philipp in dem als Folge des Landshuter Erbfolgekrieges gegründeten Fürstentum Pfalz-Neuburg. Nach dem Tod seines Vaters 1508 wurde Friedrich Pfalzgraf in der Oberpfalz. Friedrich heiratete 1535 Dorothea, Tochter Christians II. von Dänemark und Isabella, einer Schwester Karls V.
Friedrich diente den Habsburgern als Feldherr und Diplomat, bis er 1544 die Nachfolge seines kinderlosen Bruders Ludwig V. als Kurfürst der Pfalz antrat. Er war seit 1542 Lutheraner und führte die Reformation in der Pfalz ein. Nach dem Schmalkaldischen Krieg konnte er sich vor dem Verlust der Kurwürde an Bayern durch Unterwerfung unter den Kaiser bewahren. In der Folgezeit verhielt er sich in Religionsfragen neutral. Er sorgte vor allem für Verbesserungen an der Universität Heidelberg.
Zur Statthalterschaft beim Reichsregiment:
Auf dem Reichstag zu Worms 1521 ernannte der Kaiser seinen Bruder Ferdinand zum Statthalter. Dem entgegnete Friedrich II.: In Abwesentheit des Kaisers stehe das Reichsvikariat dem Kurfürsten von der Pfalz zu. Außerdem habe sein Bruder, Kurfürst Ludwig V., dem Kaiser in dieser Funktion mit zahlreichen Berichten gedient. Daraufhin beurkundete der Kaiser, daß das Reichsregiment den Vikariatsrechten des pfälzischen Kurfürsten nicht nachteilig sein sollte. Ausserdem wurde Friedrich zusammen mit Erzherzog Ferdinand, der die deutsche Sprache noch nicht beherrschte, Statthalter des Kaisers beim Reichsregiment. Dieses war 1500 als ständisches Regierungsorgan des Reiches in Nürnberg eingerichtet worden. Es wurde 1521 reaktiviert und sollte die Regierung bei Abwesentheit des Kaisers übernehmen. Daraufhin begab sich Friedrich Ende 1521 nach Nürnberg. Das aufwendige Leben, das er dort führte, entsprach aber nicht seinen Mitteln, zumal das zugesagte Honorar ausblieb. So gab er die Statthalterfunktion bereits 1523 wieder ab. Er hatte jedoch schon eine Medaille sowie die nachfolgende Schaumünze in Auftrag gegeben.


1/2 Guldiner (Abschlag vom Guldiner-Stempel) 1522, auf die Reichsstatthalterwürde.
Ø 41mm, 14,75g.   Kull 299, Schulten 2732, Mende 27, Dav.9622 (Guldiner), Stemper 19 (Guldiner)
Av.:   FRIDERICVS·D:G·CO PALA·RHE·BAV·DVX
Geharnischtes Brustbild mit umgelegter Vliesordenkette nach links
Rev.:  CAESareae MAIestatis IN (Rautenschild) IMPERIO:LOCVMTENEN (Löwenschild) S·MCCCCCXXII
"der kaiserlichen Majestät Reichsstatthalter, 1522"
Nimbierter Doppeladler mit Brustschild Österreich-Aragon.
Als Entwurf für das Bildnis auf diesem Guldiner diente eine Silberstiftzeichnung von 1523 von Albrecht Dürer (British Museum, London). Bisher läßt sich weder die Frage nach dem Stempelschneider (Ludwig Krug zugeschrieben) noch nach dem Prägeort (Nürnberg, Amberg?) abschließend klären.
Den Titel des Statthalters des Kaisers im Reich hatte zuvor schon Friedrich der Weise von Sachsen auf seinem Locumtenenstaler hervorgehoben.
Abschlag nennt man eine Prägung in einem abweichenden Metal, z.B. Gold statt Silber (etwa 10-Dukatenstücke von Talerstempeln geprägt). Hier ist der Silberschotling nur dünner als für die Talerprägung.



Reichstaler 1547, Neumarkt.     Ø 40mm, 28,3g.   Götz 165, Schulten 2731, Dav.9626
Av.:   ¤FRIDER·D·G·Comes·PALatinus·RhenI·BAVAriae·DVX·S·R·I·PRI·EL
S.R.I.P.EL = Sacri.Romani.Imperii.Princeps.ELector = Des Heiligen Römischen Reichs Kurfürst
Hüftbild im Kurornat mit Kurhut, Kurschwert und Reichsapfel sowie Orden vom Goldenen Vlies.
Rev.:   ¤MONEta:ARGEntea:SVPERIOris:PALATInatus:BAVARIae
"Silbergeld der bayerischen Oberpfalz"
Unter dem Pfälzer Helm die drei Wappen: Pfalz (gekrönter Löwe) / Bayern (Rauten) / Kurpfalz (Reichsapfel),
unten zu den Seiten 15 - 47.
Friedrich zeigt sich hier im vollen Ornat des Kurfürsten, wie schon sein Vorgänger (s. oben). Die Amtskleidung besteht aus dem Hermelinsmantel und dem Kurhut. In den Händen hält der Kurfürst Kurschwert und Reichsapfel.
Das Kurschwert führen die sächsischen und die pfälzischen Kurfürsten. Dagegen führen die brandenburgischen Kurfürsten das Reichszepter, das sie auch als Kurwappen führen. Während das sächsische Kurwappen aus gekreutzten Schwertern besteht, übernahmen die Kurfürsten der Pfalz den Reichsapfel in ihr Kurwappen.

Ott(o)heinrich, 1556-1559 Kurfürst der Pfalz.
- Enkel Philipps des Aufrichtigen, 1476-1508 Kurfürst der Pfalz -
Ottheinrichs (*1502) Vater, Ruprecht von der Pfalz, hatte die testamentarische Erbtochter von Bayern-Landshut geheiratet. Dieser Erbfolge stand jedoch ein Erbvertrag zwischen den wittelsbacher Linien Landshut und München im Weg. Das führte 1504 zum Landshuter Erbfolgekrieg zwischen den Pfälzern und Münchner Wittelsbachern. Ein kaiserlicher Schiedsspruch beendete 1505 den Krieg und führte zur Schaffung des zersplitterten Fürstentums Pfalz-Neuburg. Ottheinrich und sein Bruder Philipp wurden als Regenten eingesetzt, blieben aber bis zur Volljährigkeit 1522 unter der Vormundschaft ihres Onkels Friedrich II. 1519 begleitete Ottheinrich seinen Onkel nach Spanien, der Karl V. die Nachricht seiner Wahl zum Kaiser übermittelte.
Als Herrscher seines kleinen Landes führte Ottheinrich ein prunkvolles Leben. Das überforderte seine Finanzen dermaßen, daß er schließlich die Regierungsgewalt an die Stände abgeben musste. Ottheinrich hatte die Reformation in Pfalz-Neuburg eingeführt, zum Unwillen von Ks. Karl V., der das Land im Schmalkaldischen Krieg besetzte.
Ottheinrich war ein leidenschaftlicher Sammler, besonders von Büchern. Seine Bucherwerbungen - auch durch Zugriffe auf Klosterbibliotheken bewirkt - landeten schließlich in der Bibliotheca Palatina, als er 1556 die Nachfolge seines Onkels Friedrich II als Kurfürst der Pfalz antrat. Mit Ottheinrich endet 1559 die sogenannte Ältere Kurlinie.


Bronzemedaille 1520, Stempel von Hans Schwarz,   später Guß, Ø 43mm.   Stemper 42, Habich I,1,213
Av.:   OTTHEINRICH·Von·Gottes·Gnaden·PFAlZgraf·Bei·REin·HERCZog·In·BEyern·
Brustbild des 18jährigen Ottheinrich mit Barett nach links
Rev.:   ¤ MIT [Blatt] DER [Blatt] AE·ZEYT [Blatt] MCCCCCXX
Gevierter pfalz-bayerischer Wappenschild, darüber 2 verschlungene Weinlaubblätter.
Erhalten hat sich die von Hans Schwarz selbst angefertigte Entwurfszeichnung (Bamberg, Staatsbibliothek).
Originale dieser Medaille in Silber (45,5 mm, 55,25g) befinden sich u.a. in Heidelberg und München.
Spätere Abgüsse, wie unser Stück, sind kleiner als Originale.



Silbermedaille 1558 von Dietrich Schro (Meister der Ottheinrichgruppe)  ca.45mm, 27,9g  Stemper 73, Scher 121
Wahrscheinlich auf die Verleihung der Kurwürde durch Kaiser Ferdinand I.

Av.:   OTTO HENRICVS·D·G·CO·MES PALATINVS RHENI ELECTOR ÆTATIS·LVI [Arabeske]
Bärtiges Brustbild des 56jährigen korpulenten Ottheinrich mit verzierter Kleidung und Barett halblinks
Rev.:   ¤IN DOMINO CONFIDO·ANNO·SALVTIS·M·D·LVIII·CVM TEMPORE
Drei Wappen (Pfalz, Kurpfalz, Bayern) behelmt mit reichen Helmdecken.
Oben auf einem Band: MD - Z (Ottheinrichs Wahlspruch "Mit Der Zeit")
Vergleiche das Bildnis um 1535 von Peter Gertner [36x34cm, Sammlung Würth, Johanniterhalle in Schwäbisch Hall].

Lit.:
Annelise Stemper: Die Medaillen der Pfalzgrafen und Kurfürsten bei Rhein. Bd.1: Die Kurlinie. Worms 1997.
Wolfgang Metzger: Ottheinrich von der Pfalz, Rennaissancefürst - Sammler - Mäzen

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