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Karls Zeitgenossen in Italien

Farnese in Parma und Piacenza

Pier Luigi II. Farnese, Herzog von Parma und Piacenza 1545-47
Ottavio Farnese, Herzog von Parma und Piacenza 1547-86

Parma und Piacenza auf der Landkarte von Italien im Jahr 1499 (noch zu Mailand gehörend)

Pier Luigi II. Farnese, Herzog von Parma und Piacenza 1545-47
- Sohn von Papst Paul III. -
Pier Luigi (*1503) war der erste Sohn von Alessandro Farnese und seiner Jugendgeliebten. Pier Luigis Aufstieg begann, nachdem sein Vater 1534 als Paul III. zum Papst gewählt wurde. 1537 erschuf Papst Paul III. das Herzogtum Castro (in Latium an der Grenze zur Toskana gelegen) aus dem Familienbesitz der Farnese und übertrug es seinem Sohn durch eine päpstliche Bulle. 1545 erhielt Pier Luigi das Herzogtum Parma und Piacenza, das der Papst für ihn aus Kichenbesitz geschaffen hatte, das zuvor Mailand gehört hatte. Beim Versuch der Inbesitznahme wurde Pier Luigi von verschworenen Adeligen in der Zitadelle von Piacenza ermordet. Dahinter soll Ferrante Gonzaga gestanden haben, der kaiserliche Statthalter von Mailand.


Mezzo grosso o. J., Castro.     Ø 17 mm, 0,48 g.   CNI XIV 249/37; RM 260/1.
Vs.:   ·Petrus·LOYSIVS·FARnesius·   -   Brustbild in Rüstung n. l.
Rs.:   ·DVX· / CASTRI / ¤I¤   "erste Herzog von Castro"   eingekränzt von Glockenblumen.
In der heute zerstörten Ortschaft Castro wurde eine herzögliche Residenz aufgebaut. Die Prägestätte dort bestand von 1545 bis 1547. Nur der dort geprägte Mezzo Grosso trägt Pier Luigis Bildnis. In Parma und in Piacenza kam Pier Luigi nicht als Münzherr zum Zuge.


Medaille   geprägt um 1546 von Gian Federigo Bonzagni,   auf den Bau der Zitadelle von Piacenza.
Æ vergoldete Prägung, Ø 39 mm, 38,4 g.     Kress 375; Armand I, 222, 6; Toderi-Vannel 2124.

Vs.:   ·Petrus·LOYSIVS·Farnesius·PARMae·ET·PLACentiae·DVX·I·   -   Büste n.r. in Rüstung mit Mantel,
unter dem Löwenkopf an der Schulter die Signatur: Ioannes Federicus PARMensis

Rs.:   ·AD·CIVITATis·DITIONISQue·TVTELam·MVNIMentum· - EXTRVCTVM·
"Befestigung gebaut zum Schutz von Staat und Obrigkeit"
Vogelansicht einer Zitadelle und Aufriss eines Eingangstores am Fluss.
Anlass war der Umbau der alten Festung von Piacenza in eine moderne Zitadelle seit November 1545.

Ottavio Farnese, Herzog von Parma und Piacenza 1547-1586
- Enkel von Papst Paul III.   und   Schwiegersohn von Ks. Karl V. -
Nach der Ermordung Pier Luigis (1547) besetzte Ferrante Gonzaga, Statthalter von Mailand, das Herzogtum für Ks. Karl V.. Ottavio Farnese (*1524), ein Sohn Pier Luigis und Enkel von Papst Paul III., wurde 1538 mit Margarete von Parma, Tochter von Karl V., verheiratet. Um sein Erbe musste er sowohl gegen seinen Grossvater wie gegen seinen Schwiegervater kämpfen. Schliesslich übertrug der Kaiser 1552 das Herzogtum an seinen Schwiegersohn Ottavio Farnese, aber nun als kaiserliches Lehen. 1556 bestätigte Kg. Philipp II. von Spanien Ottavios Besitz, doch bis 1585 blieb Piacenza ein spanischer Militärstützpunkt.
Ottavios und Margaretes Sohn Alessandro kämpfte 1571 bei Lepanto, wurde 1578 Statthalter der Niederlande und folgte 1586 seinem Vater in Parma und Piacenza.


Testone 1553, Parma.     Ø 28 mm, 4,86 g.   CNI IX 438/19; RM I 263/4; MIR 931/2.
Vs.:   ·OCTAVIVS·FARnesius·PARarmae·Et·PLAcentiae·DVX·II·
"Ottavio Farnese, zweiter Herzog von Parma und Piacenza"
geharnischtes Brustbild nach r., darunter ein A im Kreis und ·1552·

Rs.:   ·PAΔIA·ΔEΠEITA·XAΛEΠHΠEP·EOYΣA·   mit griechischen Buchstaben
= PADIA·DEPEITA·CALEPHPER·EOUSA   "sieht leicht aus, dabei ist es schwierig"
Herkules mit Keule und Löwenfell steht v. v. und zeigt mit der Rechten auf einen Berg.
Bild und Umschrift der Rückseite bilden eine sog. 'impresa':
Der Herzog, hier als Herkules dargestellt, hatte mit grossen Mühen etwas scheinbar einfaches erreicht: die Anerkennung seines Rechtes auf die Herzogtümer von Parma und Piacenza.

... und 21 Jahre später, nach einem so schwierigen Start ...


Mezzo scudo 1574, Parma.   Ø 35 mm, 17,46 g.   CNI IX 445/77; RM 262/2; MIR 929 [scudo: Dav.8342]
Vs.:   OCTAVIVS FAR PAR ET PLA DVX·II   -   geharnischtes Brustbild von vorne, Kopf nach l.
Rs.:   ISTIS - 1574 - DVCIBVS   "Unter diesen Anführerinnen"
drei Grazien (Schönheit, Geist und Grazie) stehen auf dem Schild von Parma, einem Kreuz.
Die Jahreszahl erscheint hier an einer prominenten und unüblichen Stelle, da sie zur Umschrift gehört:
Diese Stücke im Wert von ganzen und halben Scudos sind zum 50. Geburtstag des Herzogs erschienen.
Die drei "Anführerinnen" zeugen von einer angenehmen Regierungszeit um 1574.
Der Rüchseitenstempel waren noch brauchbar, als sie 1588 für Nachfolger Alessandro eingesetzt wurden.


Ducatone o.J.(1572-82), Piacenza.  Ø 41 mm, 32,07 g.  CNI IX 593/31; RM 268/14; MIR 929; Dav.8355.
Vs.:   OCT·FAR·PLAC·ET·PAR·DVX·II
geharnischtes Brustbild von vorne, Kopf nach l., darunter drei Lilien.
Rs.:   PLACentia·ROMANor·COLONia   "Placenzia, eine römische Kolonie" [gegründet 218 v.Ch.]
Personification von Piacenza hält Füllhorn und Lilie in den Händen;
zur Seite die Personifikation des Flusses Po mit einer Hand am Quellgefäß.
Im Abschnitt: ·A·C· (Andrea Casalino, Stempelschneider 1474-97).
Das Wohlergehen der Stadt Piacenza wird hier mit dem Geschlecht der Farnese verbunden.


Quarto di scudo o. J. (1573-77), Parma.     Ø 27 mm, 8,64 g. CNI IX 448/95; RM 262/3; MIR 930.
Vs.:   ♌OCTAV·F·PA·ET·PL·DVX·II   -   Büste nach r.
Rs.:   Rechts sitzt Christus und hält eine Krone über dem Haupt der knienden Jungfrau. Oben eine Taube. Im Abschnitt: geflügelter Kopf eines Engels zwischen P - C (Pelegrino Carretta, Münzmeister).


Mezzo ducatone, o. J., Piacenza.     Ø 36 mm, 18,49 g.  CNI IX 593/33var; RM 270/17; MIR 1124.
Vs.:   ♠OCT·FAR·PLACENTIÆ·Z·PARM·DVX·II   -   geharnischte Büste nach l., mit Halskrause.
Rs.:   PLACENtia· - ROMAN· - OR·COLOnia   "Piacenza, eine römische Kolonie"
Gekröntes Farnese-Wappen; zur Seite: Stadt-Wäppchen (Würfel und Wölfin).
Das Familienwappen der Farnese besteht aus 6 Lilien. Aufgelegt ist hier eine Mittelspalte mit den Insignien des päpstlichen Gonfaloniere: ein Schirm über den gekreuzten Schlüsseln Petris. Ottavios Grossvater Papst Paul III. übertrug ihm 1547 dieses Amt, das davor Ottavios Vater Pier Luigi innehatte. Zuvor hatte schon Francesco II. Gonzaga von Mantua die Gonfaloniere-Insignien in sein Wappen aufgenommen.


Quarto di ducatone (Testone / 6 lire) 1584, Piacenza.     Ø 28 mm, 7,92 g.
CNI IX - [1586: 591/22 tv.38/7]; RM 271/21; MIR 1127/2.
Vs.:   OCTAVIVS·FAR·PLA·ET·PAR·DVX·II   -   Kopf nach r.
Rs.:   PLACentia·RO - MAnor·COLOnia   "Placenzia, eine römische Kolonie"
gekröntes Wappen (wie vor) zwischen zwei Stadt-Wäppchen (Würfel und Wölfin)
und P - C (Paolo Campi, Münzmeister); unten Jz. I5 - 84.
Piacenza wurde als römische Stadt Colonia Placentia gegründet.


Parpagliola o. J., Parma.     Æ, Ø 22 mm, 2,32 g.   CNI IX 451/124; RM 264/5; MIR 942.
Vs.:   * OCT·FAR·PAR·ET·PLA·D·II   -   drapierte Büste nach r.
Rs.:   INTER·LILIA - ·PARma·   "Zwischen Lilien: Parma"
Stier zwischen Lilien, im Abschnitt: ·L·S· (Lelio Scajoli, Münzmeister 1577-82).


2 Doppie (quadrupla) 1586, Piacenza.     Ø 30 mm, 13,18 g.
CNI IX 591/18; RM 267/11; MIR 1116/4; Friedb.893.
Vs.:   (Lilie) OCTAVIVS·FAR·PLA·ET·PAR·DVX·II·   -   Büste nach r.
Rs.:  ·PLACENTIA·FLORET·1586·   "Piacenza blühe"  -  Wölfin steht nach l., dahinter Lilien,
oben Krone, unten die Münzmeistersignatur ·P·C· (Paolo Campi).
Die Rückseite verbindet die blühende Stadt (Wölfin) mit Farnese (Lilien und Herzogskrone).


Bronzemedaille o. J. von Gian Federigo Bonzagna (I. F. Parmensis)     Ø 31 mm, 22,2 g.
Armand I,223,11; Attwood 956.

Av.:   OCTAVIVS·Farnese·PARMa·ET·PLACentia·DVX II
Brustbild nach links. Unter der Schulter die Signatur ·I·F·P·
Rev.:   CVM·DIIS·NON·CONTEN - DENDVM·   "Streite nicht mit den Göttern"
Apollo mit Lyra neben dem angeketteten Marsyas.
Der Satyr Marsyas fand die von Athene weggeworfene und verfluchte Doppelflöte, lernte darauf zu spielen und forderte Apollon zu einem musikalischen Wettstreit heraus. Apollons Bedingung war: Der Gewinner sollte mit dem Verlierer tun dürfen, was er wolle. Apollon gewann mit einer List: Er konnte auf seiner umgedrehten Leier spielen, ein Kunststück, dem Marsyas mit seiner Flöte nichts Entsprechendes entgegensetzen konnte. Apollon band den Satyr an eine Fichte und zog ihm die Haut ab. Das Blut des Satyrs oder die Tränen seiner vielen Freunde unter den Waldgottheiten bildete den Fluß Marsyas.

Lit.:   [CNI und RM: Seite & Nr. z.B.: 83/7 = S.83 Nr.7]
Corpus Nummorum Italicorum [CNI]:  vol.IX (Parma & Piacenza) und vol.XIV (Castro)
Ravegnani Morosini, Mario [RM]: Signorie e principati - monete italiane con ritratto, 1450-1796, 1984.
    - Farnese: Bd.1, S.255 ff.
• Alberto Varesi: Monete Italiane Regionale [MIR]: Emilia

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