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Reichsstadt Nordhausen
Nordhausen liegt in Thüringen am Südrand des Harzes. Kg. Heinrich I. errichtete eine Burg und vermachte sie 929 seiner Frau Mathilde, die hier 961 ein Damenstift gründete. 1180 brannte Heinrich der Löwe die Stadt nieder. Ks. Barbarossa ließ die Stadt wieder aufbauen, wandelte das Damenstift in einen Domstift um und setzte einen kaiserlichen Vogt ein. Die Stadt erlangte die eigene Gerichtsbarkeit durch Kg. Rudolf. 1524 wurde die Reformation eingeführt, die Stadt blieb aber kaisertreu. Die Stadt mußte sich mehrfach von den eingesetzten Vögten freikaufen. Endgültig gelang dies erst 1715, für 50.000 Taler. Nach dem Wiener Kongress fiel Nordhausen 1815 an Preußen.
Das Stadtwappen von Nordhausen: schwarzer, einköpfiger Reichsadler (in der Regel gekrönt) im goldenen Schild. Darüber der ursprünglich landgräflich-thüringische Helm mit schwarz und gelben Decken, Krone und zwei weissen Büffelhörnern, deren jedes auswärts mit vier oder fünf weissen Stäbchen mit je zwei bis vier gelben abhängenden Lindenblätter besteckt ist.
Im Mittelalter hat sowohl das Stift wie auch eine Reichsmünzstätte in Nordhausen Münzen geprägt. Das Münzrecht hatten dann die Herzöge von Sachsen als Reichsvögte und Nachfolger der Landgrafen von Thüringen. 1448 gestattete Herzog Wilhelm von Sachsen, Pfennige gegen Erstattung eines Schlagschatzes zu prägen, zwei Jahre lang. 1556 begann die städtische Prägung, wofür aber keine förmliche Münzrechtsverleihung vorlag.


Taler 1556, Nordhausen.   Ø 40 mm, ca. 28 g.   Lej.1b; Schulten 2401; Dav.9598.
Vs.:   MOneta:Nova:NORTHVSENsis:CIVITATIS·IMPERV·
"Neue Silbermünze der Reichsstadt Nordhausen"   -   kleines Adlerwappen, darüber großer Helm.
Rs.:   D·G·CARLVS·V·ROM·IMP·SEM·AVGVSTVS (Mmz. Kleeblatt)
"Karl V., von Gottes Gnaden Römischer Kaiser, immer erhaben"   (auch übersetzt mit "Mehrer des Reiches")
gekrö. Kaiser fast von vorne in Rüstung mit Zepter, Reichsapfel und Orden vom Goldenen Vlies am Band,
Hüftbild zwischen den Jahreszahlen 5 - 6.
Münzherr ist die Stadt Nordhausen, wie auf der Vs. angezeigt.
Des Kaisers Bildnis schmückt die Rs. der Münze.

Drei Stempel insgesamt
Bei der Hammerprägung nutzen sich Ober- und Unterstempel unterschiedlich schnell ab: Der Hammerschlag auf den Oberstempel wird im Prägevorgang durch die Verformung des Schrötlings abgefedert und wirkt abgeschwächt auf den Unterstempel. Wegen der grösseren Belastung nutzt sich der Oberstempel schneller ab als der Unterstempel. Der Oberstempel war auch mehr gefährdet, plötzlich Schaden zu nehmen.
Für obige Vorderseite ist eine nur geringfügig abweichende Variante (Lej.1a) bekannt. Hier waren vermutlich zwei Oberstempel für die Vorderseite und ein Unterstempel für die Rückseite im Einsatz.
Alfred Noss [MBNG 10(1891)S.42] bestätigt diese häufige Gepflogenheit und nennt als Beispiel den Kölner Huldigungstaler von 1742, für den sich die drei Stempel erhalten haben, ein Unterstempel (mit Zapfen) und zwei nur geringfügig untereinander abweichende Oberstempel (mit Schlagbart).

Mit der Prägung kaum begonnen und schon beendet
Die 1556 von Münzmeister Valentin Sickel (Münzmeisterzeichen Kleeblatt) begonnene Prägung von Talern und Vierteltalern musste sogleich wieder eingestellt werden. Die Prägestempel waren noch nicht bezahlt worden, so dass der Stempelschneider aus Braunschweig seinen Lohn einklagen musste. Erst 1616 wurde die städtische Prägung fortgesetzt.
Wegen steigender Silberpreise wurde die Reichsmünzordnung von 1551 kaum mehr befolgt. Das Augsburger Münzmandat vom 26. September 1555 untersagte daraufhin allen Ständen ohne eigene Bergwerke das Münzprägen bis zum Zustandekommen einer neuen Münzordnung. Die Nordhausener Prägung hätte also gar nicht erst beginnen dürfen. Auch zeigt die Rückseite nicht den Doppeladler mit Reichsapfel, wie von der Reichsmünzordnung von 1551 vorgeschriebenen.
Andere Städte, die schon länger münzten, darunter z.B. Kempten, hatten dem Münzmandat sogleich Folge geleistet und bereits 1555 ihre Münzprägung eingestellt, also noch bevor Nordhausen 1556 mit seiner Münzprägung begonnen hatte. So wurde der erste Nordhausener Taler zugleich der letzte datierte Taler mit dem Bildnis von Kaiser Karl V. zu seiner Lebzeit. Nur Besançon benutzte Karls Bildnis länger, sogar über seinen Tod hinaus.

Lit.:
Lejeune, E.:  Die neueren Münzen und Medaillen der Reichstadt Nordhausen, Blätter für Münzfreunde 1910,
S.4402-8, Tf.2

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