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Königreiche Neapel und Sizilien
Karl V. erbte 1516 die beiden Königreiche Neapel und Sizilien von seinem Großvater Fernando de Aragón. Karl setzte dort Vizekönige ein. Im Anschluß an das erfolgreiche Tunis-Unternehmen gegen den Piraten Barbarossa landete der Kaiser im August 1535 in Trapani am Westende von Sizilien. Er wollte sein Land kennenlernen und sich als Caesar feiern lassen, denn die Bevölkerung hatte unter den Raubzügen der Morisken gelitten. Karl zog langsam über Monreale, Palermo, Taormina, Messina nach Neapel, wo er Weihnachten verbrachte. Im Frühjahr 1536 verließ Karl das Land in Richtung Rom, wo er seine lange "Osterrede" vor dem Papst Paul III., den Kardinälen und Diplomaten hielt.


Dukat, o. J., Neapel.     Ø 22 mm, 3,50 g.   Pannuti-Riccio 6; Friedberg 833a.
Vs.:   +CAROLVS RO - MANORum REX     "Karl, Römischer König"
Rs.:   Rex◦ARAGOniae◦VTRIVSQue◦SIciliae◦ET     "König von Aragón und beider Sizilien"
Quadriertes Wappen mit Kastilien-León, Aragón-Neapel (ober rechts) und Aragón-Sizilien (unten links).
Oben aufgelegt: gekrönter Doppeladler mit Schild Österreichs (Binde) auf der Brust.
Unten: Granada (Granatapfel).
Warum "beide" Sizilien?
Schon die Byzantiner unterschieden zwischen Sizilien diesseits und Sizilien jenseits der Meeresenge. Die Normannen einigten ganz Unteritalien und errichteten 1130 das Königreich Sizilien als päpstliches Lehen. Es umfasste ganz Italien südlich des Kirchenstaates. 1195 kam dieses Königreich Sizilien durch Erbfall an die Hohenstaufen. Der Papst rief Karl I. von Anjou ins Land, der 1266 die letzten Hohenstaufen besiegte. Aber schon 1282 vertrieb ein Aufstand Karl I. von der Insel Sizilien, wo das Haus Aragón Fuß fasste. Auf dem Festland behauptete sich das Haus Anjou, das 1302 zum Königreich Neapel wurde. 1442 verlor Anjou das Festland an Aragón, das nun "beide" Sizilien als zwei getrennte Königreiche beherrschte.


Carlino, o.J., Neapel.     Ø 26 mm, 3,52 g.   CNI XIX S.348 Nr.552; MIR 144/1.
Vs.:  +CAROLVS⦂DI⦂FA⦂CLE⦂IMPE   "Karl, in Frankfurt zum Kaiser gewählt"
gekrö. jugendliche Büste mit betontem Unterkiefer n. r., im Feld ein G.

Rs.:   R◦ARAGO⦂VTRIVSQ◦SI◦ET   -   Wappen wie zuvor und nachfolgend.


Carlino, o.J., Neapel.     Ø 26 mm, 3,55 g.   CNI XIX S.347 Nr.545-9; Pannuti-Riccio 26.
Vs.:   + CAROLVS ⦂ ROMANOR◦REX     "Karl, römischer Kaiser"
Versatz wegen Doppelschlag unten bei "⦂ R" und im Linienkreis vor dem Gesicht.
Gekrönte Büste n. l. - junges bartloses Gesicht, lange Haare und Ordenskette (?) am Kragen,
im Feld dahinter G (Münzmeister Marcello Gazzella).

Rs.:   R ARAGO VTRISQ SI ET     hier weitgehend unlesbar, Doppelschlag
Quadriertes Wappen: Kastilien-León | Aragón-Neapel / Aragón-Sizilien.
Oben aufgesetzt: gekrönter Doppeladler mit Habsburger Wappen (Binde) auf der Brust.


Carlino, o. J., Neapel.     Ø 23 mm, 3,13 g.   CNI XIX S.359 Nr.653ff
Vs.:   CAROLVS IIIII ROManorum IMPerator     "Karl V., römischer Kaiser"
Belorbeerter Kopf, dahinter das Monogramm IBR für Juan Bautista Rabaschiero.

Rs.:   REX ARAGOniae VTRIVSque SICiliae     "König von Aragón und beider Sizilien"
Das Goldene Vlies.


Mezzo carlino, o. J., Neapel.     Ø 20 mm, 1,47 g.   CNI XIX S.368 Nr.726.
Vs.:   ·CAROLVS·V·ROM·I - MP·
Belorbeerte Büste n.r., darunter A (Münzmeister Girolamo Albertino).
Rs.:   ·NON·ALITER·VIRTVS   -   Feuereisen, drei Feuersteine und Funken.
Hier werden fernab vom burgundisch-niederländischen Sitzes des Ordens vom Goldenen Vlies schmucke Details des Ordens und seiner Ordenskette auf Münzen gezeigt.
Die Anregung diese Motive auf neapolitanische Münzen zu setzen kann nur von einem der von Karl V. in Neapel eingesetzten Vizekönige stammen, die selbst Ordensträger waren: Charles de Lannoy, Vizekönig 1522-24 oder Philibert de Chalon, Vizekönig 1524-30. Beide hatten 1516 den Orden von Karl V. erhalten.



2 Cavalli, o. J., Neapel.     Kupfer,   Ø 20 mm, 3,13 g.   CNI XIX 962; Pannuti-Riccio 45a.
Vs.:   CaROLVS V ROManorum IMPErator·   -   bärtige Kaiserbüste n. r.
Rs.:   ::REX·ARAGONIae·VTRIVsque·Rex·SIciliae   -   Krone.



Testone, o. J., Neapel.     Ø 27 mm.   CNI XIX S.333 Nr.414.
mit insgesamt fünf Kronen auf der Münze

:CAROLVS:IIIII:RO:IM:     //     Rex:HISPAN:VT - RIVS:SICIL Rex
Rs.:   gekröntes Wappen zwischen Flügeln und Schwanz des dreifach gekrönten Doppeladlers.
OBEN: links über kreuz: Kastilien/León; rechts über kreuz: Aragón/Navarra (5 Kreise)/Sizilien.
UNTEN links: Österreich (Binde), Neuburgund (Lilien), Altburgund (Schrägstreifen) und Brabant (Löwe).
UNTEN rechts: Jerusalem (Krückenkreuz) und Ungarn (waagerechte Streifen).
Untere Spitze des Wappenschildes: Granada (Granatapfel), auf der nächsten Münze besser zu erkennen.


Mezzo ducato d'argento, o.J., Neapel.   Ø 33 mm, 14,83 g.
CNI XIX S.328 Nr.373; Pannuti-Riccio 15.

Vs.:   CAROLVS·V·ROMANO·IMP  -  Belorbeertes Brustbild mit Monogramm IBR
Rs.:   ··R·ARAGO·VTRIVS·SI··  -  Gekrönter Doppeladler hält gekröntes Wappen in den Fängen.

Wie kommen die Wappen von Jerusalem und Ungarn zu Ks. Karl V.?
Das Königreich Jerusalem bestand 1100-1192. Ks. Friedrich II. von Hohenstaufen konnte es kurzzeitig zurückgewinnen und sich König von Jerusalem nennen, bevor es endgültig an die Araber fiel. Der vom Papst gerufene Karl I. von Anjou löste 1265/6 in Sizilien die Hohenstaufen ab. 1277 erkaufte Karl I. den Anspruch auf das Titularkönigreich Jerusalem. Anjou stellte außerdem in der Folgezeit Wahlkönige von Ungarn. Das Haus Anjou wurde 1282 aus Sizilien vertrieben, behielt aber die Wappen von Jerusalem und Ungarn, bis es 1442 auch aus Neapel vertrieben wurden. Ihre Nachfolger aus dem Haus Aragón übernahmen diese Wappen. Ks. Karl V. erbte schließlich von seinem Großvater König Ferdinand von Aragón (der Katholische) nicht nur Neapel und Sizilien sondern auch die damit verbundenen Anspruchswappen von Jerusalem und Ungarn.
Mehrere Herrscher bzw. Länder erhoben Ansprüche auf Jerusalem.


Dukat o. J., Neapel.     Ø 22 mm, 3,40 g.   Pannuti-Riccio 9; Friedb.834.
CAROLVS·IIIII·ROM IMP·  -  //     R·ARAGO - VTRIVS·S
Ähnliches Münzbild wie vor, mit perfekter Raumaufteilung.



Doppia, o. J., Neapel. (Doppelscudo)     Ø 27 mm, 6,71 g.   Pannuti-Riccio 5a; Friedb.831.
CAROLVS·V·ROM·IMPE·   //   MAGNA·OPERA·DOMNI·   "Groß sind die Werke des Herren"
Rs.:   eine Frau (Frieden?) hält ein Füllhorn und setzt einen Waffenhaufen und ein Buch in Brand.
Die Rückseite erinnert an das glückliche Ende einiger Revolten in Neapel:
Seit 1532 regierte Vizekönig Don Pedro Alvarez de Toledo das Land mit fester Hand. Er beseitigte feudale Strukturen und modernisierte die Stadt Neapel und ihre Befestigung. Die Steuerlast war bereits drückend, als der Vizekönig 1547 die Spanische Inquisition einführen wollte. Das führte sogleich zu Protesten der Barone, denn sie befürchteten, dass mit der Inquisition Enteignungen einhergehen würden, um die Staatseinnahmen zu steigern. Der Aufstand konnte mit Truppeneinsatz unterdrückt werden, aber der Widerstand setzte sich fort. Neapel entsandte schließlich eine Abordnung mit einer Spende(*) zum Kaiser, der die Abschaffung der Inquisition für immer förmlich zusicherte. Sein Edikt vom 23.10.1547 bestätigte die bereits vom spanischen König Ferdinand dem Katholischen (1504-1516) gegebene Zusage, daß die Inquisition in Neapel nicht eingeführt werden sollte.
Karl V. war bereits 1535/6 anlässlich seines Besuches in Neapel von den Baronen vergeblich bedrängt worden, Don Pedro als Vizekönig abzusetzen. Don Pedro war streng aber erfolgreich. Unter seiner Regierung wurde Neapel zur zweitgrössten Stadt Europas und erhielt eine für die Türken uneinnehmbare Befestigung. Als der Kaiser 1552 Don Pedro schließlich nach Siena schickte war Neapel erleichtert.
(*)   Laut Pannuti-Riccio betrug die "Spende" 100.000 Dukaten, nach anderen Quellen war sie höher. Ausserdem soll schon bei der Machtübernahme von Ferdinand, dem Katholischen, derselbe Geldbetrag geflossen sein.



Mezzo trionfo d’oro, o. J., Messina.     Ø 18 mm, 1,72 g.   Spahr S.119, Nr.4.
Vs.:   +◦CAROLVS◦IMPE◦   -   gekrönte bartlose (daher jugendliche) Büste n. l.
Rs.:   +:REX : SICILIE:  -  gekrönter Adler nach rechts.



4 Tari, 1555, Messina.     Ø 32 mm, ca.11 g.   Spahr 164 var.
Vs.:   •+•CAROLVS•V•IMPERATOR•  -  gekrönte Büste mit Bart, n. r, darunter Wertangabe 4
Rs.:   +•D•G•REX•SICILIAE•I555•  -  gekrö. Adler n.r. zwischen Münzzeichen C - M
Geprägt mit mehreren Hammerschlägen. So entstand an mehreren Stellen und auf beiden Seiten
ein Versatz, der gut am inneren Perlkreis zu erkennen ist.



2 Tari, 1555, Messina.     Ø 26 mm, 5,74 g.   Spahr S.142, Nr.252.
Vs.:   + •CAROLVS•IMPERATOR•  -  gekrönte Büste mit Bart, n. r.
Der dicke Zentralpunkt unter dem Ohr gehört nicht zum Bildnis.

Rs.:   + REX+SICILIAE+1555+  -  gekrönter sizilianischer Adler zwischen C - M
Der Adler ähnelt dem Adler auf den berühmten Augustalis des Kaisers Friedrich II. von Hohenstaufen.
Die Nominale 4, 2, 1, 1/2 und 1/4 Tari unterscheiden sich kaum im Münzbild,
sondern nur im Gewicht und im Durchmesser.


Tari o.J. (um 1520), Messina.     Ø ca.20 mm, 2,91 g.   Spahr 19.
Vs:   +CAROLVS IMPERAT?R  -  Jugendliche Büste n.l., davor ein Kreuz.
Rs.:   •D•G•REX•SICILI  -  gekrö. Adler n.r. zwischen Münzzeichen B - N (Bartolomeo Lo Nobile)
Versatz wegen Doppelschlag auf beiden Seiten, am Perlkreis gut zu erkennen.


1/2 Tari, Messina.     Ø 16 mm, ca. 1,3 g.   Spahr 95.
:CAROLVS:IMPE   //   :REX:SICILIE:   gekrö. Adler n.l. zwischen Münzzeichen J - P.


Lit.:
• M.Pannuti / V.Riccio:  Le Monete di Napoli - dalla caduta dell'impero Romano alla chiusura della zecca.
  Lugano 1984.
• R. Spahr:  Le Monete Siciliane dagli Aragonesi ai Borboni (1282-1836). Palermo 1959, Basel-Graz 1982.
• CNI (Corpus Nummorum Italicorum), vol.XIX (Napoli, Parte I). 1940. (Index vol.XIX)

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