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      Zeitgenossen im Heiligen Römischen Reich      

Wolfgang von Montfort, 1520-1540.
Die Grafen von Montfort gehen zurück auf Graf Hugo, "comes montis fortis" (1214), d.h. "Graf vom starken Berg". 1146 übertrug der Kaiser dem Pfalzgrafen mit dem kaiserlichen Amt auch das Wappen mit dem roten kaiserlichen Gonfanon [Fahne]. Die Grafen von Montfort herrschten über Ländereien im Nordosten des Bodensees. Durch Erbteilung, Streit zwischen den Linien und Überschuldung verlor das Geschlecht ihre Herrschaften schrittweise an die Habsburger. Im Wappen von Vorarlberg ist der Bezug auf das Geschlecht der Montforter noch erhalten.
Graf Wolfgang von Montfort in Tettnang-Rothenfels gehörte zur Linie Rothenfels, die 1439 durch Teilung der Linie Tettnang entstanden war und die bis 1574 bestand. Wolfgang wirkte in verschiedenen Funktionen für den Kaiser. 1532 zog er mit eigenen Knechten nach Ungarn und führte dort eine Heeresabteilung erfolgreich gegen die Türken. 1535 beteiligte er sich aktiv am kaiserlichen Widerstand gegen die Rückführung des geächteten Herzog Ulrich nach Württemberg.



Bleigußmedaille 1530, von Ch. Weiditz.     Ø 63 mm.   Habich I/1, S.383.
Exemplar der Staatlichen Münzsammlung München.

Vs.:   VVOLLfgang·GRAF·ZV·MONTFORT·VVND·ROTTENFELS
Büste halbrechts im Kettenhemd oder Pelzüberwurf, mit Drahthaube und darüber ein breiter Hut.
Rs.:   * GLORIA - IN EXCELSIS - DEO * MDXXX ·   "Ehre sei Gott in der Höhe"
Behelmtes Wappen von Montfort: drei herabhängende Hängeln und drei Ringe (für eine Querstange).
Im Auftrag von Ks. Karl V. nahm Wolfgang 1530 als Hofrat am Augsburger Reichstag teil, wo auch Medailleur Weiditz weilte. Diesem gab Wolfgang die Medaille in Auftrag. Sie entstand mit einem Holzmodell im Gussverfahren.
Christoph Weiditz (1500-1559) stammte aus dem Breisgau. 1529 schloss er sich in Spanien dem Hoftross Karls V. an. Der Kaiser stellte ihm einen Freibrief als Goldschmied aus. Aber als er sich 1532 in Augsburg niederlassen wollte, musste er dies als Bildhauer tun, denn die Goldschmiedezunft dort wollte seinen kaiserlichen Freibrief nicht anerkennen. Die zunehmenden Steuerabgaben, die in Augsburgs Steuerbücher verzeichnet sind, bezeugen die Erfolge des Meisters.
Diese Gußmedaille diente als Vorlage für die nachfolgende Prägung. Diese konnte allerdings die Qualität des Originals nicht erreichen, allein schon wegen der Verkleinerung und der für Prägungen einzuhaltenden Reliefbeschränkung.
Weitere Medaillen von Christoph Weiditz auf: Hernán Cortés, Mercurino Gattinara, Andrea Doria und Ks. Karl V.


Halbtaler o.J.   Ø 33 mm.   Exemplar der Staatlichen Münzsammlung München.   Binder 11.
Vs.:   +WOLFGANG*GRAF*ZV - *MVNTFORT*Vnd*ROTENFels  
Rs.:   +KAROLVS*V*ROMANORVM*IMPERATor*AVGVStVs  



Taler o. J.   Ø 40 mm.   Davenport 9567.
Vs.:   +WOLFGANGI:COMITIS:DE·MONTFORT ZC
bärtiges Altersbrustbild mit tiefreichender Mütze und pelzbesetztem Mantel nach links.
Rs.:   ·CARolus·V·ROManorum·IMPerator· - ·SEMPer·AVGVSTVS·
gekrönter Doppeladler mit Wappen (Kastilien/Österreich) auf der Brust,
darunter halb in der Umschrift das Wappen von Montfort.
Von dem Stempelpaar haben sich 10 Prägungen erhalten. Aus stilistischen Gründen werden sie dem Tiroler Stempelschneider Ulrich Ursentaler d. Ä. (um 1482-1562) zugeschrieben. Graf Wolfgang war seit 1523 Regimentsrat in Innsbruck, wurde Vizestatthalter und 1529 Statthalter der ober-österreichischen Lande. Dies erleichterte ihm wohl den Zugang zu dem viel beschäftigten Stempelschneider, der in der Haller Münzstätte vielseitig tätig war und Stempel für seinen anspruchsvollen Dienstherren Ks. Maximilian direkt abgerechnet hat. Aber auch für Matheus Lang, Bernhard von Cles und Sigmumd von Dietrichstein - alle mit sehr guten Beziehungen zum Hause Habsburg - hat Ursentaler Prägestempel für Schaumünzen angefertigt. [Moser-Tursky]

Vergleiche das Bildnis in Öl von 1540 auf der Churburg im NW Südtirols.
Vermutlich ist obiger Taler o. J. vor diesem Bildnis entstanden.

Das Geschlecht der Montfort blieb immer streng katholisch. Als 1730 das evangelische Deutschland den 200. Jahrestag der Augsburger Konfession u.a. mit Münzen und Medaillen feierte, ließen die Grafen von Montfort einen sog. Gegenreformationstaler prägen.

Lit.:
• Klein, U.: Die Münzen und Medaillen der Grafen Wolfgang und Johann von Montfort-Rotenfels,
      in: Schweizer Münzblätter 48 (1998) S.38-46, auch online
• Christian Binder / Julius Ebner:
      Württembergische Münz- und Medaillenkunde, Stuttgart 1910-12, Nachdr.1969. Bd.II/1, S.107 ff
• Hirsch, Martin: Katalogteil II: Medaillen und Münzen, Kat.Nr.32a-b, S.117 ff
      in: Wettstreit in Erz, Porträtmedaillen der deutschen Renaissance. Deutscher Kunstverlag 2013.
• Karl Heinz Burmeister: Graf Wolfgang von Montfort-Rothenfels, ca. 1489-1540,
      in: Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben 17 (2010), S.39-76.
• H.Moser / H.Tursky: Die Münzstätte Hall in Tirol 1477-1665, Innsbruck 1977.
• Frick, Alexander: Die Montfort-Münzen im Museum Langenargen, in: Montfort 31 (1979), S.205-209,
      auch online

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