Gonzaga in Mantua

Gonzaga in Mantua , Monferrato ab 1536 und Guastalla ab 1539 Gianfrancesco I. Gonzaga, 1407-1444, seit 1433 Markgraf
Ludovico II. Gonzaga, 1444-1478
Federico I. Gonzaga 1478-1484
Francesco II. Gonzaga, 1484-1519
Federico II. Gonzaga, 1519-1540, seit 1530 Herzog
Francesco III. Gonzaga, 1540-1550
Guglielmo (Wilhelm) Gonzaga, 1550-1587
Ferrante I. Gonzaga, 1539-1557 Graf von Guastalla

Mantua liegt in der Po-Ebene und war ein Pufferstaat zwischen den mächtigen Nachbarn Mailand, Venedig, Ferrara, Parma und dem Kirchenstaat. Das Herrschergeschlecht der Gonzaga stammt von der südlich von Mantua gelegenen Burg Gonzaga. Ludovico I. Gonzaga wurde 1328 'Capitano generale del popolo' in Mantua, 1329 auch Reichsvikar über Mantua. In der Folge wurde das Herrschaftsgebiet ausgebaut. Die Gonzaga wurden im Laufe der Zeit zu Grafen (1394), Markgrafen (1433) und schließlich zu Herzögen von Mantua (1530) erhoben. 1536 erbten sie die westlich von Mailand gelegene Markgrafschaft Monferrato.

Landkarte von Italien im Jahr 1499

Gianfrancesco I. Gonzaga, 1407-1444
- 5. 'Capitano' sowie Reichsvikar von Mantua -   - 1433 erster Markgraf von Mantua -
Gianfrancesco I. (*1394) diente verschiedenen Mächten als Condottiere - dem Kirchenstaat (1412), den Malatestas (1417) und Venedig (seit 1432), wo er zum 'capitano generale' aufstieg. Seine Allianz mit Venedig führte zu Gebietsgewinnen für Mantua im Westen. Im Osten verlor er jedoch Gebiete, als er später im Dienst der Visconti für Mailand gegen Venedig antrat. Gegen eine Zahlung von 12000 Goldgulden und ein Heiratsversprechen ernannte ihn Kaiser Sigismund 1433 zum erblichen Markgrafen von Mantua.
Gianfrancesco I. verstand es, das Ansehen seiner Familie durch sein Wirken als Mäzen zu fördern. Er holte den Humanisten Vittorino da Feltre als Erzieher seiner Kinder an den Hof, zog Künstler wie Pisanello nach Mantua, förderte die Ausbildung armer Kinder und gründete die erste Manufaktur für Wandteppiche in Italien. Gianfrancesco I. machte so Mantua zu einer führende Stadt der Renaissance.


Gussmedaille um 1447 von Pisanello.     Ø 96 mm   Kress 2.
Vs.:   IOHANES·FRANCISCVS ·DE·GONZAGA· | ·CAPITaneus·MAXImus ·ARMIGERORVM· | PRIMVS·MARCHIO·MANTVE·   -   Brustbild mit hohem Hut nach links.
Rs.:   OPVS· PISANI PICTO RI S·   "Werk des Malers Pisano"
Gianfrancesco zu Pferd n.l. mit hohem Hut, Schwert und Kommandostab.
Rechts ein Knappe zu Pferd von hinten. Links vom Kopf ein rätselhaftes Symbol (Türklopfer oder Haltegriff).
Siehe auch das Exemplar im Münzkabinett Berlin.
Diese Medaille ist wahrscheinlich erst von seinem Sohn und Nachfolger in Auftrag gegeben worden.
Ein viel späteres, von Erzherzog Ferdinand für seine Porträtsammlung auf Schloss Ambras in Auftrag gegebenes Miniaturbild orientiert sich an der Medaille.

Keine seiner Münzen tragen bereits sein Bildnis. Zu den ersten Münzen nach seiner Erhebung zum Markgraf 1433 gehört ein Grosso (Ø 25 mm, 2,4 g.), der erstmals das neugeschaffene Wappen der Markgrafschaft Mantua zeigt.
Das ursprüngliche Wappen der Gonzaga war sechsfach geteilt mit abwechselnd goldenen und schwarzen Balken. Die erste Vermehrung von 1394 durch Ks. Wenzel I. (1378-1419) bestand aus dem böhmischen Löwen (stehend, gekrönt und doppelschwanzig). Eine weitere Vermehrung erfolgte 1433 anlässlich der Erhebung zur Markgrafschaft durch Ks. Sigismund I. (1433-37): rotes Tatzenkreuz, in den Winkeln vier schwarze Adler, daraufgelegt das quadrierte Wappen mit den Feldern Gonzaga-Balken und Böhmischer Löwe.
Die Erweiterung um Monteferrato (1536) brachte weitere Wappen ein, siehe unten.

Ludovico II. Gonzaga, 1444-1478
- 2. Markgraf von Mantua   -   genannt "Luigi il Turco"   -   nach neuer Zählung: Ludovico III.
Ludovico (*1423) heiratete Barbara von Brandenburg, eine Nichte von Kaiser Sigismund, anlässlich der Erhöhung Mantuas zur Markgrafschaft (1433). Wie sein Vater war Ludovico Condottiere im Dienst verschiedener - oft verfeindeter - Mächte. Als Ludovico in Mailands Dienste trat, sein Vater aber in Venedigs Diensten stand, kam zu einem Streit. Nachdem der Vater selbst zu Mailand gewechselt war (1438), versöhnten sie sich wieder (1441).
Ludovico folgte 1444 seinem Vater Gianfrancesco als 2. Markgraf von Mantua. Durch Erbabfindungen seiner Brüder und wegen der hohen Kosten der Kriegsjahre befand sich die Grafschaft in wirtschaftlich schlechter Verfassung. Mantua gewann erneut Geltung, als Papst Pius II. ein Konzil nach Mantua berief (1459-1460), um einen Kreuzzug gegen die Türken zu lancieren als späte Reaktion auf den Fall von Konstantinopel. Zum Abschluss des Konzils erhob der Papst Ludovicos zweiten Sohn Francesco zum Kardinal.
Ludovico verpflichtete den humanistischen Autor und Architekten Leon Battista Alberti (1404-1472) nach Mantua. Andrea Mantegna ernannte er zum Hofkünstler und liess ihn im herzoglichen Castello die berühmte 'Camera degli Sposi' mit Fresken ausmalen (1465-1474). Dort ist Ludovico II. mit seiner Familie auf zwei Wandfresken verewigt.


Einseitige Bronzeplakette   von Pietro da Fano.     88,2 x 58,5 mm.   Hill 407; zu Armand I, 27.
Büste nach links mit flacher Kappe und gemustertem Mantel mit Juwel vorne an der Halskette.
Rückseite:   ausgehöhlter Grobform der Vorderseite.
Die hier fehlende Umschrift der runden Medaille lautet:
LVDOVICVS DE GONZAGA MARCHIO MANTVAE AC DVCALIS LOCVMTENENS GENERALIS FR SFORZIA


Testone o. J. (um1460), Mantua.     Ø 25 mm, 6,52 g.   CNI IV 230/9 tav.20/4; RM 7/2.
Vs.:   ·LODOVICVS·MANTVE·MARCHIO·II·   "... 2. Markgraf von Mantua"
Brustbild mit belorbeertem Helm nach links.

Rs.:   ·:·XPI·SANGVINIS·TABERNACVLVM   "Christus Blut im Tabernakel"  -  Hostiengefäß.
Zum ersten mal erscheint das Bildnis des Münzherren auf einer Münze von Mantua.
Vergleiche Detail 1 und Detail 2 aus den beiden Fresken (1465-74) in der Camera degli Sposi
im Castello des Palazzo Duccale in Mantua.

Ludovico II. gab Leon Battista Alberti den Auftrag, in Mantua eine neue
Basilika Sant'Andrea als Aufbewahrungsort der Reliquie zu schaffen.

Federico I. Gonzaga 1478-1484
- 3. Markgraf von Mantua -
Auch Federico (*1441) diente den Sforza in Mailand als Condottiero gegen Venedig. 1478 trat er die Nachfolge seines Vaters in Mantua an, musste dabei aber Ländereien an seine Brüder abtreten. Er war verheiratet mit Margarete von Bayern. Er wurde bekannt für seine Zuneigung für seine Kinder und Freundlichkeit gegenüber dem Hofmaler Mantegna, der mehr als jeder Künstler ein Teil der Familie zu sein schien. Der älteste Sohn Francesco wurde sein Nachfolger, ein weiterer Sohn Sigismondo wurde Kardinal.


Ducato o. J., Mantua.     Ø 24 mm, 3,44 g.   CNI IV 235/1 tav 20/14; RM 9/1; Friedb.517.
Vs.:   FEDERICVS·MANTVE·MARCHIO·III·   "... 3. Markgraf von Mantua"  -  Büste nach links.
Rs.:   ·:·XPI·IHESV·SANGVINIS·TABERN   "Christus Jesus Blut im Tabernakel"  -  Hostiengefäß.

Vergleiche das Gemälde in den Uffizien Florenz, verbreitet von wikimedia.org.

Francesco II. Gonzaga, Markgraf von Mantua 1484-1519
- 4. Markgraf von Mantua -
Francesco (*1466) war ein bedeutender Condottiere, Politiker und Mäzen in einer Zeit großer politischer Unruhe in Italien. Als Condottiere wechselte er mehrfach zwischen italienischen und französischen Herren, konnte dabei aber immer die Unabhängigkeit Mantuas bewahren.
Francesco heiratete 1490 Isabella d'Este aus dem Haus Este in Ferrara. Isabella war schön, intelligent und sehr gebildet. In seiner Abwesenheit vertrat sie ihren Ehemann mit diplomatischem Geschick zum Vorteil von Mantua. Als Francesco 1519 an Syphilis starb, wirkte Isabella als Regentin für ihren Sohn Federico II. Während Francescos und Isabellas Zeit gelangte Mantua zu einen glanzvollen Höhepunkt, insbesondere durch Isabellas Wirken als Mäzenin. Sie wurde von Künstlern wie Raffael, Andrea Mantegna, Tizian und Leonardo da Vinci gemalt. Isabella verstand es, die Kunst zur Propaganda für das Haus Gonzaga zu nutzen.


Ducato (vor 1495), Mantua.     Ø 23 mm, 3,56 g.   CNI IV 236/6; RM 11/3; Friedb.521.
·FRAN·MAR·MANT·IIII·   //   ✠·XPI·SANGVINIS·


1/2 Testone (vor 1495), Mantua.     Ø 25 mm, 3,87 g.   CNI IV 242/65; RM 17/17.
Vs.:   ·FRANCISCVS·MARchio·MANTuae·IIII   -   Büste mit Barett nach links.
Rs.:   ✠·XPI·IHESV + SANGVINIS·     wie vor; der Zentralpunkt gehört nicht zum Bild.


Testone (vor 1495), Mantua.     Ø 28 mm, 9,58 g.   CNI IV 239/35var; RM 14/11; MIR 416.
Vs.:   FRANCISCVS·MARchio·MANuae·IIII   -   MA ligiert.   "... 4. Markgraf von Mantua"
Rs.:   + XPI + IHESV + SANGVINIS·   "Christus Jesus Blut"   -   Hostiengefäß.

Nach der Schlacht bei Fornovo (1495) veränderte sich das Münzbild der Rückseite:


Ducato (nach 1497), Mantua.     Ø 23 mm, 3,50 g.   CNI IV 235/13; RM 11/4; Friedb.520.
FRANCISVS·MAR·MANTVE· - ·IIII·   //   (Hostiengefäß) Domine·PROBASTI·Me·eT·COGNOVISTI·ME
Legenden und Münzbilder wie nachfolgender Testone.


Testone (1497-1510), Mantua.     Ø 28 mm, 9,66 g.   CNI IV 239/42; RM 14/12.
Vs.:   ·FR MAR·MANTVE·IIII·   -   bärtige Büste nach links.
Rs.:  (Hostiengefäß) Domine·PROBASTI·ME·ET·COGNOVIsti·ME
"Herr, Du hast mich geprüft und erprobt"   -   Auf dem Feuer ein Schmelztiegel mit Stäben.
Die Rückseite zeigt eine sog. 'impresa', eine Figur mit zugehörigen Motto, hier in der Umschrift.
Die 'Impresa' bezieht sich auf die Schlacht bei Fornovo (1495):
Francesco will sein Verhalten als Oberbefehlshaber als so rein darstellen,
wie das Gold, das im Tiegel schmilzt.
Kg. Karl VIII. von Frankreich war ungehindert mit seinem Heer durch Italien gezogen, um Neapel einzunehmen. Kaum war er dort angekommen, bildete sich in Italien die Heilige Liga gegen ihn und er musste überstürzt den Rückzug antreten. Es kam zur Schlacht bei Fornovo (nahe Parma), wo die Truppen der Liga, angeführt von Francesco Gonzaga, den Franzosen den Weg abschneiden wollten. Beide Seiten erklärten sich zu Siegern, obwohl der Ausgang der Schlacht eigentlich unentschieden blieb, denn Karl konnte seinen Rückzug fortsetzen, hatte aber seine gesamte neapolitanische Beute an die plündernden Liga-Söldner verloren. Die Plünderung dieses Schatzes hielt das disziplinlose Liga-Heer davon ab nachzustossen und verhinderte so einen vollständigen Sieg. Gerüchte gaben Francesco die Schuld dafür. Gegen diesen Verdacht wendet sich die Devise auf der Münz-Rückseite.
Als Kg. Ludwig XII. 1499 die zweite Invasion Italiens unternahm, wechselte Federico auf seine Seite.

Nach der Ernennung zum Gonfaloniere (1510) änderte sich das Münzbild der Rs. nochmals:


Doppio ducato (nach 1510), Mantua.     Ø 28 mm, 6,80 g.   CNI IV 235/1; RM 10/1; Friedb.518.
Vs.:   FRancesco·II·MaRchio·MANTVAE·  -  Büste nach links.
Rs.:   S.R.E. - .CONF.  (Sanctae Romanae Ecclesiae Confalonierus)
"der Hl. Römischen Kirche Gonfaloniere" (Bannenträger, ein vom Papst an Fürsten verliehener Titel)
Francesco erhielt 1510 diesen Titel von Papst Julius II., auf den auch der aufgesetzte Mittelteil im Wappen hinweist: Schirm über den gekreuzten Schlüsseln Petris. Das Kreuz mit den vier Adlern stiftete
Ks. Sigismund 1433 anlässlich der Erhebung von Mantua zur Markgrafschaft.


Testone (nach 1510).    Ø 28 mm, 9,73 g.   CNI IV 238/27; RM 16/14.
Münzbild wie vor. Die Legende unterscheidet sich nur in einem Punkt.


Probe für doppio testone     Æ Ø 31 mm, 17,98 g.   CNI 238/24; RM 13/7; Armand II 99,3.
Vs.:  · FRANCISCVS·MAR·MANTVE·IIII·   -   bärtige Büste nach links.
Rs.:   ·DVINVM·DARE HVMANVM·ACCIP'   "göttlich geben, erhalten menschliche"
Der Markgraf auf dem Podest verteilt Almosen an Umstehende. Im Abschnitt:
·LIBERALI· / ·TAS·

Vergleiche mit drei Portraits:
1. Bild als Kind von Baldassare d'Este um 1474-80 (26×21 cm), in der National Gallery of Art, Washington
2. Terracotta-Skulptur, 70 cm hoch, von Gian Cristoforo Romano, Museo della Città di Palazzo S. Sebastiano, Mantova
3. späteres Bild, laut Wikipedia in den Uffizien und/oder [1580-82, 13x10 cm] in der Sammlung des Erzherzogs Ferdinand in Ambras, mit derTerracotta als Vorbild?.

Auch Kleingeld trug das Bildnis des Münzherren:


Quattrino, Mantua.    Kupfer, Ø 16 mm, 1,62 g.   CNI IV 255/189var; RM 21/27var.
·FRANCI - MAR·MA· - ·IIII·   //   ·SANGVINIS·:·XPI·IHESV.

Federico II. Gonzaga, 1519-1540, Markgraf, ab 1530 Herzog von Mantua
- fünfter Markgraf von Mantua - erster Herzog von Mantua -
Federico (*1500) musste 1516 als Gast und Geisel zugleich an den französischen Hof, damit Kg. Franz I. den ex-alliierten Vater wieder in Gnaden aufnahm. Federico wurde trotz fehlender Fachkenntnisse päpstlicher Generalkapitän und vertrieb 1521 die Franzosen aus Mailand. 1523 ging er zur kaiserliche Seite über und wurde General-Kapitän in Italien. Nach der Kaiserkrönung in Bologna (1530) besuchte Kal V. Mantua auf dem Weg nach Augsburg und verlieh Federico den erblichen Herzogstitel. Fortan waren die Gonzagas - wie die Medici und später die Farnese - souveräne italienische Klein- und Mittelstaaten von Kaisers Gnaden und somit fest in das Habsburger Bündnissystem integriert.
Um Monferrato für Mantua zu gewinnen, heiratete Herzog Federico II. die Erbtochter der Markgrafschaft, zunächst Maria (1517), nach deren Tod dann die Schwester Margherita (1531), die letzte aus dem Haus der Palaiologen. Diese Heiratspolitik war erfolgreich und führte 1536 dazu, dass Kaiser Karl V. die Markgrafschaft Monferrato Federico II. Gonzaga zuerkannte.
Federico beauftragte den Maler und Architekten Giulio Romano mit dem Bau des Palazzo Te (1525-34), einem Lustschloss für seine beständige Mätresse Isabella Boschetti. Diese konnte den Vollzug Federicos ersten Ehe mit Maria Palaiologos verhindern und die Liebe Federicos erhalten. Erst nach dessen Tod 1540 zog sie sich zurück.

1. Periode (1519-30): Federico II. Gonzaga als Markgraf von Mantua
FEDERICO II MARCHIO MANTVAE IIIII


Doppio Ducato (vor 1530), Mantua.     Ø 26 mm, 6,83 g.   CNI IV 266/3; RM 22/2; Friedb.526.
Vs.:   ·FEDERICVS·II·Marchio·MANTVAE·IIIII   -   Kopf mit kurzem Bart nach links.
Rs.:   FIDES ('Treue') über dem Berg Olymp, auf dem ein Weg spiralförmig hoch führt,
oben ein Altar mit einem astigen Zweig, seitlich vom Berg drei Eichen.
Eine sehr seltene Münzvariante trägt unter dem Berg seinen Namen OΛYMΠOΣ (Olympos).
Die Münzrückseite zeigt eine sog. 'impresa', d.h. eine Figur mit zugehörigem Motto.
Ks. Karl V. widmete diese Impresa Federico II. nach dessen Einsatz in Mailand 1521.
Der Berg Olymp in Mazedonien galt in der Antike als Sitz der griechischen Götter. So wie Zeus über den anderen Götter stand, so stand der Kaiser über den Fürsten, darunter Federico Gonzaga. Das Motto 'FIDES' ("Treue") signalisiert die Treue Federicos gegenüber dem Kaiser.

Vergleiche das 1529 entstandene Ölgemälde von Tizian (125x99cm) Prado, Madrid.


Ducato o. J., Mantua.     Ø 21 mm, 3,42 g.   CNI IV 267/17; RM 24/6; Friedb.525.
Vs.:   ·FEDERICVS·II·M·MANTVE·IIIII   -   Kopf mit kurzem Bart nach links.
Rs.:   ·SANCTA· - CATERINA   -   Stehende Hl. Katharina mit Palmzweig und Rad in Händen.


Mezzo testone leggero (vor 1530), Mantua.     Ø 26 mm, 3,01 g.   CNI IV 269/30; RM 27/14.
Vs.:   ·FE·II·MAR·MAN·   -   Barhäuptiger Kopf mit kurzem Bart nach links.
Rs.:   ·SANGVINIS - XPI·IHESV     im Abschnitt: MAN
Hostiengefäß auf dem Altar, daran steht: ·S· / ANDR / EAS
Die Basilika Sant'Andrea in Mantua bewahrt die Heilig-Blut-Reliquie.


Grossetto, Mantua.     Ø 18 mm, 1,00 g.   CNI IV 273/68; RM 31/23; MIR 466.
Vs.:   FEDERICVS·II·Marchio·MANtuae·V·   -   Kopf nach links.
Rs.:   HIC·SANgius qui·EXI - VIT ab·Dextro·LAtere·XRIsti·
"Hier ist das Blut, das aus der rechten Seite Christi kam"
stehender Hl. Longinus mit Speer und Hostiengefäß.
Der Soldat Longino soll Christus auf Golgatha verletzt haben und nach seiner Bekehrung mit Blut Christi getränkte Erde nach Mantua gebracht haben. 804 wurden versteckte Gefäße wiederentdeckt und
eine erste Wallfahrtsstätte für die Verehrung dieser Reliquien errichtet. 1048 erfolgte eine zweite Auffindung (it. Inventio) mit der eine Neuerrichtung des Klosters Sant'Andrea verbunden wurde.

2. Periode (1530-36): Federico II. Gonzaga als Herzog von Mantua
FEDERICO II MANTVAE DUX I


Testone legero? o. J. (1530-36), Mantua.     Ø 28 mm, 6,46 g.   CNI IV 282/156; RM 34/33.
FEDERICVS·II·MANTVAE·DVX·I   //   ·SANGVI - NIS·XPI·
mit dem häufigsten Motiv auf Gonzagas Münzen: dem Hostiengefäß (it. pisside),
hier auf einem Tuch, gehalten von zwei Händen, im Gefäß drei Tropfen Blut sichtbar.

3. Periode (1536-40): Federico II. zusätzlich als Markgraf von Monferrato
FEDERICO II DUX MANTVAE et MARCHIO MONTIS FERRATI


Scudo o. J. (1536-40), Mantua.     Ø 39 mm, 25,70 g.   CNI IV 286/189; RM 37/42; Dav.8289,
der erste Taler aus Mantua.

Vs.:  ·FEDERICVS·DVX·MANTuae·Et·MARrchio·MONTis·Ferrato·  -  geharnischte Büste mit Bart n. links.
Rs.:   HIC·EST·VICTORIA·MVNDI·    "Dieser ist Sieger der Welt"
Christus am Kreuz zwischen Jungfrau Maria und Hl. Johannes, am Boden davor ein Dämon und ein Skelett.

Francesco III. Gonzaga, 1540-1550
- 2. Herzog von Mantua und Markgraf von Monferrato -
Francesco III. (*1533) trat sein Erbe als Kind an und stand unter der Regentschaft seiner Mutter Margherita Paleologa von Monferrato. Belastet mit Erbforderungen der Nebenlinien fiel das Gonzaga-Herzogtum zurück in die Bedeutungslosigkeit. Francesco starb ohne Erben, kurz nach seiner Heirat (1549) mit Katharina von Österreich, Tochter von Ks. Karls Bruder Ferdinand I. Das Herzogtum fiel an Francescos jüngeren Bruder Guglielmo. Ein weiterer Bruder, Luigi (Ludovico) Gonzaga, heiratete in den französischen Hochadel ein und wurde Stammvater der Linie Gonzaga-Nevers, die im 17. Jh. an die Stelle der ausgestorbenen Hauptlinie trat.


Testone legero, Mantua.     Ø 31 mm, 5,98 g.   CNI IV 293/13; RM 40/3.
Vs.:   ·FRAN·DVX·MAN·II·ET·MARchio·MONtis·Ferrato   -   jugendliche Büste n.l.
"Francesco, 2. Herzog von Mantua und Markgraf von Monferrato"

Rs.:   VIAS·TVAS·DOMINE·DEMOSTRA·MIHI   "Herr, gib mir deine Wege zu erkennen"
Erzengel Raphael leitet Tobias, der einen heilwirksamen Fisch in seiner Linken trägt.

Guglielmo (Wilhelm) Gonzaga, 1550-1587
- 3. Herzog von Mantua -
Guglielmo (*1538) folgte seinem kinderlos verstorbenen Bruder Francesco als Herzog von Mantua und Markgraf von Monferrato, zunächst unter der Regentschaft seiner Mutter Margherita Paleologa. 1574 wurde er der erste Herzog von Monferrato, als die Markgrafschaft zum Herzogtum erhoben wurde. Guglielmo interessierte sich für kirchliche Vokalmusik und korrespondierte mit dem Komponisten Palestrina.
Während in Mantua nur unter Guglielmos Namen geprägt wurde, erfolgte in Casale die Münzprägung für Monferrato gemeinsam mit seiner Mutter bis zu deren Tod 1566.


Lira 1575, Casale.     Ø 34 mm, 12,45 g.   CNI II 148/27var; RM 52/19.
CNI kennt nur die Jahrgänge 1567-70, 1572-74.
Vs.:   +GVLLIEL·DVX·MANT·III·ET·MAR·MONTIS·FER   -   Brustbild in Rüstung n.l.
"Wilhelm, 3. Herzog von Mantua und Markgraf von Monferrato"

Rs.:   *CVIQVE* - * - *SVVM* / *15 - 75*   "Jedem das Seine"
Stehende Justitia mit Schwert und Waage, unter den Füßen ein Stern.

1575 wurde die Markgrafschaft Monferrato zum Herzogtum erhoben.


Scudo, Mantua.     Ø 41 mm, 29,30 g.   CNI IV 310/98var; RM 48/10; Dav.8290.
Vs.:  ·GVL·D:G·DVX·MAN·III·ET·MON FE·I·   "... 3. Herzog von Mantua und 1. Herzog von Monferrato"
Geharnischte und drapierte Büste mit Halskrause nach rechts.

Rs.:  OMNIA·MVNDAN - TVR·IN·ISTO·   "Alles weltliche da hinein (zur Reinigung mit dem Blut Christi)"
Hostiengefäß auf dem Altar zwischen zwei Engeln. Im Abschnitt die Wertangabe:
·120·.
Dieser Scudo galt 6 lire zu je 20 soldi, also 120 soldi, wie im Abschnitt der Rückseite angegeben.
Ein festgelegtes Wertverhältnis zwischen zwei Nominalen wird hier erstmals auf einer Münze angegeben. Das war tollkühn! - Denn:
Kleingeld (Scheidemünzen) war der Wertverschlechterung stärker ausgesetzt als Kurantgeld (Grossmünzen).


1/2 Scudo zu 60 soldi, Mantua.     Ø 35 mm, ca.15,4 g.   CNI IV 310/100; RM 48/12; MIR 507.
Vs.:   ·GVLIELMVS·D G·DVX·MAN·III·   -   drapierte Büste nach rechts.
Rs.:   ET·MONTIS· - ·FERRATI·I·     gekröntes Schild wie nachfolgend, unten Wertangabe 60.
Zwischen Krone und Schild: FIDES mit Berg Olymp unter dem D.

Siehe das Gemälde aus Wikipedia, ohne Quellenangabe. (Porträtsammlung Ehz. Ferdinand, Ambras?)


Due doppie 1586, Casale (4 Dukaten).   Ø 33 mm, 13,22 g.   CNI II 156/99; RM 54/24; Friedb.179.
Vs.:   ·GVLIELMVS·D:G·DVX·MANT·III·   -   Geharnischte und drapierte Büste n.r.
Rs.:   ·ET·MONTIS - FERRATI·I
Krone mit FIDES und Berg Olymp über dem Wappenschild in Ranken zwischen 15 - 86, unten 2 Sterne.
Legende über beide Seiten: "... von Gottes Gnaden 3. Herzog von Mantua und 1. Herzog von Monferrato"

Gonzagas Wappen nach 1536, dem Zugewinn von Monferrato:
1. Das ursprüngliche Wappen Gonzagas besteht aus drei schwarzen Balken auf goldenem Feld.
2. Kaiser Wenzel, König von Böhmen, spendete 1394 die Vermehrung mit dem böhmischen Wappen, einem stehenden gekrönten weissen Löwen auf rotem Feld.
3. Kaiser Sigismund spendete das rote Tatzenkreuz mit vier schwarzen Adlern als Hintergrund-Wappen anlässlich der Erhebung zur Markgrafschaft (1433).
4. Gonzagas Erweiterung um Monferrato (1536) brachte weitere Wappen ein:
4a. das alte Wappen von Monferrato: roter Balken über weissem Feld.
4b. die Palaiologen (letzte Kaiserdynastie des byzantinischen Reichs) trugen bei: Doppeladler von Byzanz, Kreuz von Jerusalem, 4 0Pfähle von Aragon, Sachsen, Bar und Palaiologen-Kreuz mit 4 Bs in den Winkeln.


Doppia o.J., Casale.     Ø 28 mm, 6,61 g.   CNI II 157/105; RM 55/26; MIR 265/2.
Vs.:  GVL·D·G·DVX·MAN·III·ET·MON·FER·I   -   Büste in Rüstung n.l., Löwenkopf an der Schulter.
Rs.:   Schild, darüber: Olymp, FIDES und Krone. Alles wie zuvor.


Quattrino, Mantua.     Kupfer, Ø 17 mm, 1,01 g.   CNI IV 314/133; RM 50/16; MIR 528/1.
GVL·D·G·DVX·MAN·III·ET·MON·F·I   //   SANGVINIS - XPI·IHESV
Die drei Kugeln im Hostiengefäß stellen drei Tropfen Blut Christi dar.

Ferrante I. Gonzaga, 1539-1557 Graf von Guastalla
- 3. Sohn von Francesco II. Gonzaga und Isabella d'Este und Bruder von Federico II. Gonzaga -
Ferrante Gonzaga (* 1507) diente Ks. Karl V. seit seiner Zeit als Page am spanischen Hof. 1527 nahm er am Sacco di Roma teil, 1527 wurde er Kommandeur der kaiserlichen Armee in Italien, 1530 wohnte er in Bologna der Krönung von Karl V. bei, 1531 wurde er Ritter des Ordens vom Goldenen Flies. In Karls Auftrag kämpfte er gegen die Türken (Tunis 1535, Algiers 1543). Er diente ihm als Vizekönig von Sizilien (1535-1546), war Statthalter von Mailand (1546-1554) und ging 1543 als Karls Botschafter (unter der Bezeichnung Principe de Molfetta) an den Hof von Heinrich VIII. von England. 1543 begleitete er den Kaiser auf dem Feldzug gegen Frankreich, der mit dem Frieden von Crépy (1544) endete.
Ferrante Gonzaga heiratete 1529 Isabella von Capua, Tochter des Fürsten Ferdinand von Molfetta, die die Lehn Molfetta und Giovinazzo mitbrachte. 1539 kaufte Ferrante die Grafschaft Guastalla, wo eine Gonzaga-Seitenlinie entstand.
Im Dienste Philipps II. wurde Ferrante Gonzaga in der Schlacht bei St. Quentin tödlich verwundet.


Medaille, um 1555   von Leone Leoni.     Ø 69 mm, 95,7 g.     Börner 747; Bernhart 163,6.
Vs.:   FERdinandus·GONZaga·PRAEFectus·GALliae·CISALpinae - TRIBunus·MAXimus·LEGGionum·CAROLI·V·CAESaris·AVGusti
"Ferdinand Gonzaga, Präfekt der Gallia Cisalpina und oberster Tribun der Legionen Kaiser Karls V."
Büste im Prunkharnisch; auf der Brust der Orden vom Goldenen Vlies am Band.

Rs.:   TV NE CEDE MALIS    "Du aber weiche nicht vor dem Bösen"
Ferrante als Herkules erschlägt zwei Männer mit der Keule.
Rechts die Hydra und links im Hintergrund ein an einen Baum gebundener Satyr.
Die Medaille gab Ferrante Gonzaga bei Leoni in Auftrag, nachdem er eine Anklage wegen Veruntreuung und Korruption heil überstanden hatte. Hierauf bezieht sich auch die Darstellung von Herakles tapferem Kampf gegen das Ungeheuer. Ferrante wird auf der Medaille mit antiken Titeln als Statthalter von Mailand und Befehlshaber der kaiserlichen Truppen bezeichnet.
Vergleiche das Gemälde, von Cristofano dell'Altissimo vor 1568 gemalt im Auftrag der Medici
für die Uffizien, entstanden als Kopie aus der Gemäldesammlung des Paolo Giovio in Como.
Siehe auch die Bronzeskulptur "Sieg über die Missgunst" gefertigt von Leone Leoni,
1594 aufgestellt auf der Piazza Mazzini in Guastalla.
erweitert 9.2016

Lit.:   [CNI und RM: Seite & Nr. z.B. 87/6 = S.87 Nr.6]
• Corpus Nummorum Italicorum [CNI], vol.IV, siehe unter Mantova   -   CNI-Index vol.IV
• Corpus Nummorum Italicorum [CNI], vol.II, siehe unter Casale (Monferrato)  -  CNI-Index vol.II
• Corpus Nummorum Italicorum [CNI], vol.IX, siehe unter Guastalla   -   CNI-Index vol.IX
• Ravegnani Morosini, Mario [RM]: Signorie e principati - monete italiane con ritratto, 1450-1796. 1984
    Haus Gonzaga in Mantua, Monferrato (ab 1536) u. Guastalla (ab 1539): Bd.II, S.1ff