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Reichsstadt Lübeck
Ks. Friedrich II. bestätigte 1226 Lübeck (lat. Lubeca) die Reichsfreiheit. Sie wurde führende Hansestadt und ihr Stadtrecht wurde zum Vorbild im Ostseeraum.
Ks. Ludwig IV., der Bayer, erweiterte 1340 das Münzrecht auf Goldmünzen. Die Stadt begann sofort mit der Prägung von Gulden nach Florentiner Art (Lilie / Hl. Johannes), den ersten deutschen Goldgulden. Lübeck wurde massgebliches Mitglied des 1379 gegründeten Wendischen Münzvereins der norddeutschen Hansestädte. Grundlage war die Lübische Mark. 1½ Mark galten einen Goldgulden bzw. Taler. Von 1502 bis 1776 prägte die Stadt auch Taler. Die ersten Taler zeigen den Stadtheiligen Johannes auf der Rückseite. Zwischen 1528 und 1546 setzte die Stadt ein Bildnis des Kaisers auf die Rückseite ihrer Taler.
Ab 1871 kehrte Lübeck (wie ganz Deutschland) zur Mark zurück, jetzt zu 3 Mark für einen Taler.



Guldiner 1528.     Ø 42 mm; 0,9375 fein; 29,42 g.   Behrens 81a; Slg.Dummler 141; Dav.9395.
"silberner Gulden" geprägt nach Maßgabe der Esslinger Reichsmünzordnung von 1524.

Vs.:   (Lilie) IMPERIALIS (Lilie) CIVITATIS (Lilie) LVBICENSIS (Lilie) INSIGNE 15Z8
Die Lilie zwischen den Worten ist das Münzmeisterzeichen von Statius Wessel.
Stadtwappen (Doppeladler mit Schild auf der Brust).

Rs.:   (Lilie) CAROLVS (Lilie) QUINTVS (Lilie) ROMANORUM (Lilie) IMPERAT.
Brustbild des jugendlichen Kaisers mit offenem Mund, Hut, Mantel und Goldenem Vlies.
Dies ist der erste Taler mit einem Bildnis Kaiser Karls V.
Dieser Taler entstand während der ersten Amtszeit des Bürgermeisters Nikolaus Brömse.
Das bartlose Bildnis überrascht, denn Karl ließ sich wohl schon 1521 einen Bart wachsen, um erwachsener auszusehen und sein wenig vorteilhaftes Profil etwas zu kaschieren. Vorlage des Lübecker Guldiners von 1528 war folgende Medaille von Hans Schwarz (1492-n.1521) mit einem Porträt des 20-jährigen Kaisers:

Einseitige Bleigußmedaille 1521  von Hans Schwarz,  Ø 72,5 mm,   Habich 229.
∞ EFFIGIES KAROLI QUINTI ∞ ·M·D·X·XI·   ·HS· (Monogramm Hans Schwarz).
Siehe dazu: Hermann Maué, Eine Medaille des Hans Schwarz von 1521, in NNB 1/2001, als PDF
 
Nikolaus Brömse war Ratsherr der Stadt seit 1514, wurde 1520 einer der Bürgermeister und führte den Vorsitz im Rat seit 1528.
Als Lübeck sich durch die ungestüme Expansionspolitik Christians II. von Dänemark im Ostseeraum bedroht fühlte, ging Nikolaus Brömse 1521 an den Hof Kaiser Karls V., um sich über Christian II. zu beschweren, obgleich der immerhin mit Karls Schwester Isabella verheiratet war. Lübeck half den Gegnern Christians. Schließlich verlor Christian II. Schweden an Gustav Wasa und Dänemark an seinen Onkel Frederik I. Lübeck liess sich die Hilfe mit Handelsprivilegien bei den Siegern belohnen.
Lübeck war Bischofsstadt. Bürgermeister und Stadtrat waren traditionell altgläubig, kaisertreu und kooperierten mit dem Domkapitel der Stadt. Als der Einfluss der Reformation in der Bürgerschaft überhand zu nehmen schien, wurden die lutherischen Prediger 1528 aus der Stadt verbannt. Die daraufhin einsetzenden Unruhen kulminierten im "Singekrieg": katholische Gottesdienste wurden durch das Singen lutherischer Choräle gestört. 1530 musste der Rat die evangelische Predigt schließlich offiziell zulassen. Gleichzeitig musste der Rat die Mitsprache eines Bürgerausschusses hinnehmen.
Um lutherische Einflüsse abzuwehren, erwirkte Brömse vom Kaiser ein Mandat, das ihm erlaubte Neuerungen im Gottesdienst zu verbieten. Dieser Versuch, die Stadt vor der Reformation zu schützen, blieb aber erfolglos. Das Katharinenkloster wurde aufgelöst und eine bürgerliche Lateinschule darin eingerichtet. Als sich die erstarkte Bürgervertretung gegen die Ratsmehrheit sogar dem protestantischen Schmalkaldischen Bund annähern wollte, verliess Bürgermeister Brömse am 8. April 1531 die Stadt, um Hilfe gegen die evangelischen Anführer zu suchen.
Der neue Wortführer des Bürgerausschusses, der Volkstribun Jürgen Wullenwever, führte die Stadt in kriegerische Auseinandersetzungen, um Lübecks Handelsmonopole zu erweitern. Er wollte den niederländischen Handelsschiffen den Zutritt zur Ostsee verwehren. Gleichzeitig versuchte er, Lübecks Einfluß auf Dänemark zu festigen. Doch das Abenteuer endete mit einer Niederlage und einer deutlichen Schwächung Lübecks. Im August 1535 musste Wullenwever zurücktreten.
Nikolaus Brömse kehrte mit einem kaiserlichen Exekutional-Mandat in die Stadt zurück, das er am Reichskammergericht erwirkt hatte. Lübeck schloss 1536 Frieden mit König Christian III. von Dänemark, löste seine Bürgerausschüsse auf, kehrte zur alten aristokratischen Ratsordnung zurück, behielt aber die kirchlichen Reformen von 1530 bei.

In der zweiten Amtszeit Nikolaus Brömses entstanden weitere Taler mit dem Bildnis Ks. Karls V.:
die sogenannten Brömsetaler.
In den Umschriften erscheinen jetzt Bremsen als sprechendes Zeichen des Bürgermeisters Brömse.
Spätere Bürgermeister werden den Brauch übernehmen, ihr Abzeichen auf Talern anbringen zu lassen.



Taler 1537 (1. Brömsetaler).   Silber-Galvano*),   Ø 39 mm, 29,41 g.
Behrens 88; Slg.Dummler 149; Dav.9397.

Vs.:   (1) IMPERIALIS (1) CIVITATIS (2) LVBIC 37
im Perlkreis: Stadtwappen (Doppeladler mit Schild auf der Brust).
Rs.:   (1) CAROLVS (2) QVINTVS (2) CESAR·SEmPer·AuGustus
Brustbild des Kaisers Karl V. mit Mantel und Barett.
Worttrennzeichen in den Umschriften: (1) = Bremse = Bürgermeisterzeichen Nikolaus Brömse
und (2) = Blatt = Münzmeisterzeichen Jürgen Bockhold.
*) Vor 1925 hat der Lübecker Sammler Alexander Roeper eine galvanoplastische Kupferkopie nach dem im Lübecker Archiv befindlichen Exemplar anfertigen lassen. Das Originalexemplar aus dem Archiv ist seit dem zweiten Weltkrieg verloren.


Als Vorlage für Karls Bildnis auf diesem Taler diente eine Medaille von Friedrich Hagenauer:


einseitige Medaille 1530 von Friedrich Hagenauer.
Habich, Dt. Schaumünzen des 16.Jhs., Nr.558 & Tf.72,2
* CAROLI V DEI GRA ROMANORVM IMP SEMPER AVGVST · ANNO ETATIS XXX ·



Taler 1537 (3. Brömsetaler).   Ø 42 mm, 28,5 g.   Behrens 90a; Dav.9398.
Feingehalt nach sächsischem Vorbild: 14 Lot, 8 Grän [= (14 + 8/18)/16 = 902,78 ‰]

Vs.:   (a) MONETA·CESAREÆ·CIVITATIS (b) LVBECÆ (a) 15-37
"Münzprägung der Reichsstadt Lübeck"
(a) = Blatt = Münzmeisterzeichen J. Bockholt     (b) = Bremse = Nikolaus Brömses sprechendes Zeichen
Ritter kniet mit erhobenem Schwert hinter dem Doppeladlerschild.
Rs.:   + IMPerator:CAROLVS·V:CESARV3(s)·NVLLI·SECVnDVS·
"Kaiser Karl V., der keinem nachsteht (niemandem zweiter)"
Kaiserbüste mit Barett, Mantel und Orden vom Goldenen Vlies.
Zum Vergleich eine plumpe Nachahmung ohne Bremse, also kein "Brömsetaler"!



Taler 1537 (2. Brömsetaler).   Ø 41 mm, 28,78 g.
Behrens 89; Slg.Dummler 150; Dav.9398(Vs.)/9400(Rs.)

Vs. wie der vorherige Taler   //   Rs. wie der nächste Taler.


Nach Nikolaus Brömses Tod 1543 entstanden bis 1546 weitere Taler mit des Kaisers Bildnis:


Taler 1544.   Ø 41 mm; 0,903 fein; 28,7 g.   Behrens 91; Slg.Dummler 156; Dav.9400.
Vs.:   (a) MONETA·CESAREÆ·CIVITATIS (b) LVBECÆ
(a) = Münzmeisterzeichen J. Bockhold     (b) = Bürgermeisterzeichen Gotthard von Höveln
Stadtheiliger Johannes mit Buch, Lamm und kl. Kreuzfahne. Darunter Doppeladlerschild, seitlich Jz. 15 - 44
Rs.:   + IMP:CAROLVS·V:CESARVS:NVLLI·SECVnDVs
Kaiserbüste mit Barett, Mantel, Vliesorden und Händen.
Hier hat der Stempelschneider für des Kaisers Bildnis wohl keine geeignete Vorlage zur Verfügung gehabt.


Lit.:
• Behrens, Heinrich: Münzen und Medaillen der Stadt und des Bistums Lübeck, Berlin 1905, Nachdr.1998.
• Künker, Münzhandlung: Die Sammlung Dr. Dieter Dummler, Sonderkatalog zur 90. Auktion, März 2004.
• Graßmann, Antjekathrin (Hrsg.): Lübeckische Geschichte, Lübeck 1988.
• Wikipedia: Nikolaus Brömse und Jürgen Wullenwever.

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