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      Zeitgenossen im Heiligen Römischen Reich      

Herzöge von Lothringen und Bar
 



René II., 1473-1508.
Herzog René II. vereinigte die Herzogtümer Lothringen und Bar sowie die Grafschaft Vaudemont zu einem Groß-territorium, das zum Teil zu Frankreich und zum Teil zum Heiligen Römischen Reich gehörte. Das Territorium des südlichen Nachbarn Burgund war durch Heiraten in die Niederlande hinein gewachsen, so dass die burgundischen Länder durch Lothringen getrennt waren. Als Herzog Karl der Kühne von Burgund Lothringen schon besetzte hatte, um seine Länder zu verbinden, gelang René II. mit Unterstützung der Eidgenossen ein letztes Aufbäumen: Er gewann die entscheidende Schlacht von Nancy (5. Januar 1477), in der Karl der Kühne fiel. Lothringen konnte seine Selbständigkeit behalten, doch die eigentlichen Profiteure waren andere: Frankreich gewann Burgund, Kaiser Maximilian übernahm die Niederlande.
Renes mütterlicher Grossvater René I. d'Anjou hatte u.a. in Neapel 1435-1442 regiert und nach Lothringen geheiratet. René II. machte alte Anjou-Rechte auf das Königreich Neapel und auf die Provence geltend, scheiterte jedoch an den konkurrierenden Interessen der französischen Krone.
Von René II. kennen wir kein zeitgenössisches Porträit oder Bildnis auf Münzen oder Medaillen. Die Renaissance wird sich erst auf die Münzen seines Sohnes und Nachfolgers auswirken.

Antoine le Bon, 1508-1544.
*1489.  1508 folgte Antoine 19-jährig seinem Vater als Herzog von Lothringen. Er war in Paris erzogen worden und seine Beziehungen zum französichen Königtum waren sehr eng: Antoine beteiligte sich an französischen Feldzügen in Italien und er nahm 1515 an der Krönung des befreundeten Franz I. in Reims teil. Antoine schlug Ks. Maximilians Angebot aus, dessen Enkelin Eleonore zu heiraten, stattdessen ehelichte er eine Prinzessin aus dem Hause Bourbon.
Auf das Lutherisches Gedankengut, das über die handelsoffene Reichsstadt Metz in das Herzogtum eingedrungen war, reagierte der altgläubige Antoine 1523 mit einem strengen Edikt. 1539 bekräftigte er noch einmal sein Verbot von Lutherischen Schriften und der Übersetzung der Bibel ins Französische. Den 1525 im Elsass ausgebrochenen Bauernaufstand schlug er gewaltsam nieder.
In der Schlacht von Pavia 1525 verlor Antoine einen Bruder, der auf französischer Seite gekämpft hatte. Seitdem blieb er neutral und versuchte zwischen Kg. Franz I. von Frankreich und Ks. Karl V. zu vermitteln. Antoine musste das Missfallen Kg. Franz's besänftigen, als sein Sohn 1541 eine Nichte Kaiser Karls V., Christine von Dänemark, heiratete. Mit Ks. Karl V. konnte Antoine Lothringens Verhältnis im Reich neu aushandeln: im Vertrag von Nürnberg (1542) wurde Lothringen weitgehend unabhängig, etwa im Gerichtswesen, blieb aber unter dem Schutz des Reiches. Dafür hatte Lothringen einen jährlichen Beitrag an die Reichskasse zu leisten in Höhe von 2/3 eines kurfürstlichen Beitrages. Antoines erfolgreiches Manövrieren zwischen den Parteien brachte ihm Zurufe seiner Landsleute ein wie: "Vive le prince de la paix! Vive le bon duc de Lorraine!"
Sein Reiterstandbild schmückt das Eingangsportal zum "Palace ducale".



1/4 Teston 1523, Nancy.     Ø 24 mm.   de Saulcy Tf.15/12
Av.:   ‡ANTHOn◦LOThOҰ:ET◦BAҰ◦DVX
Rev.:   Gekröntes Wappen und Lothringer Kreuze (Zeichen von René I. von Anjou, 1431).
Im Abschnitt die Jahreszahl 1523.
Das Lothringer Kreuz ist ein symmetrisches Doppelkreuz: Die mittig angeordneten Querbalken sind gleich lang. Bei dem Patriarchenkreuz und dem Ungarnkreuz liegen die Querbalken etwas höher und sie sind unterschiedlich lang. Das Doppelkreuz der Münze ist also eher wie ein Patriarchenkreuz als wie ein Lothringer Kreuz geraten.
Das Lothringer Kreuz wurde von Charles de Gaulle im Exil als Symbol aufgegriffen und steht als weit sichtbares Denkmal in Colombey-les-Deux-Eglises, auch mit dem Aussehen eines Patriarchenkreuzes.



Teston 1532, Nancy.     Ø 29 mm, 9,39 g.   Cat.Boudeau 1514
Av.:   ‡ANTHON◦∂◦G◦LOTOҰ◦Z◦BAҰ ∂VX
Rev.:   MONETA◦NANCEII◦CVSA   "Geld in Nancy geprägt"
im Abschnitt das Prägejahr 1532
quadriertes Wappen, oben: Altungarn, Anjou-Neapel, Jerusalem, Alt-Provence (= Aragón)
unten: Anjou (gerahmte Lilien) und Bar (2 gekrümmte Fische zwischen Kreuzen).
Herzwappen: Lothringen (Schrägbalken mit drei gestümmelten Adlern).
Besitzwappen sind nur die von Lothringen und Bar.
Das Wappenschild enthält in der oberen Reihe Anspruchswappen, die zurückgehen auf Antoines Urgroßvater René I.,u.a. König von Neapel, Graf von Provence, Titularkönig von Jerusalem.



Grand écu o.J., Nancy.     Ø 44 mm, 30,52 g.   de Saulcy Taf.14/12 ; Dav.9381
Av.:   ‡ANTHONIVS:∂:G:LOTHOҰ:ET:BARI:∂VX
Rev.:   Das gekrönte Lothringer Wappen umgeben von weiteren Wappen:
Die Lilien stehen für Anjou (8h) bzw. Anjou-Neapel (1h), die Fische für Bar (4h) und Pfirt (5h).
Diese Münze zeigt das Renaissance-Bildnis des jungen Herzogs Antoine als Ritter aus dem Mittelalter. Ein Gemälde von Hans Holbein d. J. aus dem Jahr 1543 zeigt den 54-jährigen Herzog [Staatliche Gemäldegalerie zu Berlin].
Der gezeigte "grand écu" entspricht in Grösse und Gewicht dem Taler. In Frankreich wurde der vergleichbare "écu blanc" erst 1641 als Silberäquivalent zum "Louisdor" eingeführt.

François I., 1544-1545.
*1517.  François wurde so genannt nach seinem Taufpaten Kg. Franz I. von Frankreich, an dessem Hof er aufwuchs. Wie zum Ausgleich heiratete er Christine von Dänemark, eine Nichte des Kaisers. Herzog François setzte die Neutralitätspolitik seines Vaters Antoine fort und vermittelt den Frieden von Créepy zwischen Ks. Karl V. und Kg. Franz I. von Frankreich. Dem nach kurzer Regierungszeit früh verstorbenen Herzog folgte sein Sohn Charles III.


Teston 1545, Nancy.     Ø 28 mm, 9,45 g.   Cat.Boudeau 1517 ; de Saulcy Tf.17/8
Av.:   +FRANCISCVS·∂ei·Gratia·LOTHOҰ(r)ingia·Bar·Z(et)·GueL∂rie:∂ux
Rev.:   MONETA·NANCEII·CVSA   "Geld in Nancy geprägt"
Geldern erscheint sowohl im Titel (Umschrift des Avers) als auch im Wappenschild (stehender Löwe). Der Anspruch auf Geldern geht zurück auf Philippine von Geldern, die Grossmutter väterlicherseits. Sie war Schwester des kinderlosen Herzog Karl von Geldern, um dessen Nachfoge der Geldrische Erfolgestreit zwischen Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve und Ks. Karl V. 1538-1543 entbrannte. Der zweite Löwe im Wappenschild steht für das Herzogtum Jülich.

Charles III., 1545-1608.
*1543.  Als sein Vater starb was Charles erst 2 1/2 Jahre alt und seine Mutter Christine von Dänemark übernahm die Regentschaft. Auch sie bemühte sich um gute Beziehungen sowohl zu Frankreich wie auch zum Reich. Sie nahm am Reichstag 1550 zu Augsburg teil. Dort kam sie dem Wunsch von Ks. Karl V., ihrem Onkel, nach und ließ den Leichnam von Karl dem Kühnen, ein Ahnherr des Kaisers, von Nancy (Burgund) nach Brügge (Niederlande) überführen.
Im Zuge der von Kfst. Moritz von Sachsen angeführten Fürstenverschwörung gegen Ks. Karl V. traten die Verschwörer ohne Legitimation die Reichsstädte Metz, Toul und Verdun an Kg. Heinrich II. von Frankreich ab. Dieser besetzte als "Reichsvikar" Anfang 1552 diese Städte und ihre Territorien, die vollständig von Lothringen umschlossen waren. Bei dieser Gelegenheit besuchte Heinrich II. auch Nancy, die Hauptstadt Lothringens, und setzte die Regentin ab. Christine ging ins niederländische Exil und der unmündige Herzog Charles kam nach Paris, wo er zusammen mit der für ihn bestimmten französischen Königstochter erzogen wurde. 1559, nach seiner Heirat in Notre-Dame de Paris, kehrte er in sein Land zurück. Der 16-jährige überließ die Regierung wieder seiner Mutter, die ebenfalls aus dem Exil zurückkehren konnte. Lothringens politische Lage zwischen Frankreich und dem Reich hatte sich mit dem Tod von Ks. Karl V. (1558) und Kg. Heinrich II. nur ein Jahr später (1559) entspannt.
Als Herzog Charles schliesslich 1562 die Regierung übernahm, verweigerten die Stände seinem Budget die Zustimmung. Er musste noch einmal feierlich in die Stadt einziehen und das traditionelle Zeremoniell mit der Eidesleistung vor den Ständen nachholen. Lothringen war eben noch Teil des Reiches, in dem die Stände und die Reichstage eine Rolle spielten, während Frankreich bereits dabei war, die Zwischenebenen der Machtausübung auszuschalten.
Es folgen noch 46 Jahre seiner Regierung, die aber ausserhalb unseren Zeitrahmens liegen.


1/4 Teston o.J. (1562-1574), Nancy.     Ø 22 mm   de Saulcy Tf. 23/9
Av.:   ‡CAROlus·Dei:Gratia:GALliae·LOTARringiae·Barri·GEL(d)riae·DVX
"Karl von Gottes Gnaden Herzog von Gallia (Burgund), Lothringen, Bar, Geldern"
Rev.:   ‡MONETA·NOVA·NANCEI·CVSA
Ältere Literatur liest auf dem Av. CAL statt GAL und meint damit Calabrien in Süditalien. Gallia ist die mittelalterliche Bezeichnung für Burgund (Hauptstadt Dijon), das Nachbargebiet Lothringens, dessen letzter Herrscher Karl der Kühne von Herzog René II. von Lothringen 1477 bei Nancy besiegt worden und gefallen war.   [Walter Holtz, GN 63 (1978), S.12]

Lit.:   Henry Bogdan,   La Lorraine des ducs - Sept siècles d'histoire. Perrin, 2005/07

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