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Reichsstadt Kempten
Kempten im Allgäu, römisch Cambodunum, trennte sich 1289 vom Stift Kempten. In ihrem Streben nach endgültiger Eigenständigkeit gegenüber dem Stift erlitt die Stadt zahlreiche Rückschläge und mußte sich nach jahrhundertelangem Streit 1525 für 30.000 fl freikaufen. Die Stadt wurde 1527 protestantisch und trat 1609 der ev. Union bei. Sie wurde 1632 von Schweden und 1633 von Kaiserlichen verwüstet und fiel schließlich 1803 mit 3.000 Einwohnern an Bayern, zusammen mit der Stiftsstadt.
Das Stadtwappen ist seit 1488 ein gekrönter Doppeladler auf gold-schwarz gespaltenem Schild in gewechselten Farben. Ohne Tinktur ist das Wappen auf den Münzen nicht von dem Reichswappen zu unterscheiden. Daher fügte man zuweilen ein Brustschild mit dem Buchstaben K hinzu.
Kempten erhielt am 14.7.1510 von Ks. Maximilian I. das Recht, Gold- und Silbermünzen zu prägen. Drei Monate später bestimmte der Kaiser zusätzlich, dass die Dritteltaler das Porträt des Thronfolgers Karl tragen sollten. Die Prägung der Dritteltaler begann noch im selben Jahr.

 

1/3 Taler 1511, Dickabschlag.     Ø 31 mm, 22,20 g.   Haertle 29; Nau 30; Bernhart 10.
Vs.:   +NVMVS·NOV9um CIVITA - T9is CAMPIDONEnsis·I5II·
Stadtwappen (nimbierter Doppeladler unter Krone), unten in der Umschrift: kleiner Doppeladlerschild.
Rs.:   (Mz. Blume) KAROLVS·ARCHIDVX·AVSTRIE·DVX·BVRGV
Jugendliches Brustbild mit langen Haaren, Krone und schlichter Panzer nach rechts,
nach dem herrlichen Vorbild Ks. Maximilians 1/4 Guldiner o.J.(nach 1511) aus Hall.
Der abgebildete Erzherzog Karl von Österreich und Herzog von Burgund war gerade 11 Jahre alt.


1/3 Taler 1516.     Ø 30 mm, 9,35 g.   Nau 39; Bernhart 13.
Vs.:   + NVMVS◦NOVa◦CIVITATisCAMPIDONEnsis◦I5I6
Stadtwappen: nimbierter Doppeladler unter Krone, belegt mit Schild, darin K als Stadtzeichen.
Rs.:   ✿ KAROLVS◦ARCHIDVX◦AVSTRIE◦Dux◦BVRGVndiae
Renaissance-Büste des jugendlichen Karls V. mit langen Haaren, Krone und Panzer nach rechts.
Zentralpunkt auf beiden Seiten.

1511 begann die Guldenprägung mit dem Bild des Hl. Magnus auf der Rückseite.
Die Talerprägung begann 1537. Bis 1459 tragen sie das Bildnis von Karl V. in mehreren Varianten.

 

Taler o.J. (1537-39).     Ø 42 mm, 28,75 g.   Haertle 36; Nau 75; Dav.9356.
Vs.:   (Mz. Apfel) MOИETA¤ИOVA¤CIVITATIS¤CAMPIDOИEИ:
Stadtwappen (gekröntes Doppeladlerschild) zwischen vier Feuereisen mit Funken und den Wappen
von Österreich, Tirol und Burgund.

Rs.:   + CAROLVS¤ROMAnorum¤IMPErator¤SEMPER¤AVGVSTVS
gekröntes bärtiges Brustbild mit Krone, Harnisch und Orden vom Goldenen Vlies.



Taler 1537.     Ø 42 mm, 28,44 g.   Haertle 47; Nau 80; Bernh.26; Dav.9360.
Vs.:   ✿ MOИETA¤ИOVA¤CIVITATIS¤CAMPIDOИEИ:
Stadtwappen (gekröntes Doppeladlerschild) zwischen vier Feuereisen und
den Wappen von Österreich, Tirol und Burgund.

Rs.:   + CAROLVS¤ROMAnorum¤IMPErator¤SEMPER¤AVGVSTVS
bärtiges Brustbild in Mantel und flachem Barett mit geschultertem Szepter
über Estrade mit Jahreszahl 1537. Im Feld die Säulen des Herkules mit Spruchband und eine Krone.



Taler 1538.     Ø 38 mm, 28,38 g.   Nau 81; Bernh.27; Schulten 1573; Dav.9361.
Vs.:   (Mz. Apfel mit Stiel) DER·STAT·KEMPTEN (Mz. Rosenblatt) MVINTZ·I538
Die redenden Münzzeichen : Rosenblatt (Lorenz Rosenbaum ?) und Apfel mit Stiel (Hans Apfelfelder),
gekrönter Doppeladlerschild zwischen Feuereisen und den Wappen von Österreich, Tirol und Burgund.

Rs.:   + ICH·VERMAGS·ALS·DURCH·DEn·Der·Mich·STärkt
gekröntes bärtiges Brustbild mit Krone, Harnisch und Orden vom Goldenen Vlies.
Zum Vergleich den Kupferstich aus Köhlers "Historische Müntz-Belustigung", Heft vom 28. Mai 1738.



Taler 1542.     Ø 40 mm, 28,55 g.   Nau 97; Bernh.58; Schulten 1578; Dav.9364.
Vs.:   ✤ MONeta:NOva:CIVITATIS:CAMPIDOnum:I542
gekröntes Reichswappen zwischen Feuereisen und den Wappen von Österreich, Tirol und Burgund
Rs.:   ✤ KAROLVS·V·ROMAnorum·IMPerator·SEMPer·AVGVSTus
gekröntes und geharnischtes Hüftbild mit Zepter, Schwertgriff und Vliesorden am Band.

Die Kemptener Münzbilder unterscheiden sich von denen anderer oberschwäbischer Städte durch die auffälligen habsburgischen Länderwappen. Darin kommt die Abhängigkeit dieser Münzprägung von Österreich zum Ausdruck, denn ohne die reichhaltigen Silberlieferungen aus den Inntaler Bergwerken ist die umfangreiche Kemptener Münzprägung nicht zu denken. Die enge Anlehnung an Österreich war ein notwendiger Schutz, da das Kemptener Stift das Münzrecht der Stadt bestritt. 1513 hatte der Fürstabt versucht, die städtische Münzprägung zum Erliegen zu bringen mit dem Hinweis, daß seit eh und je das Prägerecht in der Stadt Kempten nur dem Stift zugestanden habe. Nach langen Auseinandersetzungen erfolgte 1514 der salomonische Schiedsspruch des Kaisers, der sowohl dem Stift als auch der Stadt das Recht der Münzprägung bestätigte.

CAROLVS schreibt sich meist mit C, manchmal mit K am Anfang.
Eine überraschende Besonderheit (nur Nau 130) :   CAROLVS VON statt CAROLVS V


Taler 1547.     Ø 41 mm.   Haertle 190; Nau 130; Dav.9365.
Vs.:   (Mz.) MONETA·NOVA·CIVITATIS:CAMPIDOnum:I547   -   Wappen wie vor.
Rs.:   ✿ CAROLVS:VON:ROMAnorum·IMPerator·SEMPER·AVGVSTus



1/2 Taler 1547.     Ø 35 mm.   Haertle 315; Nau 133b; Bernh.196.
(Mz.) MONETA·NOVA·CIVITATIS:CAMPIDO:I547  //  ✿CAROLVS·V·ROMA·IMPER·SEMPER·AVGV



1/4 Taler 1547.     Ø 28 mm.   Haertle 355; Nau 137a.
(Mz.) MON·NO·CIVITATIS:CAMPIDO·47  //  ✿CAROLVS·V·ROMA·IMP·SEMP·AVG

1549 erschienen die letzten 1/4, 1/2 und ganze Taler, die auf der Rs. das Bildnis Ks. Karls V. trugen.
1552 wurde die Münzprägung fortgeführt, nun unter Beachtung der Reichsmünzordnung von 1551.
Auf der Rückseite der Taler musste das Kaiserbildnis ersetzt weden durch den vorgeschriebenen
Reichs-Doppeladler mit der Wertangabe 72 Kreuzer im Reichsapfel auf der Brust.

Lit.:
Haertle, C. M.,  Die Münzen und Medaillen des Stifts und der Stadt Kempten - Bestands-, Typen- und
  Variantenkatalog des Allgäuer Heimatmuseums Kempten
, Museum für Kust und Kulturgeschichte,
  Kempten 1993.
Nau, Elisabeth,   Die Münzen und Medaillen der oberschwäbischen Städte,   Freiburg 1964.
Bernhart, Max, Die Münzen der Reichsstadt Kempten, Halle 1926 bzw. MBNG 44(1926)113-280 & 8 Tfn.
erweitert 10.2015.

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