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Johanniterorden auf Rhodos bzw. Malta
43. Großmeister: Fabrizio del Carretto, 1513-1521
44. Großmeister: Philippe Villiers de l'Isle Adam, 1521-1534
49. Großmeister: Jean de la Valette, 1557-1568

Der Orden vom Hospital des Heiligen Johannes zu Jerusalem - kurz Johanniterorden - entstand 1099 nach der Eroberung Jerusalems im Ersten Kreuzzug als internationale Laienbruderschaft der Armen- und Krankenpflege. 1113 wurde die Bruderschaft geistlicher Orden und 1153 geistlicher Ritterorden. Der Orden wurde 1187 aus Jerusalem vertrieben, dann 1291 aus Akkon. Bis 1307 blieben sie auf Zypern, von wo sie ihren Hauptsitz in das von ihnen eroberte Rhodos verlegten.

43. Großmeister: Fabrizio del Carretto, 1513-1521.
Als Sultan Mehmed II. 1480 zum Grossangriff auf Rhodos schritt, war Fabrizio (fr. Fabrice) an der glücklichen Verteidigung der Festung der Johanniter beteiligt. In der Amtszeit des Großmeisters Fabrizio wurde der Frieden mit den Mamluken von Ägypten erneuert. Als aber Sultan Selim 1517 Ägypten erobert hatte, wurde klar, dass Rhodos stark gefährdet war, denn es liegt auf dem Seeweg zwischen Konstantinopel und Ägypten. Daher wurde die Stadtbefestigung nach neusten Erkenntnissen ausgebaut. Der Tod Sultan Selims (1520) verzögerte den erwarteten Angriff. Wenig später starb auch Fabrizio.

Dieses Stück befindet sich im Münzkabinett des Bodemuseums in Berlin.
Medaille o. J.     Ø 39 mm, 20,68 g.   R. Morris, pl.II, fig.3.
Vs.:   ✠·Frater·FABRICVS·DE·CARRETTO·MAGNVS·Magister·Rodi·   "... Großmeister von Rhodos"
Rs.:   DEO ET BEATE VIRGINI   "Für Gott und die gesegnete Jungfrau"  - 
Schild geviertelt: Ordenskreuz / Familienwappen.
Nach diesem Vorbild entstand eine Briefmarke Maltas.

44. Großmeister: Philippe Villiers de l'Isle Adam, 1521-1534.
Philipp aus dem Geschlecht De Villiers stammt aus L'Isle-Adam, 30 km nördlich von Paris. Er war Großprior (Vorsteher) eines französischen Ordenszweiges, als er 1521 auf Rhodos zum Großmeister der Johanniter gewählt wurde. Die Stadt Rhodos hatte 1480 mit Glück eine osmanische Belagerung überstanden und sich danach zur modernsten Festung der Zeit verstärkt. Aber der Übermacht, die Sultan Süleiman der Prächtige Mitte 1522 persönlich gegen Rhodos führte, war die Stadt nicht gewachsen. Mit Entsatz der Belagerten aus dem Westen war nicht zu rechnen, denn rhodesische Piraten plünderten auch Schiffe von Christen, die Handel mit den Osmanen trieben. Nach 6 Monaten Belagerung erreichten die Johanniter einen ehrenvollen Abzug nach Kreta. 5000 Rhodesier konnten ihr Habe auf den noch verbliebenen Schiffen mitnehmen. Es folgten 7 Jahre ohne feste Bleibe, obwohl Ks. Karl V. dem Orden die Insel Malta als Sitz angeboten hatte. Erst als auch ihr Münzrecht geklärt war, übernahmen die Johanniter Ende 1530 Tripolis und die kargen Inseln von Malta als Lehn des spanischen Königreiches Sizilien. Malta wurde befestigt und diente als Basis für die Fortsetzung des Kampfes gegen die Osmanen, die wiederum Malta zum Eroberungsziel machten. 1531 scheiterte Philipps Versuch, einen Vorposten auf dem Weg zur Rückeroberung von Rhodos zu errichten.


Dukat (Zecchino) o. J., Malta.     Ø 21 mm, 3,49 g.   Friedb. 1 var.
Vs.:  ·Frater·PHilippuS·DE·LILE ADA - Magister·HOSpitalis·HIErosoliMorum·  (links nach oben gelesen)
Der nimbierte Heilige Johannes überreicht dem knienden Großmeister die Ordensfahne.

Rs.:   ·DA·MIHI·VIRTVTEM· - ·COnTRA·HOSTES·TVOS·   "Gib mir Kraft gegen Deine Feinde"
Christus steht zwischen Sternen in der Mandorla.
Das alte venezianisch-mittelalterliche schablonenartige Münzbild fand auch auf Malta weiterhin Verwendung. Dies ist aber der erste Dukat, auf dem in der Umschrift der Name des Heiligen Johannes durch den ausführlichen Namen des Großmeisters verdrängt wird.


Dukat (Zecchino) o. J., Rom oder Malta.     Ø 22 mm, 3,41 g.   Friedb.2.
Vs.:   +·F·PHVS·DE·LILE·ADAM·M·HOSPLIS·HIERLM   (Legende wie zuvor)
Bärtige Büste in Ordenskleidung mit Barett. An der Schulter das achteckige Ordenskreuz.

Rs.:   +·DA·MIHI·VIRTVTEM· - COnTRA·HOSTES·TVOS·
Quadriertes Schild: Wappen des Johanniterordens (Balkenkreuz) | Philipps Familienwappen (ausgestreckte Hand mit Stola, darauf Schwänzchen). Schild umgeben von einer Kette mit Orden?
Das ausgezeichnete Renaissance-Bildnis wird nur einem italienischen Stempelschneider zugetraut. Diese Schaumünze wurde wahrscheinlich in einer erfahrenen Münzstätte wie Rom hergestellt. Sie muss den spanischen Statthalter von Sizilien, der gegen das Münzrecht der Malteser opponiert hatte, auch beeindruckt haben.

Vergleiche mit dem Gemälde aus dem 15.Jh.(?). Es gehört in die ab 1617 in 60 Jahren angelegte Porträtgalerie "Galerie des Illustres" auf Schloss Beauregard im Tal der Loire.
Philipps Bildnis auf dieser Münze diente als Vorlage für eine Maltesische Briefmarke.

49. Großmeister: Jean de la Valette, 1557-1568.
Jean stammt aus der Provence, trat 20-jährig in den Ritterorden ein und wurde Großprior des dortigen Ordenszweiges. 1541 geriet er bei einem Seegefecht in osmanische Gefangenschaft. Nach einem Jahr als Galeerensklave kam er durch Gefangenenaustausch frei. Er wurde Gouverneur von Tripolis, dann Admiral der Ordensflotte, bevor er 63-jährig Großmeister des Ordens wurde. Seine schwierigste Aufgabe war die Abwehr der Osmanen bei der Belagerung von Malta 1565, die der über 70-jährige mit Geschick und persönlichem Einsatz meisterte.
Jean de la Valette, so genannt nach seinem Geburtsort La Valette-du-Var in der Provence, legte den Grundstein für Maltas künftige Haupstadt, die nach seinem Tod seinen Namen erhielt.


Bronzegussmedaille o. J. (1565).     Ø 51 mm, 64,20 g.   Bargello 594; Schembri 3; Börner 483.
Auf die Verteidigung Maltas gegen die osmanische Übermacht 1565.
Stempel von Frederico Cocciola (arbeitete 1560-74 in Rom).

Vs.:   Frater·IOannes·VALLETA - ·Magnus·Magister·HOSPitalis·HIERosolimorum
Geharnischtes Brustbild nach rechts. Achteckiges Ordenskreuz teilsichtbar auf der Brust.
Löwenkopf an der Schulter, darunter: F·CO (Stempelschneiderzeichen).

Rs.:   VNVS X·MILLIA   "Einer tötete Zehntausend"
Über den am Boden liegenden Goliath schwingt David dessen Schwert. Die Wurfschlinge, Davids eigentliche Waffe, liegt auf dem Boden, daneben sind fliehende Philister, am Horizont das Meer mit Schiffen.
Drei Wurfkugeln liegen am Boden neben Goliaths Kopf.


Bronzegussmedaille o. J. (1565).     Ø 42,8 mm, 33,67 g.   Schembri S.197, Nr.8.
Von F. Cocciola, auf die überstandene Belagerung durch die türki­schen Truppen 1565.

Vs.:   ·Frater·IOannes·VALLETA·Magnus·Magister·HOSPitalis·HIERosolimorum·
Geharnischtes Brustbild l. mit umgelegtem Mantel, hinter dem Kopf Symbole seiner Siege über die Türken.
Rs.:   +MELITA - RENASCENS  "Maltas Wiedergeburt"
Ansicht der Insel Malta zwischen Wellen aus der Vogelperspektive, wie auf der folgenden Grafik.


Bronzegussmedaille o. J. (um 1566).   von Mario d'Aluigi   Ø 59,5 mm, 105,18 g.
Attwood 747; Toderi/Vannel 2703; Armand I 220 & III 102; Schembri S.195, Nr.1.
Auf die Gründung Vallettas nach der überstandenen Belagerung durch türkische Truppen.

Vs.:   ·Fratres·IOANNES·DE·VALLETE· - ·Magister·HOSPitalis·HIErosolimorum·
Geharnischtes Brustbild l. mit Malteser Kreuz auf der Brust.
Rs.:   ·HABEO·TE·   "Ich habe dich"
Ein Elefant mit Turm auf dem Rücken steht nach l. im Meer, davor ein Malteser Kriegsschiff mit drei Krieger an dessen Spitze. Ein Mann hält den Elefanten am Rüssel, während sich die Figur auf dem Turm nach vorne lehnt. Dahinter eine Palme aus ihrem Herkunftsland.
Im Hintergrund Ansicht der Insel Malta mit dem Plan Vallettas.
Der Elefant (der mächtigen Osmanen) wird von einem maltesischen Soldaten angehalten.

Vergleiche das "Panneau am Militärgeschichtlichen Musée vu Valletta, Malta" der luxemb. Wikipedia
sowie mit der von Leone Leoni angefertigten Büste (1565-68, Höhe: 23 cm, hier Ausschnitt)
im Museum of the Order of St John, London.
Tripolis wurde 1510 von den Spaniern erobert und 1530 den Johannitern übergeben. 1551 ging Tripolis an die Osmanen verloren, deren Macht im westlichen Mittelmeer so gewachsen war, dass ein Angriff auf Malta abzusehen war. Als Verhandlungen über einen Umzug des Ordens nach Korsika ergebnislos blieben, mussten die Befestigungen an der Nordostküste Maltas ausgebaut werden.
Im Mai 1565 landete ein 40.000 Mann starkes osmanisches Heer auf Malta. Das Aussenfort St. Elmo an der Spitze von Valletta wurde nach 27 Tagen grausam erobert. Nun konnten die Osmanen ihre Schiffe über eine Landzunge in den großen Hafen übersetzen und die beiden verbliebenen Forts sowie den angrenzenden Hauptsitz des Ordens zu Wasser und zu Land angreifen. Obwohl die Johanniter mehrfach die Osmanen zurückschlugen, auch durch einen Reiterangriff auf das osmanische Feldlager, war ihre Niederlage abzusehen, als der spanische Vizekönig von Sizilien mit einem Entsatz die Osmanen überraschte. Nach vier Monaten einer sehr verlustreichen Belagerung mussten sich diese in ihre Heimat zurückziehen. Sultan Süleiman der Prächtige, der 1522 Rhodos erobert hatte, wollte den Feldzug unter persönlicher Leitung wiederholen, doch er starb zuvor. Die maltesischen Festungsanlagen wurden weiter ausgebaut und sind heute die beeindruckendsten der Welt.


Bronzegussmedaille 1568.     Ø 48,1 mm, 60,41 g.   Schembri S.196, Nr.5.
von E. A. Bosio, auf die überstandene Belagerung durch die türkischen Truppen.

Vs.:   ·F·IO·DE·VALLETA·M·M·H·H·MELITEN·PRINCeps·   "... Fürst von Malta"
Geharnischtes Brustbild r. mit umgelegtem Mantel

Rs.:   TVRCICÆ·OBSIDIONIS·PERPETVO·PROPVGNACVLO
"Ewiges Bollwerk gegen türkische Belagerung"
Vogelansicht des wiederaufgebauten Forts St. Elmo zwischen DEO - LVX.


2 Tari o. J.     Ø 27 mm, 5,65 g.   Restelli/Sammut 86.
Vs.:   +Fratres·IOANNES·DE VALLETE·Magister·HOSpitalis·Hierrosolimorum·
Wappen des Großmeisters: Ordenskreuz / Falke und Löwe-
Rs.:   +PROPTER VERiTATEM ET IVSTICIAm   "Für Wahrheit und Gerechtigkeit"
Kopf des Täufers Johannes auf ovaler Platte mit Sockel.
Der Kopf liegt immer waagrecht, auch wenn das Oval ohne Sockel dargestellt wird.

Lit. :
• H. J. Sire :  The knights of Malta. 1994.   Google-Leseprobe
• R. Morris :  Coins of the grand masters of the Order of Malta. Boston 1884.   online
• John Gatt :  Coins of Malta
• F. Restelli / J. Sammut :  The Coinage of the Knights in Malta. Valletta, 1977
• H. C. Schembri :  Coins and Medals of the Knights of Malta. London 1908 & Nachdr. 1966
• NAC :  The Restelli Collection: Coins and Medals from the Knights of St.John Auct.58, 4.2011, Zürich online
• F. R. Künker :  Sammlung Malteserorden auf Malta, Aukt.246, Nr.2817-2978, Osnabrück 3.2014
• Furse, E.H. :  Mémoires numismatiques de l'Ordre Souverain de Saint-Jean de Jérusalem, illustrés avec les
    médailles et monnaies frappées par les grands maîtres de l'Ordre
. Rom 1885, Nachdr.1967.

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