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Papst Clemens VII. (Giulio de Medici), 1523-1534
Papst Paul III. (Alessandro Farnese), 1534-1549
Alessandro de Medici, Herzog von Florenz 1531-1536
Ottavio Farnese, Herzog von Parma 1547-1586
Francesco II. Sforza, Herzog von Mailand 1521-1535
Andrea Doria und Leone Leoni

Drei Fürsten aus dem Hause Gonzaga
Francesco II. Gonzaga, 1484-1519     Federico II. Gonzaga, 1519-1540     Ferrante Gonzaga


 

Papst Clemens VII. (Giulio de Medici), 1523-1534
auf Münzen
Er wurde 1478 als Giulio de Medici geboren und war ein Neffe von Lorenzo il Magnifico sowie von Papst Leo X., der ihn förderte: 1513 wurde er Erzbischof von Florenz und bald darauf Kardinal. Gleich nach dem Tod von Leo X. versuchte Clemens Papst zu werden, doch musste er 2 Jahre bis zum Tod Hadrians VI. warten. Als Kardinal noch kaiserlich gesinnt, wandte sich der unentschlossene und wankelmütige Clemens nach der Wahl zum Papst Frankreich zu. Dem Sieg der kaiserlichen Truppen 1527 folgte der "Sacco di Roma", Roms Plünderung, und eine 7 monatige Festnahme des Papstes auf der Engelsburg. Der Friede von Barcelona (1529) führte zur Kaiserkrönung Karls V. (1530) in Bologna. Auf Clemens Wunsch besorgte der Kaiser die Rückgewinnung von Florenz für den Neffen (oder Sohn) des Papstes, Alessandro de Medici. Clemens hatte für die protestantische Bewegung in Deutschland keinerlei Verständnis. Er war weder bereit, Maßnahmen für eine katholische Kirchenreform zu ergreifen, noch dem Kaiser in der Konzilfrage entgegenzukommen. Er nahm aber Rücksicht auf Karl V., als Kg. Heinrich VIII. sich von Katharina von Aragón, einer Tante des Kaisers, scheiden lassen wollte und verwehrte dem englischen König seine Bitte.


Doppio carlino, anno X, Rom.     Ø 28 mm , 5,36 g.     Berman 841 ; Muntoni 43
Stempel von Benvenuto Cellini.   Während der Belagerung (Sacco di Roma) in der Engelsburg geprägt.

Av.:   CLEMENS·VII·PONTifex·MAXimus
Büste, Kragen mit Portaits der Heiligen Peter und Paul.

Rev.:   (anno) X   QVARE – DVBITASTI     "Warum hast du gezweifelt?"
Christus hebt den halb versunkenen Petrus über die Wellen.

 

Papst Paul III. (Alessandro Farnese), 1534-1549
Er wurde 1468 als Alessandro Farnese geboren. Seine Schwester Giulia war Mätresse Papst Alexanders VI., ein Umstand, der seiner Karriere von Nutzen war. 25-jährig wurde er Kardinal. Als Papst schwankte er zwischen Karl V. und Franz I., immer bemüht seine Familie zu fördern. Sein Sohn Pier Luigi erhielt aus Kirchenbesitz Parma und Piacenza. Der Enkel Ottavio erhielt Urbino und heiratete Karls Tochter Margarete (von Parma). Paul III. setzte das Konzil von Trient (1545-63) ein, das von Karl V. zur Reintegration der Protestanten schon lange gefordert worden war. Paul unterstützte den Kaiser auch gegen den Schmalkaldischen Bund, aber nur bis zum Sieg von 1547. Danach wurde das Konzil verlegt und 1549 suspendiert. Paul III. unterstützte den jungen Jesuitenorden und die Gegenreformation. Er war der letzte große Kunstmäzen der Spätrenaissance.


Bronze-Medaille, anno XVI (1549).     Stempel von A. Cesati   Ø 42 mm   Börner 459, Spink 498
auf die Verleihung der Grafschaft Parma und Piacenza an seinen Sohn Pier Luigi Farnese.

Av.:   PAVLVS III PONT MAX AN XVI     Büste
Rev.:   FEPNH(Eta) ZH(Eta)NOS | EY[F]PAINEI   "Der Friede des Zeus besprengt (die Erde) gut"
Adler neben nacktem Ganymed, der mit Krug auf der Schulter Farnese-Lilien begießt.
Der Papst schmückt sich auf dieser Medaille mit einer antiken Geschichte, die damals wohl anstössig war: Nach Homer wurde der Knabe Ganymed wegen seiner Schönheit von den Göttern in den Himmel geholt, damit er Zeus' Mundschenk werde. In späteren Berichten war es ein Adler oder Zeus selbst, der den Knaben entführte. Es wird auch ein Lieberverhältnis als Entführungsgrund angegeben.



Doppio fiorino di camera.       Ø 25 mm , 6,3 g.
Av.:   PAVLVS III PONT MAX     bärtiger Kopf nach links
Rev.:   ·SANCTVS·PETRVS - (Mz.) - ALMA·ROMA     St. Peter im Boot
Münzmeisterzeichen (Mz.) des Giacomo Balducci
Martinori (Annali della Zecca di Roma, Paolo III, Roma 1917) hat zurecht erklärt: "Dieser Doppeldukat von Paul III. übertrifft vielleicht alle anderen Münzen mit päpstlichen Bildnissen". Die Münze wurde eine Zeitlang Benvenuto Cellini zugeschrieben, wird nun aber zweifelsfrei Leone Leoni zugeordnet, der die Stempel 1539 fertigte, als sein Erzrivale Cellini wegen alter Verfehlungen im Gefängnis war.

 

Alessandro de Medici,   Hzg. von Florenz 1532-1537
- Sohn oder Neffe von Papst Clemens VII.   und   Schwiegersohn von Ks. Karl V. -
auf Münzen
Er wurde um 1510 als illegitimer Sohn oder Neffe von Papst Clemens VII. geboren, der ihn 1523 als Mitherrscher in Florenz einsetzte. 1527 wurde Alessandro im Zusammenhang mit dem Sacco di Roma aus Florenz vertrieben. Mit militärischer Hilfe von Karl V. kehrte er 1531 an die Macht zurück, erhielt 1532 den Herzogtitel und heiratete Karls vorehliche Tochter Margarete (später von Parma). Alessandro wirkte wegen seines zügellosen Charakters abstoßend. Seine Herrschaft war so grausam, daß er schliesslich von einem Verwandten, Lorenzino de Medici, umgebracht wurde.


Testone, o.J.   Stempel von Benvenuto Cellini.     Ø 36 mm , 10,04 g.   Morosini 1
Av.:   ALEXANDER·MeDici· - ·Re·Publica·FLORENce·DVX·
Rev.:   ·Sanctus·COSMVS - ·Sanctus·DAMIANVS·   "Der heilige Kosmas - der heilige Damian"
Kosmas (mit Arzneigefäß) und Damian (mit Buch) sind die christlichen Patrone der Ärzte.

 

Ottavio Farnese,   Hzg. von Parma 1547-1586
- Enkel von Papst Paul III.   und   Schwiegersohn von Ks. Karl V. -
Papst Paul III. (Alessandro Farnese) übergab seinem Sohn Pier Luigi 1545 das Herzogtum Parma und Piacenza, das formal zum Kirchenstaat gehörte. Nach der Ermordung Pier Luigis 1547 besetzte Ferrante Gonzaga, Statthalter von Mailand, das Herzogtum für Ks. Karl V. 1552 erhielt Ottavio Farnese, Sohn Pier Luigis und Enkel Pauls III., vom Kaiser das Herzogtum zurück. Ottavio hatte bereits 1538 Margarete von Parma, Tochter Karls V., als Ehefrau bekommen. Ihr gemeinsamer Sohn Alessandro kämpfte bei Lepanto (1571) und wurde Statthalter der Niederlande.


Bronzemedaille o.J.   (I. F. Parmensis)     Ø 39 mm , 13,1 g.   Armand I, 223, 11
Av.:   OCTAVIVS·Farnese·PARMa·ET·PLACentia·DVX II     Brustbild nach links.
Rev.:   Apollo und angeketteter Marsyas.
Piacenza wurde als römische Stadt Colonia Placentia gegründet.
Der Satyr Marsyas fand die von Athene weggeworfene und verfluchte Doppelflöte, lernte darauf zu spielen und forderte Apollon zu einem musikalischen Wettstreit heraus. Apollons Bedingung war: Der Gewinner sollte mit dem Verlierer tun dürfen, was er wolle. Apollon gewann mit einer List: Er konnte auf seiner umgedrehten Leier spielen, ein Kunststück, dem Marsyas mit seiner Flöte nichts Entsprechendes entgegensetzen konnte. Apollon band den Satyr an eine Fichte und zog ihm die Haut ab. Das Blut des Satyrs oder die Tränen seiner vielen Freunde unter den Waldgottheiten bildete den Fluß Marsyas.

 

Andrea Doria
Oberbefehlshaber der kaiserlichen Flotte
Genuese, *1468, †1560. Er war zunächst Söldner verschiedener Herren. 1503 und 1506 kämpfte er für Genua gegen Rebellen in Korsika und 1513 gegen Türken. 1522 trat er in den Dienst der Franzosen, denen er 1527 Genua gewann. Nach einem Zerwürfnis mit den Franzosen wechselte er auf die Seite Karls V., der ihm die Freiheit Genuas zusicherte. 1528 hielt Doria einen triumphalen Einzug in das befreite Genua. Er wirkte zum Wohle der Stadt, erneuerte die Verfassung, übte aber selbst in diktatorischer Weise die Macht bis ins hohe Alter aus. Doria war äußerst erfolgreich als Oberbefehlshaber der kaiserlichen Flotte. 1535 leitete er Karls Angriff auf Tunis, 1541 rettete er die kaiserlichen Truppen nach der gegen seinen Rat zur ungünstigen Jahreszeit unternommenen Expedition gegen Algier.
Andreas Neffe Giovanni Andrea Doria befehligte die 54 Galeeren auf dem rechten Flügel der Flotte der "Heiligen Liga" in der Schlacht von Lepanto.


Bronzemedaille (1541)   von Leone Leoni     Ø 41 mm   Habich Tf.91,1
Av.:   ANDREAS - DORIA·Pater·Patriae   "Andreas Doria, Vater des Vaterlandes"
Brustbild mit Orden vom Goldenen Vlies und antikisierendem Küraß, dahinter Dreizack, unten Delphin

Rev.:   Galeere mit Ruderern, davor Boot mit zwei Männern, an Land rudernd, symbolisiert links unten durch einen Fischer.
Der Orden vom Goldenen Vlies fehlt auf einigen Exemplaren der Medaille. Es scheint, dass Doria das Fehlen des berühmten Ordens beanstandet hat, der ihm 1531 verliehen worden war.
 
Leone Leoni, der 1540 wegen Totschlags an dem päpstlichen Goldschmied Pellegrino di Leuti zur Galeerenstrafe verurteilt worden war, wurde 1541 auf Fürsprache des Admirals Andrea Doria freigelassen. Leoni schuf daraufhin ein Medaillenporträt seines Retters, das er mit drei verschiedenen Rückseiten verband: einer Allegorie auf die Freiheit, seinem Selbstporträt umgeben von einer Sträflingskette, und der hier gezeigten Galeere. Das kleine Ruderboot wird als dasjenige gedeutet, mit dem Leoni von der Galeere an Land gebracht wurde. Andrea Doria wird durch den Dreizack und den Delphin in antiker Manier zum Beherrscher der Meere stilisiert.         [Münzkabinett im KHM, Wien]


Medaille (1541)     von Leone Leoni     Ø 41 mm
Selbstbildnis Leone Leonis, umgeben von Ketten und Fußeisen.
Im Rücken eine geöffnete Fußangel und ein Hammer; im Hintergrund eine Galeere.
Alternative Rückseite obiger Medaille auf Andrea Doria.
Später trat Leone Leoni als Bildhauer und Medailleur in die Dienste Kaiser Karls V.:
siehe Medaille mit dem Sturz der Titanen (1549) und Medaille auf Karls Ehefrau Isabella (um 1550)
Als Stempelschneider schuf er in Mailand Münzen mit dem Bildnis Kaiser Karls V. im besten Renaissancestil.

 

Drei Fürsten aus dem Hause Gonzaga
Francesco II. Gonzaga, 1484-1519 Markgraf von Mantua
Federico II. Gonzaga, 1519-1540 Markgraf / Herzog von Mantua
Ferrante Gonzaga,   Feldherr, 1539-1557 Graf von Guastalla
 

Francesco II. Gonzaga ,   1484-1519 Markgraf von Mantua
*1466. Francesco war ein bedeutender Condottiere, Politiker und Mäzen in einer Zeit großer politischer Unruhe in Italien. Als Condottiere wechselte er mehrfach zwischen italienischen und französischen Herren, konnte dabei aber immer die Unabhängigkeit Mantuas bewahren. Francesco heiratete 1490 Isabella d'Este, die eine legendäre Mäzenin wurde. Sie nutzte die Kunst ganz bewußt und höchst erfolgreich zur Propaganda für das Haus Gonzaga, das unter Franceso und Isabella einen glanzvollen Höhepunkt erreichte.

Bild von Hess-Divo, Zürich
Testone o. J.     9,73 g.   CNI 27 ; Morosini 14
Av.:   FRancesco·II·MaRchio·MANTVAE·   Büste
Rev.:   S.R.E. - .CONF. (Sanctae Romanae Ecclesiae Confalonierus)
"der Hl. Römischen Kirche Gonfaloniere" (Bannenträger, ein vom Papst an Fürsten verliehener Titel)
Francesco erhielt 1510 diesen Titel, auf den auch der aufgesetzte Mittelteil im Mantua-Wappen hinweist.
Das Kreuz mit den vier Adlern stiftete Ks. Sigismund 1432 anlässlich der Erhebung von Mantua zur Markgrafschaft.

 

Federico II. Gonzaga ,  1519-1540 Markgraf, ab 1530 Herzog von Mantua
- Sohn von Francesco II., 1484-1519 Markgraf von Mantua -
*1500. Federico musste 1516 als Gast und Geisel zugleich an den französischen Hof, damit Kg. Franz I. den ex-alliierten Vater wieder in Gnaden aufnahm. Federico wurde päpstlicher Generalkapitän und vertrieb 1521 die Franzosen aus Mailand. 1523 ging er zur kaiserliche Seite über und wurde General-Kapitän in Italien. Karl V. besuchte Mantua 1530, nach der Kaiserkrönung in Bologna, und verlieh Federico den erblichen Herzogstitel. Fortan waren die Gonzagas - wie die Medici und später die Farnese - Souveräne italienischer Klein- und Mittelstaaten von Kaisers Gnaden und somit fest in Habsburgs Bündnissystem integriert. 1531 heiratete Federico die Erbtochter der Markgrafschaft Montferrat. 1536 erhielt er von Ks. Karl V. Montferrat als Herzogtum zuerkannt. Federicos berühmte Mutter Isabella d'Este förderte bis zu ihrem Tod 1539 die Kunst und damit auch das Prestige des Hauses.


Doppio Ducato o. J. (vor 1530)     Ø 26 mm , 6,85 g.   Bignotti 2. Fr.526
Av.:   ·FEDERICVS·II·Marchio·MANTVAE·IIIII   Kopf mit kurzem Bart
Rev.:   FIDES   über dem Berg Olymp, auf dem ein Weg spiralförmig hochführt, oben ein Altar mit einem astigen Zweig, seitlich vom Berg ein Strauch und eine Eiche bzw. zwei Eichen.
 

Ferrante Gonzaga     Feldherr,   1539-1557 Graf von Guastalla
- Sohn von Francesco II., Markgraf von Mantua, 1484-1519 -
*1507. Ferrante Gonzaga wurde ein berühmt-berüchtigter spanischer Feldherr. Er erlebte den "Sacco di Roma" sowie die Kaiserkrönung Karls V. 1530 in Bologna. 1539 erwarb er Guastalla, wo eine Gonzaga-Seitenlinie entstand. 1530 eroberte er Florenz für die Medici zurück. Er begleitete Karl V. 1535 nach Tunis und 1543 nach Algier. Unter Karl V. wurde er Vizekönig von Sizilien (1536-46) und später Statthalter von Mailand (1546-55). 1543 begleitete er den Kaiser nach Deutschland, von wo er mit einem kühnen Feldzug vor Paris 1544 den Frieden von Crépy erzwang. Im Dienste Philipps II. wurde er in der Schlacht bei St. Quentin tödlich verwundet.


Medaille, um 1555.     Bronze, gegossen,   von Leone Leoni   Ø 74 mm
Av.:   Büste im Prunkharnisch     FERdinandus·GONZaga·PRAEFectus·GALliae·CISALpinae - TRIBunus·MAXimus·LEGGionum·CAROLI·V·CAESaris·AVGusti
"Ferdinand Gonzaga, Präfekt der Gallia Cisalpina und oberster Tribun der Legionen Kaiser Karls V."
Rev.:   Ferrante als Herkules im Kampf gegen Hydra
TV NE CEDE MALIS     "Du aber weiche nicht vor dem Bösen"
Die Medaille gab Ferrante Gonzaga bei Leoni in Auftrag, nachdem er eine Anklage wegen Veruntreuung und Korruption heil überstanden hatte. Hierauf bezieht sich auch die Darstellung von Herakles tapferem Kampf gegen das Ungeheuer. Ferrante wird auf der Medaille mit antiken Titeln als Statthalter von Mailand und Befehlshaber der kaiserlichen Truppen bezeichnet.         [Münzkabinett im KHM, Wien]




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