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      Zeitgenossen im Heiligen Römischen Reich      

Ernst V., 1508-1552 Graf von Hohnstein
Die Grafen von Hohnstein stammen aus Ilfeld und nannten sich nach der Burg Hohnstein (bei Neustadt/Harz). Die Grafschaft liegt am südwestlichen Rande des Harzes nahe der Reichsstadt Nordhausen. Die Hauptlinie der Grafen erwarb u.a. Lohra (1330) und Lauterberg (1402 als Pfandbesitz, 1456 wurde es den Grafen mit Belehnung überlassen). Bereits 1238 (bzw. 1267) hatten sie Klettenberg als Lehen des Fürstbistums Halberstadt erworben. Ausserdem übten sie die Vogtei über Kloster Walkenried und die Reichsvogtei über Nordhausen aus.

Mit der Grafschaft Lauterberg bekamen die Hohnsteiner Zugang zu einem Bergbaurevier, wo 1521 die erste Bergfreiheit ausgerufen wurde, um den Bergbau zu fördern. Zwei Haupstollen sollen sich wie ein Andreaskreuz gekreutzt haben und so dem 1528 dort gegründeten Bergbauort den Namen Sankt Andreasberg gegeben haben. Das reichlich geförderte Silber wurde ab 1535 in Ellrich zu Doppeltalern, Talern und seinen Teilstücken verarbeitet.
Die Vorderseite dieser Münzen trägt das Wappen von Hohnstein (siehe unten). Die Rückseite zeigt den Heiligen Andreas, sein Kreuz vor sich haltend. Die Legenden beider Seiten sind Lateinisch, wie damals üblich. Nur die folgende aussergewöhnliche Prägung, mit deutscher Umschrift, weicht von der einheitlichen Gestaltung der Hohnsteiner Münzen ab. Es könnte sich erstmals um das realistisches Bildnis eines Grafen von Hohnstein handeln.


Dicker Halbtaler 1550.   Ø 25 mm, 14,15 g.   P.N.Schulten 100; Schulten 1316
Vs.:   ¤ERNST¤GRAF¤VAN¤HONSEIN¤♣I550   - Brustbild von Graf Ernst halb rechts
Das Kleeblatt ♣ steht für Münzmeister Valentin Sickel, Nordhausen.

Rs.:   HER¤3¤LORa¤V - Nd¤CLETTENBerg   - Fünffeldiger Wappenschild:
Quadriertes Wappen: Hohnstein / Lauterberg. Aufgelegtes Herzschild: Klettenberg.
Darüber zwei gekrönte Helme mit Helmzier: links Hohnstein, rechts Lauterberg (?).
Mit den selben Stempeln wurde eine kleine Serie von Münzen geprägt: Doppelter Goldgulden sowie Abschläge in Silber: 1/2 Dicktaler, 1/4 Dicktaler, 1/6 Taler und 1/8 Taler. Es handelt sich offensichtlich um eine Gelegenheitsprägung zu einem bestimmten Anlass, möglicherweise dem 60. Geburtstag des Grafen Ernst.
Die Rückseite zeigt einen Zentralpunkt. Der Doppelgulden in Wien zeigt auch auf der Vorderseite einen Zentralpunkt auf der Backe in Höhe der Oberlippe.

Die Grafen von Hohnstein hatten 1433 eine Erbverbrüderung mit Stolberg und Schwarzburg gegründet. Aber als die Hauptlinie der Grafen von Hohnstein 1593 ausstarb, konnten Stolberg und Schwarzburg nur das hohnstein'sche Wappen als Anspruchswappen aufnehmen - die Erbverbrüderung kam nicht zu Stande. Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel verweigerte der Erbverbrüdrung die Anerkennung. Als Administrator von Halberstadt zog er das vor 160 Jahren gewährte Lehen der Grafschaft Klettenberg zurück und annektierte einen Großteil des Hohnsteiner Landes. Allerdings ging die reiche Grafschaft Lauterberg mit Andreasberg als erledigtes Lehen an Braunschweig-Grubenhagen zurück.

Lit.:
• Peter N. Schulten: Die Münzen der Grafen von Hohnstein von den ersten Anfängen im Mittelalter bis zum
  Aussterben des gräflichen Hauses 1593
. Künker Osnabrück 1997, 184 S.
• Werner Gutbrod: Die Andreasmünzen aus dem Harz. GN 25 (1990) Nr.138, S.192-195.
• Wikipedia: Hohnstein (Adelsgeschlecht)
• Johann Gottfried Hoche: Vollständige Geschichte der Grafschaft Hohenstein, Halle 1790 (Google-E-Book)

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