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Karls Zeitgenossen im Heiligen Römischen Reich
Henneberg
Wilhelm V., Graf von Henneberg-Schleusingen, 1480/1495-1559.
Georg Ernst, Graf von Henneberg-Schleusingen, 1559-1583.
Johann III. von Henneberg-Schleusingen, Fürstabt von Fulda 1521/29-41.

Berthold XVI. von Henneberg-Römhild, 1535-1549.

Zwischen Thüringer Wald und Rhön im Becken der Werra hatte sich die Grafschaft Henneberg gebildet. Sie war umgeben von drei einflussreichen Mächten: Hessen, Sachsen und das Btm. Würzburg.

Wilhelm V., Graf von Henneberg-Schleusingen 1480/1495-1559.
Nach ADB: Wilhelm IV.; nach Wilbergs Regenten-Tabellen: Wilhelm V.; nach neuester Zählung: Wilhelm VI.
Wilhelm war noch ein Kind (*1478), als er ca.1482/5 die Nachfolge seines älteren Bruders Wolfgang antrat. Er stand zunächst unter Vormundschaft seiner Mutter und wurde am pfalzgräflichen Hof erzogen. 1495 belehnte Kaiser Maximilian I. den gerade 17-jährigen mit der Grafschaft Henneberg-Schleusingen. Seitdem hatte diese Herrschaft auch endgültig Sitz und Stimme auf der Fürstenbank des Reichstages. Im Landshuter Erbfolgekrieg (1504-05) stand Wilhelm auf der falschen Seite und geriet dadurch in die Reichsacht. Streit mit Hessen, das die Acht mit Verwüstungen vollstreckte, wurden erst 1521 beigelegt.
Der Bauernaufstand von 1525 brachte Wilhelm in große Gefahr. Hessen und Sachsen mussten ihm mit Truppen helfen.
Wilhelm hatte sich bei den Ernestinern in Sachsen hoch verschuldet. Im Kahlaer Vertrag von 1554 erklärten sich die Ernestiner bereit die Schulden zu übernehmen gegen die Anwartschaft auf Henneberg-Schleusingen für den Fall des Aussterbens des henneberger Hauses. Dieser Fall trat schon 1583 ein, obwohl Wilhelm und seine Frau Anastasia von Brandenburg, Tochter des Kurfürsten Albrecht Achilles, viele Kinder hatten.
Seinen Sohn Georg Ernst verheiratete Wilhelm 1543 mit der protestantisch erzogenen Elisabeth, Tochter Herzogs Erich I. von Braunschweig-Callenberg. Anschließend machte er Georg Ernst zum Mitregenten und ließ ihn die Reformation in Henneberg-Schleusingen einführen.
Die Ägidienkapelle der St.-Johannis-Kirche in Schleusingen wurde 1566 die letzte Ruhestätte der Henneberger Grafen. Unter den Standbildern aus den Jahren 1558-83 befinden sich auch die von Wilhelm V. und seiner Gattin Anastasia.

Henneberg gehörte dem Fränkischen Reichskreis an und prägte vorwiegend in Schleusingen. Die Grafschaft verfügte über keinen eigenen Bergbau und musste das Silber einkaufen. Die Münzung wurde unterbrochen, wenn der Silberpreis zu hoch war oder wenn das hennebergische Pfenniggeld in den umliegenden Herrschaften verboten wurde und daher nichts verdient werden konnte. Die Münzung kann also kaum profitabel gewesen sein.
Hennebergs erste Ausgabe von Talern (Davenport 9250) erfolgte 1538 bis 1546. Sie orientierte sich am sächsischen Münzfuß von 1534. Wie am fehlenden Reichsadler auf der Rückseite ersichtlich, missachtet diese Münzausgabe die Reichsmünzordnung von 1524, was allg. üblich war.


Taler 1546, Schleusingen.     Ø 41 mm.   Heus 98a, Dav.9250.
Vs.:   WILHELMVS·Dei·Gratia·PRINceps·&·COMES·HENnenberg⁑   "... Fürst und Graf ..."
Die Doppelrosette am Ende der Umschrift ist das Zeichen des Münzmeisters Hans Schultheß, 1546-49.
Barhäuptiges Brustbild mit Pelzschaube halblinks.

Rs.:   IN·TE - DomiNE·SPERAVI·NON·CONFVNdar·IN Eternum
"Herr, ich traue auf dich, laß mich nimmermehr zuschanden werden"
Zweifach behelmter viergeteilter Schild, zu den Seiten die Jz. 15 - 46.
Das Stammwappen bestand aus dem Oberteil des Doppeladlers mit zwei (oder drei) geschachten Balken darunter. Vermutlich veranlasst durch den Verlust der Burggrafschaft Würzburg wurde es durch das "redende" Wappen (Henne) ersetzt (erstmals 1232). Seit 1393 führte Graf Heinrich von Henneberg-Schleusingen das gevierte Wappen, bestehend aus dem alten Stammwappen und der Henne.


Dieter Heus beschreibt in seinem Werk das Wappen der hennebergischen Linie Schleusingen (um 1539) wie folgt:
Im 1. und 4. Feld das burggräflich-würzburgische Wappen: auf goldenem Grund der wachsende gekrönte Doppeladler über zwei Reihen fünffach geschacht von Silber und Rot. Im 2. und 3. Feld auf goldenem Grund die schwarze Henne auf einem (meist) grünen Dreiberg.
Über dem 1. Feld als Helmzier eine mit flachem Hut versehene Art Rohrkolbenstengel oder Streitkolben.
Über dem 2. Feld als Helmzier ein mit Spitzhut und Pfauenfedern bekrönten und bezopften Jungfrauenrumpf, der schon im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts von den Linien Schleusingen und Aschach/Römhild in teilweise abgewandelter Form geführt wurde.

Neuerdings wird die Jungfrau im Helmzier auch mit der mysteriösen "Nixe Slusia" aus der im 19. Jh. ziemlich frei erfundenen Gründungssage von Schleusingen verbunden.

Die Linie Schleusingen wurde 1310 in den Fürstenstand erhoben. Wilhelm trägt auf obigem Taler den Titel "Fürst und Graf" zu Recht, begnügte sich aber auf dem nachfolgenden Taler mit dem Titel "Graf".


Taler 1553, Schleusingen.     Ø 41 mm, 28,5 g.   Heus 100b, Dav.9251.
Auf beiden Seiten Schrötligsfehler (kleine Risse).
Vs.:   WILHELMVS·D:G: - Comes:HENNENBERg: HN¬ (Münzmeister Hans Neumann, 1550-69)
Barhäuptiges Brustbild halblinks, davor das quadrierte Wappen von Henneberg-Schleusingen.
Rs.:   ·Dei:Gracia:CAROLus:V:ROmani:IMPEri:Semper:AVGVstus·1553·
"Von Gottes Gnaden Karl V. Kaiser allzeit Mehrer des römischen Reiches"
Doppeladler mit Reichsapfel auf der Brust. Darüber Krone mit drei Bügeln.
Das Wappen ist hier auf die Vorderseite gerückt. Die Rückseite zeigt den Doppeladler
und den Kaisertitel, wie von der Reichsmünzordnung vorgeschrieben.

Vergleiche das Bildnis o.J. in der Sächsischen Landesbibliothek (SLUB) Dresden
sowie das Ölbild im Naturhistorischen Museum Schloß Bertholdsburg Schleusingen.



Taler 1557, Schleusingen.     Ø 41 mm, ca.28,5 g.   Heus 104b, Dav.9252.
Vs.:  *WILHELMVS*D*G* - *Comes*HENNENBERg* HN¬ (Münzmeister Hans Neumann, 1550-69)
Barhäuptiges Brustbild halbrechts, davor das quadrierte Wappen von Henneberg-Schleusingen.

Rs.:   ·D:G:CAROL*V*RO*IMPE*S*AVGVS*1557*   ähnlich wie vor.
Nimbierter Doppeladler mit Reichsapfel auf der Brust. Darin die Wertzahl Z4 (24 Groschen).
Darüber Bügelkrone.
Wilhems Talerprägung von 1553-58 hielt sich an die 2. Reichsmünzordnung von 1551, zumindest mit dem Münzbild und der Umschrift der Rückseite. Sein Sohn und Nachfolger Georg Ernst rückte 1559-69 von der Reichsmünzordnung ab und kehrte zum Münzbild der Taler von 1538-46 zurück, das auf der Rückseite das hennebergische Wappen und nicht den Doppeladler zeigt.

Georg Ernst von Henneberg-Schleusingen, 1559-1583.
Der letzte Graf von Henneberg.
Georg Ernst (*1511) war das achte der 16 Kinder von Graf Wilhelm (†1559). Er folgte seinem Vater 1559, weil sein älterer Bruder Wolfgang bereits 1537 im kaiserlichen Kriegsdienst gefallen war.
Georg Ernst kam 1530 an den Hof des Landgrafen Philipp des Großmütigen von Hessen, der seit 1521 mit Henneberg bezüglich des gemeinsamen Besitzes der Herrschaft Schmalkalden erbverbrüdert war. 1534 beteiligte sich Georg Ernst an Philipps Feldzug, um Ulrich von Württemberg zu restituieren. Danach trat er in kaiserlichen Dienst. Im Kampf gegen die Türken rettete er dem späteren Kürfürsten Moritz von Sachsen das Leben. Als Dank bewirkte Moritz, dass Schmalkalden nach dem verlorenen schmalkaldischen Krieg vor kaiserlicher Strafe verschont blieb.
Nach seiner Rückkehr aus Ungarn heiratete Georg Ernst 1543 die protestantische Elisabeth von Braunschweig-Callenberg auf Wunsch seines Vaters, der ihm dafür die Regierung in der Grafschaft Henneberg-Schleusingen abtrat. Nach dem Aussterben der Linie Henneberg-Römhild (1549) regierte Georg Ernst das gesamte hennebergische Land. Er führte die Reformation ein und gründete das Gymnasium zu Schleusingen.
Mit Georg Ernsts Tod 1583 starb das hennebergische Geschlecht aus. Wie zuvor vertraglich geregelt, übernahm Hessen-Kassel den hennebergischen Teil der Herrschaft Schmalkalden und Sachsen übernahm die Grafschaft Henneberg.


Taler 1561, Schleusingen.     Ø 41 mm, ca.28,5 g.   Heus 109c, Dav.9254.
Vs.:  IORG⁑ERNST⁑Dei⁑Gratia⁑PRINCeps⁑ET⁑COmes⁑HENNenberg HN¬ (Münzmeister Hans Neumann)
Barhäuptiges Brustbild mit Harnisch nach rechts.

Rs.:   IN⁑TE⁑DOmine⁑SPEravi⁑NON⁑CONfundar⁑IN⁑ETERnum - ○61○
"Herr, ich traue auf dich, laß mich nimmermehr zuschanden werden" (Psalm 71,1)
Quadriertes Henneberger Schild mit falsch angeordneten Wappen, darüber zugehörige Helme mit Zier.

Vergleiche das Ölgemälde (nach 1583, 60x55 cm) im Museum Schloss Bertholdsburg in Schleusingen.

Johann III. von Henneberg-Schleusingen, Fürstabt von Fulda 1521/29-41.
Abt wider Willen
Johann (*1503) war der älteste Sohn von Graf Wilhelm († 1559), der das Jugendalter erreichte. Er sollte die geistliche Laufbahn einschlagen und studierte dafür in Mainz und Paris, wo er mit dem Humanismus in Berührung kam. Von Jugend an entwickelte Johann eine zunehmende Abneigung gegen den geistlichen Stand. Als sich Hartmann II. als amtierender Abt von Fulda 1521 zurückzog ohne auf den Titel und die Versorgung zu verzichten, wurde Johann zum regierenden Koadjutor bestellt. Mit der Ernennung war die Verpflichtung verbunden, in den Benediktinerorden einzutreten, was Johann nicht zu tun gedachte.
Johann konnte den Einfluß evangelischer Prediger in Fulda einige Zeit zurückdrängen, doch 1525 brach ein antiklerikaler Aufstand der Bauern und Bürger aus. Klöster wurden verwüstet und Johann musste aus Fulda fliehen. Er kehrte ohne militärischen Beistand zurück, um die Forderungen der Aufständischen entgegenzunehmen und zu verhandeln. Das veranlasste Landgraf Philipp von Hessen militärisch einzugreifen, um Johanns Autorität als Koadjutor wiederherzustellen, wofür Fulda dann erhebliche Entschädigungszahlungen an Hessen leisten musste.
Als 1529 der Abt von Fulda in Mainz starb, sollte sein Koadjutor Johann die Nachfolge antreten. Johann hatte aber noch immer nicht das Ordensgelübde abgelegt! Nun wandte sich Johann mit seinem Gewissensproblem an den Kurfürsten von Sachsen mit der Bitte um Rat. Das veranlasste Luther, einige wohlgemeinte Ratschläge niederzuschreiben. Schliesslich half sich Johann mit einer Entschuldigungsschrift an den Kaiser auf dem Reichstag 1530, in dem er um Aufschub für den Ordenseintritt bat. Dabei berief sich Johann auf den entstandenen Religionsgegensatz, den Bauernaufstand und auf mögliche weitere Übergriffe. Nicht sein Gewissenskonflikt sondern die politische Vernunft würde seine Zurückhaltung beim Ordenseintritt gebieten. Der Kaiser gewährte Johann einen Dispens von zwei Jahren für die Belehnung, aber das Kapitel in Fulda drängte weiter auf den Ordensbeitritt. Während Johann seinen Bruder Poppo zum Abt vorschlug, bereitete das Kapitel die Wahl eines anderen zum Abt vor. Daraufhin trat Johann Anfang 1531 schliesslich doch dem Orden bei. Zwei Jahre später bestätigte ihn Rom als Abt von Fulda. Die treibende Kraft hinter dieser Entwicklung war Johanns Vater, Graf Wilhelm von Henneberg, der auf eine gute Nachbarschaft mit Fulda grossen Wert legte.


Taler 1539.     Ø 40 mm, 29,19 g.   Gehrling-Erdmann 63-14-1; Dav.9195.
Vs.:   +·IOHAN:Dei:Gratia·ABBas:FVLdensis·COmes·&DomiNuS:IN HENnenberg
Brustbild des Abtes nach rechts zwischen Jahrzahl.
Rs.:   ✶FIAT·VOLVNTAS·DOMINI·PERPETVO   "Gottes Wille geschehe in Ewigkeit"
°F° über quadriertem Schild Henneberg-Schleusingen mit aufgelegtem Stiftswappen
von Fulda zwischen * - *

Zum Vergleich ein Kupferstich 188x125 mm 1541 von Hans Brosamer, im Germ. Nationalmuseum Nürnberg.
Siehe auch das farbige Wappen am Rathaus von Hammelburg, Foto von Bernhard Peter.

Berthold XVI. von Henneberg-Römhild, 1535-1549.
Nach Wilbergs Regenten-Tabellen: Berthold XVII.
Die Nebenlinie Henneberg-Aschach entstand bei der Hennebergische Hauptteilung 1274. Nach dem Verkauf von Stammgütern wurde die Residenz 1465 nach Römhild verlegt und diese Nebenlinie nannte sich seither Henneberg-Römhild. Ihr letzter Repräsentant war Graf Berthold XVI. Mit seinem Tod 1549 fiel das hoch verschuldete Henneberg-Römhild an Henneberg-Schleusingen, das wiederum 1583 ausstarb.
Als die Verwandtschaft mit der römischen Familie Colonna fragwürdig "entdeckt" und beurkundet wurde, und auch die päpstliche Anerkennung fand, vermehrte sich das Wappen von Henneberg-Römhild: zur Henne kam die Säule hinzu.


Einseitige Silbergussmedaille o. J. (1518-32)     Ø 54 mm, 59,3 g.   Habich Tf.XXIV-6
BERTOLT GRAF VNND HERR ZU HENNENBERG
G. Habich schreibt die Medaille Hans Schwarz zu.

Aus dieser Familie stammt der bedeutende Reformator Berthold von Henneberg, Erzbischof und Kurfürst von Mainz (1494-1504). Als Reichskanzler hat er 1500 versucht, das Reichsregiment als Mitregierung des Reiches zu etablieren. Sein Grabdenkmahl im Mainzer Dom zeigt eine stehende Bischofsfigur im liturgischen Gewand. [aus: S. Heinz, B. Rothbrust, W. Schmid: Die Grabdenkmäler der Erzbischöfe von Trier, Köln und Mainz. Trier: Kliomedia 2004.]

Lit.:
• Dieter Heus: Münzwesen und Münzen der Grafschaft Henneberg von den Anfängen bis zum Erlöschen
  des gräflichen Hauses 1583
. Leipzig, 1999.
• Claus Gehrling / Rainer Erdmann: Die Fuldaer Münzen vom Spätmittelalter bis zur Barockzeit: 1372-1714,
  Fulda 2001.
• Allgemeine Deutsche Biographie: Wilhelm von Henneberg
• Allgemeine Deutsche Biographie: Georg Ernst von Henneberg
• Neue Deutsche Biographie: Grafen von Henneberg
• Breul, Wolfgang: Abt wider Willen - Johann III. von Henneberg (1503-1541) in der Reichsabtei Fulda.
 
In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 55 (2003), S.227-258.
• Hohberg, Rainer (zur Nixe Slusia): Nixenkrieg und Busenstreit, Thüringer Allgemeine v. 10.9.2009

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