Startseite Karl V. TOUR :   Hzg. Georg der Bärtige

      Zeitgenossen im Heiligen Römischen Reich      


Friedrich III. der Weise,  Herzog von Sachsen und Kurfürst 1486-1525
Friedrich wurde 1463 geboren als erster Sohn des Kurfürsten Ernst von Sachsen, der 1485 Sachsen mit seinem Bruder Herzog Albert geteilt hatte. Friedrich regierte einvernehmlich zusammen mit seinem Bruder Johann, der ihm nach seinem Tod als Kurfürst von Sachsen folgte.
Kurfürst Friedrich III. wurde Generalstatthalter des Reiches, als Ks. Maximilian I. nach Italien zog. Nach Maximilians Tod war er Reichsvikar und Kandidat der päpstlichen Partei für die Kaiserwahl 1519. Er stimmte aber für Karl V. und entwarf dessen "Wahlkapitulation". Friedrich hatte eine humanistische Ausbildung und gründete 1502 die Universität Wittenberg, die zur Wiege der Reformation wurde. Der fromme und tolerante Friedrich, zurecht der Weise genannt, schützte und förderte Luther entscheidend, ohne sich zu seiner Lehre zu bekennen.



Guldengroschen (1. "Klappmützentaler"), o.J.(1500), Annaberg.     Ø 43mm   29g
Schnee 1, Keilitz 4, Dav.9705

Av.:   FRIDERICVS - ¤ALBERTV - S ல IOH - ANNES ல -
"Friedrich Albert Johannes" unterbrochen von den Wappen von Kursachsen (oben),
Hzm. Sachsen, Mgft. Meissen (unten) und Lgft. Thüringen (links)
Brustbild von Friedrich im Kurornat mit Schwert in der rechten Hand

Rev.:   ·MONETA· - ·ARGENTINa(...tea) - DVCVM ல - SAXONIaE¤ -
"Silbergeld des Herzogtums Sachsen" unterbrochen von den Wappen von Sachsen, Meissen, Pfalzsachsen und Thüringen;   Brustbilder der Herzöge Albert und Johann mit Klappmützen, sich anschauend.
Albrecht der Beherzte, der Gründer der Albertinischen Linie, war Friedrichs Onkel.
Johann der Beständige war der jüngere Bruder von Friedrich dem Weisen, sein Mitregent und Nachfolger.
Die Klappmützentaler haben ihren Namen von der Kopfbedeckung der dargestellten Herzöge: die umlaufenden Mützenränder wurden hochgeklappt getragen.
Vorlage für das Bildnis des Kurfürsten ist vermutlich die von Adriano Fiorentino geschaffenen Büste mit Klappmütze [1498, Gelbguss, 62,4 cm, Staatl. Kunstsammlungen Dresden].
Nach Albrechts Tod 1500 erscheint Name und Bildnis seines Sohnes Georg auf den Klappmützentalern.
Die hier gezeigte Münze gehört zu den ältesten deutschen Talern überhaupt. Guldengroschen wurden seit 1500 von den sächsischen Fürsten gemeinsam geprägt. Sie waren die ersten großen Silbermünzen, die in nennenswerter Anzahl ausgegebenen wurden.
Die ursprüngliche Bezeichnung "Ein groschen für einen gulden" oder kurz "Guldengroschen" verweist auf den Silbergehalt der Münze im Wert von einem Goldgulden. Später nannte man diese Großsilbermünze "Taler" - in Anlehnung an die "Joachimsthaler", die ab 1520 mit dem gleichen Silbergehalt aber in viel größerer Stückzahl in St. Joachimsthal geprägt wurden.

Ks. Maximilian und Kurfürst Friedrich der Weise - der eine bekannt als letzter Ritter, der andere ein eifriger Sammler von Reliquien - verhielten sich nicht wie typische Renaissancefürsten. Doch das Porträt, das neue Medium der Renaissance, wussten beide für ihre politischen Zwecke einzusetzen. Friedrich des Weise liess sich z. Bsp. auf Altarbildern und in Drucken (Heiltumsbuch seiner Reliquien) getreu abbilden. Beide Fürsten sorgten auch durch die Verbreitung von Schaumünzen und Medaillen mit ihrem Portät für den eigenen Ruhm. Sie gaben repräsentative Prägungen in Auftrag und kümmerten sich persönlich um deren Ausführung.


Guldengroschen, o.J. (1513), Nürnberg.    Ø 43mm   28,6g   Schnee 39, Keilitz 70.5, Dav.9702
Av.:   FRIDericus DVX SAXoNiae E-LECTor ImPERIi QVE L - OCum TENEnS GENEralis
"Friedrich, Herzog von Sachsen, Kurfürst, Generalstatthalter des Reiches" unterbrochen von den Wappen von Kursachsen, Sachsen, Thüringen und Meissen.   Büste mit Drahthaube und Panzerkragen im Zierkreis.
Rev.:   MAXIMILIANVS·×·ROMANORVM·×·REX·×·AVGVSTVS·×·
Der nimbierte Königsadler mit Brustschild Österreich-Burgund
Die Vorlage zu dieser Schaumünze stammt von Lucas Cranach d. Ä., der 1505 von Friedrich dem Weisen an den kursächsischen Hof berufen worden war.
Wollte man ein Zeichen der Demut setzten, ging man barhäuptig, also ohne Kopfbedeckung. Die Drahthaube bändigte die langen Haare und wurde als gepflegte Variante der Barhäuptigkeit akzeptiert. Zugleich konnte die Drahthaube auch zur Befestigung eines Baretts benutzt werden. Altarbilder und Graphiken Cranachs aus der Zeit um 1513 zeigen den Kürfürsten mit Drahthaube, so z. B. auf dem linken Seitenflügel des Dessauer Fürstenaltars [um 1510, 104x39cm, Öl/Holz]. Auch die mannshohe Alabasterfigur im Chor der Wittenberger Schlosskirche ist in diesem Stil gestaltet.

Obige Münze wird auch Locumtenenstaler genannt, wegen der in der Umschrift hervorgehobenen Generalstatthalterwürde. Sie wurden vom Kurfürsten verschenkt, besonders auf Reichstagen.
Auf dem Reichstag von Konstanz hatte König Maximilian I. 1507 dem sächsischen Kurfürsten das Amt des Generalstatthalters des Reiches ("Imperii locum tenens generalis") übertragen. Nachdem Maximilian I. von seiner 1508 in Trient erfolgten Krönung zum "Erwählten Römischen Kaiser" zurückgekehrt war, erlosch das Statthalteramt Friedrichs des Weisen. Maximilian gestattete ihm aber ehrenhalber, den Titel des Generalstatthalters auf Lebenszeit zu führen.
Maximilian wird auf der Münze noch als römischer König tituliert. Entsprechend erscheint der Adler einköpfig (königlich) und nicht doppelköpfig (kaiserlich).




Guldengroschen, 1522.     Ø 42mm   26,0g   Schnee 43 , Dav.9704
Av.:   FRiDericus·DVX - SAXONiae - Sacri·ROmani:IMPerii - ELECTor -
Rev.:   +VERBVM.DOMINI:MANET:IN:AETERNVM.   "Gottes Wort ist ewig"
Blumenkreuz, in den Winkeln C-C-N-S (Crux Christi Nostra Salus = "Christi Kreuz ist unsere Rettung")
darum herum die Jahreszahl M - D - XX - II mit Ornamenten zwischen den Buchstaben der Jahreszahl.

Dieser nach einem Gemälde von Lucas Cranach gestaltete Schautaler wurde 1917 Vorbild für die 3-Mark-Gedenkmünze zur 400-Jahrfeier der Reformation. Der regierende sächsische König Friedrich August III. konnte als Katholik nicht gut auf einer Münze zum Reformationsjubiläum erscheinen, Luther als Bürgerlicher durfte es nicht. So griff man auf Luthers Beschützer Friedrich den Weisen zurück, eine Verlegensheitslösung, denn Friedrich wurde nie Lutheraner.

3 Mark 1917, Muldenhütten.     Ø 33mm   16,67g   Jäger 141
Av.:   EIN FESTE BVRG IST VNSER GOTT   1517-1917   /   FRIEDRICH - DER WEISE
Aus Silbermangel konnten während des Krieges nur wenige Münzen geprägt werden, außerdem gingen viele in den Kriegswirren verloren. Weniger als die Hälfte der ursprünglich 100 Exemplare sind noch erhalten. Diese Münze ist nicht nur wegen ihrer großen Seltenheit, sondern auch wegen ihrer gelungenen künstlerischen Gestaltung begehrt und um ein Vielfaches teurer als das alte Vorbild.

Lit.:
Berthold Hinz, Die Bildnisse der drei letzten Emestinisch- Sächsischen Kurfürsten - Entdeckung und Gebrauch des öffentlichen Porträts. In: Lesarten der Geschichte - ländliche Ordnungen und Geschlechterverhältnisse. Festschrift für Heide Wunder zum 65. Geburtstag. Kassel, 2004, S.199-220.



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