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Heinrich VIII., König von England 1509-1547
Eduard VI., König von England 1547-1553
Maria Tudor, Königin von England 1553-1558

 

Heinrich VIII. ,   König von England 1509-1547
*1478. Heinrich VIII. folgte seinem Vater Heinrich VII., der den englischen Thron für das Haus Tudor gewonnen hatte.
Heinrich VIII. war prachtliebend, selbstherrlich und grausam. Das Schicksal seiner sechs Ehefrauen ist allgemein bekannt. Der sich über Jahre hinziehende Prozess der Scheidung von seiner ersten Ehefrau Katharina von Aragón, einer Tante von Karl V., führte zur Trennung Englands von der römischen Kirche und zur Einziehung der Klöster durch die Krone.
1521 hatte Heinrich vom Papst den Titel "Fidei Defensor" ("Verteidiger des Glaubens") erhalten für eine gegen Luther gerichtete Schrift. Nach der Scheidung und Exkommunizierung verlieh ihm das englische Parlament 1544 diesen Titel erneut. Der nun erbliche Titel erscheint seit Georg I. (1714-1727) auch im Titel auf Münzumschriften ("... REX F.D.").
Nach dem Tod folgten ihm seine Kinder auf den Thron: Eduard, Maria und schliesslich Elisabeth I. (1558-1608).



Groschen (gros à la tête), o.J. (1513-7), Tournai.     Ø 27mm, 2,80g.   Seaby 2317
Av.:   gekrönter Kopf seines Vorgängers Heinrich VII., Reichsapfel über der Krone
(Mz.)
HENRIC × DEI GRA × REX + FRANC + Z + AGLIE ×
"Heinrich von Gottes Gnaden König von Frankreich und England"
Rev.:   königliches Wappen mit französischen Lilien und englischen Löwen auf ein Kreuz gelegt
(Mz.)
CIVI - TAS ‡ - ‡ TORN - ACENs     "Stadt Tournai"
Als Kg. Ludwig XII. die habsburgischen Niederlande 1513 angriff kam Heinrich VIII. zur Hilfe. Von Calais aus - der letzten englischen Besitzung auf dem Festland - griff er mit 30.000 Soldaten ein und vereinnahmte Tournai, eine französische Enklave im habsburgischen Gebiet. 1517 wurde Tournai wieder französisch, bevor es 1521 für Karls V. Niederlande eingenommen wurde.



Sovereign, 2. Prägeperiode (1526-44), London.     GOLD, Ø 42mm, 15,42g.   Seaby 2267
Av.:   thronender König mit Zepter und Reichsapfel, Mz. Fallgatter unter den Füssen
(Mz. Lilie)
hENRICVS:DEI:GRACIA:REX - ANGLIE:ET:FRANCiae:DomiNuS:HIBernia
Rev.:   königliches Wappen auf einer Rose von Ornamenten umringt
(Mz. Pfeil)
IhESVS:AVTEM:TRANSIENS:PER:MEDIVM:ILLORVM:IBAT
"Jesus aber ging mitten durch sie hinweg" (Lucas 4,30)
Bildnis und Schriftzeichen dieser Goldmünze stehen noch ganz in der Tradition des Hochmittelalters. Diese Münze war 1489 von Heinrich VII. eingeführt worden und entsprach 20 shillings zu 12 pence, d.h. er war also ein Pfund Sterling zu 240 Pfennigen wert.
Die Rose auf der Rückseite erinnert an die Rosen der Häuser von York (weiße Rose) und Lancaster (rote Rose), die den Rosenkrieg (1455-85) austrugen, bevor Heinrich VII. den englischen Thron für das Haus Tudor gewann.



Groschen (Goat) o.J. (3. Prägeperiode), Tower.     Ø 25mm, 2,46g.   Seaby 2369
Av.:   eindrucksvolles Bildnis von vorne, Reichapfel auf der Krone
HENRIC9.8:D.G.REX.ANGLIA Z FRANC
Rev.:   Wappen   POSVI - DEVm·A - DIVTOR - E:MEVm   "Ich habe Gott zu meinem Beistand gemacht"

Eduard VI. ,   König von England 1547-1553
Eduard VI., Sohn Heinrichs VIII. und seiner dritten Ehefrau Jane Seymour, wurde 1537 geboren. Er war der lang ersehnte männliche Nachkomme. Er bestieg den Thron als 10-jähriger, starb aber bereits 1553 an Tuberkulose. Als Anhänger der Reformation stimmte er seinem Regenten zu, dass nicht die streng katholische Halbschwester Maria, sondern eine entfernte Verwandte seine Nachfolge antreten sollte.


shilling, o.J. (1551-53), London.     Münzzeichen Faß.   Ø 33mm, 6,08g.   Seaby 2482
Av.:   gekrönter Kopf von vorne zwischen Rose und 'XII' (Wertangabe 12 pence)
:EDWARD'.VI:Dei'.Gratia'.AnGLiae.FRAnciae:Z(et):HIBerniae'REX: (Mz. Faß)
"Eduard VI von Gottes Gnaden König von England, Frankreich und Irland"

Rev.:   königliches Wappen auf Langkreuz
(Faß) POSVI - DEVm.A - DIVTOR - E' MEV'   "Ich habe Gott zu meinem Beistand gemacht."



1/2 Sovereign o.J. (1549-50), London.   GOLD, Ø 32mm, 5,42g.   Seaby 2438 ; Fb.181
Av.:   gekrönte Büste, Reichsapfel auf der Krone
EDWARD'.VI:Dei':Gratia':AnGLiae.FRAnciae:Z(et):HIBerniae'REX  (Schwan)
"Eduard VI von Gottes Gnaden König von England, Frankreich und Irland"   (Münzzeichen)

Rev.:   gekröntes ovales Wappen, zu den Seiten E - R (Edward - Rex)
SCVTVM¤FIDEI¤PROTEGIT¤EVM   (Schwan)
"Der Schild des Glaubens schützt ihn (den König)"  (Münzzeichen)

Medaille 1547 - Künstler unbekannt, ausgestellt im Münzkabinett München.

Maria Tudor,   Königin von England 1553-1558
Die 1516 geborene Tochter von König Heinrich VIII. und Katharina von Aragon wurde nach des Vaters Scheidung von ihrer Mutter getrennt und von der neuen Königin Anna Boleyn erniedrigt. Nach Annas Hinrichtung erreichte die dritte Ehefrau Heinrichs VIII. eine Versöhnung zwischen Vater und Tochter: die streng katholische Maria mußte die Ehe ihrer Mutter als illegitim bestätigen und ihren Vater als Oberhaupt der Englischen Kirche anerkennen. Als ihr Halbbruder Eduard dem Vater auf den Thron folgte wuchs der Druck der Reformierten auf Maria und die katholische Opposition weiter. Nach Eduards Tod musste Maria zunächst fliehen, konnte aber ihren legitimen Thronanspruch schnell durchsetzen.
Maria war vorübergehend mit ihrem Cousin, Karl V. verlobt, der sich letztlich anders entschied. Spätere Bewerber aus dem katholischen Ausland hatte ihr Vater aus politischem Kalkül abgelehnt. Nachdem die 37-jährig Maria 1553 Königin geworden war, heiratete sie 1554 den 11 Jahre jüngeren Philipp II., der sich auf Anraten seines Vaters Ks. Karl V. beworben hatte. Die Ehe blieb kinderlos, und der in England ungelittene Gemahl zog weiter in die Niederlande. Nun setzte eine militante Verfolgung der Reformierten ein, die Maria den Beinamen "die Blutige" einbrachte, obwohl viel weniger Scheiterhaufen brannten als in den spanischen Niederlanden. Eine spätere Allianz mit Philipp, inzwischen König von Spanien, führte zum Verlust von Calais, der letzten englischen Festlandsbesitzung. Zur Nachfolgerin bestimmte Maria ihre Halbschwester Elisabeth, die ihre Rekatholisierung rückgägig machte, die endgültige Festigung der englischen Nationalkirche erreichte und mit der Abwehr der spanischen Armada Philipps II. den Aufstieg Englands zur weltweiten Seemacht einleitete.


shilling 1554.     Ø 30mm , 5,84g.   Seaby 2500
Av.:   Brustbilder von Philipp II. und Maria einander gegenüber, darüber Krone und Jahreszahl
PHILIPpus·ET·MARIA·Dei·Gratia·Rex·ANGliae·FRanciae·NEAPolis·PRinceps·HISPaniarum
Rev.:   Gekröntes Wappen (halb spanisch, halb englisch), darüber 'X' - 'II' (Wertangabe 12 pence)
POSVIMVS·DEVM·ADIVTOREM·NOSTRVM     "Gott haben wir zu unserem Beistand gemacht"
Zum Vergleich: mezzo ducato, o.J.(1554-6) aus Neapel mit entsprechender Rückseite.
Auf beiden Seiten in Bildmitte ein Zentralpunkt.

Vergleiche das Bildnis von Maria auf obiger Münze und auf nachfolgender Medaille.

Bild aus 'The Currency of Fame'
Goldmedaille von Jacopo da Trezzo, gegossen und ziseliert um 1555.   Ø 69mm , 183,5g.
London, The British Museum

Av.:   Hüftbild, Haube mit Edelsteinen, reich besticktes Kleid, eine Brosche mit Perle als Anhänger,
am unteren Rand die Signatur IAC TREZ des Medailleurs

MARIA · I REGina · ANGLiae · FRANCiae · ET · HIBerniae · FIDEI · DEFENSATRIX
"Maria I, Königin von England, Frankreich und Irland, Verteidigerin des Glaubens"
Rev.:   gekrönte Maria thront als Pax, hält Palm- und Lorbeerzweig und zündet mit einer Fackel die am Boden liegenden Rüstungen an, im Hintergrund Tempel, oben strahlende Sonne, unten Wasser. Hinter ihr regnet es auf eine Gruppe von Bittstellern, die von Regen und Sturm bedrängt werden.
CECIS VISVS TIMIDIS · QVIES     "Sehkraft den Blinden, Gelassenheit den Ängstlichen"
Dies ist die Aufsehen erregendste Medaille von Jacopo da Trezzo (1514-1589). Sie wurde wahrscheinlich von Philipp II. in Auftrag gegeben und sollte ein "Kompliment für Marias Regierungskunst" sein. Das Juwel auf der Brust ist wahrscheinlich ein Geschenk Philipps vom Juni 1554, beschrieben als "Ein prächtiger Diamant mit angehängter grossen Perle, eines der schönsten Schmuckstücke der Welt". Die Rückseite symbolisiert den Frieden in Marias Königreich und die Wohltaten, deren sich die Bürger nach der Versöhnung mit Rom erfreuen. Die Gruppe hinter ihr zeigt die sturmgepeinigten Bürger vor ihrer Machtübernahme.     [aus The Currency of Fame]

Lit.:   S.K. Scher (Ed.), The Currency of Fame, Portrait medals of the Rennaissance, 1994.

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